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SCHUTZ VOR SCHLAMMIGEN FLUTEN


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 25.05.2018
Artikelbild für den Artikel "SCHUTZ VOR SCHLAMMIGEN FLUTEN" aus der Ausgabe 4/2018 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 4/2018

DAS ÖFFENTLICHE PROJEKT

Auf den ersten Blick sieht der Pausenhof der Grundschule „‘t Kirkeveldsje“ in den Niederlanden wie eine gewöhnliche Pflasterfläche aus. Darunter befindet sich jedoch ein 820 Kubikmeter fassender Puffer. Neuartige Steinwolle-Elemente speichern bei Starkregen überschüssiges Wasser und geben es zeitverzögert an das Kanalsystem ab.

„Holland in Not“ – ein bis zweimal jährlich war in der niederländischen Gemeinde Nuth „Land unter“, bis es Hilfe vor den schlammigen Fluten gab.


Ein Kubikmeter der Platten nimmt rund 930 Liter Wasser auf – und behält dabei die Festigkeit.


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... DIE BAUHERREN

• einen Wasserpuffer für Starkregen-Ereignisse
• ausreichend Kapazität für die Entwässerung der Dächer von Schulgebäude und Turnhalle sowie des Schulhofs mit insgesamt 10.000 Quadratmetern
• langfristige Entlastung der Kanalisation
• befahrbare Fläche unter anderem im Brandfall
• kurze Bauzeit während der Schulferien
• robustes und umweltfreundliches Material

Der Ortsteil Schimmert in der Gemeinde Nuth liegt in einem Tal in den Hügeln von Süd-Limburg in den Niederlanden. Diese Gegend erlebt zunehmend extreme Regengüsse in einem sehr kurzen Zeitraum. Ein- bis zweimal im Jahr lief der Ort in jüngster Vergangenheit mit Wasser voll, sehr zum Leidwesen der Anwohner. Ursache der Flutung ist eine Überlastung des vorhandenen Kanalsystems, das die in kurzer Zeit anfallenden Regenmengen nicht aufnehmen kann. Das Wasser steht dann auf den Straßen, die unpassierbar werden, und läuft in die Häuser. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fluten durch den Lehmboden der umliegenden Hügel sehr schlammig sind. Dies führt neben Wasserschäden auch zu starken Verunreinigungen an den Gebäuden.

Regensammler unter dem Schulhof

Die Gemeinde Nuth suchte gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Royal Haskoning DHV nach einer Lösung inmitten des Ortes. Es entstand die Idee, dass das Wasser bei Starkregen vorübergehend gespeichert wird, bis sich das Wetter beruhigt hat, um es anschließend mit Verzögerung abzuleiten, ohne dass die Mischwasserkanalisation überlastet wird. Die Standortwahl fiel auf die Grundschule. Hier fallen Niederschläge von insgesamt 10.000 Quadratmetern Fläche vom Dach des Schulgebäudes, der angrenzenden Turnhalle und versiegelter Fläche an. Der gepflasterte Schulhof bot sich zudem für den Einbau eines unterirdischen Speichers an.

Innovative Lösung mit Steinwolle

Für eine umweltfreundliche Lösung kam das niederländische Unternehmen Lapinus ins Spiel. Es agiert weltweit, gehört zur Rock Wool Group und entwickelt Steinwolle-Produkte nicht mehr nur für Wärmedämmung, sondern auch für andere Anwendungen in der Industrie, zum Beispiel für Beschichtungen und Dichtungen. Speziell für Wassermanagement-Projekte wurde das Produkt „Lapinus WM Aquifer“ entwickelt. Es ist im Gegensatz zu Dämmmaterial sehr formstabil und ähnelt Steinwolle-Platten, die unter Bahnschienen verlegt werden, um Vibrationen abzufangen.

BAUDATEN

• Auftraggeber: Gemeinde Schimmert, Süd-Limburg, Niederlande
• Bausumme: 200.000 €
• Gesamte Bauzeit: 1 Monat
• Fertigstellung: August 2017
• Volumen: 820 Kubikmeter für 10.000 Quadratmeter versiegelte Fläche
• Planung und Bauleitung: Ingenieurbüro Royal Haskoning DHV
• Ausführung: Lapinus Rockwool B.V., Struyk Verwo Aqua
• Baustoffe: 8.000 Steinwolle-Platten, Wasserfilter mit Steinwolle

„Wir stellen inzwischen verschiedenste Produkte aus Steinwolle her – einige von ihnen haben eine Tragfähigkeit, die für den Straßenbau ausreicht“, sagt Daan de Kubber, Marketing-Manager bei Lapinus. Die Besonderheit des in Schimmert verwendeten Materials ist die gute Absorptionsleistung und eine Porosität von etwa 93 Prozent. Somit nimmt ein Kubikmeter der Platten etwa 930 Liter Wasser auf. Ähnliche Werte hat grober Sand, nur dass Steinwolle ihre Festigkeit und Form behält.

