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Schwächeparasit tritt besonders nach großer Hitze und Trockenstress auf: Aktuell: Rußrindenkrankheit


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 23.03.2019

Auswirkungen des vergangenen, trockenen Sommers sind in vielen Regionen noch zu spüren. So müssen derzeit mehr als 30.000 Ahorn-Bäume in Wäldern im Kreis Gießen gefällt werden, die von der Rußrindenkrankheit befallen sind, die durch die Dürre begünstigt wurde. Sind Ahorn-Arten auch in öffentlichen Anlagen oder in privaten Gärten betroffen? FachredakteurinTherese Backhaus-Cysyk erkundigte sich


Artikelbild für den Artikel "Schwächeparasit tritt besonders nach großer Hitze und Trockenstress auf: Aktuell: Rußrindenkrankheit" aus der Ausgabe 12/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Rußrindenkrankheit: Befallsstandort in einer Parkanlage.


Fotos: Gerhard Renker

„Als Folge des trockenen Sommers 2018 kam es in Deutschland vermehrt zum Auftreten der Rußrindenkrankheit am Ahorn, die durch den ...

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„Als Folge des trockenen Sommers 2018 kam es in Deutschland vermehrt zum Auftreten der Rußrindenkrankheit am Ahorn, die durch den ursprünglich in Nordamerika beheimateten PilzCryptostroma corticale ausgelöst wird“, berichtet Diplom-Biologin Stefanie Hahn vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig auf Anfrage der TASPO. „Der Pilz produziert außergewöhnlich große Sporenmengen.

Der starke Befall im Kreis Gießen, über den die Presse berichtete, deckt sich mit Rückmeldungen aus anderen südlichen Gebieten Deutschlands, zeigt Hahn auf. „Eine systematische Erhebung dazu gibt es jedoch nicht. Nach Aussage unserer Experten lebt der Pilz eigentlich endophytisch und verursacht in der Regel keine Krankheitssymptome am Wirtsbaum (Ahornarten). Auch aus seiner Heimat Nordamerika ist nicht bekannt, dass der Pilz zu ernsthaften Schäden führt. Was also derzeit im Süden Deutschlands beobachtet wird, scheint eng mit der trockenen Witterung in Zusammenhang zu stehen. Die Experten können hier nur mutmaßen: In dem Sinne, dass der Pilz auf die Schwächung seines Wirtsbaumes reagiert und beginnt aggressiv das Kambium anzugreifen. Ähnliches wurde 2003 auch schon einmal beobachtet, in der Literatur findet sich jedoch wenig bis gar nichts über diesen Umschaltprozess von gutartigem Befall auf bösartige Krankheit“, berichtet Hahn.

Trockenstress begünstigt Schäden

In den vergangen Jahren konnten wir tendenziell eine Zunahme der Rußrindenkrankheit in privaten Gärten, öffentlichen Liegenschaften und generell in Parks beobachten, berichtet Alexander Kraus vom Baumsachverständigenbüro Kraus (Runkel,www.baumdoktor.org). „ Aus meiner Sicht sind die AhornartenAcer campestre , der Feld-Ahorn,Acer platanoides, der Spitz-Ahorn undAcer pseudoplatanus, der Berg-Ahorn, besonders betroffen. Dies sind mit Sicherheit die in Deutschland am weitesten verbreiteten Arten. Vermutlich werden auch andere Ahornarten befallen. Allerdings kann ich aus meiner eigenen Praxis dazu bislang noch keine Einschätzung abgeben. Da ich in ganz Hessen verteilt rund 200 Landesliegenschaften betreue, kann ich vermutlich im Mai/Juni dazu detailliertere Angaben machen“, hofft Kraus.

Trotzdem trifft Kraus schon jetzt, analog zum Borkenkäferbefall bei Fichten in Privatgärten, die Aussage, dass Bäume an nasseren Standorten oder Bäume, die im vergangenen Sommer gewässert wurden, seltener betroffen sind. „Der Trockenstress der Bäume begünstigt die Ausbreitung der biotischen Schadursachen.

Sollte es in diesem Jahr wieder zu einem besonders trockenen Sommer kommen, erwarte ich weitere massive Schäden an Bäumen. Baumliebhaber sollten dann ihre Bäume nachhaltig und früh genug wässern“, gibt Kraus als Tipp. In Bad Nauheim ist der Berg- und Spitzahorn betroffen. „Bisher ist der Befall nur in unseren parkartigen Waldbereichen aufgetreten“, erklärt Hans Martin Herrmann von der Abteilung Grünflächenplanung in Bad Nauheim. „Wir entnehmen die befallenen Gehölze entlang von Wegen und an Sitzplätzen und entsorgen sie.“

Während in Bad Nauheim von 70 gefällten Ahorn-Bäumen gesprochen wird, musste Offenbach rund 100 Bäume fällen. „In Frankfurt sind es nach unseren neuesten Erhebungen von Anfang März 130 – vorwiegend Berg-Ahornbäume – besonders in historischen Parkanlagen“, erklärte Bernd Roser vom Grünflächenamt Frankfurt am Main gegenüber der TASPO. „2016 haben wir erstmals einen Befall beobachtet, nach dem trockenen Sommer 2018 legte der Befall dann deutlich zu.“ In Frankfurt am Main sind im Baum-Kataster 230.000 Bäumen gelistet, darunter 8.000 Berg-Ahornbäume.

Im Straßenbegleitgrün und Park

„Befall von Ahorn mitCryptostroma corticale wird in den letzten Jahren verstärkt in Nordrhein-Westfalen (NRW) gemeldet“, erklärt Gerhard Renker vom Fachbereich Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW (Köln). „Betroffen sind bei uns vor allem Standorte im Straßenbegleitgrün und in Parks. Aus dem Bereich der Hausgärten liegen mir bisher keine Anfragen oder bestätigte Meldungen vor.

In der Baumschulproduktion spielt der Pilz unserer Beobachtung nach keine Rolle. Der Pilz tritt vor allem auf kargen Standorten in Verbindung mit dauerhaftem Trockenstress der Bäume auf.

Wir haben in NRW Befall an Berg- und Feldahorn, in einzelnen Fällen auch an Spitzahorn festgestellt. In diesem Frühjahr liegen Auftretensmeldungen und Beobachtungen bereits seit Mitte/Ende Februar vor.“