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SCHWELLENLÄNDER: AFRIKA EIN SCHMELZTIEGEL FÜR KREATIVITÄT


Harvard Businessmanager - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 22.01.2019

Afrikas Probleme haben den Kontinent jahrzehntelang abgehängt. Doch jetzt lösen innovative Geschäftsmodelle und Technologien die Herausforderungen. Nebenbei entsteht ein Versuchslabor für Unternehmer.


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Bildquelle: Harvard Businessmanager, Ausgabe 2/2019

Wie viele Unternehmen in Afrika erzielen jährlich einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar oder mehr? Stellt man diese Frage internationalen Führungskräften, glauben die meisten, es seien weniger als hundert. Bei manchen lautet die Antwort sogar „null”. Und die Realität? Es gibt vierhundert solcher Unternehmen – und im Durchschnitt wachsen sie schneller und sind profitabler als ihre globalen Mitbewerber. ...

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Wir haben viele dieser Unternehmen beraten, während sie sich rasant über ganz Afrika und darüber hinaus ausbreiteten. Dabei konnten wir einen unerwarteten Nebeneffekt beobachten: Afrika ist zu einem wichtigen Testlabor für globale Innovationen geworden. Wenn Sie ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Geschäftsmodell entwickeln können, das marktwirtschaftlich ist und robust genug, um in Afrika Erfolg zu haben – dann wird es sich wahrscheinlich auch in vielen anderen Regionen der Welt durchsetzen.

Dabei wollen wir die Herausforderungen für den Markteintritt in Afrika gar nicht kleinreden (Herausforderungen, deren sich erfolgreiche Unternehmer sehr wohl bewusst sind): Unzureichende Infrastruktur kann beispielsweise bedeuten, dass Unternehmen ihre eigenen Lieferketten aufbauen müssen. Mangelnde allgemeine Schulbildung kann heißen, dass sie den Mitarbeitern grundlegende Fähigkeiten und Einstellungen beibringen müssen. Doch derartige Herausforderungen bieten auch die Möglichkeit, Werte zu schaffen.

Um internationale Führungskräfte und Unternehmer dabei zu unterstützen, aus Afrika kommende Innovationen zu erkennen, von ihnen zu lernen, mit ihnen zu kooperieren oder in sie zu investieren, haben wir eine Systematik mit sechs Innovationstypen entworfen. Diese werden wir auf den folgenden Seiten darstellen.

Technologie zieht sich als roter Faden durch das Gesamtbild: Mehr als wahrscheinlich irgendeine andere Region ist Afrika Vorreiter bei Entwicklungen auf digitaler Basis. Sie können Unternehmen helfen, starre Barrieren zu überwinden und einen sprunghaft wachsenden Fortschritt loszutreten.

ZUGANG ZUR FINANZWELT DURCH LOWTECH UND HIGHTECH

In den Schwellenländern haben zwei Milliarden Menschen und 200 Millionen Unternehmen keinen Zugang zu Sparplänen und Krediten. Und wenn sie diesen Zugang haben, bezahlen sie oft viel Geld für eine bescheidene Auswahl an Produkten (siehe die Grafik „Ein Leben ohne Konto” rechts). Das Problem ist keinesfalls auf die Schwellenländer beschränkt. In den Vereinigten Staaten besitzt einer von 14 Haushalten – insgesamt sind es etwa 9 Millionen – kein Giro-oder Sparkonto, oft weil es schlichtweg zu teuer ist. Weitere 24 Millionen haben nur eingeschränkten Zugang zu Finanzinstituten: Obwohl sie ein Konto besitzen, greifen sie auf überteuerte Finanzprodukte und Dienstleistungen außerhalb des offiziellen Bankwesens zurück, wie zum Beispiel Payday Loans (Kurzzeitkredite).

Um den vom Finanzsystem ausgeschlossenen Haushalten zu helfen – und dies auf profitable, nachhaltige Weise –, müssen Banken und andere Unternehmen sowohl auf technologiebasierte Lösungen setzen als auch auf einfache Behelfslösungen. Für beides bieten afrikanische Unternehmen überzeugende Beispiele. So hatte die Equity Bank, die 2004 aus einer kleinen Bausparkasse in Kenia hervorgegangen ist, 2017 bereits mehr als zwölf Millionen Kunden in ganz Ostafrika, mehr als fünf Milliarden US-Dollar in Vermögenswerten und wies Gewinne vor Steuern in Höhe von 270 Millionen US-Dollar aus. James Mwangi, der Gründungs-CEO, erzählte uns, Zweck der Bank sei es vor allem, „ein gesellschaftliches Problem zu lösen: den mangelnden Zugang zu Zahlungssystemen”. Das Problem hat für ihn eine zutiefst persönliche Bedeutung. „Ich bin in einer ländlichen Gegend aufgewachsen, und meine Mutter hatte kein Bankkonto”, erinnerte er sich. „Die nächste Bankfiliale war 50 Kilometer entfernt, und die Mindesteinlage zur Eröffnung eines Kontos entsprach dem Mehrfachen ihres Jahreseinkommens.” Also bewahrte sie, wie die meisten anderen Kenianer, ihr Geld unter der Matratze auf.

