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Schwalben - Glücksbringer und Frühlingsboten


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 17.04.2020

Schwalben künden nicht nur vom kommenden Sommer, sie sind in erster Linie äußert geschickte Flugkünstler - und halten als Untermieter die Ställe und Scheunen fliegenfrei


Artikelbild für den Artikel "Schwalben - Glücksbringer und Frühlingsboten" aus der Ausgabe 5/2020 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 5/2020


„Wo Schwalben nisten, da woh nt das Glück“


(Volksmund)

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, heißt es. Doch wenn ab März die ersten Rauchschwalben aus ihrem Winterquartier in Afrika oder Südeuropa zurückkehren, künden sie von Neubeginn und Wärme. Im April folgen die Mehlschwalben und Ende Mai sind dann auch die letzten Frühlingsboten bei uns eingetroffen.
Schwalben finden ihren Weg durch die Sahara ebenso wie über verschneite ...

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... Alpenpässe. Ihre innere Uhr und ihr Orientierungssinn wird vom Lauf der Sonne gesteuert und nachts meist von den Sternen. Bei bewölktem Himmel sehen die Vögel das polarisierte Licht der Sonne, das für uns unsichtbar ist. Darüber hinaus orientieren sich die Zugvögel an vertrauten Landmarken.

Rauch- oder Mehlschwalbe?

Zur Familie der Schwalben (Hirundinidae) gehören weltweit rund 80 Arten. Drei davon leben in Deutschland und zählen zu den besonders geschützten Arten: die Rauchschwalbe, die Mehlschwalbe und die seltene Uferschwalbe. Ihre Unterscheidung ist recht einfach, wenn man genau hinschaut: Rauchschwalben (Hirundo rustica) haben einen tief gegabelten Schwanz mit zwei langen ‚Spießen‘. Kehle und Stirn sind rostrot gefärbt, der Bauch ist weiß. Bei der Mehlschwalbe (Delichon urbicum) leuchten Bauch und Brust weiß (mehlfarben), ebenso wie die Federn an den Beinchen. Sie besitzen einen weniger gegabelten Schwanz ohne Spieße und einen weißen Fleck am Bürzel, also am unteren Rücken.
Die munteren, geschwätzigen Rauchschwalben nisten gern in Ställen, Scheunen oder anderen Gebäuden an Balken, Wänden und Vorsprüngen. Früher flogen sie auch oft durch die Öffnungen im Giebel ein und aus, durch die auch der Rauch des Herdfeuers abzog, das gab ihnen ihren Namen. Mehlschwalben dagegen bleiben lieber draußen und schätzen die Geselligkeit: Sie bauen ihr Nest an rau verputzten Häuserwänden unter Dachvorsprüngen und brüten dort in größeren Gruppen. Uferschwalben bauen im Gegensatz zu Rauch- und Mehlschwalben keine Nester. Sie graben bis zu einem Meter tiefe Gänge und Höhlen für ihre Brut. Die passenden Steilwände gibt es meist nur noch in Sand- oder Kiesgruben. Die kleinste Schwalbenart Europas misst gerade mal zwölf bis 13 Zentimeter und besitzt einen nur leicht gegabelten Schwanz sowie einen verhältnismäßig langen, flachen Schnabel - ideal zum Graben. Oberseite und Brust sind grau-braun, die Unterseite weiß.

Flügge Junge werden noch einige Zeit zugefüttert


Wetterpropheten

Fliegt die Schwalbe hoch, wird das Wetter schöner noch, fliegt die Schwalbe nieder, kommt grobes Wetter wieder.
(Bauernregel) Von wegen Wetterprophet - die Schwalben folgen nur den Insekten, ihrer Leibspeise, die von warmer Luft emporgetragen werden. Schlechtes Wetter lässt die Insekten tief am Boden schwirren und die Schwalben fliegen dann auf Nahrungssuche gekonnt und oft rasant knapp über Wiesen und Felder.

Im Lehm verbaute Grashalme wirken wie Armierungseisen


Tipps für Schwalben-“Hoteliers“

- Nisthilfen kann man sowohl für Mehl- als auch Rauchschwalben fertig kaufen. Ebenso die Kotbrettchen, die Verunreinigungen auffangen. Oder einfach selbst bauen: 30 cm breite Bretter etwa 50 cm unter dem Nestrand anbringen. - Rauch- und Mehlschwalben freuen sich gleichermaßen über eine Lehmpfütze im Garten: Die Pfütze sollte zur Zeit des Nestbaus im Frühjahr feucht gehalten werden. Bei sandigen Böden etwas Lehm untermischen.
- Rauchschwalben benötigen eine Einflugmöglichkeit in die Scheune oder den Stall.

