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Schutz vor Biberzähnen


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.08.2021

— Hart —

Artikelbild für den Artikel "Schutz vor Biberzähnen" aus der Ausgabe 4/2021 von TASPO BAUMZEITUNG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO BAUMZEITUNG, Ausgabe 4/2021

Der Biber genießt nach wie vor einen Platz auf der Roten Liste, obwohl er ein halbes Jahrhundert nach seiner Wiedereinbürgerung in ganz Europa weit verbreitet ist. Jede berechtigte Anerkennung sei dem Biber vergönnt, wenn nur die Bäume im Vergleich etwas aufholen könnten.

So werden beispielsweise Pappeln und Weiden als typische gewässerbegleitende Gehölze als Weichholz oder auch Schwachholz gering geschätzt. Dabei sind sie unter den Laubbäumen die Kraftprotze bei der Sauerstoffproduktion (Quelle: Plantvital/ Inno-concept GmbH). Vor allem die schnellwüchsigen Hybridpappeln aus der Nachkriegszeit (Kreuzung Populus nigra x Populus canadensis), einst nur für die schnelle Holz -gewinnung gepflanzt und vielerorts fast schon als Unkraut verachtet, erbringen heute dank großer Lauboberflächen enorme Leistungen. Diese Bäume hätten also in unseren Tagen dringend eine Aufwertung und Schutz als ...

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... Klimakraftwerk verdient.

Biberschaden – Bibernutzen: Beispiel Pfaffenhofen

Nicht zu verwechseln mit Ilm und Ilmenau in Thüringen fließt das bayerische Flüsschen Ilm mitten durch das landwirtschaftlich intensiv genutzte Hopfenland Hallertau. Der umgebende Landkreis Pfaffen - hofen liegt südlich von Ingolstadt. Die Stadt an der Donau ist ein wichtiger Ort: Keine 20 Kilometer entfernt wurden 1966 die ersten Biber in Deutschland wieder - eingebürgert. Von hier aus eroberten sie 300 Flusskilometer im Landkreis Pfaffenhofen. Von den 22.000 bayerischen Bibern lebten gemäß Kartierung 2015 etwa 500 Exemplare hier, verteilt auf 140 Reviere. Seit 55 Jahren wird die Region vom Nager geprägt.

Die Untere Naturschutzbehörde ist stolz auf ihre von fünf ehrenamtlichen Biber - beratern flankierten Vermittlungserfolge. Und sie trägt aktiv zur Milderung von Schäden bei. Laut Jahrbuch gab sie im Jahr 2020 insgesamt 2.360 Euro für Baumschutzmaterialien aus. Etwa die gleiche Summe, nämlich 2.320 Euro an Ausgleichszahlungen, flossen aus dem 450.000 Euro schweren bayerischen Biberschadensfonds (staatlicher Schadensausgleich) an Landwirte. So wenig? Auf Nachfrage hieß es: „Es gibt Schwankungen. Außerdem hat der Fonds diverse Voraussetzungen, angefangen von der Mitwirkung durch Prävention über Einhaltung der einwöchigen Meldefrist bis hin zur genauen Dokumentation des Schadens in Bild und Schrift. Bei kleinen Schäden erfolgt oft keine Meldung mehr.“ Bei den Kommunen laufen jährlich andere Summen auf: Vierstellig im Regelfall, fünfstellig bei der Reparatur von Deichen und Straßen. Auf diesen Kosten bleiben die Städte und Gemeinden sitzen, genauso wie biber - geschädigte Privatleute.

DIE AUTORIN

Annette Hartmann ist FLL-zertifizierte Baumkontrolleurin und setzt sich auch ehrenamtlich stark für Bäume ein. Kontakt: E-Mail: ah@baumstark.eu.

