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Schüsse zer störten den Traum vom friedlichen Olympia


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Funk Uhr - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 19.08.2022

Zeitgeschichte TV-SPEZIAL

Ort: München vor 50 Jahren Datum: Diens tag, 5. September 1972 Uhrzeit : 4.10 Uhr

Artikelbild für den Artikel "Schüsse zer störten den Traum vom friedlichen Olympia" aus der Ausgabe 34/2022 von Funk Uhr. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
ERÖFFNUNG Günter Zahn entzündete am 26. August 1972 die olympische Flamme

Die Olympischen Spiele in München 1972 sollen bunt und fröhlich sein. Deutschland will sich der Welt freundlich präsentieren und ein Fest des Friedens feiern. Daher trägt die Polizei statt Uniformen Anzüge – und keine Waffen. Auf Sicherheitskontrollen und Überwachung wird verzichtet. Doch das Gute-Laune-Konzept endet in einer Katastrophe. Am 5. September wird das israelische Olympia-Team von der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September“ überfallen. Das Geiseldrama kostet elf Mitglieder des Sportler-Teams und einen deutschen Polizisten das Leben. 50 Jahre danach eröffnet die DOta ARD-Doku dipieniene

„Tod und Spiele – München’72“ sinctur (5.9., as etDAS repel ium quam ERSTE, 20.15 Uhr) neue Perspektiven que endaerro ma auf das Attentat. Welche ...

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„Tod und Spiele – München’72“ sinctur (5.9., as etDAS repel ium quam ERSTE, 20.15 Uhr) neue Perspektiven que endaerro ma auf das Attentat. Welche unglaublichen si aut eatiumet Fehler und Versäumnisse zur Tragödie führten, zeigt auch die Chronologie dieser dramatischen Stunden, in denen Schüsse den Traum vom friedlichen Olympia zerstörten.

5. September · 4.10 Uhr Unbehelligt klettern acht Männer der Terrorgruppe über den zwei Meter hohen Zaun des Olympischen Hätte Männerdorfes.

4.35 Uhr Die Palästinenser dringen in das Haus Conollystraße 31 ein und nehmen

4.52 Uhr Bei einem Fluchtversuch wird der Ringertrainer Moshe Weinberg († 32) von den Terroristen erschossen. Der Gewichtheber Josef Romano († 32) wird schwer verletzt. Seine Kameraden müssen zusehen, wie er qualvoll stirbt.

4.55 Uhr. Die Geiselnehmer verlangen bis 9 Uhr die Freilassung von 234 inhaftierter Palästinensern sowie der deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof und für sich selbst die Ausreise mit einem Passagierflugzeug. Andernfalls drohe den gefangenen Israelis der Tod.

5.21 Uhr Das Olympische Komitee wird alarmiert. Die Terroristen legen den toten Moshe Weinberg vor den Hauseingang.

8.30 Uhr Walther Tröger († 91), Bürgermeister des Olympischen Dorfes, Willi Daume († 82), Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Polizeipräsident Manfred Schreiber († 89) und der bayerische Innenminister Dr. Bruno Merk († 90) verhandeln mit den Geiselnehmern. Das Ultimatum wird bis 12 Uhr verlängert.

11.45 Uhr Premierministerin Golda Meir (†80) erklärt, dass Israel nicht auf die Forderung der Terroristen eingehen wird.

15.38 Uhr Erst jetzt unterbricht Avery Brundage († 87), damals Präsident des IOC, die Wettkämpfe der Olympischen Spiele.

16.30 Uhr Die Aktion „Sonnenstrahl“ beginnt. Polizisten klettern auf das Dach des Gebäudes, bereiten die Stürmung der Wohnung vor. Doch die Aktion muss wegen Pannen abgebrochen werden (siehe rechts).

17.00 Uhr Die Attentäter fordern für sich und die Geiseln ein Flugzeug nach Kairo.

20.30 Uhr Die Unterhändler einigen sich mit den Terroristen darauf, sie mit den Geiseln mit Hubschraubern zum Militärflughafen Fürstenfeldbruck zu bringen und von da aus nach Kairo auszufliegen.

22.06 Uhr Die Terroristen steigen mit neun Geiseln in einen Bus und fahren zu den bereitgestellten Hubschraubern. Um 22.22 Uhr heben diese ab.