An der Wende zum 21. Jahrhundert verfügte nicht einmal einer von zehn Erwachsenen in Kenia über ein eigenes Bankkonto. Heute sind es zwei Drittel, was zu einem großen Teil den Innovationen der Equity Bank zu verdanken ist. „Wir wussten, dass wir uns um die Bedürfnisse der Leute kümmern mussten, denen es ging wie meiner Mutter”, erklärte Mwangi. Lange bevor das Banking per Smartphone aufkam, führte die Equity Bank etwas ein, das sie mobiles Banking nannte: Minibankfilialen, die auf die Ladefläche eines Land Rover passten und von Dorf zu Dorf gefahren wurden. Die bekannteste Innovation der Bank ist jedoch ihr System des Bankshops: Im ganzen Land wurden mehr als 30.000 kleine Läden als Bankagenturen eingesetzt und bevollmächtigt, Ein-und Auszahlungen durchzuführen.

Neben diesen recht analogen Innovationen hat die Equity Bank auch das exponentielle Wachstum der mobilen Telefonie in Afrika vorangetrieben. Noch im Jahr 2000 gab es in der gesamten Subsahara-Region weniger Telefonleitungen als auf der Insel Manhattan. 2016 gab es über 700 Millionen Mobilfunkgeräte quer über den Kontinent – grob gerechnet eines für jeden Erwachsenen. Die Mobiltelefone haben das Leben der Afrikaner in wichtigen Bereichen verändert, etwa indem sie Bargeldtransaktionen durch schnelle und sichere mobile Zahlungen ersetzten. Inzwischen gibt es 122 Millionen aktive mobile Geldkonten in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara – mehr als in irgendeiner anderen Region der Welt (siehe Grafik „Afrika ist führend im mobilen Banking” auf Seite 86). Dieses Wachstum ermöglichte es der Equity Bank, ihre mobilen Land-Rover-Filialen aufzugeben. 2015 führte sie mit Equitel, ihrer Banking-App für Mobiltelefone, echtes mobiles Banking ein. Die große Mehrheit der Barzahlungen und Kreditverträge bei der Bank wird inzwischen über Equitel abgewickelt. Dadurch kann die Bank besonders effizient arbeiten.

NEUE PARTNERSCHAFTEN SCHAFFEN EINE NEUE INFRASTRUKTUR

In hoch entwickelten Ländern klaffen ebenso wie in Schwellenländern immer noch Lücken in der Infrastruktur für Transport, Energie und Wasser sowie in der „weichen” Infrastruktur, etwa bei Einrichtungen des Gesundheitswesens. Unsere Kollegen von McKinsey vermuten, dass die Lücke zwischen der derzeit vorhandenen und der nötigen Infrastruktur weltweit Ausgaben in Höhe von jährlich 350 Milliarden Dollar verursacht. Wenn es nicht gelingt, die Lücke zu schließen, wird sich das Wachstum verlangsamen und die schnell wachsenden Städte werden gewaltig unter Druck geraten. Nirgendwo ist die Diskrepanz größer als in Afrika, wo beispielsweise fast 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben. Dieses Defizit hat einige kühne öffentlich-private Kooperationen hervorgebracht, die für andere Regionen zum Vorbild werden könnten.

Ein typisches Beispiel dafür sind die Vereinbarungen „Company to Country” („Unternehmen für das Land”) zwischen General Electric (GE) und verschiedenen afrikanischen Regierungen. Sie stehen für eine neue Dimension des Umgangs mit Kunden aus dem öffentlichen Sektor. So fördert zum Beispiel die Vereinbarung GEs mit Nigeria die Finanzierung, die Planung und den Ausbau lebenswichtiger Infrastruktur. Zu den Projekten zählen die Entwicklung einer Energieerzeugungskapazität von 10.000 Megawatt, Flughafenerweiterungen, die Modernisierung des Lokomotivenfuhrparks der nationalen Eisenbahngesellschaft und der Bau öffentlicher Krankenhäuser und Diagnosezentren. Jay Ireland, der ehemalige Präsident und CEO von GE Afrika, seit Kurzem im Ruhestand, beschreibt den Ansatz als „Mantelvereinbarung, die unsere Kapazitäten als Konzern mit den Aufgaben, vor denen das Land stand, zusammengebracht hat. Dazu gehört, die Netzleistung zu erhöhen, die Logistik zu stärken und die Leistungen des Gesundheitssystems zu verbessern.”

