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Schritt für Schritt zum besse ren Schritt


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 21.10.2022
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Taktrein, fleißig und raumgreifend bei weicher Anlehnung ? das sind Kriterien für einen guten Schritt.

Der Schritt ist eine schwunglose Gangart – also ohne Schwebephase – im Viertakt mit acht Phasen. Das haben die meisten sicher im Reitabzeichen (auswendig) gelernt. Auch Lehrsätze wie „gleichseitig aber nicht gleichzeitig“ hat man schon gehört, genauso wie die Forderung an den Schritt raumgreifend und fleißig zu sein. So weit so gut. Aber was heißt das eigentlich? Und lassen sich Schritt-Probleme überhaupt lösen? Es heißt immer, aus einem schlechten könne man keinen guten Schritt machen. Die schlechte Nachricht: Eine Verbesserung ist tatsächlich schwierig. Die gute Nachricht: Sie ist – wenn auch in Grenzen –möglich.

Die erste Stufe dafür ist das bewusste Schrittreiten. Immer und in jedem Moment. Das gilt für das Vorbereiten der Lösungsphase genauso wie für die Arbeitsphase und das Ende der Reitstunde. Es sollte für jeden Reiter selbstverständlich sein, sein Pferd vor dem ersten Antraben mindestens ...

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... zehn Minuten mit hingegebenem Zügel im zwanglosen Schritt vorzubereiten. Diese Zeit gibt dem Pferd die Möglichkeit, sich mental auf die Umgebung und die Reitstunde einzustimmen, (fast) ohne Einflussnahme durch den Reiter. Erst danach werden die Zügel aufgenommen und die Lösungsphase kann beginnen. Trab-Schritt-Übergänge sind ein wichtiges Instrument, Losgelassenheit und Anlehnung zu fördern. Dabei soll der Übergang in den Schritt fließend sein. Kein Stocken, kein Schleichen, kein Zackeln. Im rhythmischen Ablauf „Trab-Trab-Trab-Schritt-Schritt-Schritt“. Das Go, das Vorwärts in Richtung Reiterhand, bleibt zu jedem Zeitpunkt erhalten. Also niemals „Trab-Trab-Stocken-Pause-Schritt-Schritt“. Klingt ganz einfach, und doch können sich bereits hier erste Fehler einstellen: Beim Zügel-Aufnehmen zackelt das Pferd an, es hebt sich heraus, die Übergänge sind stockend oder zögerlich, der Schritt selbst ist vielleicht taktgestört, ohne Fleiß, kurz und nicht wirklich raumgreifend usw. Hier ein paar Lösungsvorschläge für typische Probleme.

TIPP 1 Anzackeln/Stocken beim Zügelaufnehmen

OFT SIEHT MANReiter, die den hingegebenen Zügel gedankenlos verkürzen und nicht bemerken, dass ihr Pferd weniger raumgreifend wird. Sie traben an, ohne vorher auf einen korrekten Schritt zu achten. Oder sie „fummeln“ ihr Pferd an den Zügel, bevor sie lostraben und verschlechtern dadurch den Schrittablauf. Beides ist falsch. Das Pferd sollte bereits beim Zügel-Aufnehmen, bei dem ein Hauch mehr Druck aufs Gebiss entsteht, mit einer leichten Wölbung des Halses und einer minimalen Ja-Bewegung des Genicks reagieren. Deshalb sollte der Schritt beim Zügel- Verkürzen weder langsamer noch eiliger werden – also so viel Treiben wie nötig, so wenig wie möglich. Am besten ist es, den fleißigen Schritt-Rhythmus seines Pferdes am hingegebenen Zügel zu erspüren und zu merken und beim Aufnehmen immer (!) darauf zu achten, dass sich nichts daran ändert und falls doch, sofort Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

