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Schwindel auf höchster Ebene:Dr. Kit Green und die Alien-Autopsie


Nexus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 85/2019 vom 01.10.2019

Nach den Wilson-Dokumenten befasst sich Richard Dolan in seinem neuen Artikel mit einem an die Öffentlichkeit gelangten E-Mail-Thread über den legendären „Alien-Autopsie“-Film aus dem Jahr 1995. Er befragte dazu den Ex-CIA-Mitarbeiter und Mediziner Kit Green, der selbst lange Zeit an streng geheimen Projekten mitwirkte.


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Bildquelle: Nexus Magazin, Ausgabe 85/2019

Die Admiral-Wilson-Dokumente

Anfang Juni 2019 wurden der Ufo-Community zwei höchst interessante und umstrittene Dokumente zugespielt, die für einige Aufregung gesorgt haben. Diese Aufregung wird sich meiner Ansicht nach auch so bald nicht legen.

Über eines der beiden Dokumente – das ...

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Über eines der beiden Dokumente – das Protokoll eines Gesprächs zwischen dem ehemaligen DIA-Leiter Thomas R. Wilson und dem Physiker Eric Davis, das ich auch als „Wilson-Dokument“ oder „Wilson-Memo“ bezeichne –, habe ich bereits inNEXUS 84 ausführlich geschrieben. Ich halte das 15 Seiten umfassende Schriftstück für das bisher bedeutendste Ufo-Leak des Jahrhunderts. Die meisten Ufo-Forscher, die sich damit befasst haben, können seine Authentizität mühelos bestätigen. Da sich die darin enthaltenen Informationen sämtlich überprüfen lassen, vertiefen sich immer mehr Rechercheure in die Einzelheiten der behandelten Thematik und verifizieren die besagten Informationen.

Vor allem die fehlenden Reaktionen auf die Veröffentlichung oder die vorsichtig formulierten offiziellen Stellungnahmen sind bemerkenswert. Zwar ließen sich weder Davis noch einer seiner Kollegen dazu hinreißen, die Authentizität des Wilson-Dokuments zu bestätigen (weil es sich ja beruflich um eine äußerst heikle Angelegenheit für sie handelt), doch ihre „Nicht-Stellungnahmen“ lesen sich wie Erklärungen und beinahe Entschuldigungen. Dr. Hal Puthoff, der viele Jahre lang mit Davis zusammengearbeitet hat, schrieb mir liebenswürdigerweise am 12. Juni:

„Zur Echtheit der seit Kurzem in Umlauf befindlichen Dokumente haben wir keinen Kommentar abzugeben. Da einige von uns nach wie vor Sicherheitsfreigaben der US-Regierung haben und an unseren Geheimhaltungseid gebunden sind, glauben wir, dass es im besten Interesse der Regierung der Vereinigten Staaten und unserer selbst ist, keine Kommentare zu Dokumenten abzugeben, die sich vorgeblich mit geheimen Regierungsprogrammen oder -informationen befassen.“

Ich selbst hegte nie Zweifel an dem Dokument. Wie ich von Anfang an – lange bevor die Dokumente an die Öffentlichkeit gelangten – sagte, bekam ich bereits 2006 zwei Seiten dieses Dokuments zu sehen. Und ich behielt stets Wilsons Aussage in Erinnerung, dass es sich um Technologie handle, die „nicht vom Menschen, nicht von Menschenhänden geschaffen“ worden sei.

Ich habe die Angelegenheit im Lauf der Jahre auch mehrmals ausführlich diskutiert (wie Guiliano Marinkovic in einem Beitrag sehr gut dokumentiert hat1). Und ich war auch nicht der Einzige, der über den Inhalt der Aufzeichnungen sprach; auch der frühere Astronaut Dr. Edgar Mitchell, der Ufo-Forscher Dr. Steven Greer und einige andere setzten sich öffentlich damit auseinander.

Wie sehr bald deutlich wurde, kam das Dokument als Folge des Todes von Edgar Mitchell im Jahr 2017 an die Öffentlichkeit. Ich weiß zwar nicht genau, wie einige der Dokumente in andere Hände gelangten, erfuhr aber in einem Interview, das ich mit dem Australier James Rigney führte, mehr darüber. James steht in direktem Kontakt mit der Quelle der Dokumente. Er weiß, wer sie hat, gibt dieses Wissen aber nicht preis. Man gab mir jedoch zu verstehen, dass bei der Anschaffung der Dokumente alles legal und korrekt abgelaufen sei. Zudem erklärte man mir, dass es sich um den Erfolg einer privaten Initiative handle und keine geheimdienstlichen Aktivitäten hinter dem Leak steckten. Mit anderen Worten: Es war keine „verdeckte Operation“.

Über das Wilson-Memo wurde von mir und anderen Forschern noch vieles mehr gesagt – aber belassen wir es einstweilen dabei. Ein paar eingefleischte Skeptiker halten es bis heute für einen Schwindel, aber lassen wir sie weiter in den Wind reden. Die Welt dreht sich weiter.

Das E-Mail-Leak zur Alien-Autopsie

In diesem Artikel geht es nicht um das Wilson-Memo, so faszinierend es auch ist, sondern um ein weiteres bedeutendes Dokument aus den Aufzeichnungen von Edgar Mitchell. Das Leak, mit dem wir uns diesmal befassen, betrifft eine elf Seiten lange E-Mail-Korrespondenz aus dem Jahr 2001.3 Darin geht es in erster Linie um den berüchtigten „Alien-Autopsie“-Film von Ray Santilli (1995). Obwohl dieses Leak vorher bekannt wurde, erregte das Wilson-Memo wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Dennoch ist es interessant, und ich schrieb fast sofort darüber.4

Für alle, die Informationsnachholbedarf haben: Der Santilli-Film wurde 1995 vom Fernsehsender Fox ausgestrahlt und geriet schnell zur internationalen Sensation. Binnen kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die meisten Ufo-Forscher ihn für einen Schwindel hielten. Anfang 2001 diskutierte eine Gruppe angesehener Wissenschaftler, die mit dem NIDS zu tun hatten, unter sich über den Santilli-Film. Diese Diskussion war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Das Interessante daran ist, dass es zwischen diesen Persönlichkeiten so spät noch (2001) zu einer ernsthaften Diskussion über die mögliche Echtheit des Films kam.

