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SCHROTPATRONEN FÜR DIE FEDERWILDJAGD: Welche am wirken besten?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 17.10.2019

Nicht nur über die Größe des Wildes, auch über die Jagdmethoden definiert sich, welche Schrote bei welcher Wildart zum Einsatz kommen. Alexander Busch zeigt, wann welche Patrone das Optimum darstellt.


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Foto: Alexander Busch

Es ist unerlässlich, die Munition-Flinten-Kombination zu testen. Diese Krähen-Anschusscheibe finden Sie zum Download aufhubertus-fieldsports.de/wissen/anschussscheibe-schrot.


Je größer der Korndurchmesser, desto weniger Schrote befinden sich in der Patrone bei gleicher Vorlage und desto schlechter ist die Deckung. Hier anschaulich v. l. n. r.: 3 mm, 3,5 mm, 4 mm, 6,2-mm-Posten ...

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Zwei Aspekte sind für die sichere Tötungswirkung beim Schrotschuss entscheidend: Zum einen eine ausreichende Deckung, zum anderen eine ausreichende Energie des einzelnen Schrotkorns im Ziel, um das beschossene Stück Wild sicher zu penetrieren.

Die Energie (E) hängt von der Masse (m) des einzelnen Schrotkorns und dessen Geschwindigkeit (v) beim Auftreffen ab. Die Masse selbst hängt wiederum von der Größe, also dem Durchmesser des Schrotkorns ab. Die Energie lässt sich mit der Formel E = 1/2 * m * v2 berechnen.

Die Deckung, also Schrote pro Flächeneinheit, ist an eine Reihe Faktoren und auch den jagdlichen Verwendungszweck gebunden. So spielt bspw. die Entfernung zum Ziel eine große Rolle, aber auch dessen Größe ist entscheidend. Mag die Deckung einer Patrone auf 15 m für ein kleines Stück Wild, etwa eine Taube, noch akzeptabel sein, so ist sie es auf 30 m nicht mehr. Für den vielfach größeren Fuchs ist sie auf diese Entfernung aber noch absolut akzeptabel.

Zudem spielt das Vorlagengewicht eine Rolle. Je höher die Vorlage, desto mehr Schrote sind in der Patrone enthalten und verteilen sich auf der Fläche. Unmittelbar damit hängt auch die Größe des Schrotkorns zusammen. Bei gleicher Vorlage enthält eine Patrone umso mehr Schrote, je kleiner sie sind.

Auch der gewählten Würgebohrung kommt Bedeutung zu: Je enger der Choke, desto enger die Garbe und damit auch die Deckung. Das Zwischenmittel hat ebenfalls Ein fluss: Streukreuze sorgen, je nach Lauf und Würgebohrung, für eine mehr oder weniger starke Verwirbelung der Garbe und somit für eine geringere Deckung. Streupatronen sind für Schüsse auf kurze Distanz gemacht. In aller Regel sorgen Filz-Zwischenmittel für eine sich eher früher öffnende Garbe im Vergleich zu Schrotbechern. Das ist aber nicht immer so und zudem von eher untergeordneter Bedeutung.

Es gibt noch weitere Einflussfaktoren, die aber für die Praxis eine geringe Rolle spielen und außer Acht gelassen werden können.

Um die optimale Deckung für die jeweilige Jagdart zu finden, müssen diese fünf wichtigen Parameter berücksichtigt werden.


Fotos: Alexander Busch

Wenn man nun die Bedeutung der Deckung kennt, könnte man durchaus auf die Idee kommen, möglichst feine Schrote zu verwenden, da damit ja die beste Deckung gewährleistet ist. Aber der physikalische Aspekt, dass Schrote mit geringerer Masse gegenüber welchen mit größerer Masse schneller an Geschwindigkeit verlieren, macht hier einen Strich durch die Rechnung.

Generell ist es wichtig, Patronen vorab auf Papier zu testen. Dazu wird eine Anschussscheibe beschossen, um die Deckung sowie vor allem deren Gleichmäßigkeit zu überprüfen. Nicht jede Patrone harmoniert mit jeder Flinte, und auch das Zusammenspiel von Patrone, Lauf/Choke ist mitunter sehr unterschiedlich.

