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Schutz vor Schäden durch Slacklining


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 05.10.2018

Der GALK-Arbeitskreis Stadtbäume hat ein Positionspapier zur Trendsportart Slacklinen mit Blick auf mögliche Baumschäden und Baumschutz verfasst.


Das Positionspapier zur Trendsportart Slacklinen dient der Aufarbeitung aktueller Themen und der klaren Positionierung. Dies wurde vor dem Hintergrund erforderlich, da sich die neue Form des Seiltanzes, bei der die Sportlerinnen und Sportler einen Gurt zum Balancieren meist zwischen zwei Bäumen spannen, nach Auffassung der Sporthochschule Köln weiter etablieren und vor allem in Großstädten zunehmend mehr Anhänger finden wird. Wegen der vielfältigen ...

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Bildquelle: TASPO BAUMZEITUNG, Ausgabe 5/2018

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... Anwendungsmöglichkeiten (Therapie, Freizeit, Wettkampf usw.) sei die Sportart nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant. In ganz Deutschland haben sich inzwischen erste Slackline-Vereine gebildet.

// Vielfalt der Befestigungen: mit Stammschutz, zum Teil unzureichender Baumschutz und zu hoher Ansatzpunkt//


Problem: Bäume können geschädigt werden

Als ein besonderes Problem erweist sich jedoch die Tatsache, dass als Befestigungspunkte für die Slacklines vornehmlich Bäume verwendet werden. Diese Bäume können grundsätzlich durch Slacklinen geschädigt werden, da auch gesunde und starke Bäume der extremen punktuellen Belastung durch den gespannten Gurt nicht gewachsen sind. Dies ist bedingt durch die Biologie eines Baumes. Die Versorgung der Baumkrone mit Wasser und Nährstoffen erfolgt über das Splintholz. Darüber liegt die Borke als natürlicher Schutz. Zwischen Splintholz und Rinde befindet sich das Kambium, das im Frühjahr neues Leitungsgewebe bildet und besonders empfindlich ist. Im Stammquerschnitt sind diese Schichten als Jahrringe erkennbar. Werden die für den Baum lebenswichtigen Leitungsbahnen durch den Druck der Slacklines beschädigt oder zerstört, ist die Versorgung der darüber liegenden Baumkrone unterbrochen. Erfolgt die Beschädigung rund um den Stamm, stirbt der Baum ab. Verletzungen der Borke bringen zusätzlich das Risiko, dass holzzerstörende Pilze über die Wunden in den Baum eindringen und diesen längerfristig schädigen oder zerstören.

Da bei einer unsachgemäßen Befestigung von Slacklines erhebliche Schäden an den Bäumen auftreten können, haben der Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und die Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter (VSSG) ein Positionspapier verfasst (www.galk.de/index. php/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/ slacklining-und-baumschutz). Gemeinsam mit Sportlerinnen und Sportlern sowie mit passionierten Slacklinern wurden Forschungsresultate recherchiert, Erfahrungen ausgetauscht und letztendlich gemeinsam Maßnahmen definiert. Entstanden ist ein Positionspapier, das die nötigen Vorgehensweisen festlegt und das Verhalten vor Ort regelt.

Das Positionspapier richtet sich an die Slacklinesportler und an die Baumeigentümer beziehungsweise deren Vertreter. Für diese Zielgruppe werden konkrete Vor- gaben für die sachgemäße Verwendung von Slacklines am Stamm formuliert um Schäden am Baum zu vermeiden. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur Vorgaben formuliert werden, sondern auch die Gründe hierfür verständlich aufgeführt werden. Ziel ist es, das Verständnis für eine schadensfreie Verwendung von Slacklines zu wecken und das Wissen um die Zusammenhänge zu vermitteln.

// Unsachgemäße Slackline-Anbringung an einem Baum//


// Problem: Bäume mit zu geringem Durchmesser//


Das Positionspapier betrachtet vornehmlich die sachgemäße Verwendung der Slacklines am Baum. Wie einzelne Städte in Deutschland und der Schweiz darüber hinaus mit dem Thema umgehen, wird nicht behandelt. Es gibt Städte, die Slacklinen komplett verbieten oder auch überhaupt keine Regularien hierfür entwickelt haben. Andere Städte bieten in ihren Grünanlagen fixe Anschlagspunkte an oder statten bestimmte Bäume mit einem speziellen Stammschutz aus. Als Beispiele sollen die Vorgehensweisen der beiden Städte Basel und Köln im Folgenden dargelegt werden.