Andere Innovationsförderer in Afrika nutzen das mobile Geldgeschäft zusammen mit den Entwicklungen bei Solarenergie und Batteriespeichern, um die Lücken in der Stromversorgung des Kontinents zu überbrücken. So bietet zum Beispiel die in Kenia ansässige M-KOPA bezahlbare solarbetriebene Stromerzeugungs-und Speicherlösungen für Haushalte an, die keinen Zugang zum Netz haben – und finanziert gleichzeitig die Bezahlung mit einer Laufzeit von zwölf Monaten über mobile Konten. Seit seiner Gründung 2011 hat M-KOPA über 600.000 Haushaltssets verkauft und Investitionen von internationalen Konzernen wie dem japanischen Mischkonzern Mitsui erhalten. Ein weiteres Beispiel ist Fenix mit Standort Uganda, das 140.000 Solarstromausrüstungen verkauft hat, auch dies ermöglicht über mobile Bezahlsysteme. Ende 2017 wurde Fenix von Engie übernommen, einem globalen Energiekonzern aus Frankreich. Engie setzt auf digitale Technologien und möchte so bis 2020 weltweit 20 Millionen Menschen mit erneuerbarer, dezentralisiert erzeugter Energie versorgen.

KLUGE KONZEPTE FÜR DIE INDUSTRIALISIERUNG

Lokale Produktion ist eine weitere Sparte afrikanischer Innovationen, die auch für andere Regionen wichtig sein kann: Sie hilft, die Industrie vor Ort zu erweitern oder zu aktivieren, lokalen Anforderungen gerecht zu werden und stabile Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Aliko Dangote aus Nigeria, dessen Dangote Industries das scheinbar Unmögliche schaffte: Sie hat Produktionsstätten im großen Stil gebaut, obwohl das Land mit chronischen Stromausfällen, der Volatilität des Umtauschkurses und anderen Hindernissen, wie kaum ausgebauten regionalen Versorgungsketten und mangelnder technischer Ausbildung, zu kämpfen hatte. „Uns war sehr wohl bewusst, dass alle, die bisher Versuche zur Industrialisierung Nigerias unternommen hatten, aufgeben mussten”, erklärte uns Dangote. Also entwickelte er ein belastbares Produktionsmodell, mit vertikaler Integration und einer eigenen Stromerzeugung vor Ort, traf verlässliche Absprachen mit der Regierung und richtete eine hauseigene Ausbildungseinrichtung für die Produktion ein.

Inzwischen stellt seine Gruppe Pasta, Zucker, Salz, Mehl, Kunststoffe und Zement in riesigen Mengen her, Mineralöl und Düngemittel sollen bald hinzukommen – alles Güter, die Nigeria früher importiert hat. Das Unternehmen hat 30.000 Arbeitsplätze geschaffen und Dangote selbst zum reichsten Afrikaner gemacht.

In Afrika ist außerdem eine wachsende Anzahl innovativer Branchen ansässig – von der Autoherstellung bis hin zu chemischen Betrieben. Sie verbinden die neuesten Technologien mit den Vorzügen des afrikanischen Arbeitsmarktes, um sowohl der afrikanischen als auch der globalen Nachfrage gerecht zu werden. Eine Analyse des McKinsey Global Institute prognostiziert für diese „globalen Innovationen” ein gewaltiges Potenzial zur Produktionssteigerung: Demnach könnte Afrika seine Produktionsleistung innerhalb von zehn Jahren verdoppeln.

In Marokko hat die Automobilindustrie ihre Exporterträge beispielsweise um ein Zwölffaches gesteigert, von 0,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2004 auf 5 Milliarden im Jahr 2015. In dieser Zeit hat sie außerdem 67.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Die französischen Autobauer Renault und Peugeot haben zusammen mehr als zwei Milliarden US-Dollar investiert, um Fertigungskapazitäten für 650.000 Autos und 200.000 Motoren einzurichten. Außerdem hat Marokko in die Luftfahrt und andere zukunftsweisende Sektoren investiert. Die Unternehmen nutzen in diesen hochtechnisierten afrikanischen Betrieben sowohl die Automatisierung als auch die gute Arbeit der Fachkräfte. Das ist durchaus sinnvoll: Die Lohnkosten betragen zum Beispiel in Marokko nur etwa ein Drittel der Ausgaben, die selbst in europäischen Niedriglohnländern üblich sind. Und die Zahl der Fachkräfte in Afrika wächst rasch; bis 2034 wird sie diejenige Chinas und Indiens übersteigen. Bis 2050 wird der Anteil der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter auf dem afrikanischen Kontinent bei über 1,5 Milliarden Menschen liegen (siehe Grafik „Bevölkerungsboom in Afrika” rechts unten).

