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SCHWAMM DRÜBER


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 02.02.2022

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Traumtypen brauchen nicht viel mehr als ein Mikrofasertuch

Wer hätte gedacht, dass Putzen mal eine Kunstform werden könnte? Dass es (meist weibliche) Cleanfluencer geben wird, die auf Instagram und Tiktok Millionen Menschen faszinieren, weil sie … sauber machen? Was mit Marie Kondo und einer zeremoniell anmutenden Falttechnik begann, findet nun seinen vorläufigen Höhepunkt in seltsam beruhigend wirkenden Videos, die das banale Polieren eines Badezimmerspiegels zur Achtsamkeitsübung stilisieren. Ein Video der Finnin Auri Kananen, in dem sie eine verstörend dreckverkrustete Küchenzeile auf Vordermann bringt, bekam über 51 Millionen Klicks.

Staubsaugen, spülen, scheuern haben das Image der lästigen Notwendigkeit längst abgelegt.

Untersuchungen belegen, dass es uns vielmehr hilft, dem sich nicht erst seit Corona ausbreitenden Gefühl der Angst, Ohnmacht und Überforderung etwas entgegenzusetzen – und sei es nur einen Schrubber. Wie es effizienter und schneller ...

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... geht, darüber hat die Journalistin Sigrid Neudecker mit staubtrockenem Humor ein Buch geschrieben: „Sauber!“ (Piper Verlag) ist eine „einfache Anleitung für alle, die eigentlich keine Lust aufs Putzen haben“.

Sigrid Neudecker, ich muss gestehen, ich bin in meinen Staubsaugerroboter verliebt. Bin ich verrückt?

Nicht im Geringsten! Meine Liebe zu unserem flammt jeden zweiten Tag neu auf, wenn ich sehe, wie viel Staub er allein unterm Bett hervorholt.

Warum ausgerechnet jetzt ein Buch übers Putzen?

Ich habe mir sagen lassen, dass es Menschen geben soll, die sich bei diesem Thema immer noch etwas unbeholfen anstellen. Das hat spätestens durchs Homeoffice zu Konflikten geführt, die vorher nur unterschwellig gebrodelt haben. Im Jahr 2022 dürfen Sätze wie „Schatz, wie mach ich das am besten?“ oder „Wie kann ich dir im Haushalt helfen?“ nicht mehr fallen.

Sie wollen mit Ihrem Buch nicht weniger als Weltfrieden erreichen.

Mein Mann und ich streiten uns nur über das Putzen. Wenn ich von uns auf die Menschheit hochrechne, liege ich mit meinem Vorhaben doch nicht so schlecht.

Eine überraschend simple Erkenntnis aus Ihrem Buch war: Wasser reicht zum Wischen, einen Eimer braucht man dafür nicht. Machen wir es uns beim Reinemachen schlicht zu schwer – und lassen es deshalb häufiger, als gut wäre?

Ab-so-lut! Bevor ich den schicken Fensterwischroboter herausgeholt, mit teurem Putzmittel befüllt, eingesteckt und eingeschaltet habe, habe ich locker drei Fenster mit einem feuchten Mi krofasertuch so sauber bekommen, dass ich wieder durchsehen kann. Je geringer der Aufwand, umso schneller ist etwas erledigt und umso eher macht man es auch.

An wen richtet sich Ihr Buch eigentlich? Manche Tipps haben eher Basic-Charakter, andere sind eher was für Fortgeschrittene, z. B. dass Bürsten umgedreht gelagert werden sollten, damit sie weniger einstauben.

Fahren Sie mal kurz mit der flachen Hand über die Oberflächen in Ihrem Bad – sobald Sie die Staubschicht wieder runtergewaschen haben, reden wir noch einmal über den Tipp mit der Bürste. Tatsächlich ist das Ziel des Buches, sich mit wenig Aufwand und kleinen Tricks möglichst viel Arbeit, Zeit sowie Geld und Ressourcen zu sparen.

Aber dass man alle Töpfe verkehrt herum in den Geschirrspüler räumt, weiß doch jeder.

Man findet auf Twitter immer wieder Fragen, Erlebnisberichte und Fotos, die ein bisschen fassungslos machen. Etwa das Bild von einem Büro-Geschirrspüler, in den Kollegen ihre Kaffeebecher tatsächlich aufrecht hineingestellt haben.

„Dumm fegt gut“, schreiben Sie und meinen den medi - ta tiven Charakter des Sauber-machens. Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Leidenschaft?

Cleanfluencer sind die neuen Stars auf Instagram

Putzen ist nicht meine Leidenschaft. Ich fange bei Freundinnen garantiert nicht an, Staub zu wischen! Ich lebe nur gern in einer ausreichend sauberen Wohnung und konzentriere mich deshalb lieber auf die angenehmen Seiten des Putzens, etwa dass man dabei gut nachdenken kann und sogar ein kleines Workout einlegt.

Für mich gibt es nichts Befriedigenderes als geputzte Fenster. Was bereitet Ihnen dieses Gefühl?

