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SCHULE: SPRACHEN LERNEN OHNE NOTEN


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.08.2018

Entweder richtig oder gar nicht: So wie jetzt kann es mit dem Fremdsprachenunterricht in der Grundschule nicht weitergehen. Dabei gibt eserprobte Alternativen


Im Sommer 2003 startete Baden-Württemberg als erstes deutsches Bundesland mit dem Fremdsprachenunterricht in der Grundschule. Zwei Jahre später zogen die anderen Länder nach. Fast überall wird mit Englisch begonnen. Nur im Saarland sowie in jenen Regionen von Rheinland-Pfalz und dem „Musterländle“, die an Frankreich grenzen, ist Französisch erste Fremdsprache. Nach 15 Jahren jedoch rudert Baden-Württemberg nun zurück: Ab Sommer 2018 startet der ...

Artikelbild für den Artikel "SCHULE: SPRACHEN LERNEN OHNE NOTEN" aus der Ausgabe 9/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 9/2018

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... Fremdsprachenunterricht erst im 3. Schuljahr.

Doch ein Problem gibt es, das sich wohl nicht so leicht wird lösen lassen: die Benotung ab dem dritten Schuljahr. Wo Noten vergeben werden, entsteht viel Angst. Die spontane Kommunikation nach der Immersionsmethode wird gebremst, teilweise sogar blockiert, wenn Noten ins Spiel kommen.

Das Goethe-Institut empfiehlt deswegen, den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule nur mit einer verbalen Beschreibung des Lernverhaltens des einzelnen Kindes zu beurteilen. Schließlich sei „Heterogenität im fremdsprachlichen Klassenzimmer die Regel“, heißt es auf der entsprechenden Website des Instituts. Die Arten und Weisen, eine fremde Sprache zu erobern, seien so unterschiedlich, dass die übliche vergleichende Art der Leistungsbeurteilung gar nicht greifen könne. Doch die Praxis ist leider fast überall betonhart – die Bildungspolitik hält unbeirrt an der Notengebung ab Klasse 3 fest.

Ein Fach in einer Fremdsprache

Eigentlich ist eine sinnvolle Praxis klar: Fremdsprachenunterricht sollte in der Grundschule möglichst früh mit täglich 20 Minuten beginnen sowie ein Schulfach anbieten, in dem die Lehrerin ausschließlich Englisch bzw. Französisch spricht. Statt der traditionellen Benotung wären Lernentwicklungsberichte sinnvoll. Ganz besonders wirksam wäre ein Sprachlernbeginn bereits im Kindergarten, denn das „Lernfenster“ für Sprachen reicht von etwa vier bis zum Alter von acht Jahren. Doch dafür flächendeckend Erzieherinnen und Erzieher zu qualifizieren, dürfte nicht finanzierbar sein und fiele ohnehin nicht in die Zuständigkeit der Kultusministerien. Bislang ist ja noch nicht einmal die Qualifizierung von Englischlehrern für die Grundschule flächendeckend abgeschlossen.

So bleibt wohl die Kritik der Gymnasiallehrer bestehen, dass sie ohnehin in Klasse 5 von vorne anfangen müssten. Ihre Meinung wird von der spanischen Expertin Prof. Carmen Munoz gestützt. Sie meint, dass Achtjährige nur in einer natürlichen Sprachumgebung besser lernen würden als ältere Schüler, aber nicht in stundenweise erteiltem Unterricht.

Also: Wollen wir einen Fremdsprachenunterricht in der Grundschule, der sinnvolle Effekte zeitigt, braucht es erhöhten Aufwand. Will der Staat ihn nicht betreiben, können wir gut auf den Grundschul-Fremdsprachenunterricht verzichten.

Detlef Träbert
ist Diplom-Pädagoge, freier Schulberater und Autor mehrerer Elternratgeber


FOTO:S: MAURITIUS IMAGES/JOHN BIRDSALL/ALAMY; PRIVAT