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Schwerpunktthema Winterlager: Winterschlaf für Rigg und Segel


Segler-Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 18.09.2019

Jedes Jahr steht zum Saisonende wieder die Frage: Wie soll man Rigg und Segel am schonendsten einwintern? Wir haben uns von Rigg- und Segelexperten Tipps geben lassen, damit das Material zur nächsten Saison wieder voll einsatzfähig ist.

Artikelbild für den Artikel "Schwerpunktthema Winterlager: Winterschlaf für Rigg und Segel" aus der Ausgabe 100/2019 von Segler-Zeitung. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Im Winterlager sollte das gesamte Rigg gecheckt werden.


Foto: Somoneit Sail Service

Die Lagerung

Die Rigg-Spezialisten von Gotthardt gehen detailliert auf die Lagerung und Wartung des Riggs und seiner Komponenten ein:

Lagerung Rigg

• Mast, Großbaum und die Rollreffanlage müssen im Winterlager gut belüftet gelagert werden. Segelnuten müssen jeweils unten liegen, damit sich ...

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• Mast, Großbaum und die Rollreffanlage müssen im Winterlager gut belüftet gelagert werden. Segelnuten müssen jeweils unten liegen, damit sich darin kein Wasser sammeln und im Winter Frostschäden verursachen kann. Das gilt besonders für die Rollreffanlage. Masten, Spieren und die Rollreffanlage dürfen nicht in Plastik oder anderes Material eingeschlagen werden, weil das die Luftzirkulation behindert.
• Vermeiden Sie es, einen lackierten Mast auf Lagerböcken oder Auslegern mit Schutzmaterial zu lagern, das Feuchtigkeit hält. Die Feuchtigkeit kann Flecken im Lack verursachen. Nehmen Sie kein Weichholz oder Teppichmaterial, sondern Hartholz oder Nylon.
• Wenn Sie den Mast praktischerweise als „Firststange“ für die Winterplane benutzen, sichern Sie unbedingt den Mast gegen Scheuern der Plane. Bedenken Sie, dass das Eloxal nur eine Dicke von 20 Microns, d.h. 0,02 Millimeter hat. Derartige Scheuerstellen bleiben und sind nicht zu reparieren.
• Carbon-Produkte sind empfindlich gegen Punktbelastung und müssen entsprechend gehandhabt werden.

Boot mit stehendem Rigg an Land

• Entlasten Sie die Wanten, um die Belastung auf den Rumpf zu reduzieren. Kein Teil des stehenden Gutes darf Lose haben, weil sich bewegende Teile über den Winter verschleißen würden.
• Stellen Sie sicher, dass Ihr Bootsgestell stark genug ist, um die erheblichen Windkräfte auf das Rigg sicher aufzufangen.
• Vergessen Sie nicht die Winterinspektion an Ihrem Rigg durchzuführen.

Lagerung Furlex

• Der beste und sicherste Lagerort für eine Furlex ist am Mast. Achten Sie darauf, dass Aluminium-Oberflächen nicht mit Stahlteilen in Kontakt kommen.
• Das untere Lagerteil mit der Trommel und der Fallschlitten können zur Lagerung am Mast leicht abgenommen werden.
• Unter keinen Umständen darf ein ungereinigter oder feuchter Mast mit der Furlex in Plastikfolie oder ähnlichem Material eingepackt werden.
• In frostgefährdeten Gebieten muss die Furlex an einem trockenen Platz und gerade gelagert werden. Anderenfalls können bei Frost gefrierende Wasserreste in den Profilen Schäden verursachen.

Die Wartung des Riggs

Prüfen Sie Ihr Rigg grundsätzlich jährlich und jeweils vor langen Hochseereisen. Legen Sie dazu den Mast auf zwei geeignete Böcke.

Wartung stehendes Gut

• Wischen Sie das stehende Gut mit einem Tuch und Seifenwasser ab.
• Prüfen Sie, ob alle Einzeldrähte unbeschädigt sind. Bei Schäden muss das betreffende Want oder Stag ersetzt werden. Bei Wanten muss auch das jeweils gegenüberliegende Want ersetzt werden, weil sonst die Dehnungseigenschaften unterschiedlich sind und das Trimmen nicht mehr möglich ist. Wir empfehlen dringend, das stehende Gut nach 20.000 Seemeilen komplett zu erneuern. Das entspricht der zu erwartenden technischen Lebenszeit von Litzen (Drähten) für stehendes Gut auf Segelyachten. Stehendes Gut, dass über den Winter in Kontakt mit dem Mast bleibt, kann elektrolytische Korrosion verursachen, bei der das Aluminiumprofil beschädigt wird. Dieses Risiko wird umso höher, je feuchter und salziger die umgebende Luft ist.
• Demontieren Sie die Salinge und das gesamte stehende Gut. Die Salingendbeschläge werden von den Salingen abgenommen. Prüfen Sie die Wantendrähte besonders in dem Bereich, wo die Salingendbeschläge angeschraubt sind. Um das Aufriggen zu erleichtern, können die Salingendbeschläge an den Wanten bleiben. Die Spanner von Mittelwanten, die auf der unteren Saling gelinkt sind, müssen normalerweise nicht entspannt werden.