Ich bin mit einem Action-Koch verheiratet, und offenbar wirkt in unserer Küche die Schwerkraft besonders stark. Deshalb ist ein sauber gewischter Küchenboden für mich unglaublich befriedigend – schon allein, weil dieser Zustand nur kurz anhält.

Ihre große Liebe scheinen Mikrofasertücher zu sein.

Weil sie – richtig verwendet – so gut wie alles sauber bekommen, und zwar nur mit Wasser. Sogar den Spiegel im Badezimmer. Danach kommen sie in die Waschmaschine – und fertig. Die Teile halten jahrelang. Mein zweiter Held ist unser Roboterstaubsauger. Und meine liebste Corona- Entdeckung sind sensoraktivierte Seifenspender, die man für wenig Geld im Drogeriemarkt bekommt.

Und was wird überschätzt?

Ich komme ohne Spezialputzmittel aus. Wir haben zwar einen Spiritus-Fensterreiniger, aber nur weil mein Mann den einmal angeschafft hat. Seifenreiniger und billiger Essig oder Zitronensäure reichen.

Die Antwort auf die Frage „Who kehrs?“ lautet vorwiegend: die Frau im Haus. Was passiert, wenn Mütter und Ehefrauen streiken, zeigt zum Beispiel Lily Potkin auf Twitter. Das Geschirr stapelte sich, eine übrig gebliebene Wurst in der Pfanne sah nach Tagen aus wie der Typ, der in „Cast Away“ angespült wurde, Wäscheberge wuchsen über Wochen im ganzen Haus. Was müssen wir tun, damit sich das endlich ändert?

Dieses Problem macht mich wütend wie traurig, vor allem weil viele Frauen selbst immer noch glauben, dass Putzen Frauensache ist. Es wird noch Jahre dauern, diesen Irrtum zu entlarven. Und es geht wohl nur, wenn wir unsere Kinder von klein auf mitputzen lassen und wenn Frauen sich selbst vor Augen führen, was sie alles im Haushalt machen, und zwar bis ins kleinste Detail. Dafür gibt’s im Buch extra eine Liste, in die alle Mitbewohner und -innen eine Woche lang eintragen, was sie gemacht haben. Das Resultat wird vielen die Augen öffnen.

Sigrid Neudecker hat einen emanzipierten Ratgeber über effektives Reinemachen geschrieben, der sogar Ehen retten soll. „Sauber! Eine einfache Anleitung für alle, die eigentlich keine Lust aufs Putzen haben”, Piper Verlag, 11 Euro

Was ist eigentlich sauber?

Über diese Frage zerbrechen selbst glückliche Beziehungen

PICOBELLO!

Wo sind die größten Bakterienherde? Und wo findet man eine gute Putzfrau? Tipps rund ums Saubermachen

Motivationshelfer

Sigrid Neudecker findet Bodenreiniger generell überflüssig. Und erst recht, wenn sie pro Milliliter so viel kosten wie das Lieblings- Beauty-Serum. Aber: Sie sind nun mal auch eine gute Motivation. Mittlerweile gibt es High-End- Putzkolonnen bei Beauty-Shops wie niche-beauty.com, Greenglam und Douglas. Kinfill, Everdrop, Humdakin und Simple Goods setzen auf hübsches Packaging, nachfüllbare Glasflaschen und natürliche Düfte. Bondi Wash und Simple Goods geben der Putzsession einen Touch von Aromatherapie und arbeiten ebenfalls mit natürlichen Inhaltsstoffen. Einen Zero-Waste-Ansatz verfolgt Hello Simple: Hier gibt es unter anderem die DIY-Putz-Box, um sieben Reinigungsmittel selbst herzustellen. Übrigens: Biobaula ist der Pionier in Sachen Selbstmix-Reinigungstabs und ist Ecocert-zertifiziert.

Blinde Flecken

Untersuchungen legen nahe, dass man auch an Fernbedienungen, WC-Spüldrücker und Kühlschrankgriffe denken sollte. Selbst in und auf Handtaschen tummeln sich laut einer britischen Studie des Unternehmens Initial Washroom Hygiene mehr Keime als auf einem Klo.

Helene Wischer

Saugroboter avancieren schnell zum vollwertigen Familienmitglied. Laut dem Hersteller iRobot geben 90 Prozent der Nutzer ihren technischen Helfern einen Namen. Wer Inspiration braucht: Auf saug-wisch-roboter.de vergnügt sich neben Jürgen Cleansmann Tyrannosaugus Rex.