Im kleinen Ort Rohrbach ebenso wie in den Städten Vohburg und Geisenfeld erfasst das Bauamt die Ausgaben aufgrund des Bibers seit Jahren nicht mehr separat, weil der Personalaufwand hierfür zu groß wäre. Genauso handhabt es auch das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt, was die Donaustadt sowie die beiden Landkreise Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen betreut. Dort schätzt man jährlich 100.000 Euro Kosten für die Befestigung von Wegen, die Entfernung von Biberdämmen sowie den Einbau von Schutzgittern in Deiche. Großer weißer Fleck aller Finanzbetrachtungen: Nirgendwo werden die Renaturierungsleistungen des Bibers beziffert und gegengerechnet.

Große Uferbäume gewünscht

Werner Eidelsburger, Abteilungsleiter für den Landkreis Pfaffenhofen, hat beim Biber die Sicherheit im Blick: „Wir müssen den Spagat schaffen zwischen Hochwasserschutz und naturnaher Entwicklung.“ Dies zeige sich zum Beispiel an der Frage, in welchen Fällen Totholz liegen bleiben kann, was der Biber produziert hat: „Wenn es Einzelbäume sind in freier Landschaft, lassen wir sie liegen und fixieren sie bei Bedarf, damit sie nicht abgeschwemmt werden. Aber ein Totholzmikado kann Brückenöffnungen verlegen und muss entfernt werden“. Kom mt eigentlich der im Rahmen der Verkehrs- Biber durch die Fällung großer Uferbäume nicht den Interessen des Wasserwirtschaftsamtes entgegen, weil dann für diese riskanteren Kandidaten weniger Druck sicherungspflicht entsteht? „Nein“, wehrt der Bauingenieur entschieden ab. „Das Wasserwirtschaftsamt hätte gern mehr große Uferbäume. Die Gewässer brauchen erstens den Laub - eintrag für die Nahrungskette. Zweitens ist die Beschattung wichtig für die Wasser - qualität, sonst heizt sich der Fluss zu sehr auf.“ Trotzdem wird bestehender Bewuchs von amtlicher Seite kaum mit Biberzäunen geschützt, dies überlasse man Fischervereinen und BürgerInnen.

Biberzäune schützen Bäume

Eine gute Möglichkeit, um Bäume vor Biberschäden zu schützen, ist die Montage von Biberzäunen. Dabei werden vor Ort zunächst die schützenswerten Bäume ausgewählt. Priorität haben zum einen Harthölzer, weil sie langsamer wachsen und am Wasser seltener vertreten sind als Auwaldvertreter. Speziell Eichen sind wertvoll für die Biodiversität und ent - gegen früherer Annahmen werden auch sie vom Biber geschädigt. Zum anderen sollte auf das Baumalter geachtet werden.

Da Biber (bei genügend Auswahl) junge Bäume bevorzugen, ist es wichtig, gesunde Jungbäume von jeder Art zu schützen als sogenannte Zukunftsbäume.

Allgemein gilt: Ist der Baum vorgeschädigt, wirkt er krank oder hat der Biber bereits mehr als etwa 20 Prozent vom Baumdurchmesser angeknabbert, spricht einiges dafür, den Baum dem Nager ganz zu überlassen. Auch, damit er stattdessen unbeschädigte Bäume verschont. Wichtig ist auch, aufgrund derzeitiger Rechtslage (der Biber steht auf der Roten Liste) bei den Baumschutzaktionen eine Ernährungsgrundlage für den Biber zu erhalten und dies auch bei der Unteren Naturschutzbehörde zuzusichern. Die UNB muss auch vorab einer Biberzaunmontage zustimmen. Zudem stellt sie meist das Verbrauchs - material zur Verfügung.

Richtige Montage ist wichtig

Als Material hat sich kunststoffummantelter Maschendraht bewährt (mind. 1,20 m hoch), gut sind auch Estrichmatten. Wichtig sind die Bodenanker, damit der Zaun nicht hochgedrückt werden kann, und Vierkanthölzer (o. Ä.) als Abstandshalter zwischen Baum und Zaun.