Robust und leicht zu verarbeiten

Im Vergleich zu unterirdischen Kunststoffbehältern bleibt das System zudem auch bei Beschädigung funktionsfähig, zum Beispiel wenn ein Loch gebohrt werden muss oder Wurzeln einwachsen. „Wir haben allerdings noch keine Langzeiterfahrungen mit darauf wachsenden Bäumen und wissen nicht, ob das Material auch als Wasserspeicher im Wurzelbereich von Stadtbäumen verwendet werden kann“, sagt de Kubber. Zudem muss sich noch zeigen, ob Nagetiere im Material Gänge anlegen. Voraussichtlich wird die Funktionsweise des Systems jedoch nicht durch Löcher oder Gänge beeinträchtigt. Neben ihrer Robustheit lassen sich die Steinwolle-Platten auch leicht verarbeiten. So können sie vor Ort auf der Bau-stelle und sogar noch nach der Installation an die Gegebenheiten angepasst werden.

Vorteilhaft: Die Platten sind robust, lassen sich aber leicht verarbeiten. Der Preis für Material und Einbau entspreche dem vergleichbarer Lösungen.


Filter gegen Schlamm

Insgesamt einen Monat während der Sommerferien 2017 dauerten die Bauarbeiten von Lapinus und Struyk Verwo Aqua, einem Fachunternehmen für Entwässerung und Wasseraufbereitung, auf dem Schulhof von Schimmerts Grundschule. Dafür wurde das Pflaster aufgenommen, eine Grube ausgehoben, der Boden nivelliert und Folie an den Seitenwänden eingezogen. Eine Abdichtung nach unten war an dem Standort nicht nötig, da der Untergrund aus wasserundurchlässigem Lehm besteht.

Damit der Puffer nicht durch Schlamm blockiert wird, entwickelte Lapinus ein neuartiges, ebenfalls auf Steinwolle basierendes Filtersystem, das die Schwebeteilchen entfernt. Ein Rohrsystem leitet das Regenwasser an mehreren Punkten gleichzeitig in das unterirdische Reservoir. Der eigentliche Puffer besteht aus zwei Lagen der Steinwolle-Platten, die einen Meter lang und 15 Zentimeter dick sind – wobei die untere Lage ein Meter, die obere 50 Zentimeter hoch ist. Darauf bildete eine Aufschüttung aus Sand den Untergrund für den neuen, gepflasterten Schulhof. Der Preis für Material und Einbau entspreche in etwa dem von vergleichbaren Lösungen, sagt de Kubber. Insgesamt investierte die Gemeinde 200.000 Euro in das Projekt.

Noch keine Messwerte

„Wir sind sehr zufrieden mit der Lösung, auch wenn wir noch keine genauen Messwerte haben“, sagt Nathalie Heerings, Pressesprecherin der Gemeinde Nuth. Trotz zahlreicher Regentage ist der Puffer bislang noch nicht vollgelaufen. Erst wenn ein Sensor große Wassermassen registriert und die Schleusen der Anlage voll öffnet, wird sich zeigen, ob das System verlässlich vor Überschwemmung schützen wird. Runde Aussparungen zwischen den Platten ermöglichen die Absorption von 550.000 Litern Wasser innerhalb einer halben Stunde. Es entspricht der Niederschlagsmenge eines „Jahrhundert-Regens“, also einem Starkregen-Ereignis, das statistisch gesehen an dem Ort nur einmal in 100 Jahren vorkommt. Der Puffer hält das Wasser und beginnt – zum Teil wegen der Materialeigenschaften und zum Teil wegen seines Designs – erst mit vier bis 20 Stunden Verzögerung, es in den Abwasserkanal abzuleiten. Nach 24 Stunden ist der Puffer bereit für den nächsten großen Platzregen.

Weitere Anlagen in Planung

Mittlerweile hat die Verwaltung einen zweiten, kleineren Wasserspeicher der gleichen Bauart unter einem Parkplatz am Veranstaltungszentrum in Schimmert gebaut, sowie einen dritten im Nachbardorf Hulsberg. Auch die Gemeinde Meerssen (nahe Maastricht) zeigt Interesse an einem ähnlichen Wasserspeicher-Projekt „Wobei der Puffer an der Schule bislang der größte in Holland ist“, berichtet Heerings. Derzeit wird gemeinsam mit Lapinus und Rayal Haskoning untersucht, ob es weitere Anwendungsmöglichkeiten für Steinwolle im Wassermanagement gibt.

Denn schließlich versprechen die Hersteller für das Material einen reibungslosen Dauerbetrieb bei einem Minimum an Wartung. Bislang gibt es noch keine Erfahrungswerte, wie lange ein derartiger Puffer verlässlich arbeiten wird. „Wir sind noch nicht am Ende der Lebenserwartung angekommen, aber wir gehen davon aus, dass das System mehr als 30 Jahre funktionieren wird“, sagt de Kubber. Andere Anwendungsbereiche für das Filtersystem im Landschaftsbau sieht er unter anderem auf bepflanzten Tiefgaragen, unter Fußball- und Reitplätzen sowie als Wasser-Managment-System unter großen versiegelten Flächen. Außerdem prüft das Unternehmen derzeit, ob sich „WM-Aquifer“ in Städten nutzen lässt, um Sickerwasser von Reifenabrieb oder Streusalz zu reinigen.

VIDEO

Ein Film über die Bauarbeiten mit Interviews von Betroffenen und Beteiligten ist im Internet unterwww.youtube.com/ watch?v=vSrvxLi9_rU abrufbar.


„Andere Anwendungsbereiche für das Filtersystem könnten im Landschaftsbau unter anderem auf Tiefgaragen, bei Fußballoder Reitplätzen liegen.“
Daan de Kubber, Lapinus