Perle gesucht

Wer die Wollmausjagd anderen überlassen will, erkundigt sich erst mal bei Freunden und Bekannten. Hilfreich sind auch Empfehlungen auf Nachbarschaftsportalen wie nebenan.de. Die Seite des Bundesverbands haushaltsnaher Dienstleistungsunternehmen e. V. listet Unternehmen auf, die Reinigungskräfte anstellen und an Privatleute vermitteln: bhdu.de/ partner-in-ihrer-umgebung. Auch die Minijob-Zentrale bietet eine kostenlose Haushaltsjobbörse an: haushaltsjob-boerse.de. Darüber hinaus gibt es private Portale, die Reinigungskräfte vermitteln, z. B. help ling.de – Haftpflicht-und Diebstahlversicherung inklusive. Auf maideasy.de kann man auch Extras wie „Wohnungseinzug“ und „Kühlschrank säubern“ buchen. „Öko-faire Raumpflege für Berlin“ bietet das Start-up Klara Grün: klara-gruen.de.

In bester Ordnung

Apropos: Putzhilfen sollten – sofern sie nicht selbstständig arbeiten und eine Rechnung stellen – grundsätzlich angestellt werden. Entweder, wie oben, durch vermittelnde Unternehmen oder durch den Privathaushalt selbst. Als Minijobber sind sie sozial- und haftpflichtversichert, haben Anspruch auf Mindestlohn, Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie dürfen nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Vorteil: 20 Prozent der Kosten – höchstens 510 Euro – für die Reinigungs- hilfe sind steuerlich absetzbar.

Und man macht sich nicht strafbar. Die Anmeldung erfolgt problemlos über minijob- zentrale.de. Dort findet man weitere Infos, sollte man die 450 Euro überschreiten.

Workout

117 Kalorien verbrennt ein 70-Kilo-Mensch in einer halben Stunde beim Fensterputzen. Effektiver wären Bödenschrubben (129 kcal), Bettenbeziehen (122 kcal) und Fegen (147 kcal). Und wer auch mal mit der anderen als der üblichen Hand wienert, trainiert zusätzlich sein Gehirn.

Achtsam putzen!

Was verkrustete Backöfen mit der eigenen Psychohygiene zu tun haben, erklärt Shoukei Matsumoto, Mönch im buddhistischen Komyoji-Tempel in Kyoto und Autor von „Die Kunst des achtsamen Putzens: Wie wir Haus und Seele reinigen“ (Goldmann).

Mother’s little Helper

Schrubben und wischen war gestern. Heute bringt Hightech die Wohnung auf Vordermann. Vier Geräte, die sich lohnen – und Spaß machen

Das Gerät:

„Nemo” klingt nach Welpe, und so schlabbert der Sauger auch das Wasser an allen glatten Oberflächen wie Fenstern, Duschwänden, sogar Fliesen weg. Er zieht ab und saugt gleichzeitig ein, das ist praktisch und bedeutet: endlich keine Schlieren an Ecken und Kanten.

Testergebnis:

Der ergonomische Griff ist für kleine Hände ein wenig groß. Die Akkulaufzeit von 45 Minuten (oder sagenhafte 130 Quadratmeter) dagegen okay. Kurz: Es ist ein lustiges Gimmick, Lappen und Abzieher hat man sowieso zur Hand.

Das Gerät:

Auch wenn der Name an eine mathematische Formel erinnert, muss man ihn (Gott sei Dank) nicht programmieren.

Seine 3D-Kamera erstellt eine virtuelle Karte vom Raum und lässt keine Ecke aus. Dank seiner dreieckigen Form kommt der Roboter in alle Winkel. Und der Staubauffang ist mit 0,7 Litern ziemlich groß.

Testergebnis:

Er lässt sich gut per App steuern, und man bekommt klare Fehlermeldungen, sollte er fest sitzen. Aber Zwei-Zenti meter-Hindernisse überwindet er problemlos, sodass auch ein Mix aus Parkett und Teppichen kein Problem sind.

Das Gerät:

Die Größe von einem Beauty-Koffer, 4-Liter-Wassertank, 2,8-Meter-Spiralschlauch, Lithium-Ionen-Akku – der portable Mini-Kärcher ist perfekt für Fahrräder, matschige Wanderschuhe, Hunde und alles, was man abspritzen möchte, ohne Strom-und Wasseranschluss in der Nähe.

Testergebnis:

Wer ihn einmal ausprobiert hat, will ihn nie wieder hergeben. Er steht im Auto, ohne viel Platz wegzunehmen, und spritzt Kinderstiefel und Hunde ab. So bleiben Auto und Wohnung sauber. Akkuleistung, Wassermenge und -druck sind perfekt.

Das Gerät:

In 22 Minuten das Haus saugen und wischen – gute Zeit! So lange hält der Akku. 3,3 kg wiegt der Nasssauger, es gibt zwei Reinigungsstufen, und die Wasserzufuhr wird per Knopfdruck reguliert.

Testergebnis:

Allein, dass man die Hände nicht mehr ins Schmutzwasser tauchen muss … Auch die Saugkraft ist richtig gut (selbst Holzdielen) und das Wischergebnis gleichmäßig. Es bleibt nicht viel Wasser am Boden, sodass der schnell trocknet.

Wenn man dann den Schmutzwassertank leert und sieht, wie schwarz das Wasser ist – ein unglaubliches Gefühl.