TIPP 2 Zackeln

VOR ALLEM HOCHim Blut stehende, aber auch besonders ehrgeizige Pferde neigen im Schritt schon mal zum Zackeln. Manchmal aus mangelnder Losgelassenheit, manchmal weil sie dem kommenden Antraben oder Angaloppieren zuvorkommen wollen. Hier ist es wichtig und manchmal auch kniffelig, ihnen das Warten auf die Reiterhilfen beizubringen. Viele Reiter machen beim ersten Zackeln den Fehler, die Zügel nachzugeben und das Treiben einzustellen – in der Hoffnung, das Zackeln so beenden zu können. Damit erreichen sie auf Dauer allerdings genau das Gegenteil. Warum? Das Aussetzen einer Druckerhöhung – hier des anstehenden Zügels und des treibenden Schenkels – signalisiert dem Pferd beim Erlernen von Reiterhilfen eigentlich: richtig gemacht! Es verstärkt das Verhalten des Pferdes. Korrekt wäre es also, im Moment des Zackelns in aller Ruhe weiter in die Hand hineinzutreiben und erst dann Zügel- und Schenkeleinwirkung zu reduzieren, wenn das Pferd wieder schreitet. Vor allem bei Pferden, die übereifrig sind und nicht warten wollen, weil sie das Gefühl haben zu wissen, was als Nächstes kommt (typisch beim Üben von Galopp-Schritt-Galopp-Übergängen), kann es außerdem helfen, ‚überraschende‘ Lektionen wie Schenkelweichen, Schulterherein, ganze Parade oder Kurzkehrt einzubauen. Beim Kurzkehrt aber nicht erst versuchen, das Zackeln abzustellen und dann erst die Wendung zu reiten, sondern schon während des Zackelns das Kurzkehrt fordern. Die wenigsten Pferde werden dann eine Piaff-Pirouette anbieten, sondern lieber in einen korrekten Schritt wechseln.

TIPP 3 Fleiß

EIN FLEISSIGERBewegungsablauf ist das, was man als Reiter möchte. Fleiß hat dabei nur bedingt mit Tempo zu tun, denn Fleiß gibt es sowohl in verstärkten als auch in verkürzten Tempi. Fleiß ist mehr die Art und Weise, wie das Pferd seine Hufe druck- und kraftvoll vom Boden anhebt, seine Bewegungen also vom Boden weg statt in den Boden hineinführen. Fehlt der Fleiß, lassen viele Pferde ihre gesamte Oberlinie samt Oberhals etwas absacken. Sie schleichen mehr, als dass sie marschieren, was auf Dauer auch den Pferderücken negativ beeinflusst. Fleiß im Mittel- und starken Schritt kann man als Reiter ganz gut an der Nickbewegung des Pferdehalses erkennen.

Die entsteht nämlich, wenn ein Pferd nicht nur frisch und möglichst raumgreifend vorwärts geht, sondern auch seine Schulterpartie aktiv anhebt und senkt. Der daran hängende Hals hebt und senkt sich dabei leicht gewölbt auf- und ab, die Nickbewegung entsteht, der Reiter muss diese durch leichtes Mitgehen der Hände und Arme zulassen. Vorsicht: Geht die Nickbewegung rhythmisch nach oben statt nach unten, sollte der Reiter sie nicht unterstützen, sondern sein Pferd wieder an die Hand herantreiben, bis es seinen Hals wieder fallen lässt und Richtung vorwärts-abwärts nickt. Andernfalls würde es zu einem Absacken von Schulter und Rücken kommen. Hier hilft das Reiten von Wendungen wie Volten und Zirkel verkleinern/ vergrößern. Im versammelten Schritt, in dem der Raumgriff ja verkürzt wird, fehlt die Nickbewegung. Hier passiert es häufig, dass die Pferde nur langsam statt versammelt gehen. Kleiner Tipp: Sich vorher den Rhythmus des Mittelschritts einprägen und diesen im versammelten Schritt auch einfordern. Der Rhythmus einer Gangart verändert sich nämlich nicht, egal ob versammelt oder verstärkt. Nur der Raumgriff der Bewegung variiert, von lang und flacher bei Verstärkungen zu kurz und höher bei der Versammlung.

TIPP 4 Gestörter Takt

DIE HÄUFIGSTETaktstörung ist (neben dem Zackeln) die Taktverschiebung in Richtung Pass. Das reicht von ‚passartig‘ bis zum reinen Pass, also dem gleichzeitigen Abfußen und Aufsetzen der gleichseitigen Beinpaare. Die Ursachen sind vielfältig und können in Reiterfehlern, mangelndem Fleiß, festgehaltenem Rücken oder schlecht sitzenden Sätteln liegen. Also als erstes den Sattel überprüfen lassen! Wenn hier alles o.k. ist, geht der nächste Blick auf den Reiter. Hält er sich am Zügel fest? Sind die Zügel für das Schrittmaß zu kurz? Ist der Reitersitz steif und festgehalten? Klemmt der Reiter mit den Beinen? Treibt er falsch? Hier ist der Ausbilder mit Sitz- und Einwirkungskorrekturen gefragt.

Der nächste Blick geht aufs Pferd. Gerade Pferde mit einem großen Schritt bei eher langsamem, fleißlosen Bewegungsablauf neigen schon mal zu Taktverschiebungen. In diesem Fall reicht es manchmal, vom Pferd mehr Fleiß im Schritt zu verlangen. Also mehr energisches Marschieren als gemütlicher Schaufensterbummel. Ein kurzer Schenkelimpuls gefolgt von klarem, diagonalen Treiben ist hier wichtig.

