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SCHWEDEN: LACHS FÜR ALLE: SCHWEDENS BETONSALMONIDEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 121/2018 vom 23.11.2018

Der Atlantische Lachs – da hat man sofort ungezähmte Wildheit, Wasserfälle, sündhaft teure Lizenzen und sehr viele Angeltage ohne Biss im Kopf. Aber es geht auch anders!Johannes Radtke hat einen Ort besucht, der völlig aus der Reihe tanzt.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 121/2018

Drill in der Sackgasse: Landschaftlich nicht unbedingt reizvoll, aber das bekommt beim Angeln hier eh keiner mit.


„DER LACHS HATTE SICH WOHL RED BULL DURCH DIE KIEMEN GESPÜLT …“


Gerade früh morgens durchbrechen Lachse im Fünf-Kilo-Format die Oberfläche im Sekundentakt.


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Unser Auto fährt langsam über den Staudamm. Der Blick nach unten lässt den Atem stocken – bestimmt drei, vier große Lachse schrauben sich gleichzeitig aus dem Wasser. Überall sind Bugwellen und Ringe buckelnder Fische zu sehen. Mein Puls schraubt sich sofort ein paar Takte in die Höhe. Die Finger werden schwitzig. In diesem Hexenkessel werde ich gleich angeln.

„Hexenkessel“ ist die richtige Bezeichnung für diesen sehr speziellen Angelplatz. Die Mündung des mächtigen Flusses Ljunga ist nur ein paar Kilometer entfernt, und unaufhörlich wandern Lachse den Strom hinauf, denn sie wollen Strömung und Kies. Doch hier, an der massiven Betonmauer, ist Schluss. So ähnlich ist die Lage an vielen schwedischen Flüssen, aber dieser ist wohl der mit dem massivsten Großlachsaufkommen.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass es fast unfair ist, hier zu angeln – doch genau dafür sind diese Fische da. Jährlich werden in Schweden Junglachse besetzt. Sie sollen in die Ostsee ziehen, sich fett fressen und zurückkehren, um gefangen zu werden – „Sea Ranching“ sagt man dazu – ist was dran. Man erkennt die Satzfische an den abgeschnittenen Fettflossen. Durch den Verkauf von Angellizenzen finanziert sich das Prinzip. Die Alternative wären quasi lachsfreie Flüsse und ein höherer Angeldruck auf die wenigen intakten Gewässer Schwedens. Neben den besetzten Fischen haben auch die regulierten Flüsse einen ganz guten Bestand sich reproduzierender, wilder Lachse – dem Besatz sei Dank!

MATERIALSCHLACHT

Auch wenn es schwerfällt, hören mein Begleiter Guido und ich Uwe aufmerksam zu. Er erklärt im Detail den Angelplatz, die Montage und wie gefischt wird. Schon bei seiner Schilderung werden zwei Dinge klar: Das Angeln hier ist eine Materialschlacht und wenn einer beißt (was nicht unwahrscheinlich ist), muss man sich richtig ins Zeug legen.

Ein Reiseanbieter, der weiß, wie es geht:Guido mit Siegerfaust war an diesem Angeltag ein gewohntes Bild.


Der Flussgrund besteht aus scharfkantigen Felsen und Geröll – und wir werden mit einer Bodentaster-Montage in der Drift stromab angeln! Es ist klar, das diese beiden Umstände eine Menge Hänger und einiges an Fingerspitzengefühl erfordern.

Die ersten Gehversuche mit den langen, weichen Ruten und enormen Vorfächern sind etwas ungewohnt. Nach ein paar Würfen habe ich auch schon den ersten – Hänger. Uwe lächelt mich nur an, das gehört halt dazu. Noch während ich ein neues Vorfach anknüpfe, dröhnt ein Schrei von Guido zu mir herüber. Er hat tatsächlich einen der gefühlt hunderten Lachse zum Nehmen der Fliege bewegt. Der Drill ist heftig. Sofort prescht der Fisch stromab – zum Glück! Stromauf lauern einige fiese Felsen in Ufernähe. Auf dem Metalsteg können wir dem Fisch stromab folgen. Nach ein paar Minuten landet der erste Lachs im Kescher. Was für eine Brosche! Etwas über zehn Kilogramm schwer und mit beeindruckendem Laichhaken – ein Wahnsinnsfisch!

Genau da muss sie hin! Die winzige Lachsfliege sitzt perfekt im Maulwinkel.


Schwedisches Dynamit – Guidos zweiter Lachs kämpfte mehr über als unter Wasser.


Insbesondere große Lachs-Männchen sind absolut beeindruckende Tiere!


IM LACHS-TUNNEL

Der Haken sitzt genau, wo er soll – im Maulwinkel. Das muss er auch, denn jeder Fisch, der nicht ganz klar im Maul gehakt ist, wird sofort zurückgesetzt. Es ist logisch, dass es bei so vielen Fischen nicht ausbleibt, dass mal einer unbeabsichtigt von außen gehakt wird.