Noch ein Stück interessanter ist die Tatsache, dass Dr. Christopher (Kit) Green zu einer fachlichen Stellungnahme eingeladen wurde und in den E-Mails ganz unverblümt aussagt, dass es sich bei dem außerirdischen Wesen nicht um einen Menschen, sondern um ein „echtes“ Alien gehandelt habe. Kit Green war CIA-Mitarbeiter und einer der qualifiziertesten medizinischen Experten überhaupt. Seine Fachkenntnisse in den Biowissenschaften sind umfassend und fundiert. Zudem interessierte er sich im Lauf seiner gesamten Karriere für das Thema Ufos und hatte auch damit zu tun. Seine einschlägige Aussage in den E-Mails dürfte wohl die meisten Leute nachdenklich machen.

Doch bei alledem könnte es sich immer noch um eine rein persönliche Meinung handeln, so gebildet oder intelligent die betreffende Person auch sein mag. Wirklich hellhörig machte mich etwas anderes, das in den E-Mails erwähnt wurde: dass Green mehrere Briefings zum Thema Ufos hatte und bei einem davon (von dem er schreibt, dass es „1987/88“ stattfand) Berichte über eine Alien-Autopsie und Fotos davon zu sehen bekam. Die Bilder, die man ihm bei dem Briefing zeigte, waren laut seiner E-Mail „übereinstimmend“ mit dem Wesen aus dem Santilli-Film. An einer anderen Stelle der Mail-Korrespondenz geht er sogar so weit, von ein und demselben Wesen zu sprechen.

Dadurch wird die ganze Sache natürlich etwas komplizierter. Zwar ist nichts davon ein Beweis dafür, dass der Santilli-Film und das darin gezeigte Alien wirklich „echt“ gewesen wären – doch falls man Kit Green tatsächlich Bilder gezeigt hatte, die mit Santillis Kreation von sieben oder acht Jahren später übereinstimmten, befinden wir uns in einer interessanten Lage. Wenn der Film eine Fälschung war – haben Santilli und seine Partner dann auf irgendeine Art mit den Nachrichtendiensten zusammengearbeitet? Oder hatte das, was im Film gezeigt wurde, einen wie auch immer gearteten realen Hintergrund?

Kontaktaufnahme mit Kit Green

Ich schrieb Green also sofort an. Unsere Beziehung bis zu diesem Zeitpunkt war durchaus herzlich, aber nicht wirklich eng gewesen. Wir hatten uns im Lauf der Jahre gelegentlich miteinander unterhalten, da er ein Mensch ist, bei dem sich das Zuhören immer lohnt. Meine Korrespondenz mit ihm findet sich in meinem Artikel vom 6. Juni dieses Jahres.4

Kurz zusammengefasst: Kit Green schrieb mir, dass er a) nicht glaubt – und zwar schon seit längerer Zeit nicht –, dass das im Santilli-Film gezeigte Wesen ein Außerirdischer ist, und b) dass er davon überzeugt ist, das Pentagon habe bei dem Briefing in den 1980er Jahren einen Schwindel für ihn inszeniert.

Ich hatte nicht vor, mit ihm darüber zu streiten, fand diese Erklärung aber eher schwach und sagte das auch. Im vorliegenden Artikel finden Sie eine genauere Erläuterung Greens zu diesem Thema.

Nun gibt es natürlich bestimmte Ufologen, die mit solchen Fragen umgehen wie katholische Theologen mit Ketzerei. Einige von ihnen gingen so weit, den gesamten E-Mail-Verkehr als Fälschung zu bezeichnen – was man für eine geradezu lachhaft peinliche Aussage halten könnte, wenn diesen Leuten denn irgendetwas peinlich wäre. Andere Kritiker wie Philip Mantle liefern da schon stichhaltigere Argumente. Mantle hat viel über den Santilli-Film geschrieben und klar dargelegt, warum er ihn von vorne bis hinten für eine Fälschung hält. Da Santilli und sein Partner Spyros Melaris seiner Ansicht nach 1995 den gesamten Film fingierten, kann Green auch nicht das gesehen haben, was er gesehen zu haben behauptet. Philip schrieb mir das schon recht bald in einer privaten E-Mail.

Trotzdem interessierte mich brennend, was Kit Green dazu zu sagen hatte. Wir vereinbarten einen Interviewtermin für Mitte Juli, weil ich danach auf eine längere Reise aufbrechen wollte. Anscheinend hatten wir beide jedoch eine völlig falsche Vorstellung von dem geplanten Termin. Kit glaubte, dass es um ein Vorabgespräch gehen sollte, dem später das richtige Interview folgen würde. Ich war hingegen nach unserer anregenden Konversation der Meinung, dass es nur dieses eine Interview geben würde, dessen Abschrift ich veröffentlichen durfte. Leider war dann aber vieles, was er erzählte, inoffiziell und vertraulich, sodass wir uns anders einigen mussten. Das Ergebnis ist dieser Artikel, der alles enthält, was mir Kit Green offiziell mitteilte – also ohnehin den Großteil unseres Gesprächs.