NEUE METHODEN DER LEBENSMITTELHERSTELLUNG

Mehr als 800 Millionen Menschen weltweit – das sind 11 Prozent der Weltbevölkerung – leiden unter Hunger. Die große Mehrheit von ihnen lebt in Entwicklungsländern, davon 520 Millionen in Asien und 240 Millionen in Afrika. Aber Hunger sucht auch viele Haushalte mit geringem Einkommen in reichen Ländern heim. Mehr als 40 Millionen Menschen sind es allein in den Vereinigten Staaten. Die Vereinten Nationen haben das Ziel gesetzt, dass der Hunger bis 2030 beseitigt sein soll. Um das zu erreichen, wird der landwirtschaftliche Sektor Innovationen in der Technologie und im Management vorantreiben müssen, damit die Ernten verbessert werden. Die Lebensmittelhersteller werden bezahlbare, nahrhafte Lebensmittel produzieren müssen und die Distributionssysteme neu einrichten, um diese Nahrung zu den Menschen auf den Tisch zu bringen. Aus Afrika kommen gerade spannende Innovationen auf diesen Gebieten.

Nehmen wir einmal Babban Gona (was in Hausa, einer nordnigerianischen Sprache, „großer Bauernhof” bedeutet). Die nigerianische soziale Initiative vernetzt Kleinbauern und erbringt Dienstleistungen für sie. Die Mitglieder erhalten Weiterbildungen und Schulungen, Kredite, landwirtschaftliche Fachinformationen, Unterstützung beim Marketing und andere wichtige Dienstleistungen. Seit seiner Gründung 2010 hat Babban Gona mehr als 20.000 nigerianische Bauern aufgenommen, die ihre Ernten im Durchschnitt mehr als verdoppelt haben und ihr Nettoeinkommen auf das Dreifache des nationalen Durchschnitts steigern konnten. Die teilnehmenden Kleinbauern, die normalerweise als Kreditkunden mit hohem Risiko eingestuft werden, können bei den über das Programm vermittelten Krediten eine Rückzahlungsrate von 99,9 Prozent aufweisen. Der Gründer von Babban Gona, Kola Masha, möchte bis 2025 eine Million Bauern in das Programm aufnehmen und so den Lebensunterhalt für fünf Millionen Menschen sichern. Weitere Initiativen für Kleinbauern werden überall auf dem Kontinent eingerichtet, und auch große landwirtschaftliche Betriebe expandieren gewaltig in Größe und Ertrag. Zusammen könnten sie die Hungersnot in Afrika für immer beseitigen. Unsere Analyse zeigt, dass die durch Babban Gona ermöglichten Erntesteigerungen, sofern sie auf den gesamten Kontinent ausgeweitet würden, groß genug wären, um die wachsende Bevölkerung Afrikas zu ernähren und zudem in andere Regionen zu exportieren.

Die „grüne Revolution” Afrikas wird gerade durch eine neue Generation von Techgründern vorangetrieben. Eine davon ist Sara Menker, eine in Äthio pien geborene ehemalige Rohstoffhändlerin an der Wall Street. Sie erkannte, dass den Bauern und Investoren die nötigen Informationen fehlten, um Getreidesorten und Märkte auszuwählen, mit Risiken durch Wetter und andere Gegebenheiten umzugehen und zu erkennen, wo und wann sie in die Infrastruktur investieren sollten. Also gründete sie Gro Intelligence, das sie als „eine Wikipedia für die Landwirtschaft, ergänzt um ein sehr gründliches Analysemodul” beschreibt. Das Unternehmen betreibt Büros in Nairobi und New York, und seine Kunden reichen von den weltweit größten Staatsfonds und Hedgefonds bis hin zu einzelnen Rohstoffhändlern in Afrika und dem Rest der Welt. Andere digitale Start-ups bieten landwirtschaftliche Beratung, Wetterprognosen und Finanztipps und helfen den Bauern, auf ihre Saaten bezogene Daten so zu erheben und zu analysieren, dass sie die richtigen Dünger verwenden und ihre Felder optimal bewässern können.