Der Reiter wirkt korrekt ein, das Pferd schreitet fleißig, aber leider immer noch taktgestört? Dann können spezielle Lektionen helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Allen voran Volten und Schenkelweichen. Beide Lektionen wirken taktsichernd. Bei vielen Pferden verschwindet so nach und nach die Neigung zur Taktverschiebung. Bei einigen wenigen ist diese Neigung allerdings angeboren, sodass hier eine Taktsicherheit Richtung klaren Viertakt schwerer zu erreichen ist.

TIPP 5 Raumgriff/ Übertritt

DER RAUMGRIFFeines Pferdes ist größtenteils angeboren, da er letztlich vom Exterieur abhängt. Je steiler eine Pferdeschulter, desto knapper der Raumgriff. Allerdings sind Raumgriff und Übertritt auch von anderen Faktoren abhängig, und die lassen sich glücklicherweise verbessern. Ein zu kurzes Zügelmaß für den geforderten Schritt kann Raumgriff und Übertritt verhindern wie auch mangelnde Losgelassenheit. Das erste Problem ist leicht zu lösen: Zügel länger lassen und dem Pferdehals den notwendigen Raum geben. Bei ganz jungen Pferden reitet man deshalb den Schritt oft auch mit hingegebenem Zügel. Das Problem der mangelnden Losgelassenheit ist schwieriger, löst sich manchmal aber auch ganz von selbst. Gerade junge Pferde sind in der Ruhe verlangenden Gangart Schritt oft noch zu angespannt, um ihr ganzes Schrittpotenzial zeigen zu können. Besonders bei jungen Hengsten sieht man oft einen Schrittablauf wie bei einem Halbstarken – wiegend und kraftstrotzend statt souverän und entspannt. Darunter leiden dann auch Raumgriff und Übertritt. Im Laufe der Zeit bei Erreichen der allgemeinen Losgelassenheit verbessert sich aber meist auch der Schritt wieder. Mangelt es dagegen an Raumgriff und Übertritt, weil das Pferd seinen Rücken nicht wirklich einsetzt, vielleicht ein wenig zögerlich oder wenig ehrgeizig ist, kann das Reiten über Schritt-Stangen helfen. Aus dem vorher vielleicht eher knappen Schritt wird dann zwar kein 9er-Schritt, aber ein paar Zentimeterchen lassen sich so herauskitzeln. Dabei lernt das Pferd dann auch, seinen gesamten Körper mehr zu nutzen.

Schritt-Tempi

Mittelschritt, starker Schritt, versammelter Schritt – drei Tempi mit unterschiedlichen Schrittlängen. Bei jungen Pferden oder noch unerfahrenen Reitern wird im Allgemeinen nur der Mittelschritt verlangt, also der, der dem Pferd letztlich am leichtesten fällt und noch keine spezielle Ausbildung erfordert. Quasi das Arbeitstempo des Schritts. Erst bei fortgeschrittener Ausbildung kommen der starke und dann auch der versammelte Schritt hinzu. Der Grund liegt einfach darin, dass das Pferd unter dem Reiter bereits in gutem Gleichgewicht und in korrekter Anlehnung an den Hilfen stehen muss, bevor unterschiedliche Tempi verlangt werden. Das ist in Trab und Galopp ja nicht anders. Sind die Voraussetzungen erfüllt, sollte der Reiter die Tempounterschiede immer mal wieder abfragen. Am besten sich einen Bahnpunkt aussuchen und genau dort ins verstärkte oder versammelte Tempo wechseln. Je punktgenauer das neue Tempo beginnt, desto eher fühlt man als Reiter, ob das Pferd alle reiterlichen Einwirkungen durchlässt. Beim Übergang in den versammelten Schritt darf es kein Stocken und kein „Langsam“ geben. Also wieder Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus! Nur dann ist gewährleistet, dass sich die Hinterhand senkt und die Vorhand Richtung Aufrichtung hebt.

Beim Übergang aus dem Mittelschritt in den starken Schritt sollte eine vermehrte Dehnung nach vorwärts an die Reiterhand zu sehen sein bei verstärktem Übertritt und Raumgriff. Vor allem Pferde mit einem eher normalen bis begrenzten Schritt sind hier natürlich im Nachteil. Kleiner Trick: Kurz vor Beginn des starken Schritts im

Mittelschritt minimal parieren und den Schritt verkürzen – und dann wieder energisch nach vorn reiten. Am Ende der Verstärkung das Pferd sichtbar parieren – und danach wieder seinen „ganz normalen“ Schritt präsentieren. So lässt sich der optische Eindruck eines Tempounterschiedes herstellen, auch wenn der streng genommen gar nicht wirklich da war. Der ein oder andere Richter/ Zuschauer kann da schon mal drauf hereinfallen…