Ich bot Kit übrigens an, alle Fehler und Missverständnisse korrigieren zu dürfen, doch er wollte keine Endbearbeitung für irgendwelche inhaltlichen Änderungen vornehmen und tat dies auch nicht.

Bestätigung der Echtheit

In meiner ersten Frage ging es um die Echtheit des

E-Mail-Leaks.

RD: Ich möchte Sie nach der elf Seiten umfassenden E-Mail fragen, die ich Ihnen weitergeleitet habe – dem Leak mit Datum 21. März 2001. Halten Sie die für echt? Kommt sie Ihnen bekannt vor? Ist sie authentisch?

KG: Ja, absolut. Ich habe zwar diese spezielle E-Mail nie gesehen, aber ich kenne die, von der Eric [Davis] behauptet, dass er sie bearbeitet hat.

RD: Das war die vom Februar.

KG: Genau. Wahrscheinlich hat er mir die auch geschickt. [Anm. RD: Damit meint er die E-Mail vom 21. März 2001.] Ich kann Ihnen dazu nur sagen, dass alles, was darin von mir zitiert wird, also was ich laut dieser Mail geschrieben haben soll, hundertprozentig wahr ist. Man hat offenbar Teile aus einer Reihe meiner Mails kopiert und hier eingesetzt. Meiner Erinnerung nach sind das alles genaue Zitate aus meinen Mails.

Damit sollte wenigstens dieser Aspekt der Angelegenheit geklärt sein. Die E-Mail ist echt. Ja, es wurden Textteile ausgeschnitten und eingefügt, aber vermutlich im Nachhinein durch Davis und Mitchell.

Briefing im Pentagon

Kommen wir nun aber zu den wesentlichen Inhalten im E-Mail-Thread von 2001. Kit Green wird darin mit folgenden Worten zitiert (die Formulierung stammt von Davis, ist aber laut Green korrekt):

„Der Film/das Video von der Alien-Autopsie ist echt, der außerirdische Leichnam ist echt, und der Leichnam im Film/Video ist derselbe wie auf den Fotos, die man Kit während seines Pentagon-Briefings #2 [1987/1988] gezeigt hat.“ Und dann weiter, als Antwort auf eine Frage von NIDS-Wissenschaftler Dr. Colm Kelleher:

Colm: […] (2) Können Sie einen Bezug zwischen dem Santilli-Video und den Autopsieberichten herstellen, die Sie (bei Ihren Briefings und in Berichten) gesehen haben? Handelt es sich um dieselbe oder eine ähnliche Kreatur?

Kit: DIESELBE.

Und dann gibt es da noch diesen Mail-Dialog zwischen Davis und Green:

Von Eric: […] Sind Sie zu einer endgültigen Schlussfolgerung oder Meinung darüber gelangt, ob der Körper künstlich oder echt war? Sie schreiben weiter unten „Das Video ist echt“ … ist das Ihre indirekte Antwort auf diese Frage?

Kit: GEFRAGT UND BEANTWORTET. WAS KÖNNTE DIREKTER SEIN ALS „DAS VIDEO IST ECHT“?!

Ich fragte Kit Green übrigens auch, ob er den Zeitpunkt des Briefings näher eingrenzen könne. Er verneinte das, will aber das genaue Datum irgendwo in seinen Archiven haben. „Ich habe dort noch nicht gesucht, um zu sehen, ob sich das 1987 oder 1988 abspielte.“ Soweit zu den Hintergründen. Wer sich für unsere gesamte Korrespondenz interessiert, kann sie online nachlesen.3

Green sieht die Sache heute allerdings anders als noch 2001. Mittlerweile gibt er offen zu, dass er das Santilli-Wesen seinerzeit falsch eingeschätzt habe. „Ich hielt es für ein Alien“, sagt er. „Diese Annahme gründete darauf, dass man mich zuvor zu einem Briefing mit einem uniformierten Offizier ins Pentagon eingeladen hatte.“ Erst später „fand ich heraus, dass ich falsch lag. […] Vor 20 Jahren war ich noch total davon überzeugt, dass es sich um den Leichnam eines Außerirdischen handelte – und heute bin ich vom Gegenteil überzeugt.“


„Ich hielt es für ein Alien“, sagt er. „Diese Annahme gründete darauf, dass man mich zuvor zu einem Briefing mit einem uniformierten Offizier ins Pentagon eingeladen hatte.“


Der Köder

Bevor wir näher auf seine Gründe dafür eingehen, sind nun doch ein paar Hintergrundinformationen erforderlich.

In den 1980er Jahren, als Green noch für die CIA arbeitete, war einer seiner Kollegen „ein gerade in den Ruhestand getretener, äußerst hochrangiger Offizier der US Air Force“, der zudem auch noch Oberarzt war. In der Luftwaffe diente dieser Mann als Verbindungsoffizier zum „Geheimprogramm für bemannte Raumfahrt“; als er aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war, unterschrieb er einen Vertrag in der Privatwirtschaft „wie alle diese Leute“. Seine geheimdienstliche Tätigkeit betraf „einen Teilaspekt des Raumfahrtprogramms“.

Das deutet ziemlich direkt auf ein geheimes Raumfahrtprogramm hin. Ein solches Programm wäre auch nicht überraschend gewesen, selbst wenn man nur von konventionellen Militärstrategien der USA und der vermeintlichen Notwendigkeit ausgeht, im Erdorbit und weiter draußen im All präsent sein zu müssen. Sogar dieNew York Times bestätigte einmal die Existenz eines vor einigen Jahrzehnten aktiven Geheimprogramms zur bemannten Raumfahrt.5 Dennoch handelt es sich um eine interessante Aussage Greens.