22.33 Uhr In der für die Terroristen bereitstehenden Boeing 727 sollen Polizisten– als Besatzungsmitglieder getarnt – die Attentäter im Flugzeug überwältigen. Doch die Beamten lehnen den Einsatz wegen des unkalkulierbaren Risikos ab.

22.38 Uhr Zwei der Palästinenser inspizieren nach der Landung der beiden Hubschrauber die Boeing. Als sie die Maschine wieder verlassen, eröffnen die Polizisten das Feuergefecht.

Gegen 23.00 Uhr Rund um den Flughafen verbreitet sich das Gerücht, die Geiseln seien befreit worden.

6. September · 0.00 Uhr Erst jetzt treffen gepanzerte Fahrzeuge der Polizei auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck ein.

0.10 Uhr Einer der Terroristen wirft eine Handgranate in einen der Helikopter und erschießt die anderen drei Israelis mit einem Maschinengewehr.

1.32 Uhr Der letzte Schuss fällt. Fünf Terroristen, alle neun Geiseln und Polizist Anton Fliegerbauer († 32) sind tot.

2.40 Uhr Das Ausmaß der missglückten Rettungsaktion wird verkündet.

10.00 Uhr Im Münchner Olympiastadion beginnt die Trauerfeier. Avery Brundage verkündet: „The games must go on!“ („Die Spiele müssen weitergehen!“)

Jede Minute des Dramas wurde von TV-Kameras in die ganze Welt gesendet. Und doch gibt es 50 Jahre danach noch unbequeme Fragen, die Raum für Spekulationen lassen und bis heute nie ganz geklärt wurden.

Hätte das Attentat verhindert werden können?

„Zur Wahrheit von 1972 gehört, dass man auf die Möglichkeit eines Attentats nicht vorbereitet war“, erklärte Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier (66) 2017 bei der Einweihung des Erinnerungsorts für das Attentat. Tatsächlich gingen in den fünf Wochen vor Beginn der Spiele 17 Hinweise auf palästinensische Terrorplanungen beim Bundesamt für Verfassungsschutz ein. Diesen Hinweisen ging man nie nach. Trotz der beängstigenden Warnungen wurde auch das Sicherheitskonzept nicht geändert.

Warum gingen die Spiele danach weiter?

Der IOC-Präsiden Avery Brundage erklärte: „Es ist schon so viel gemordet worden. Wir wollten den Terroristen nicht erlauben, auch noch die Spiele zu ermorden.“

Warum griff Israel nicht ein?

In Israel wurde gegen 17 Uhr die Antiterror-Einheit „Sajeret Matkal“ in Alarmbereitschaft versetzt. Doch Verteidigungsminister Mosche Dajan (†66) war gegen den Ein satz: „Die deutsche Armee braucht uns nicht. Sie verfügt über eine auf solche Einsätze trainierte Sondereinheit.“ Tatsächlich wurde erst nach dem Massaker am 26. September 1972 die Gründung einer Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) beschlossen.

Warum wurde die Befreiungsaktion abgebrochen?

Wegen einer peinlichen Panne! Die Verantwortlichen hatten versäumt, den Strom abzustellen. So konnten die Geiselnehmer live im Fernsehen verfolgen, wie Scharfschützen rund um das israelische Quartier in Stellung gebracht wurden.

Der getötete Polizist von Fürstenfeldbruck

Keine Waffen, keine Ausbildung, keine Hilfe

Heute ist klar, dass die Sicherheitslage falsch eingeschätzt wurde. Die Polizisten waren für eine Geiselbefreiung nicht ausgebildet und schlecht ausgerüstet. Keiner der jungen, traumatisierten Beamten bekam später Hilfe.

Wurden Details vertuscht?

Die Behörden versuchten, ihre Fehler zu vertuschen und taten alles, um eine mögliche Diskussion darüber im Keim zu ersticken. Schon am 7. September ging laut „Spiegel“ vom Auswärtigen Amt eine Weisung an Politik und Polizei: „Gegenseitige Beschuldigungen müssen vermieden werden.“ Auch Selbstkritik war nicht erwünscht.

Wurden bei den Ermittlungen Spuren übersehen?

