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Schräg is beautiful


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Gitarre & Bass - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 17.09.2021

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Bildquelle: Gitarre & Bass, Ausgabe 10/2021

Musicvox MI-5 Momo 8

Man kann über diesen Typ Bass kaum schreiben, ohne Hamer zu erwähnen … Alsdann, in aller Kürze: Den ersten Achtsaiter produzierten Hagström in den Sechzigern, analog zur zwölfsaitigen Gitarre. Obwohl er zum Bespiel von Jimi Hendrix eingesetzt wurde, war ihm kein allzu großer Erfolg beschieden. Etwa zehn Jahre später klopfte Tom Petersson mit der Idee bei Hamer an, einen Zwölfsaiter mit doppelten Oktavsaiten zu bauen. Aus Sorge um die Stabilität wurde zuerst ein Zehnsaiter gebaut, mit je einer Oktav für E und A, und doppelten für die anderen beiden. Nach erfolgreichen Einsätzen traute man sich an den Zwölfer – und als Nebenprodukt an moderne Achtsaiter, die seither von einer kleinen Schar Hersteller für eine gar nicht so kleine Schar von Enthusiasten gebaut werden. Musicvox ist seit 1997 im Thema.

MEHR SAITEN ...

Der Korpus mit seiner extravaganten Form ist aus Mahagoni, der ...

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... eingeleimte Hals aus Ahorn mit einem etwas trockenen Palisandergriffbrett. Für Musicvox-Verhältnisse ist die Kopfplatte harmlos, trotzdem ist sie nicht minder beeindruckend. Sie übernimmt eine Rickenbacker-Idee, die dort witzigerweise nur bei den 12-saitigen Gitarren, aber nie bei achtsaitigen Bässen zum Einsatz kam: An der Fensterkopfplatte zeigen die Mechaniken für die Basssaiten zur Seite, die (Gitarren-)Mechaniken für die Oktavsaiten nach hinten. Alle Tuner sind als Klemmmechaniken ausgelegt, was gerade bei der Bassvariante auch nötig ist, weil die Achsen kaum aus der über zwei Zentimeter dicken Kopfplatte rausgucken. Diese ist wie der Korpus dreifach eingefasst, das Griffbrett hat ein einfaches Binding. Der Hinkucker schlechthin an diesem Bass ist die Farbkombination aus Gold und Purpur, mit Pickguard und Stahlstababdeckung in Goldflitter-Lackierung, selbst die Pickups sind passend zur All-Over- Lackierung in Royal Purple gehalten. Die Reaktion auf diesen Bass war zuverlässig immer die gleiche, egal wem ich den gezeigt habe: WOW! Das war auch meine erste Reaktion, was immer ein guter Einstieg in einen Test ist, aber natürlich noch nicht der Abschluss. Und je länger und genauer ich hinschaue … Die Übergänge vom Lack zum Binding sind nicht wirklich sauber. In der Griffbretteinfassung ist auf beiden Seiten eine Kante im Lack, die auf der Bassseite etwa am 15. Bund verschwindet, auf der anderen Seite etwas eher. Auch wenn sie beim Spielen nicht stört, sollte sie nicht da sein, genauso wenig wie das Klebeband am Griffbrettende, was da scheinbar vergessen wurde. Hm. Weiter mit angenehmeren Dingen. In den Saitenhalter werden die Saiten eingefädelt, am Steg kann dann für jede Saite einzeln die Oktave eingestellt werden. Die Saitenhöhe ist nur insgesamt an zwei Schrauben zu verstellen, die Anpassung der Reiter an die Griffbrettwölbung ist aber gut gelungen. Die schon erwähnten Humbucker nehmen den Ton ab, angewählt werden sie per Dreiweg-Schalter. Die weitere Verwaltung obliegt einem Volume-Regler und einer aktiven Klangregelung mit Bässen, Mitten, und Höhen, deren Regler jeweils in neutraler Mittelstellung einrasten. Das zugehörige Batteriefach ist rückseitig leicht von Hand zu öffnen, die Batterie am einfachen Plastikclip schnell getauscht. Wo wir gerade da sind: Hier finden sich das einzige Shaping des Basses, mit dem er entspannter an den Rippen anliegt, und ein sehr elegant abgerundeter Übergang vom Hals in den Korpus, um in hohen Lagen nicht im Weg zu sein.

... MEHR SPASS?