1982 engagierte Kit Green besagten Ex-Offizier, um mit ihm in einem wissenschaftlichen Beirat der CIA zu arbeiten. Nach einem oder zwei Jahren („1983 oder 1984“) sagte der Mann zu Green, dass „alle Geschichten über das Eindringen von Außerirdischen, geborgene abgestürzte Ufos und Informationen darüber wahr“ seien. Er wollte dafür sorgen, dass Green für die entsprechenden Programme eine Freigabe erhielt, weil es ohnehin zu wenige Ärzte darin gab. Green sah dieser Chance mit Spannung entgegen.

Der Mann schaffte es trotz wiederholter Versuche jedoch nicht, Green eine Freigabe zu verschaffen. Als Kit Green in den späten 1980er Jahren aus der CIA ausschied, konnte er die Freigabe „für ein paar der Programme“ erhalten – darunter auch eines, das sich mit einem sehr heiklen Thema befasste –, „aber nicht die, die mit Ufos, Aliens oder Autopsien zu tun hatten“.

Auch nach Greens Ausscheiden, als er längst für General Motors tätig war, gab der ehemalige Air-Force-Offizier immer noch an, dass er versuchte, für Green eine Freigabe „für das Programm, das mit Aliens und Ufos zu tun hat“ zu erhalten. Doch es klappte nie, auch wenn Green einige Male das Gefühl hatte, ein Erfolg stehe kurz bevor.

Es waren diese Umstände, unter denen in den späten 1980er Jahren Kit Greens Briefing im Pentagon erfolgte. Man bestellte ihn dorthin und gab ihm zu verstehen, dass er diesmal die entscheidenden Informationen bekommen würde. Er betrat einen Besprechungsraum der Kategorie Sensitive Compartmented Information Facility (SCIF)6. Der Sicherheitsbeauftragte überprüfte seine Legitimation und stellte fest, dass Green tatsächlich eine Freigabe für das Briefing hatte. Green erzählt:

„Dann betrat ein uniformierter Offizier den Raum, ließ mich Platz nehmen, zeigte mir die Materialien und Fotos und sagte:, Sie werden heute keine weiteren Informationen erhalten – und es gibt auch kein Video.‘

, Das stimmt nicht.‘

, Man hat mir auch gesagt, dass ich vielleicht noch weitere Dokumente unterschreiben müsse.‘

, Auch das stimmt nicht.‘

Ich ging also wieder und war der Meinung, dass ich zwar nicht alles gesehen hatte, das Material aber echt gewesen war. Heute glaube ich, dass es sich um einen Schwindel gehandelt hat.“

Green bekam anders als erwartet keinen Film zu sehen, sondern schriftliche Autopsieberichte von angeblich außerirdischen Leichnamen sowie Hochglanzfotos, die scheinbar eine Art Alien-Autopsie zeigten.

Dieselben Bilder

Noch interessanter und kontroverser wird die Affäre durch Greens Beharren darauf, dass „mehrere Aufnahmen“ aus dem Briefing auch im Santilli-Film aufgetaucht seien – und der stammt aus dem Jahr 1995, also sieben oder acht Jahre danach. Green sagt dazu Folgendes aus:

„Mehrere – ich sage es ganz deutlich – mehrere Aufnahmen von den Bildern, die man mir gezeigt hat, waren später in dem unscharfen Santilli-Film zu sehen. Nicht der Körper, das habe ich nie gesagt, aber das Foto des Gesichts. Eine Aufnahme des Wesens.7 Dazu kamen Aufnahmen der Wand, des Autopsie-Tisches, des Teils eines Fußes. Aber ich sah keine Aufnahme, von der ich sicher sagen könnte, dass es sich um denselben Körper gehandelt hat.“

Diese Einzelheit ist zu wichtig, als dass man sie einfach ignorieren könnte. Green beharrt darauf, dass er einen anderen Körper gesehen habe, das Gesicht jedoch anscheinend dasselbe gewesen sei und er auch andere Elemente aus den Fotos wiedererkannt habe.

Nun könnte man natürlich annehmen, dass er sich nicht ganz genau an das erinnert, was man ihm damals gezeigt hat. Vielleicht hat er nicht dasselbe gesehen, sondern etwas Ähnliches (was ebenfalls recht interessant wäre). Soweit sich Kit Green aber dieses mehr als 30 Jahre zurückliegende Ereignis ins Gedächtnis rufen kann, zeigte man ihm während seines PentagonBriefings in den späten 1980er Jahren Szenen, die später im Santilli-Film vorkamen. Das behauptete er schon in den E-Mails aus dem Jahr 2001, und das behauptet er noch heute.

Trotzdem hält er den Santilli-Film für eine Fälschung – ebenso wie das, was man ihm im Pentagon vorgeführt hat. Ich ersuchte ihn, mir das etwas näher zu erklären. Seine Antwort lautete im Prinzip, dass er im Lauf der Jahre „unzählige Daten zusammengetragen“ habe, „denen zufolge nichts von dem, was man mir gezeigt oder über dieses angebliche Programm zum Thema Aliens und Autopsien erzählt hat, also nichts aus diesem Informationskonvolut sich als wahr erwiesen hat“. Zumindest nicht so, dass er es bestätigen könne.

Ich fragte ihn, ob er sich durch eine solche Aussage nicht vor neuerlichen heftigen Kontroversen schützen wolle. Schließlich wirkte es ziemlich unwahrscheinlich, dass man für eine Persönlichkeit seines Ranges bei einem Pentagon-Briefing – noch dazu in einem SCIFRaum – einen derartigen Schwindel inszenieren würde. Zudem stellte ein solches Vorhaben auch ein Risiko dar, da Green medizinisches Wissen auf höchstem Niveau besitzt sowie unzählige Autopsieberichte gelesen und selbst verfasst hat. Die Aktion schien also weit hergeholt … und hatte auch keinen ersichtlichen Grund.