• Das stehende Gut wird dann aufgerollt und separat gelagert.
• Nehmen Sie die Rollreffanlage ab und von dieser den Leinenführer, Trommel, Schnappschäkel und Fallwirbel.
• Reinigen Sie die Wantenspanner mit Seifenwasser oder Petroleum. Schmieren Sie die Gewinde mit Seldén Wantenspanner- Öl.
• Überprüfen Sie Drahtterminals, Toggles, Verlängerungsglied, Wantenspanner, Verbinder, Bolzen und Splinte auf Beschädigungen und Brüche.

Damit der Rodkicker im Winterlager keinen Schaden nimmt, sollte er so gelagert werden, dass der Anschlagpunkt am Baum höher liegt als der Anschlagpunkt am Mast.


Foto: Gotthardt

Wartung laufendes Gut

• Ziehen Sie das gesamte laufende Gut aus dem Mast. Dabei müssen gleichzeitig an den Enden der Fallen sorgfältig befestigte Pilotleinen eingezogen werden. Die Abnahme des laufenden Gutes erleichtert die Inspektion, ermöglicht das Waschen der Fallen und verhindert Diebstahl.
• Das gesamte laufende Gut soll auf Beschädigungen am Tauwerk, Spleißen und mögliche „Fleischhaken“ am Draht überprüft werden. Wenn Sie eine Beschädigung finden, suchen Sie die Ursache und reparieren bzw. tauschen aus.
• Falls das laufende Gut im Mast gelassen wird, sollte jeweils die Drahtseite der Fallen aus dem Mast gezogen, aufgerollt und vom Mast isoliert gelagert werden. Damit wird mögliche galvanische Korrosion des Aluminiums vermieden. An dem freien Ende des Tauwerks sollte ein Achtknoten das versehentliche Herausziehen verhindern.
• Prüfen Sie alle Schäkel, besonders Schnappschäkel, auf Beschädigungen und Deformationen. Stellen Sie sicher, dass alle Schäkel gut schließen.

Wartung Mast und Baum Eloxierte Profile

• Mast, Großbaum, Spinnakerbaum, fester Niederholer und Rollreffanlage sollten mit Wasser gründlich abgespült werden. Soweit möglich, reinigen Sie auch die Innenseiten.

• Waschen Sie die Teile danach mit einer milden Seifenlösung, z.B. mit Geschirrspülmittel, und spülen Sie danach die Reinigungslösung mit reichlich Wasser ab. Andere Waschlösungen beinhalten möglicherweise Substanzen, die Aluminium angreifen können. Lassen Sie alles trocknen. Sorgfältige Reinigung ist besonders wichtig in Bereichen, die stark dem Salzwasser ausgesetzt sind (z.B. Mastfußbereich). Prüfen Sie sehr sorgfältig alle tragenden Teile auf: Brüche, Deformationen, Abnutzung, Festigkeit, Korrosion, Alterung (Kunststoffe)
• Ein Mast auf dem Kiel muss besonders auf Beschädigungen im Decksbereich geprüft werden.
• Besonders die Führung der Genua-Fallen muss überprüft werden. Oft ist ein Führungsauge aus Bronze angebaut, damit das Fall im richtigen Winkel zum Fallschlitten einer Rollreffanlage geführt wird. Ein Drahtfall „sägt“ mit der Zeit in die weichere Bronze, während das härtere und teurere Drahtfall unbeschädigt bleibt. Dafür muss so ein Fallführungsauge von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Wenn Sie meinen, dass es die nächste Saison nicht mehr zuverlässig das Fall führt, ersetzen Sie es rechtzeitig. Mehr Informationen darüber können Sie den Gebrauchsanleitungen für Furlex-Rollreffsystem entnehmen.
• Der Baumnockbeschlag ist am Profil mit Schrauben befestigt. Um sicherzustellen, dass die Baumnock jederzeit für Wartungszwecke abgeschraubt werden kann, fetten Sie die Gewinde der Schrauben regelmäßig ein.
• Prüfen Sie, dass alle Scheiben, Hebel usw. beweglich sind bzw. leicht laufen.
• Polieren Sie alle Aluminiumprofile des Riggs mit Paraffinöl, Yacht-Poliermittel oder Wachs. Das versiegelt alle Poren auf den Profilen und gibt Glanz an der Oberfläche. Auch gegossene Metallteile können so behandelt werden.