Nach der Montage darf eine regelmäßige Wartung nicht vergessen werden. Idealerweise sollten alle Zäune einmal im Jahr kontrolliert und von Krautbewuchs befreit werden. Alle drei Jahre wäre eine gründ - liche Wartung und Weiterstellung des „Gürtels“ an der Zeit.

Biberzäune: Tipps zur Montage

Wer die wertvollsten Uferbäume vor Biberverbiss bewahren will, kann auf eine in dreijähriger Praxis entwickelte Montageanleitung aus Geisenfeld zurückgreifen, wo freiwillige HelferInnen gemeinsam mit dem städtischen Bauhof Hunderte von Bäumen vor dem Nager schützten. Die reich bebilderte Anleitung beschreibt in fünf Kapiteln alle Schritte bis zum erfolgreich angebrachten Biberzaun: Von Vorbereitungen wie der Beschreibung des Geländes, Ansprache von Ämtern und Grundeigentümern sowie Rekrutierung von Helfern über die Materialien und Werkzeuge bis hin zu den Kriterien für die Auswahl schützenswerter Bäume. Es gibt konkrete Tipps zur Zaunmontage für schlanke, dicke und mehrstämmige Bäume in der Ebene und in Hanglage.

Ein paar Bilder vernachlässigter Schutzzäune ermuntern zur regelmäßigen Wartung. Schließlich zeigen geschädigte Bäume typische Fehler bei der Anbringung des Verbiss-Schutzes. Ein Textvorschlag für die Haftungsfreistellung der Freiwilligen, wie sie von vielen Wasserwirtschaftsämtern gefordert wird, rundet das 20-seitige Dokument ab. Die Montageanleitung wird gegen Überweisung eines Fairnessbeitrags per E-Mail verschickt und ist bei der Autorin erhältlich (Kontakt: E-Mail: ah@baumstark.eu). //

BIBER-PRIVATARCHIV FÜR FORSCHUNG GEÖFFNET

Wenn es um Biber und Bäume geht, hat Rudolf Markert mit seinen 93 Jahren nicht nur zeitlich einen besonderen Überblick, sondern auch geografisch: Der gebürtige Mittelfranke wanderte 1952 nach Kanada aus, absolvierte die Forstrangerschule in Dorset (Ontario) und kartierte entlang von Flüssen Waldgebiete für die Holzwirtschaft. Nach einem geistes- und naturwissenschaft - lichen Studium, was er durch Waldarbeit in den Sommermonaten finanzierte, kehrte Markert – mittlerweile Bachelor of Arts – aus familiären Gründen in den 70er Jahren nach Deutschland zurück. Aufgrund des Lehrermangels arbeitete er aber nicht im Wald, sondern als Englischlehrer in Vohburg.

Kurz vor der Pensionierung begann er auf eigene Faust, mit Fotos konkrete Vorkommen des Bibers im nördlichen Teil des Landkreises Pfaffenhofen samt Umland systematisch zu dokumentieren, sammelte 350 Presseartikel und beteiligte sich aktiv an der öffentlichen Debatte. Aus diesen Beobachtungen entwickelte sich über 30 Jahre hinweg ein Archiv aus 16 Leitz-Ordnern und 10 Feld - büchern. Darin zu finden sind zahlreiche Zeugnisse des umgestalteten Uferraums. Trotz seines Mitgefühls für die vielen ramponierten und getöteten Bäume entwickelte sich Rudolf Markert nicht zum Biberhasser. Er weist stattdessen beharrlich auf Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland hin, vor allem mit Blick auf die Bevölkerungsdichte: In Kanada leben vier Einwohner pro km², in Deutschland sind es 232.

In jüngerer Zeit engagierte sich der geistig rüstige Senior verstärkt für den Klimaschutz. Um jungen Menschen und der deutschen Arboristik weiterzuhelfen, bietet Markert sein Archiv nun als Forschungsobjekt an. Interessierte wenden sich bitte an die Autorin. //