Andere Videos von Alien-Autopsien

Bevor Kit Green mir darauf antwortete, hatte er noch weitere Enthüllungen auf Lager. Er erzählte mir, dass er etliche Videos vorgeblicher Alien-Autopsien gesehen habe, insgesamt etwa ein Dutzend. Abgesehen von den Fotos, die man ihm im Pentagon gezeigt hatte, seien die anderen plötzlich in seinem Haus in Detroit gelandet, wo sie entweder im Postkasten oder vor der Tür abgelegt wurden. Es habe sich um mehrere Pakete gehandelt, die entweder Videobänder oder später CDs und DVDs enthielten. Green gab an, dass Videos ohne Dokumentation für ihn ohne Nutzen seien, einige der Videos jedoch sogarmit Dokumentation geliefert wurden. All das scheint sich in den 1980er und 1990er Jahren zugetragen zu haben, wobei aber keine näheren Einzelheiten bekannt sind.

Hier handelt es sich um eine ganz außergewöhnliche Information. Eines der Pakete soll sogar eine angebliche Gewebeprobe eines Außerirdischen enthalten haben.

KG: Was das Gewebe betrifft, so gab es einen Vorfall, der mir bis heute unerklärlich ist und den ich absolut nicht einordnen kann. Eines der Pakete, die mir da ins Haus geliefert wurden, enthielt eine Gewebeprobe, die angeblich von der Autopsie eines Außerirdischen in der Area 51 stammte. Die mitgelieferten Dokumente schienen mir in Ordnung zu sein. Aber man darf nicht vergessen, dass dieses Paket vor meiner Haustür in Detroit abgelegt wurde.

RD: Ohne Herkunftsangabe.

KG: Einige der Dokumente [Pause ] … Bei einigen der Dokumente schien es sich um genetische Analysen auf technisch hohem Niveau zu handeln; man hatte hier scheinbar Nervengewebe von einem der angeblichen Aliens analysiert. Es war offensichtlich, dass die Gewebeprobe bei einer Biopsie oder während einer Obduktion entnommen worden war – weil sie genau das Format hatte, in dem Labors solches Material gerne geliefert bekommen. Und sie war reichlich mit Beschreibungen von Reverse-Transkriptase-Analysen versehen, die nachweisen sollten, dass die genetischen Fingerabdrücke außerirdischer Natur waren. Ich präsentierte das Material einer von mir geleiteten Forschungsgruppe an der National Academy of Sciences. Eines der Mitglieder dieses Komitees war Leiter des Instituts für Genetik und des Instituts für Molekularbiologie an einer der fünf wohl bedeutendsten medizinischen Fakultäten der amerikanischen Ostküste. Ich übergab ihm das Material. Er analysierte es vier oder fünf Stunden lang außerhalb unseres Konferenzraums und kam dann mit den Worten zurück: „Kit, ich bedaure, was ich dir jetzt sagen muss. Es handelt sich um einen clever aufgezogenen Schwindel. Die Person, die das geschrieben hat, wollte eindeutig überzeugend wirken, hat aber eine Sprache verwendet, die ihr innerhalb der Sätze durcheinandergeriet. Das liest sich, als würde jemand mit einem Masterabschluss in Genetik so tun, als wäre er ein Genetiker mit Doktortitel – aber die Formulierungen seines Befunds aus Google herauskopieren. Es ist mit absoluter Sicherheit ein Schwindel, ein vorsätzlicher Schwindel, bei dem dieses Material auf 15 Seiten umgesetzt wurde. Ich kann dir versichern, dass das alles nur Quatsch ist.“ Dieses Urteil war wichtig für mich, weil der Mann ein Mitglied des Komitees bei der National Academy of Sciences war, das ich leitete. Verstehen Sie?

RD: Ja.

KG: Diese Person war ein zugelassener Internist, der zudem eine Ausbildung in medizinischer Genetik hatte und Doktor für Molekularbiologie war. Ich ersuchte ihn auch noch, das Material anderen unvoreingenommenen Mitarbeitern der Institute vorzulegen, deren Leiter er war. Sie bestätigten sein Urteil. Seit damals habe ich mich intensiv mit diesem Dokument [Pause ] beschäftigt. Und tatsächlich enthält es Passagen, die keinen Sinn ergeben.

RD: Nicht einmal im Kontext einer Betrugsaktion?

KG: Ich werde Ihnen das genau erläutern, damit Sie sehen, warum sie keinen Sinn ergeben. Ich konnte mich ja selbst nach dieser fachmännischen Beurteilung nie von dem Dokument trennen. Das liegt daran, dass einige der darin verwendeten Ausdrücke sich auf Untersuchungsverfahren bei Reverse-Transkriptase-Tests beziehen, die es damals noch gar nicht gab, weil sie erst 15 Jahre später erfunden wurden, also erst in den vergangenen fünf Jahren. Dennoch finden sich die besagten Ausdrücke in diesem Dokument, […] das von den Experten […] als wissenschaftlich sinnlose Fälschung bezeichnet wurde. Sie tauchten dort sozusagen vor ihrer Zeit auf. Daraus kann ich nur den Schluss ziehen – und der ist wohlgemerkt eine unbewiesene Hypothese –, dass der Schwindel ganz oben geplant wurde, von den Mitarbeitern der geheimen Bioprogramme, die sich die erwähnten Verfahren dann sechs bis zehn Jahre später patentieren ließen. Solche Dinge ziehen sich wie ein Leitmot iv durch meine Arbeit.

RD: Ich begreife trotzdem nicht, warum man Ihnen vortäuschen sollte, es handle sich um Alien-Gewebe – und gleichzeitig integriert man künftige Technologie und spätere Patente in das Dokument, das man Ihnen zukommen lässt. Dahinter sehe ich keine Logik und keinen Sinn.