Es gilt also bei der Jagd, abhängig von all diesen Faktoren, die möglichst passende Munition auszuwählen. Die gute Nachricht vorweg: Das ist keineswegs so kompliziert, wie man nun vermuten könnte. Wer sich aber einige Gedanken zur Schrotwahl macht, wird deutlich erfolgreicher und somit tierschutzgerechter jagen!

Die Trefferfläche einer Krähe wird oft überschätzt. 3-mm-Schrote sollten aufgrund der abnehmenden Deckung nicht überschritten werden.


Je nach Jahreszeit und Jagdart ändern sich die Schussdistanzen bei der Flugwildjagd. So sind sie bei der Lockjagd im Winter i. d. R. weiter als im Sommer.


Ringeltauben

Bei der Taube handelt es sich um einen relativ kleinen Vogel. Insoweit sind hier eher feine Schrote gefragt. Bei der sommerlichen Jagd zur Schadenabwehr im Lagergetreide oder auf Gemüsefeldern greife ich zu Schrotpatronen mit einer Schrotgröße von 2,5 mm und einer Vorlage von 30, maximal 32 g. Das schont die Schulter enorm, ein Vorteil insbesondere, wenn große Strecken erzielt werden.

Wird im Winter auf über Pappeln streichende Tauben auf dem Strich oder auch an den Schlafbäumen auf einfallende gejagt, kommen wegen der zu erwartenden höheren durchschnittlichen Schussentfernung auch Patronen mit Nr. 6 (2,75 mm) zum Einsatz. Gröbere Schrote empfehlen sich aufgrund der geringeren Deckung nicht.

Krähen

Die perfekte Schrotgröße für die Krähenjagd ist die Nr. 6 (2,75 mm). Mit einer 32-g-Schrotvorlage ist das meine Grundausstattung bei der Krähenjagd. Sie schießt sich wesentlich angenehmer als eine 36-g-Patrone, hat aber dennoch ausreichend Deckung für die kleinen schwarzen Gesellen. Im Sommer darf es durchaus auch eine Nummer kleiner sein (Nr. 7 bzw. 2,5 mm), da die durchschnittlichen Schussentfernungen dann in aller Regel geringer sind. Das liegt an der Unerfahrenheit der Jungkrähen zum Aufgang der Saison, aber auch an der Vertrautheit der adulten, die mehrere Monate Schonzeit hatten. Aus meiner Sicht ist die Obergrenze dessen, was bei der Deckung Sinn ergibt, 3 mm. Was die Vorlage betrifft, sind es 36 g. Semimagnum-Schrotpatronen mit 40 g oder sogar Magnum-Patronen mit 56 g ergeben bei der Krähenjagd überhaupt keinen Sinn.

Fasan

Auch wenn sich die Jagdmethoden deutlich von denen bei der Krähe unterscheiden, gilt doch bezüglich der Schrotgröße das Identische für den Fasan. Grundsätzlich geeignet sind die Schrotgrößen Nr. 7, 6 und 5. Wobei Nr. 6 das Optimum in den meisten Situationen darstellt.

Ente

Bei der Wasserwildjagd muss differenziert werden, da in bestimmten Bundesländern Bleischrote auf Wasserwild nicht zugelassen sind. In anderen gilt wiederum die Regelung, dass Bleischrote – unabhängig von der Wildart – an oder über Gewässern verboten sind. In anderen Bundesländern gibt es hingegen keine Einschränkungen hinsichtlich der Schrotwahl. Insoweit werden hier sowohl Blei als auch Nicht-Bleischrote beleuchtet.

Für Stockenten auf dem Entenstrich stellt bei Bleischroten die Schrotgröße 2,7 mm (Nr. 6) in Kombination mit einer mittleren Vorlage, bspw. 32 bis 34 g eine sehr gute Wahl dar. Die Schussentfernungen sind häufig eher gering, weshalb auch Streupatronen, gerade bei eng gebohrten Flinten, infrage kommen. Als durchaus brauchbar haben sich auch feinere Bleischrote, Nr. 7 (2,5 mm) erwiesen, insbesondere bei leichten Ladungen (24 Gramm) bspw. im Kaliber 20. Es sollte aber klar sein, dass diese keine ausgesprochenen Weitschusspatronen darstellen.