Weich und warm gepolstert mit Federn aus dem Hühnerhof


Die Lebensgrundlage

„Naturnahe Gärten und Flächen sowie aufgeschlossene Haus- und Scheunenbesitzer sind die Lebensgrundlage unserer Schwalben“, erzählen die Tierfilmer Ernst Arendt und Hans Schweiger. Sie verbrachten einen Sommer mit den Flugkünstlern, haben genau beobachtet und gefilmt. „Wasser, Insekten und lehmiger Matsch - das ist das Schwalbenparadies“, lacht Hans Schweiger und Ernst Arendt ergänzt: „Schwalben brauchen die Insektenvielfalt in ökologisch intakten Wiesen. Eine grüne Wiese täuscht, sie ist ein verarmtes Biotop. Der Mangel an Fluginsekten zwingt die Schwalben dann, auf Pflanzen sitzende Beute im Flatterflug zu sammeln, eine kräftezehrende Jagdmethode für die Tierchen. Im schnellen Flug und bei rasanten Flugmanövern dagegen sind die Schwalben in ihrem Element. Sie können auf bis zu 95 Stundenkilometer beschleunigen.“

Arbeitsteilung am Bau

Eine Kunst, die den Jungen bei der Fütterung zugute kommt. Doch bis dahin muss erstmal ein Nest gebaut werden. Oder eins vom Vorjahr wird grundsaniert: „Das erspart Arbeit - es muss nur entrümpelt und mit einer neuen Polsterung versehen werden“, schmunzelt Ernst Arendt. „Oft treffen sich ja Paare wieder und besetzen das alte Nest.“ Muss ein neues Nest gebaut werden, herrscht rund zwei Wochen Arbeitsteilung: Lehmiger Matsch, Gras, Federn und mehr werden von den Rauchschwalben herbeigeschafft und eifrig mit Speichel verklebt, verwoben und gepolstert. Schnelle Kopfbewegungen verdichten den Lehm und eingewobene Grashalme wirken wie Armierungseisen. Langsam wird so ein schalenförmiges Nest gestaltet. Die kugeligeren Nester von Mehlschwalben entstehen hauptsächlich aus Lehm oder Schlamm und besitzen ein kleines Einflugloch.

Alle +* Sekunden gibt es Futter für die Jungen


„Leider werden die Nistmöglichkeiten im Stall oder an Häusern immer weniger. Genau wie die Insekten. Und mit der Versiegelung von Wegen verschwinden auch die Lehmpfützen, die die Schwalben für den Nestbau benötigen“, bedauert Hans Schweiger. „Aus Ärger über den Schmutz werden zum Teil Schwalbennester an Häusern entfernt, obwohl Schwalben streng geschützt sind. Dabei kann ein selbst gebautes Kotbrettchen doch die Verunreinigungen auffangen.“

Stress für Eltern

Gesang und Revierverteidigung ist Sache des Rauchschwalbenmännchens, derweil das Weibchen die vier bis sechs Eier bebrütet und immer wieder kurz auf Insektenjagd geht. Nach rund 14 Tagen schlüpfen die Jungen und beherrschen das Schnabelaufsperren und Um-Futter-Betteln von der ersten Minute an. Stress für die Eltern: Alle anderthalb Minuten wird am Tag gefüttert, dazu kommt die regelmäßige Kotentsorgung.

Neu zugezogen

Der Felsenschwalbe, eigentlich in Spanien und in Marokko beheimatet, sagt das Klima mittlerweile auch in Süddeutschland zu. Etwas größer als die Uferschwalbe, brütet sie bei uns nicht nur an Fels- sondern auch an Häuserwänden.

Im Filmstudio „Kuhstall“ haben Ernst Arendt und Hans Schweiger einen „Sommer der Schwalben“ verbracht, so der gleichnamige Filmtitel aus der Reihe Tiere vor der Kamera


Wenn der Nachwuchs das Nest nach etwa drei Wochen verlässt, wird er noch einige Tage weitergefüttert. Wie gut, dass manchmal die Jungen der ersten Brut beim Füttern helfen. Nach ersten Flugversuchen dauert es nicht lange und die Kleinen zischen genauso schnell wie ihre Eltern durch Fensterspalten und Maueröffnungen.
Schwalben ziehen zwei bis drei Bruten groß. Im Herbst verabschieden sie sich wieder: Die Mehlschwalben Ende September, die Rauchschwalben im Oktober. Dazu sammeln sie sich auf den Stromleitungen, bevor es dann endgültig auf die gefahrvolle Reise gen Süden geht. Hans Schweiger: „Bieten wir den Vögeln eine Wohnmöglichkeit, dann haben wir sozusagen unsere ganz privaten Glücksbringer - und erleben ein aufs andere Mal den wunderbaren Sommer der Schwalben.“ Denn sie bringen nicht nur Glück, sondern auch Freude.

Die Rettung der Schwalben

Ein überraschender Wintereinbruch kann auf dem Weg den Tod für die Vögel bedeuten. 1974 wurden Millionen Schwalben auf ihrem Weg in den Süden von einer Kaltfront überrascht. Mit Autos, Bahn und Flugzeug wurden die Tiere vom Naturschutzbund (NABU, damals „Deutscher Bund für Vogelschutz“) und unzähligen Helfern in einer riesigen Hilfsaktion sicher nach Norditalien und Südfrankreich gebracht und dort wieder freigelassen.

Schwalben im Film

Sommer der Schwalben

Ernst Arendt & Hans Schweiger DVD-Sendungsmitschnitt aus der Reihe „Tiere vor der Kamera“ Bestellung:

www.tierevorderkamera.de


Fotos: Ernst Arendt, Hans Schweiger