Zumindest ignorierten Ermittler damals Spuren, die zum Drahtzieher des Anschlags, Abu Daoud, führten. Er hatte im Vorfeld das olympische Dorf ausspioniert und telefonischen Kontakt zu den Terroristen. Doch diese Infos wurden wohl nicht an allen Stellen zusammengeführt. Daoud konnte entkommen. Mehr zu ihm auf Seite 18.

Bewegende neue Doku im ERSTEN

Diese Aufnahmen wühlen auf! Es gibt keine Reue…

Zum ersten Mal sprechen zwei der Attentäter

Die schrecklichen Bilder haben sich ins Gedächtnis eingebrannt – niemand, der sie vor 50 Jahren gesehen hat, kann sie vergessen. Jetzt schildert die ARD-Doku „Tod und Spiele – München ’72“ mit bisher unbekannten Archivaufnahmen die Ereignisse des 5. September. Dabei kommen erstmals auch die beiden noch lebenden palästinensischen Geiselnehmer zu Wort. Emotionslos schildert Mohammed Safady (69) alias Tarzan vor der Kamera, wie die Gruppe damals ins Olympische Dorf eindrang: „Ich bin stolz auf das, was ich getan habe. Und ich würde es wieder tun.“ Worte, die weh tun – und wütend machen. Denn auch der zweite Attentäter zeigt keine Reue, spricht stolz von den Tätern, die den Märtyrertod für Palästina starben. Auch wenn die Aussagen verstören, spiegelt die außergewöhnliche Doku, deren Macher in 15 Ländern auf Spurensuche gingen, auf fesselnde Art das Zeitgeschehen in Deutschland, Israel und Palästina wieder. Als Zuschauer erkennt man so Zusammenhänge, kann Reaktionen und Verhalten der Verantwortlichen einordnen und die Trauer der Hinterbliebenen nachvollziehen.

Versteckte die DDR den Drahtzieher der Geiselnahme?

Er hatte gute Kontakte zur Stasi, wohnte eine Zeit lang in Ost-Berlin

Der Drahtzieher des Anschlags Abu Daoud († 72) hatte schon 1999 in seiner Autobiografie mit seiner Tat geprahlt. Reue zeigte er nie. Akribisch schilderte er, wie er als Diplomat getarnt nach München reiste, Waffen in Schließfächern am Münchner Hauptbahnhof deponierte und die Attentäter zum Zaun des Olympischen Dorfes brachte. Obwohl der Terrorist weltweit gesucht wurde, konnte er nie verhaftet werden. Heute gilt es als bewiesen, dass Abu Daoud gute Kontakte zur Stasi hatte und zeitweise in Ost-Berlin wohnte. Bis Mitte 1988 sei Abu Daoud, so die „taz“, immer wieder VIP-Gast im Ost- Berliner „Palast- Hotel“ gewesen. Westliche Fahnder müssen das gewusst haben. Aber warum griffen sie nicht bei Daouds zahlreichen Auslandsreisen zu?

„Wir wissen, dass sie vor uns bis heute Dokumente verstecken“

Ankie Spitzer (76) verlor beim Attentat ihren Mann

„Alles war voller Blut. In den Wänden klafften Einschusslöcher“, bis heute kann Ankie Spitzer die Bilder im olympischen Dorf nicht vergessen. Die Witwe des ermordeten Fechttrainers André Spitzer († 27) stand am 6. September in dem Zimmer, in dem die Geiseln festgehalten wurden (Foto links). „Dort habe ich mir geschworen, dass ich nie wieder aufhören werde, über diese schrecklichen Taten zu reden.“ Auch um Antworten zu haben, wenn ihre Tochter Anouk (50) nach ihrem Vater fragt. „Wir wissen, dass es noch viel mehr Dokumente gibt, die bis heute vor uns versteckt werden“, behauptet sie. Stimmt das? Tatsächlich hatte sie 1992 durch eine anonyme Quelle erfahren, dass die Geiseln von den Palästinensern auch gefoltert wurden. Die Angehörigen der Opfer wollen endlich die ganze Wahrheit hören. Nicht zuletzt, um Ruhe zu finden.

Mediatheken-Tipp

Tod und Spiele – München ’72 Doku ab 26. August abrufbar in der ARD Mediathek