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Schrecklich schöne Lieblings-Outfits


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 07.08.2019

Jeden Morgen das gleiche Theater: „Neiiiin, ich will das nicht anziehen!“ Unsere Autorin hat den Kampf der Modegeschmäcker aufgegeben: Ihre Tochter stellt sich die täglichen Outfits selbst zusammen. Mit einem Ergebnis, das für die Mutter nicht immer leicht zu ertragen ist


Artikelbild für den Artikel "Schrecklich schöne Lieblings-Outfits" aus der Ausgabe 9/2019 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 9/2019

… das findet Mina gut …

… das findet Mama gut …

Wie alt ist er denn?“, fragt die ältere Dame neben mir im Fahrstuhl und lächelt mich begeistert an. Sie ist die vierte Person an diesem Tag, die meine pausbäckige, kurzhaarige Tochter für einen Jungen hält. „Zweieinhalb“, sage ich und lächle zurück. Ich habe keine Lust, das Missverständnis ...

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... aufzuklären. „So süß!“, entzückt sie sich und setzt im Gehen noch ein „So ein süßer Bub!“ obendrauf.

Das Mädchen in Jungsklamotten

Ich nehme es ihr nicht übel, dass sie meine Tochter für einen Jungen hält. Ich nehme es niemandem übel. Denn wenn ich ehrlich bin: Sie haben keine Chance. Meine Tochter trägt gerade ihr Lieblingsoutfit: ein graues Oberteil mit „Ninjago“-Aufdruck, dazu eine blaue Stoffhose mit Baggern, Kipplastern und Betonmischern darauf. Ihre Füße stecken in blau-weiß gestreiften Gummistiefeln. Die pinke Kappe mit „Eiskönigin“-Print hat sie gerade nicht auf – die wäre noch ein Anhaltspunkt gewesen. In ihrer Hand hält Mina stolz den Stock, den sie auf dem Weg gefunden hat. Im Aufzug benutzt sie ihn immer wieder als ein Schwert und murmelt dabei Dinge wie „Is bin ein Ninjaaa!“ oder „Is kämpfeee jetz!“ in ihren grünen Schnuller. Nein, sehr viel Damenhaftes offenbart meine Tochter nicht in diesem Moment.


„Du könntest so hübsch aussehen …“


Ich war modische Meisterin der süßesten Klamotten

Bei der ersten Schwangerschaft war es mir völlig egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Meine Freundinnen wollten das nicht glauben. „Du kannst ruhig ehrlich sein“, hieß es, und: „Willst du nicht lieber Haare flechten und süße Kleider kaufen?“ Klar wollte ich. Aber als es ein Junge wurde, habe ich diese Modewelt genauso gern erobert: Ich liebte es, für Tom zu shoppen, ihn an- und auszuziehen und immer neue Outfits zusammenzustellen. Mittlerweile ist er fünf und sucht sich seine Kleidung selbst aus („Das ist nicht cool, Mama!“). Doch die ersten viereinhalb Jahre seines Lebens war ich die Hüterin seines Kleiderschrankes und modische Meisterin der süßesten Klamotten-Kombinationen. Dann kam Mina.

Tom war zweieinhalb Jahre alt, und natürlich zog ich meiner Tochter die ersten Monate Toms alte Kleidung an – es wäre ja albern gewesen, alles neu zu kaufen, nur weil das Kind ein anderes Geschlecht hat. Ich schob mein Baby also im blauen Strampler und süßen Hosen umher statt in rosa Kleidchen mit Schleifchen. Die Frage „Wie alt ist er denn?“ habe ich schon damals ständig gehört. Mit dem Unterschied, dass ich mir noch die Mühe gemacht habe, aufzuklären, dass meine Tochter lediglich die Kleidung ihres Bruders aufträgt.

Das pragmatische Klamotten-Auftragen war ich selbst bald leid. Wie gern hätte ich meine Tochter in einem hübschen Kleidchen oder in einer Kombination aus Rock und Bluse gesehen. Doch diese Kategorie Kleidung bekam nie eine Chance bei ihr. Im Gegensatz zu ihrem großen Bruder hatte Mina nämlich schon sehr früh eine ganz eigene Meinung in Sachen Mode. Sie ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Und die Entscheidungsgewalt über ihr tägliches Outfit habe ich vor fast einem Jahr verloren.