BEZAHLBARE, LEICHT VERFÜGBARE KONSUMGÜTER

Mehr Nahrungsmittel anzubauen ist ein wesentlicher Schritt zur Beseitigung von Hunger. Aber ebenso wichtig ist es, dass jeder Mensch eine nahrhafte, bezahlbare Mahlzeit erhält. Einige werden vielleicht die Indomie-Instantnudeln kennen, die zu den erfolgreichsten Konsumgütern Nigerias gehören (siehe „Afrikas neue Innovatoren”, Harvard Business Manager, Juli 2017). Die Nudeln werden in Portionspackungen für umgerechnet weniger als 20 Cent verkauft, können in knapp drei Minuten gekocht werden und ergeben in Kombination mit einem Ei eine sättigende Mahlzeit. Dufil Prima Foods hat sie 1988 in Nigeria eingeführt. Als der Verkauf durch die Decke ging, stellte das Unternehmen bald vom Import auf die Produktion vor Ort um. CEO Deepak Singhal erklärte uns: „Wir haben ein Lebensmittel geschaffen, das für Nigeria wichtig ist. Und innerhalb von 10 bis 15 Jahren ist unser Name zu einem festen Begriff geworden.”

Dufil hat außerdem grundlegende Innovationen angestoßen, um die Indomie-Fertignudeln zu Verbrauchern in ganz Nigeria zu bringen. Das Unternehmen betreibt ein Verteilernetzwerk für den Außendienst mit mehr als 1000 Fahrzeugen, darunter Motorräder, Lieferwagen und Dreiräder. Wo die Außendienstler mit dem Wagen nicht hinkommen, dahin gehen sie zu Fuß. Darin lag eine entscheidende Neuerung, denn der Weg des Unternehmens zu den Kunden führt manchmal eher über Tausende kleiner, häufig inoffizieller Verkaufsstellen als über ein organisiertes Supermarktnetz. Der Distributionsansatz von Dufil hat weltweit Aufmerksamkeit erregt: 2015 investierte Kellogg 450 Millionen US-Dollar, um die Hälfte des westafrikanischen Verkaufs-und Vertriebszweigs von Indomies Muttergesellschaft Tolaram Afrika zu erwerben. Und 2018 war das Unternehmen bereit, 420 Millionen US-Dollar für einen Anteil an Tolarams Lebensmittelproduktion auf den Tisch zu legen.

Auch hier, auf dem Konsumsektor Afrikas, werden die Innovationen durch mutige Schritte von Unternehmern aus dem Technikbereich vorwärtsgetrieben. Ein Beispiel dafür ist das E-Commerce-Start-up Jumia. 2012 gegründet, hat es inzwischen mehr als zwei Millionen aktive Kunden in 13 afrikanischen Ländern, und jedes Jahr verdoppeln sich die Verkaufszahlen. Auch wenn Jumia sein Geschäftsmodell noch nicht vollständig umsetzen konnte und auch noch keinen Profit macht, so hat es doch bereits mehrere Hundert Millionen Dollar Investitionen von Goldman Sachs und anderen einwerben können.

Sacha Poignonnec, der in Frankreich geborene CEO von Jumia, erläutert, dass in Afrika 60.000 Menschen auf jede offizielle Einzelhandelsfiliale kommen, während es in den USA um die 400 Menschen pro Laden sind. Er erklärte uns: „In den Vereinigten Staaten verändert der Internethandel erst langsam die jahrhundertealten Einkaufsgewohnheiten. Hier in Afrika schafft er die Gewohnheiten: Die Menschen tätigen gerade ihre ersten großen Einkäufe, etwa ein Smartphone – und die sind gleichzeitig ihre ersten Onlinekäufe.”

Um diese Gewohnheiten zu fördern, entwickelte Jumia das Verkaufsprogramm J-Force, bei dem Handelsvertreter mit ans Netz angeschlossenen Tablets von Haus zu Haus gehen und Bestellungen von Kunden entgegennehmen, die keinen Internetanschluss haben. „Dadurch können die Verkäufer selbst Unternehmer werden”, so Poignonnec, „und erfolgreich ihren eigenen Onlinehandel direkt von zu Hause aus betreiben.” Außerdem richtete Jumia einen Logistikdienst ein, um die Onlinebestellungen zustellen zu können; 2017 lieferten sie acht Millionen Pakete aus, viele davon in entlegene ländliche Gegenden. Und sie bauten eine eigene Bezahlplattform auf, damit die afrikanischen Kunden Vertrauen in Onlinebezahldienste aufbauen konnten. Solche Innovationen können Afrika helfen, den erstarrten, kostenintensiven Einzelhandel zu umgehen und gleich mit einem E-Commerce-Modell zu arbeiten, das den Kunden eine größere Auswahl und niedrigere Preise bietet, ganz unabhängig davon, wo sie wohnen.