Green zog den vorsichtigen Schluss daraus, dass es sich um einen „Schwindel auf höchstem Niveau handelt, der nichts mit den Behörden zu tun hat, sondern diverse Mittel einsetzt, um finanzielle Verbindungen bei damit verwandten Programmen voranzutreiben“. Mehr als diese kryptische Erklärung ließ sich ihm zu diesem Thema nicht entlocken.

Da blieb aber noch das Pentagon-Briefing – und die Frage, warum auch das eine Inszenierung gewesen sein sollte. Auf einer Ebene, so Green, konnte er diese Frage auch nicht genau beantworten. Auf einer anderen Ebene aber ordnete er den Pentagon-Vorfall unter sogenannte aktive Maßnahmen ein. „Das ist eine klassische Geheimdienstoperation“, sagte er.

„Die Idee hinter einer solchen Maßnahme ist weder neu noch ungewöhnlich. Es gibt eine ganze Forschungsrichtung zu geheimdienstlichen Ope-rationen, die von dem Konzept ausgeht, dass man mittels aktiver Maßnahmen die bestausgebildeten Leute aus den eigenen Reihen von Kleinigkeiten überzeugt, die gar nicht stimmen. Das ist ein gewaltiges Gebiet. […] An einem solchen Programm für aktive Maßnahmen [der CIA] waren einmal Hunderte Menschen beteiligt. Verstehen Sie? Die Idee, Individuen von etwas Falschem zu überzeugen, ist in solchen Kreisen absolut nichts Ungewöhnliches.“

Solche Programme arbeiten mit CC&D (einem Begriff, der auch in den E-Mails vorkommt). Die Abkürzung steht für „Camouflage, Concealment and Deception“ (Tarnung, Verschleierung und Täuschung). Diese Methoden sind laut Green unglaublich kostspielig und werden seit vielen Jahrzehnten angewendet.


„Verstehen Sie? Die Idee, Individuen von etwas Falschem zu überzeugen, ist in solchen Kreisen absolut nichts Ungewöhnliches.“


Meiner Meinung nach hat Green nicht zufriedenstellend erklärt (oder konnte nicht erklären), warum das geheime Pentagon-Briefing im SCIF ein Schwindel gewesen sein soll. Der Grund für seine Annahme beruht im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Da wäre zum einen, dass nie etwas dabei herauskam – keine Nachbesprechung, keine verifizierenden Informationen. Zum anderen spricht für ihn als Biowissenschaftler nichts dafür, dass die Dinge, die er bei dem Briefing gesehen hat, durch moderne (und weniger moderne) „Black Budget“-Operationen und ausreichende Finanzierung nicht besser und einfacher zu erklären wären.

Mein Einwand gegen seine Logik lautete: Wenn wir die vielen Beweise für geborgene abgestürzte Ufos und die unzähligen Geschichten über tote Außerirdische und Alien-Autopsien (von denen bereits lange vor dem Santilli-Film die Rede war) akzeptieren – warum sollten wir an dieser Stelle nicht Ockhams Rasiermesser („Die einfachste Theorie ist vorzuziehen“) anwenden?

KG: Ja, gut, da haben Sie recht.

RD: Wenn es stimmt und sie wirklich hier sind …

KG: Ja. Und davon versuchen mich auch einige meiner Kollegen zu überzeugen. […] Aber ja, ich gebe Ihnen recht – so sehr, dass ich bis vor zehn Jahren genau diesen Standpunkt einnahm. […] Aber jetzt springen wir kurz einmal zu Jacques Vallées dritter oder vierter Version der Liste von Leuten, die er im Invisible College kennengelernt hat.

RD: Ja, in seiner „Forbidden Science“-Reihe.

KG: Genau dort. Wenn Sie sich die Einträge in „Forbidden Science“ ansehen, vor allem die im letzten Buch, dann werden Sie feststellen, dass ich dort völlig anders beschrieben werde als im zweiten Buch. Das fiel mir beim Lesen auf – es betrifft etwa die Zeit um 1990. Oder 1980 bis 1985 und die frühen 1990er Jahre. Jedenfalls rief ich Jacques nach der Lektüre an und bedankte mich dafür, dass in seinen Büchern etwa 85 Erwähnungen von „Gesprächen mit Kit“ vorkommen. Jeder, der das liest, wird feststellen, dass ich im Lauf von mehr als 30 Jahren stärkere [undeutlich ] entwickelt habe und darauf vertraue, dass wir es mit imaginalen [sic] Informationen zu den medizinischen Daten zu tun haben. Entführungen. Autopsien. Zurückgebrachte Leichen. Gewebe. Schädigung durch Funkfrequenzen. Schädigung durch Terahertz. Schädigung durch gemischte Strahlung. Schädigung durch [undeutlich ]. Schädigung durch weiche Röntgenstrahlung. Und von Wurmlöchern will ich jetzt gar nicht erst anfangen, ebenso wenig von Verschiebungen der Raumzeitmessgrößen und der Stringtheorie. Dazu fehlt mir der wissenschaftliche Hintergrund. Ich spreche nur von den Dingen, die mit Biologie zu tun haben. Ich kann in Versuchen replizieren, dass [undeutlich ] das alles in geheimen Biologieprogrammen entwickelt wurde, ob 1978, 1988, 1997 oder 2008. Ich muss keine neuen Technologien entwickeln, um diese technischen Ergebnisse zu erklären.

RD: Für die Biowissenschaften ist demnach alles, was Sie zu sehen bekommen haben …

KG: Biologisch und medizinisch. Und da schließe ich auch die Pathologie und die Mikroskopie ein.

RD: Na gut, alles klar. Sie sagen also, dass sämtliche biologischen Beweise, die Sie in diesen vielen Jahren gesehen haben, sich mit hochmoderner irdischer Wissenschaft und Technik erklären lassen.