Lackierte Profile

• Die Wartung und Überprüfung von lackierten Masten und Spieren wird grundsätzlich so gehandhabt wie bei eloxierten Ausführungen. Die lackierten Oberflächen sollten natürlich besonders auf Beschädigungen überprüft werden.
• Zur Versiegelung ist dünnflüssiger Lack geeignet. Verwenden Sie Lack, der auch für Aluminium-Oberflächen geeignet ist. Wählen Sie die passende Farbe und folgen Sie der Verarbeitungsanleitung des Herstellers.

Eine derart starke Beschädigung am Mastprofil stellt einen ernsthaften Schaden dar und muss vom Experten begutachtet werden.


Foto: Archiv

Achtung: Wenn Sie in den Mast Löcher bohren oder Löcher für Beschläge fräsen, beachten Sie die folgenden Hinweise.
• Wasser und Luft dürfen nicht an eine „blanke“ Stelle des lackierten Mastes kommen. Wenn das der Fall ist, besteht innerhalb kurzer Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Bereich Korrosion am Aluminium unter der Lackschicht auftritt. Dies ist am Anfang nicht sichtbar.
• Um diese Problemstellen zu schützen, wird empfohlen, die exponierten Schnittbzw. Bohrstellen am Profil mit einer geeigneten Dichtungsmasse zu schützen, die auch als Schutzschicht an der Beschlag- Unterseite aufgebracht werden muss. Freiliegende Schnittstellen müssen mit einem Alu-Primer und Schutzfarbe behandelt werden.

Tipp

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, Ersatzteile bereits im Herbst zu bestellen. Das erleichtert Ihnen die Wartung und Ihrem Fachhändler die Beschaffung.

Schäden am Rigg: Ein ernsthaftes oder nur ein kosmetisches Problem?

Unterscheiden Sie genau zwischen zu reparierenden Schäden und kleinen Ärgernissen, die man als kosmetisches Problem ansehen kann. In jedem Fall sollten Sie die Schäden finden, ergründen Sie die Ursache und vermeiden Sie ähnliches in Zukunft.

Beispiele für ernste Schäden

• Eine Beule im Mast- oder Baumprofil: Messen Sie die Tiefe, den Umfang und beschreiben Sie, in welchem Bereich des Profils die Beule ist. Geben Sie diese Information an Ihren nächsten Seldén-Händler, damit Seldén entscheiden kann, was zu tun ist.
• Eine permanente Biegung im unbelasteten Mastprofil: Wenn diese Biegung nicht mit der üblichen Masttrimmung zu korrigieren ist, liegt ein schwerer Schaden vor. Nehmen Sie Verbindung mit Ihrem Seldén-Vertreter auf, weil das Profil ersetzt oder ein neuer Mast geliefert werden muss.
• Korrosion an einem Teil aus nichtrostendem Stahl, die nicht wegpoliert werden kann. Dieses Teil muss ersetzt werden.
• Beschläge nicht mehr fest: Befestigen Sie diese neu mit den passenden Nieten oder Schrauben.
• Gebrochene Einzeldrähte: Ersetzen Sie das Want oder Stag. Bei Wanten ersetzen Sie auch die gegenüberliegende Seite.
• Jeder Schaden an einem Teil aus Carbon muss umgehend von einem Spezialisten repariert werden. Carbon ist ein leichtes Material mit hohen Festigkeiten, ist aber bei Schäden viel empfindlicher als Aluminium. Es muss daher sorgfältiger behandelt werden. Beispiel: Wenn ein Spinnakerbaumprofil punktuell stark belastet wird, kann er an dieser Stelle beschädigt werden. Das schwächt das Profil und kann zu einem größeren Schaden führen.

Beispiele für kosmetische Schäden

• Kratzer und Scheuerstellen an eloxierten Masten und Spieren: Wo die Eloxalschicht beschädigt ist, bildet sich auf dem freiliegenden Aluminium sofort eine neue Schutzschicht durch Oxidation an der Oberfläche. Polieren und Wachsen kann zusätzlichen Schutz geben.
• Sogenannter Flugrost an der Oberfläche von Beschlägen aus nichtrostendem Stahl kann einfach wegpoliert werden.

Verbogene Wantenspanner sollten getauscht werden.


Foto: Archiv

Zur Arbeitserleichterung und um keine wichtigen Details bei der Wartung zu vergessen, finden Sie auf der Gotthardt-Webseite (www.gotthardt-yacht.de ) unter anderem eine Rigg-Inspektionsliste, mit der Sie Ihr Seldén-Rigg Schritt für Schritt untersuchen und die Inspektion übersichtlich dokumentieren können. Außerdem finden Sie dort das Heft „Informationen und Hinweise zum Riggen und Trimmen Ihres Seldén-Riggs“ des schwedischen Mastenherstellers Seldén zum Download.
Wer den Riggcheck nicht selber machen möchte, kann dies auch bei vielen Segelmachern vor Ort in Auftrag geben. So zum Beispiel bei Simoneit Sail Service (www.simoneit-sails.com ) im Raum Lübecker Bucht.