KAPAZITÄTEN FÜR DIE ZUKUNFT SCHAFFEN

Weil so viele junge Menschen in Afrika in die erwerbstätige Bevölkerung hineinwachsen, sind neue Wege bei der Ausbildung und der Entwicklung von Fertigkeiten unumgänglich. Auch global betrachtet ist das Thema relevant: Mehr als 75 Millionen junge Menschen sind weltweit arbeitslos, während ande rerseits viele Unternehmen keine Kräfte finden, die die nötigen Fertigkeiten für Einstiegspositionen mitbringen. Das liegt zum Teil daran, dass viele Bildungssysteme weder die technischen noch die sozialen Fähigkeiten vermitteln, die man braucht, um in der sich rasant verändernden Arbeitswelt zurechtzukommen.

Eine afrikanische Lösung für das Problem der mangelnden Fachkenntnisse bei jungen Menschen ist Generation Kenya, eine Non-Profit-Organisation, die mit 180 Arbeitgebern aus der Region als Partnern 37 Ausbildungseinrichtungen im gesamten Land betreibt. Jede von ihnen bietet umfassende Boot-Camp-Programme über sechs bis acht Wochen an, die in Bereichen wie Einzelhandel und Finanzhandel, Kundenservice und Apparatebau auf den Beruf vorbereiten sollen. In den Programmen wird nicht nur das nötige Fachwissen vermittelt; in Rollenspielen und Teamübungen trainieren die Teilnehmer auch Verhaltensweisen, wie etwa Pünktlichkeit und Belastbarkeit. Bis 2017 haben mehr als 8000 junge Kenianer ein Programm von Generation Kenya durchlaufen. 89 Prozent von ihnen fanden innerhalb von drei Monaten nach dem Abschluss eine reguläre Beschäftigung: ein ermutigender Beweis dafür, dass kluge Ausbildungsprogramme junge Leute, wo auch immer sie leben, schnell in die Lage versetzen können, leistungsfähige Mitarbeiter in modernen Wirtschaftsbetrieben zu werden. (Zur Information: Generation Kenya, heute eine globale Non-Profit-Organisation, ist von McKinsey gegründet worden und wird auch weiterhin von uns unterstützt, ebenso wie andere philanthropische Gruppen, darunter USAID).

Andere afrikanische Innovationen im Bildungsbereich sind bewusst technisch ausgerichtet. GetSmarter ist ein südafrikanisches Start-up, das für Studenten überall auf der Welt Onlinezertifikatskurse anbietet und dabei von Ferntutoren und Coaches unterstützt wird. 2017 wurde es von 2U, einer in den Vereinigten Staaten ansässigen Gesellschaft für Bildungstechnologie, für 103 Millionen US-Dollar übernommen. Ein weiteres Beispiel ist die African Leadership University oder ALU. Auf ihren Campussen in Mauritius und Ruanda werden Studenten darauf vorbereitet, sich eigenständig weiterzubilden, mit technischen Hilfsmitteln, Peer-Learning und viermonatigen Praktika bei Partnerunternehmen, wodurch ALU mit nur wenigen Lehrkräften auskommt. Gegründet wurde die ALU von Fred Swaniker. Das Ziel des Ghanaers und Stanford-Absolventen: eine Einrichtung für höhere Bildung zu entwickeln. „Die an unserer Universität ausgebildeten Fachkräfte können durchaus mit Studenten aus Harvard und Stanford mithalten”, erklärte er uns. „Aber wir schaffen das mit 10 Prozent der Gebäude und mit 10 bis 20 Prozent der Kosten.”

WIE SICH FORTSCHRITT MESSEN UND FÖRDERN LÄSST

Bei unserer Beratertätigkeit haben wir beobachten können, wie ganz unterschiedliche Unternehmen und Genossenschaften in Afrika und Umgebung außergewöhnliche wirtschaftliche Leistungen erbracht haben. Obwohl sich die Innovatoren in ihrer geografischen Reichweite und dem gewählten Sektor erheblich unterscheiden, haben sie eines gemein: Sie alle betrachten Hindernisse als Ansporn für Innovationen und Marktlücken als Wachstumschancen. Sie haben Geisteshaltungen und Praktiken kultiviert, die auch Betriebe auf anderen Märkten gewinnbringend einsetzen könnten.