Während des Angelns kann man wirklich alles rundherum vergessen. Die Betonmauer, die anderen Angler, den Metallsteg, auf dem man steht, Essen und Trinken natürlich auch. Die schiere Anwesenheit dieser gewaltigen Fische und die allgegenwärtige Chance, dass einer der Torpedos die Fliege nimmt … ich bin voll im Lachs-Tunnel! Nach einer knappen Stunde hake ich tatsächlich einen Fisch ganz am Ende der Drift. Fühlt sich irgendwie nicht so groß an – tatsächlich, ein gutes Stück flussabwärts springt eine anderthalb Kilo schwere Meerforelle – und schüttelt dabei meine Fliege ab. Egal, weiter!

Eine weitere Stunde später denke ich bei mir: „Mensch, diese Drift ist jetzt echt genau richtig!“ Fast im selben Moment schlägt es ein – und dieser Fisch drillt mich! Sofort geht es mit ungeheurer Kraft flussaufwärts – in Richtung spitzer Felsen. Doch ich halte die Bremse fest, setze alles auf eine Karte und kann den Fisch so ein wenig lenken. Das schmeckt ihm gar nicht – mitten im Fluss schraubt sich ein silberblanker, riesiger Fischkörper in die Luft, mir stockt der Atem. Oh. Mein. Gott.

Johannes’ großer Lachs war fast nicht zu stoppen. Leider blieb er das Fangbild schuldig.


Ein Traum von einem Fisch, doch am Ljunga muss es auch für „Lachs-Anfänger“ nicht beim Traum bleiben!


Der Drill bleibt sehr intensiv, der Fisch muss ganz frisch aufgestiegen sein oder sich die Familiendose Red Bull zum Frühstück durch die Kiemen gespült haben. Jedenfalls lässt er mir keine Pause, nicht für eine Sekunde. Nach ein paar Minuten – gefühlt einer halben Stunde – schlägt er mit der Schwanzflosse in die Schnur, dass es mir beinahe die Rute aus der Hand haut. Und dann ist er weg. Einfach so. Ausgestiegen. Ich bin am Boden zerstört: Den Fisch wollte ich wirklich haben! Ich weiß überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll. Noch während ich immer tiefer in einer anglerischen Krise versinke, fangen die Fische plötzlich noch wilder an zu steigen, zu springen und zu buckeln. Uwe erklärt, dass die abfließende Wassermenge vom Kraftwerk reguliert wird und sich teilweise mehrfach täglich ändert. Offensichtlich macht das die Fische gerade ganz kirre.

Doch nicht bei mir schlägt es Minuten später ein. Schon wieder dieser Angelreisenveranstalter aus Berlin! Nach kurzem, aber heftigem Drill landet ein fast gänzlich blankes Traum-Exemplar im Kescher. Abgesehen von einem ganz kurzen, anfänglichen Anflug von klassischem Fangneid kann ich mich wahnsinnig mit Guido und Uwe über dieses Kraftpaket freuen.

Der Angeltag neigt sich langsam dem Ende zu. Unser Guide Uwe ist nicht ganz zufrieden – wie bitte? Wir haben zu zweit zwei Lachse gelandet, ungefähr acht und zehn Kilogramm schwer, dazu ein paar Kontakte. Und ich habe ein schweres Verlust-Trauma erlitten. Was will man mehr? An welchem anderen Lachsfluss in Europa geht das? Laut Uwe an kaum einem – und eigentlich hätte es noch „etwas besser“ laufen können.

Mein Fazit: Manchmal verliert man, und manchmal fängt Guido einfach die Lachse. Verloren war dieser Tag dennoch ganz sicher nicht! Diese Eindrücke werden mich mindestens bis zum nächsten Besuch in Sundsvall begleiten – ich habe mit den Betonlachsen schließlich noch ein sehr nachtragendes Hühnchen zu rupfen.

MONTAGE

Die Montage ist einfach und vor allem leicht nachzuknüpfen. Das ist auch wichtig, denn Abrisse sind nicht selten.

UNTERKUNFT

Wir waren mit K&N Angelreisen Berlin zu Besuch bei Uwe Lehrer. Sein Anglercamp am Huljensjön ist perfekt auf Angler eingestellt, die ihren ersten Lachs fangen wollen. So stellt Uwe sämtliches Gerät, das für diese besondere Angelei nötig ist. Im Haussee kann von den dazugehörigen Booten aus gut auf Hecht, Barsch und Quappe geangelt werden.
Buchung und Informationen www.angelreisen-k-n.berlin

Rotes Holzhaus, Boot mit Außenborder und jede Menge Hechte vor der Tür – so stellt man sich Schwedenurlaub vor!

FOTO: J. RADTKE

FOTOS: J. RADTKE

FOTOS: J. RADTKE, G. BUSCH