„Is will das nis anziehn!“

Dabei habe ich es probiert. Wirklich. Meine Tochter liebt Enten – also habe ich Kleider mit Entchendruck besorgt. Kein Tüll mit Schleife, sondern einfach schicke blaue Kleider mit süßen Enten darauf. „Das nis anziehn!“, hörte ich jedoch am Morgen, und meine Tochter hielt stolz das heiß geliebte Ninja-Shirt oder ein anderes Teil ihres großen Bruders in der Hand: „Das anziehn!“

Das klingt jetzt so ruhig und harmlos. Das war es natürlich nicht. Unsere täglichen Diskussionen ums Outfit wurden lauter und heftiger, meine Tochter weinte und schrie und strampelte. Noch bevor die Kita und der eigentliche Tag losgingen, waren wir beide fix und fertig. Also habe ich irgendwann resigniert. Und Mina darf schon seit geraumer Zeit jeden Morgen selbst die Sachen aus dem Kleiderschrank aussuchen, die sie gern anziehen möchte.

Dass sie dabei am liebsten nach den Ninja- und Dino-Sachen ihres großen Bruders greift, finde ich sogar niedlich. Nur leider hat meine Tochter eben einen zielsicheren Griff, genau die unpassendsten Teile zu einer Bad-Taste-Kombination zusammenzustellen: Egal ob sich ein Junge oder ein Mädchen darin verbirgt, es sieht einfach furchtbar aus.

Das würde Mama gern einmal an Mina sehen: Süßes Kurzarm-Kleid von VOLLTREFFER.

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Das hübsche blaue Kleid von PETIT BATEAU hat Mama im Sale erstanden. Mina ist das egal.

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Die silbernen Lederballerinas LACE von EN FANT waren ein Geburtstagsgeschenk.

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Findet Mama Silke sehr viel schöner als blaue Gummistiefel: die Lauflernschuhe SHIMMER DOTS von PRIMIGI.

Händlersuche über primigi.de, ca. 38 Euro

Dieses Kleid mit gold-glitzernden Streifen von PETIT BATEAU gefällt Mama Silke besonders gut.

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Diese Outfits von PLUI PLUI hängen ungetragen in Minas Schrank. Der blaue Rock aus glänzender Popeline-Baumwolle ist das absolute Lieblingsteil von Mama Silke.

Alles über pluiplui.com, ab 29,90 Euro

„Es ist ein Mädchen“

In so einem furchtbaren Outfit sind wir heute also unterwegs. In den Fahrstuhl kommen eine Mutter und ihre etwa vierjährige Tochter. Die Tochter trägt einen schicken blauen Rock, eine rosafarbene Bluse und dazu hübsche silberne Ballerinas. Sie schleckt vorsichtig an einem Eis. Die Mutter wischt ihr einen kleinen Klecks Eis aus dem Mundwinkel: „Pass auf, du kleckerst“, ermahnt sie. Ich blicke auf Mina. Ihr Mund ist verschmiert von dem „Mini Milk“, das sie vorhin hatte. Auf dem Ninja-Shirt kleben Reste davon und daneben etwas von der Tomatensuppe, die es heute in der Kita gab.

Jetzt lässt Mina ihr Stockschwert sinken, starrt das Mädchen an und fordert mit bittendem Blick: „Mama, is will auch ein Eis!“ „Morgen vielleicht wieder“, erkläre ich. Zu meiner Erleichterung gibt Mina sich damit zufrieden und spielt weiter Ninja. Die andere Mutter mustert meine Tochter von Kopf bis Fuß. „Wie alt ist er denn?“, fragt sie freundlich. Ich schaue mein Stockschwert fuchtelndes, vollgekleckertes, glückliches Kind an. „Zweieinhalb“, antworte ich. Und füge stolz hinzu: „Und es ist ein Mädchen.“


FOTOS: TAUSENDKIND.DE, GETTY IMAGES