Gerade bei einem Bass, der einem beim Spielen mehr abfordert als ein gewöhnlicher Viersaiter, ist eine gute Bespielbarkeit wichtig. Die ist so frisch aus dem Karton bzw. dem einfachen Gigbag schon okay, aber nicht optimal, also ans Werk! Außen vor bleibt erstmal der Sattel, der kann teilweise noch deutlich tiefer gekerbt werden. Die Saitenlage insgesamt ist mit den beiden Schrauben am Steg einfach justierbar, wobei die Schraube auf der Bassseite sich leicht dreht, die andere ist etwas schwergängiger. Um die Halskrümmung einzustellen, muss ich zunächst die Abdeckung auf der Kopfplatte abschrauben, die nur abgenommen werden kann, wenn Oktavsaiten entspannt werden. An die beiden sehr angenehm laufenden Zwei-Wege-Stahl- stäbe komme ich auch nur ran, wenn ich die mittleren Saiten – Bass wie Oktav – entspanne, was aber auch kaum anders zu lösen ist. Bei den Basssaiten dreht sich allerdings gleich die Mutter mit, auf denen die Saiten trotz Verzichts auf Unterlegscheiben direkt aufliegen. Hm. Mit justierter Krümmung und dem goldbesprühten Abdeckplättchen wieder an Ort und Stelle, demonstriert mir die D-Oktav, was ich an Klemmmechaniken nicht mag: Sie reißt nämlich. Schneller Saitenwechsel, ca. eine Drehung bis zur korrekten Stimmung, und stabiles Halten derselben sind unbestreitbare Vorteile, für häufiges Entspannen und wieder hochstimmen taugen sie weniger. Gut, dass ich eine passende Saite zur Hand habe, denn eine Gitarrensaite ist deutlich zu kurz … Zu guter Letzt noch die Oktave einstellen. Der eigene Reiter je Saite ist super, ebenso, dass die Feingewindeschrauben die Reiter souverän bewegen. Weniger super ist, dass am Ende alle Saitenreiter praktisch am Ende des Spielraums angekommen sind und bei beiden E-Saiten noch weiter nach hinten müssten, um es perfekt zu machen. Der ganze Steg hätte einen halben Zentimeter weiter zur Saitenhalterung versetzt werden dürfen.

Genug gekrittelt, der Bass will gespielt werden! Am Gurt hängt er wie erwartet: Im Club der Kopflastigen meldet der Musicvox Ansprüche auf den Vorsitz an. Ein Achtsaiter nötigt einem immer eine Eingewöhnung ab, der MI-5 Momo 8 umso mehr, hat das Griffbrett doch satte 53 mm am Sattel und der Hals eine gar nicht so flache D-Form. Da hat man schon ordentlich was in der Hand. Die Basssaiten haben dabei normale Abstände mit 19 mm, die Oktavsaiten liegen vergleichsweise weit von ihnen weg. Das ermöglicht aber auch interessante Spielweisen, wenn ich zum Beispiel nur die A-Oktav mit dem Daumen als Drone oder Pedalton zupfe, und auf D und G mit den Fingern spiele. Umgekehrt geht auch ein Dämpfen der Oktavsaite mit dem Daumen, um nur die Basssaite zu zupfen. Dafür ist etwas Filigranarbeit nötig, es lohnt sich aber und macht Spaß! Wie schon beim Urvater der Achtsaiter, dem Hagström H8, liegen die Oktavsaiten oben, die Basssaiten unten. Mit den Fingern gezupft oder mit dem Plektrum von unten angeschlagen, bekommt der Ton schon das typische Flirren mit auf den Weg, mit Downstrokes geht es richtig zur Sache. Mit etwas Übung slappt es sich auf dem Bass sogar gut und mit krassem Sound, wie es auch der Namensgeber in seinen Videos beeindruckend vorführt. Anders als die Homepage angibt, sind die Humbucker passiv und funktionieren auch ohne Batterie im Bass, wenn das Volume-Poti gezogen ist. Aber so richtig geht die Sonne auf, wenn man ihn aktiv betreibt. Der Lautstärkesprung kann bei Bedarf per Trimpoti im E-Fach ausgeglichen werden, wo sich etwas mehr Kabelmaterial tummelt als nötig wäre. Der jetzt zugeschaltete 3-Band-EQ macht seine Sache aber hervorragend. Fingerspitzengefühl ist beim Bassregler angesagt, der ordentliche Reserven hat, der Mittenregler gibt noch mehr Substanz, und der Höhenregler kann sowohl das typische Achtsaiter-Zirpen noch verstärken, oder es eben in Absenkungen entschärfen.

Übersicht

Da geteilte Freude doppelte Freude ist, hat der Momo 8 gleich zwei Ausgänge. Ich habe erst nach einem Rickenbacker-ähnlichen Split gesucht, sie geben aber einfach beide das gleiche Signal raus. Trotzdem cool für Breitwand-Sounds in Cinemascope, wenn man zwei Amps mit etwas Abstand dazwischen anfährt, oder noch besser beide Seiten mit unterschiedlichen Effekten bearbeitet.

RESÜMEE

Krasser Bass!!! Der Musicvox MI-5 Momo 8 ist alles andere als unauffällig – klanglich wie optisch! Uneingeschränkte Begeisterung kommt aber leider nicht auf … Die Schwachpunkte in der Lackierung haben auf das Spiel-und Sounderlebnis keinen Einfluss, sollten aber in dieser Preisklasse einfach nicht vorkommen. Schwerer wiegt der nicht gut gekerbte Sattel, die schwergängige Einstellung der Brücke, und die Oktavjustierung, die bei den E-Saiten schlicht nicht perfekt hinzubekommen ist. Man sollte den Bass wohl als Charakterdarsteller ansehen, awesome, crazy, und quirky. Dem bin ich durchaus nicht abgeneigt, aber der Preis … Zu guter Letzt: Mein linker Unterarm ist seit dem Test doppelt so dick wie der rechte, jemand Ideen, wie man sich das wieder abtrainieren kann? ●

+ Plus

● Sounds

● Zwei Outputs

● Optik

● Idee & Design

- Minus

● Mängel bei der Lackierung

● Kopflastigkeit

● Mechaniken drehen sich los

● Oktavjustierung

● Sattelkerben teils zu hoch