Werden Weicheisenschrote verwendet, sollte man aufgrund des geringeren physikalischen Gewichts (Weicheisen 7,8 g/cm3 im Vergleich zu Blei 11 g/ cm3) die Schrote ein bis zwei Nummern gröber wählen. Die beste Alternative zu Blei stellen Wolfram- bzw. Tungsten-Legierungen dar, da sie über ein ähnlich hohes spezifisches Gewicht verfügen und man die äquivalente Schrotgröße bei gleichen ballistischen Eigenschaften sowie Entfernungen verwenden kann.

Für hohe Wintergänse darfs auch mal gröber ausfallen, sonst ist man 2,75 mm von Krähe über Ente bis zu Gans gut gerüstet.


Bei getriebenen Enten oder welchen, die zum Ende der Jagdsaison am Fließgewässer angegangen werden, ist in der Regel eine größere durchschnittliche Schussentfernung zu erwarten. Gröbere Schrote als 3 mm (Blei) sind aber in keinem Fall zu empfehlen und sollten die Obergrenze darstellen. Wer zu solchen Schroten greift, sollte ruhig eine schwere Vorlage (36 g) wegen der besseren Deckung auf die flinken Flieger wählen.

Gänse

Bei der Gänsejagd hängt die Schrotwahl von der Jagdmethode und den damit einhergehenden Schussentfernungen ab. Aber auch die zu bejagende Gänseart spielt eine Rolle. So geht allein von der Größe des Wildkörpers ein beträchtlicher Unterschied bspw. zwischen einer Nilgans und einer Kanadagans aus.

Bei der Jagd mit dem Lockbild auf Getreidestoppeln im Sommer ist die Schrotgröße Nr. 6 durchaus eine adäquate Wahl bei der Jagd auf Nil- und Graugans, wenngleich sie für die Graugans die untere Grenze darstellt. Aus meiner Sicht sind bei der Graugans 3-mm-Schrote (Nr. 5) optimal. Die Vorlage darf bei der Gänsejagd ruhig 36 g betragen.

Im Winter, wenn die Schussentfernungen im Schnitt eher in Richtung Maximaldistanz gehen, ergibt es, gerade bei den großen Gänsen, wie Grauund Kanadagans, durchaus Sinn, Schrotpatronen mit einer Größe von 3,2 mm (Nr. 4) zu wählen. Dann sollte es in jedem Fall – der besseren Deckung wegen – eine Vorlage mit 36 g sein.

Müssen bleifreie Schrote verwendet werden, sollte man bei Gänsen zu Wismuth- bzw. Tungsten-Legierungen greifen. Sollten einem diese Alternativen zu teuer sein, kommen bei Weicheisenschroten Magnumpatronen durchaus infrage. Sie haben deutlich mehr Leistung, was aber einen höheren Rückstoß bedeutet und leider unsauberes Schießen fördert. Auch ein oder zwei Nummern gröbere Schrote zu verwenden, ist im Fall von Weicheisen sinnvoll – ein Weicheisenbeschuss der Flinte ist natürlich generelle Voraussetzung dafür.

Es ist keineswegs so, dass man sich für jede Wildart die eine spezielle Patrone zulegen muss, schließlich ist allein das Ausprobieren auf Anschussscheiben, um eine möglichst gleichmäßige Deckung aus der eigenen Flinte zu gewährleisten, ein gewisser Aufwand. Je nach Wildartenspektrum ist es sinnvoll, sich ein bis drei passende Schrotpatronen herauszusuchen, die die entsprechenden Größen- bzw. Vorlagenbereiche abdecken. Eine der universellsten Schrotgrößen stellt dabei unzweifelhaft die Nr. 6 (2,75 mm) dar. Das ist auch die von mir am häufigsten verschossene Größe. Als Ergänzungen werden, je nach Wildarten und Jagdmethoden, den meisten Jägern ein, zwei weitere Schrotgrößen bzw. Vorlagengenwichte genügen.


Fotos: Alexander Busch

Fotos: Alexander Busch