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Schreckliche Gewissheit


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Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 7/2021 vom 24.06.2021

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Diese Diskussionsrunde (Marco Wanderwitz, zweiter von links) fragt sich: Steht das Wahlverhalten in irgendeiner Weise in Verbindung mit der An- und Abwesenheit sogenannter Frauen?

Betagte Leser aus dem vorigen Jahrhundert werden sich noch an die Wandererwitze erinnern, mit denen dieses Blatt damals vollgestopft war. Die gingen so: Eine Frau will sich in der HO ein Paar Handschuhe kaufen. »Gefüttert?«, fragt die Verkäuferin.

Da kommt ein Wanderer des Weges und sagt zu der Frau: »Nehmen Sie unbedingt gefütterte, Sie ahnen ja gar nicht, was die Dinger fressen!«

Die Eltern des heutigen Ostbeauftragten der Bundesregierung waren damals (und sind es bis heute) so begeisterte Wanderwitz-Sammler, dass sie sich bei ihrer Eheschließung den gemeinsamen Namen »Wanderwitz« gaben. Und den ...

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... trägt der Marco bis heute.

Falko K., Jahrgang 1968, hat sich immer für einen stinknormalen Menschen gehalten. Ja, er war (und ist) zeitweilig dem Köstritzer Bier etwas zu sehr zugeneigt gewesen, was in gewisser Relation zum Verlust der Fahrerlaubnis steht, den er vor fünf Jahren erlitt, was wiederum dazu geführt hat, dass er seine geliebte Harley nicht mehr besteigen durfte (aber den Gabelstaplerschein behielt er, Gott sei Dank) und er dem lokalen Rockerclub, den Bomberos, fernbleiben musste, was sich natürlich rumsprach in Ronneburg, ja bis nach Gera rein, infolgedessen er noch etwas an Bauchumfang zulegte (Dr. Heilmann sprach von »Schamfett«) und ihn Isolde mit den Zwillingen verließ, noch bevor sie Jugendweihe gehabt hatten, und im Westen eine »neue Liebe« mit einem Fondsmager fand, was ihm, Falko K., doch »mental«, wie Dr. Heilmann sagt, recht zugesetzt hat, so dass er zwischenzeitlich (und immer noch) Aufstocker beim Job-Center war bzw. ist und bei verschiedenen Demos gegen die Tötung von Neugeborenen durch die Weltverschwörung ein bisschen die Sau rausgelassen hat.

So weit also alles prima. Falko K. konnte mit seinem Leben zufrieden sein, er war ja wer.

Aber manchmal hatte er so ein unbestimmtes (Dr. Heilmann: »diffuses«) Ziehen in der Brust, das sich bei starker Bewölkung bis in den linken Hoden zog. In solchen Augenblicken ahnte er schon, dass da etwas in seinem Leben gewesen sein muss, was nicht ganz stimmte, etwas Rätselhaftes, Grausames, sorgsam Verborgenes, und Dr. Heilmann sagte auch: »Falko, irgendwas stimmt mit dir nicht.« Aber jetzt wird klar: Er ist in und seit frühester Kindheit sozialisiert worden! Brutal und lückenlos! Und er ist mit diesem schrecklichen Schicksal nicht allein.

Das ging beim frühkindlichen Scheißen los und hörte beim Verbot, Hakenkreuze in die Schulbank zu ritzen, noch lange nicht auf. Man hat diese Kinder einfach nicht in Ruhe Mensch werden lassen, sondern mit Liedern wie »Weil wir jung sind, ist die Welt so schön« beschallt. Man hat ihnen das Messer brutal in die rechte und die Gabel in die linke Hand gedrückt und »Mund auf!« befohlen. Wer beim Abschlussfest im Kindergarten die Eskaladierwand mit Sturmgepäck auf dem Rücken noch immer nicht überwinden und beim Schuheanziehen noch immer keine Schleife binden konnte, war praktisch Außenseiter. Und zwar bis zum Schluss: Solche Kinder durften kein Abitur machen und sich später nicht dem Widerstand gegen das Regime anschließen, sondern mussten im Extremfall sogar SED-Mitglied werden. Falko K. wurde in den paramilitärischen »Anglerverband« gezwungen, obwohl er nur Schweine isst. Heute will er an dieses »finstere Loch« in seinem Leben nicht mehr rühren. Aber Dr. Heilmann bringt es auf den Punkt: Die »Liebe« des Staates zu den Kindern – das war nichts anderes als brutale Penetration von Wehrlosen, wie man sie höchstens heute in einigen süddeutschen Kirchenbezirken kennt.

Da kommt besagter Wanderwitz des Weges und sagt: »Diese Diktatursozialisierten sind nicht rückholbar in eine Welt, wie sie sich Helmut Kohl, Wolfgang Thierse und Günter Schabowski erträumten.« Marcos Papa und Mama können ihrer Wanderwitz-Sammlung nun einen hinzufügen!

MATHIAS WEDEL