Das sollte mit einem feinen Verständnis für die Bedürfnisse potenzieller Kunden anfangen – denken wir daran, wie M-KOPA Menschen den Zugang zu Elektrizität ermöglicht hat, die bislang davon abgeschnitten waren, oder wie Indomie-Instantnudeln den Kunden eine preisgünstige, sättigende und leicht zuzubereitende Mahlzeit zur Verfügung stellt. Es bedeutet außerdem, das Geschäftsmodell neu zu überdenken, um sich wirklich auf die Kunden einzustellen, so wie es die Equity Bank mit ihrem Modell der Bankagenturen und ihren Entwicklungen beim mobilen Banking getan hat. Diese Beispiele zeigen, was zudem für den Erfolg nötig ist: nämlich die Technologie kreativ zu nutzen, unter anderem, um Kosten und Preise herunterzuschrauben.

Ferner haben wir beobachten können, dass erfolgreiche afrikanische Innovatoren sich mehr als andere über mögliche Barrieren, die dem Erfolg entgegenstehen, im Klaren sind – ohne sich jedoch davon lähmen zu lassen. Sie bauen die langfristige Belastbarkeit gleich in ihre Geschäftsmodelle ein. Deepak Singhal von Dufil meint, nur ein „Löwenherz” könne auf einem Markt wie Afrika erfolgreich sein. „Wir haben unser eigenes Logistikunternehmen, unsere eigenen Rohstoffe, unsere eigenen Fabriken und unsere eigenen Verpackungseinrichtungen”, erzählte er uns. „Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Verteilerkette selbst kontrollieren.” Bei einer weltweiten Führungskräftebefragung stellten wir fest, dass derartige Schritte in engem Zusammenhang mit dem angegebenen Wachstum und der Profitabilität in Afrika standen (siehe Grafik „Ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell” links). Angesichts der zunehmenden Instabilität in der Welt – in der Politik, auf den Märkten, im Handel und selbst beim Wetter – würden innovative Betriebe überall gut daran tun, sich mit solchen Ansätzen zu beschäftigen.

Auch bei einem weiteren gewaltigen Hindernis brauchen Betriebe einen festen Stand: Korruption ist in Afrika immer noch weitverbreitet. Wir raten unseren Kunden, an ihren Werten festzuhalten, was auch immer passiert. Wir haben dieses Prinzip selbst in Südafrika getestet, wo wir kurz eine Partnerschaft mit einem regionalen Unternehmen ausloteten, um den nationalen Stromanbieter Eskom zu unterstützen. Dabei mussten wir erfahren, dass der Besitzer des Unternehmens ein fragwürdiger Charakter war, der in einen nationalen Korruptionsskandal verwickelt war. Obwohl wir die Gespräche abgebrochen haben, war diese Erfahrung für uns eine deutliche Lektion: Sie zeigte uns unter anderem, wie wichtig es ist, bei jeder Art von Engagement das Umfeld und alle beteiligten Agierenden mit in den Blick zu nehmen.

Was motiviert fortschrittliche Unternehmer in Afrika, jeden Morgen aufzustehen, durch dieses komplexe Terrain zu navigieren und weiter ihr Geschäft aufzubauen? Was sie alle gemeinsam haben, ist nach unserer Erfahrung das Bewusstsein eines tieferen Sinns. Angesichts der großen Armut in Afrika, der Lücken in der Infrastruktur, bei der Bildung und im Gesundheitswesen sehen sie nicht nur die Markthindernisse; sie sehen menschliche Probleme, für deren Lösung sie sich verantwortlich fühlen. Nehmen wir Strive Masiyiwa, den Vorsitzenden der panafrikanischen Telekommunikations-, Medien-und Technologiegesellschaft Econet Group. An seinen wirtschaftlichen Ambitionen besteht kein Zweifel: Er ist der Hauptanteilseigner der schnell wachsenden Liquid Telecom, der größten afrikanischen Gesellschaft für Breitbandinfrastruktur und Datenservice. Doch ebenso viel Energie hat Masiyiwa in philanthropische Initiativen gesteckt. Er finanzierte aus seinem Privatvermögen Stipendien für mehr als 250.000 junge Afrikaner. „Um wirklich erfolgreich zu sein, muss man mehr sein als nur ein Geschäftsmann; man muss ein verantwortungsbewusster Bürger sein”, erklärte er uns. „Wenn Sie ein Problem erkennen, dann überlegen Sie, wie Sie es wenigstens zum Teil lösen können.” Er fügte hinzu: „Die wirklich interessante Frage ist doch: Was ist die tiefere Ursache für dieses Problem? Was können wir tun, um dort anzusetzen?”