KG: Manches davon war gar nicht so hochmodern. Und in dem gefälschten Dokument, das da vor meiner Tür lag, finden sich eben Informationen, die aus Patenten der letzten fünf bis sieben Jahre stammen. Das ist mehr als eine Spur aus Brotkrumen – eher schon eine Spur aus vielen Brotlaiben.

KG: Manches davon war gar nicht so hochmodern. Und in dem gefälschten Dokument, das da vor meiner Tür lag, finden sich eben Informationen, die aus Patenten der letzten fünf bis sieben Jahre stammen. Das ist mehr als eine Spur aus Brotkrumen – eher schon eine Spur aus vielen Brotlaiben.

Nun fügte er seiner Geschichte noch ein weiteres Element hinzu: Unter den vielen Videos von Alien-Autopsien, die auf geheimnisvolle Art vor seiner Tür landeten, blieb ihm eines besonders in Erinnerung, weil es so wirkte, als könnte es eine echte Autopsie eines echten außerirdischen Wesens zeigen.

Er brachte das Video zum Armed Forces Institute of Pathology (AFIP; Pathologie-Institut der US-Streitkräfte), einer der weltweit angesehensten Institutionen auf dem Gebiet der Pathologie. Dort überprüfte er es mit drei anderen Spezialisten, die alle mindestens einen Doktorgrad und die bestmöglichen Referenzen in Anatomie, vergleichender Physiologie und Pathologie hatten. Ihre gemeinsame Schlussfolgerung: „Es ist eine echte Autopsie.“ Aber wurde da auch wirklich ein Alien obduziert? Nein, sagten sie, das nicht. Was genau der Fall war, ist bis heute nicht genau bekannt, doch Greens Beurteilung lautete, dass er „später erfuhr, dass der Verstorbene an einer bestimmten Art von Progerie litt“. Er sagte:

„Ich zog daraus den Schluss, dass ich in meiner kleinen Ecke der Medizin keinerlei Daten finden kann, die nicht genauso gut aus einem sehr fortgeschrittenen Geheimprogramm stammen könnten, das vor 20 oder 30 Jahren begann. Absolut nichts. Es gibt keine medizinischen Auswirkungen, keine Daten von angeblichen Entführungen durch Außerirdische oder das Militär, keine Daten aus der Epigenetik, die nicht von sehr raffinierten Wissenschaftlern vorsätzlich gefälscht worden sein könnten. Und auf diesem Standpunkt stehe ich jetzt.“

Und er fügte noch hinzu:

„Aber ich war fest davon überzeugt, dass das Wesen, das ich damals im Pentagon gesehen hatte, ein Alien war. Absolut. Und ich äußere noch einmal meine Überzeugung, dass ich einige der Motive auf den damaligen Fotos viele Jahre später im Santilli-Film wiedererkannt habe.“

Noch ein Köder

Einen weiteren faszinierenden Aspekt möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Ich habe oben eine Art Mentor erwähnt, der erfolglos versuchte, Green die Freigaben für die Einbeziehung in ein angebliches Geheimprogramm zu verschaffen, das mit Ufos und Aliens zu tun hatte. Auch diese Geschichte hatte eine Fortsetzung. Die betreffende Person (deren Namen Green nicht enthüllen will) starb 1997.

Einige Jahre später tauchte jedoch ein neuer Mentor auf. Green war zu dieser Zeit in einem Geheimprogramm aktiv und wurde vom leitenden Wissenschaftler und medizinischen Vorstand des Futures-Programms angesprochen. Dieses Programm unterstand „einem äußerst hochrangigen Komitee des US-Verteidigungsministeriums“, das wiederum enge Verbindungen zu einem großen Luft-und Raumfahrtunternehmen hatte. Finanziert wurde das Programm von den Geheimdiensten, ausgeführt aber ausschließlich von besagtem Unternehmen. Soweit Green das beurteilen konnte, arbeitete keiner der Teilnehmer für die Regierung; es handelte sich vielmehr durchweg um pensionierte Behördenmitarbeiter mit Top-Secret-Freigaben.

Auch dieser neue Mentor beteuerte Green gegenüber mehrmals, dass er ihm die Freigabe für ein „spezielles Geheimprogramm besorgen würde, das mit Ufos, der Nachkonstruktion außerirdischer Technik und Aliens zu tun hat“. Dieses Programm benötige nämlich einen Forensiker, der Mitglied der American Academy of Forensic Sciences sei – und genau der fehlte ihm noch.

Das alles zog sich über neun Jahre. In dieser Zeit kündigte man Green zweimal an, dass er demnächst die notwendigen zusätzlichen Freigaben erhalten werde – aber nichts passierte. Der letzte derartige Vorfall ereignete sich im Sommer 2011, als sein Kollege zu ihm sagte: „Gut, jetzt ist es so weit.“ Er wies Green an, in einen Bundesstaat im amerikanischen Westen zu fahren und dort eine von einem Privatunternehmen betriebene Einrichtung aufzusuchen. Das Unternehmen hatte die Immobilie vom US-Energieministerium gemietet, doch die Einrichtung hatte nichts mit dem Ministerium zu tun, sondern war nur ein Fall von vielen, wo Ausrüstung, Anlagen und Infrastruktur von staatlichen Behörden an Luft-und Raumfahrtunternehmen vermietet werden.