Beispiel Basel

Die Stadt Basel begrüßt grundsätzlich spielerische und sportliche Aktivitäten in den Parkanlagen. Alle Aktivitäten in Parkanlagen sind erwünscht, solange sie keine Schäden am wertvollen Grün verursachen und die anderen Parkbesucher nicht stören. Dazu gehört auch das Slacklining, das in Basel nicht verboten ist. Von Seiten der Stadtgärtnerei wird aber darauf geachtet, dass von den Slacklinern konkrete Maßnahmen bei der Befestigung der Gurte eingehalten werden. Diese Maßnahmen orientieren sich an den Vorgaben des hier vorgestellten Positionspapieres. So lassen sich mit etwas Rücksichtnahme und der richtigen Montage der Slacklines Schäden an Bäumen vermeiden.

Köln bietet Alternativen

Die Stadt Köln hat sich für einen anderen Weg entschieden. Hier ist das Befestigen von Slacklines an Bäumen über die Kölner Stadtordnung grundsätzlich verboten. Verbote werden jedoch nicht immer befolgt oder lassen sich in bestimmten Fällen nur schwer durchsetzen. Die täglichen Erfahrungen des Kölner Ordnungsdienstes belegen, dass die Akzeptanz von Verboten und Regeln deutlich höher ist, wenn geeignete Alternativen angeboten werden. Attraktive Slackline-Parks in zentraler, gut erreichbarer Lage stellen eine solche Alternative dar. Slacklineparks sind Anlagen, die zur Ausübung des Slacklinesports geeignete Flächen und Anschlagpunkte bieten.

DIE AUTOREN

Martin Sonderegger ist Leiter der Arbeitsgruppe Stadtbäume VSSG sowie Leiter der Abteilung Logistik der Stadtgärtnerei Basel, Kontakt: martin.sonderegger@bs.ch. Dr. Joachim Bauer ist Leiter des GALK Arbeitskreises Stadtbäume und Abteilungsleiter Stadtgrün und Forst im Amt für Landschafts - pflege und Grünflächen der Stadt Köln, Kontakt: Joachim.bauer@stadt-koeln.de

// Der Slacklinepark kombiniert Holzmanschetten und Slacklinepfosten.//


Fotos J. Bauer

// Nicht bewährt: Holzmanschette//


Stahlpfosten statt Stammpfosten

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Natursport und Ökologie der Sporthochschule Köln wurde schon frühzeitig im Rahmen eines Pilotprojektes ein saisonaler Stammschutz (Holzmanschette) entwickelt, der in den Sommermonaten im Inneren Grüngürtel an häufig genutzten Bäumen angebracht wurde. Diese Maßnahme hat sich über die Jahre nicht bewährt, so dass die Stadt nunmehr dazu übergeht an bestimmten „Hot Spots“ Slacklineparks, bestehend aus Stahlmasten in unterschiedlicher Entfernung und Anordnung zueinander, anzulegen. Der Slacklinepfosten aus Stahl wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Natursport und Ökologie der Sporthochschule Köln und dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen entwickelt. Ziel war es, einen möglichst nutzungsfreundlichen, sicheren, ästhetischen, langlebigen, aber auch wartungsarmen Anschlagpunkt für den Slacklinesport zu entwickeln. Die letztgenannten zwei Faktoren werden durch ein Betonfundament in Kombination mit einem 3,80 Meter langen Metallpfosten von einem Durchmesser von 16,5 Zentimeter und einer Stärke von 4,8 Millimeter erreicht. Für die Anwenderfreundlichkeit sorgt eine Belattung aus Holz, welche über einen höheren Reibungswiderstand als das blanke Metall verfügt. Sie verbreitert den Metallpfosten auf einen Durchmesser von etwa 27 Zentimeter und erleichtert das Anlegen des Slacklinematerials am Pfosten.

Für die Slacklineparks wurde eine Nutzungsordnung mithilfe einer Beschilderung in Abstimmung mit der Sporthochschule erarbeitet. Neben der sachgemäßen Verwendung und der empfohlenen Aufspannhöhe werden Informationen zur Sportart und Ökologie dargestellt.

Welchen Umgang eine Kommune mit dem Thema Slackline auch wählt, das gemeinsam vom GALK-Arbeitskreis Stadtbäume und der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter erarbeitete Positionspapier „Schutz der Stadtbäume vor Schäden durch Slacklinen“ soll dazu beitragen, den Schutz der Bäume und die Nutzung durch Slacklinen in Einklang zu bringen.//