Graça Machel, internationale Menschenrechtsanwältin (und die Kanzlerin der African Leadership University ALU), verweist auf die Verantwortung der Wirtschaft, zum Erreichen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung beizutragen. „Diese Ziele sind ein ambitionierter universeller Aufruf zur Beseitigung der Armut und zum Umweltschutz. Alle, die zur weltweiten Menschheitsfamilie gehören, sollen in Frieden und Wohlstand leben können”, erläuterte sie uns. „Sie haben ein Recht darauf, dass wir niemanden zurücklassen.” Machel sieht eine Chance für den privaten Sektor darin, sich als Partner an der Beseitigung der Armut zu beteiligen und mit dem öffentlichen Sektor und der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten, um im großen Stil Arbeitsplätze zu schaffen. Das „erfordert bei jedem von uns eine Einstellungsänderung”, betonte sie. „Ganze Branchen und die Unternehmensleitungen selbst müssen sich gewaltig verändern – es kann nicht länger ‚Business as usual’ betrieben werden.” Ihr verstorbener Ehemann, Nelson Mandela, hätte dem zugestimmt. Von ihm stammt der berühmte Satz: „Jeder kann über sich hinauswachsen und etwas erreichen, wenn er es mit Leidenschaft und Hingabe tut.”

FAZIT

Niemals zuvor stand der Menschheit ein so großes Maß an Ressourcen, Wissen und Technologie zur Verfügung – und doch ist es ein weiter Weg, bis wir mit diesen Möglichkeiten eine angemessene Lebensgrundlage und ein würdiges Leben für alle Menschen auf der Welt schaffen. Wir glauben, dass Innovationen durch Unternehmen, seien sie groß oder klein, eine zentrale Rolle spielen. Sie sind der Schlüssel zur Bewältigung der größten Herausforderungen auf dem Weg in ein Zeitalter allgemeinen Wohlstands. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wird sein, gegen die Armut anzugehen, die in Afrika immer noch weitverbreitet ist. Aber die Probleme, für die Afrika bekannt ist, sind in erstaunlichem Maße auch in jeder anderen Region der Welt zu finden. Das macht die Innovationen aus dem afrikanischen Versuchslabor so existenziell wichtig für den Rest der Welt.

© HBP 2019 siehe Seite 110

KOMPAKT

DER KONTEXT

Afrikanische Märkte halten eine Vielzahl von Schwierigkeiten bereit. So fehlt Unternehmen für ein solides Wachstum oft die nötige Infrastruktur – oder potenzielle Mitarbeiter haben keinen Zugang zu einer guten allgemeinen Schulbildung.

DIE MÖGLICHKEITEN

Dennoch haben Hunderte von Unternehmen ein starkes Wachstum und hohe Profitabilität erreicht – häufig indem sie das in diesen Herausforderungen liegende Potenzial erkannt haben.

DER FOKUS

Sechs Bereiche sind besonders innovativ: Zahlungssysteme, Entwicklung der Infrastruktur, Produktion, Lebensmittelherstellung, bezahlbare Konsumgüter und Bildung.

EIN LEBEN OHNE KONTO

Anteil der Erwachsenen in der Bevölkerung, die im Jahr 2017 keinen Zugang zu Zahlungssystemen hatten (Angabe in Prozent und Millionen)

AFRIKA IST FÜHREND IM MOBILEN BANKING

Banken nutzen die Verfügbarkeit von Mobiltelefonen, um Millionen von Menschen Bankdienstleistungen zu ermöglichen.

BEVÖLKERUNGSBOOM IN AFRIKA

Die erwerbsfähige Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent soll bis 2034 zahlreicher sein als die in China oder Indien.

EIN WIDERSTANDSFÄHIGES GESCHÄFTSMODELL

Wie viele Organisationen nutzen die folgenden Mittel, um Hindernisse für einen Markteintritt in Afrika zu überwinden? (Angaben in Prozent)

AUTOREN

ACHA LEKE
arbeitet als Senior Partner bei McKinsey & Company in Johannesburg und ist dort Chairman der Region Afrika. Der geborene Kameruner ist Mitbegründer der African Leadership Academy.

SAF YEBOAH-AMANKWAH
arbeitet ebenfalls als Senior Partner bei McKinsey in Johannesburg und ist Managing Partner für Südafrika. Er berät unter anderem Unternehmen aus der Telekommunikationsund Bankingbranche.


ILLUSTRATION: MARK SMITH

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