Green machte sich also wieder einmal auf nach Westen, um seine Freigabe zu erhalten. Doch die Geschichte wiederholte sich. Er nahm an dem Treffen teil, diskutierte mit dem Komitee etliche Fragen im Zusammenhang mit zukünftigen Entwicklungen (über Ufos wurde nicht geredet) und fragte dann: „Und wann bekomme ich meine neue Freigabe?“ Verdrossen antwortete sein ebenfalls anwesender Kollege: „Du bekommst die Freigaben nicht.“

Ich fragte Green, welchen Grund er hinter diesen wiederholten leeren Versprechungen vermute. „Welchen Grund?“, antwortete er. „Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich bin jedenfalls verwirrt bis verärgert darüber.“

Seiner Ansicht nach sind solche Spielchen aber weitaus weniger ungewöhnlich, als man vielleicht annehmen würde. Er weiß aus eigener Erfahrung, aber auch von anderen in der Welt der Geheimprojekte erfahrenen Leuten, dass viele im Lauf ihrer Karriere annehmen, sie würden die Freigabe für bestimmte Geheimprogramme erhalten – „und dann klappt es einfach nicht“.

Nun fragte ich ihn, ob er nach all diesen knappen Entscheidungen daran glaube, dass ein Geheimprogramm existiere, das sich mit Ufos, Aliens und Ähnlichem befasst. Seine Antwort war wie immer sehr konkret. Anhand seiner konkreten Erfahrungen und Fachkenntnisse sehe er keinen Grund, sich mit solchen Themen zu befassen. Ich hakte nach: Wie sehe es mit den Beweisen für Ufos im Allgemeinen aus? Er wisse doch sicher über die langjährige Geschichte von Begegnungen mit scheinbar unmöglichen Flugobjekten und die vielen Berichte über die Bergung abgestürzter Ufos Bescheid? Und was sei mit seinen Kollegen, die ihm über genau solche Programme berichtet haben?

Kit Green wollte sich aber nicht weiter dazu äußern – und ich bin leider kein Gedankenleser. Hatten seine Kollegen die Freigaben, um an den besagten Programmen teilzunehmen? Green hält dies durchaus für möglich, weiß es aber nicht genau. Geheimprogramme haben seiner Aussage nach mehrere Ebenen – und sie wurden vielleicht nur in die unterste Ebene einbezogen und drangen nie in die höheren vor.

Der „Weird Desk“

Fast am Rande unterhielten wir uns noch über ein anderes interessantes Thema: seine Leitung der CIA-Abteilung für seltsame Fälle, die gemeinhin als „Weird Desk“ bezeichnet wurde. Die meisten Leute nehmen an, dass Green in seiner Zeit bei der CIA alles über die geheimen Ufo-Informationen gewusst haben muss. Diese Idee wies er jedoch nachdrücklich zurück:

„Als ich CIA-Mitarbeiter war, ging keine einzige Ufo-Geheiminformation über meinen Schreibtisch. Ich sah einige Dinge, die der Geheimhaltung unterlagen, aber nur auf sehr niedriger Stufe. Sie waren auch allgemein akzeptiert, was an den sogenannten Fastwalkers lag – die übrigens Eigentum der Privatwirtschaft und nicht der Regierung waren. Alles war als vertraulich oder geheim eingestuft. Einfach alles. Und dabei handelte es sich meist um sehr triviale Kleinigkeiten. Ich habe nur zwei oder drei Dokumente gesehen, die tatsächlich mit Ufos zu tun hatten.

Alles, was über den, Weird Desk‘ ging, von Parapsychologie über Ufos und Fernwahrnehmung bis hin zu meinen Beziehungen zu Stanford, erforderte nie mehr als zwei bis drei Prozent meiner Zeit. Wenn ich während dieser Jahre nach Kalifornien reiste, verbrachte ich möglicherweise tatsächlich die Hälfte meiner Zeit im Stanford Research Institute – und ich unternahm drei oder vier solcher Ausflüge im Jahr. Aber 97 Prozent meiner bezahlten Arbeitszeit, die ja auch von der CIA-Leitung überprüft wurde, hatten mit dem, Weird Desk‘ absolut nichts zu tun.“

Bewertung des Wilson-Dokuments

Zum Abschluss unseres Gesprächs fragte ich Kit noch, was er über die Echtheit des Wilson-Dokuments denke. Green weiß genau, dass es sich dabei für die Betroffenen – von denen er viele seit Jahren kennt – um ein sensibles Thema handelt. Er wollte mir daher eine offizielle und eine inoffizielle Antwort geben. Letztere sollte ich aber für mich behalten. Immerhin darf ich aber erwähnen, dass es eine inoffizielle Antwort gibt. Hier die offizielle:

„Meine offizielle Stellungnahme dazu lautet: Ich habe keine Befugnis, die Echtheit dieses Memos zu bestätigen. Die Tatsache, dass ich es gesehen und mir eine Meinung dazu gebildet habe, verleiht mir nicht die Autorität, die Herkunft des Dokuments zu verifizieren. Und weil ich das nicht kann, tue ich es auch nicht.“

Sehr sorgfältig formuliert. Die inoffizielle Antwort war interessanter, so viel sei verraten.

Später sagte Kit Green aber auch noch, dass die „allgemeine Diskussion“ in dem Dokument ihm „sehr vertraut“ vorkomme – vor allem deshalb, weil in der Welt der Geheimprogramme „immer die Zeit komme, zu der sie nicht mehr der Kontrolle der Regierung der Vereinigten Staaten unterliegen“.

Auch die Reaktion Wilsons, wie sie in dem Dokument beschrieben wird – der Zorn und die Bestürzung des Admirals, als man ihn aus einem Programm ausschloss, über das er von Rechts wegen ein gewisses Maß an Kontrolle auszuüben glaubte –, kam Green sehr bekannt vor.

„In Wirklichkeit gehören – bis auf eines – alle Geheimprogramme, an denen ich teilgenommen habe, in diese Kategorie. Sucht man ihre Einrichtungen auf, so sieht man dort keine Behördenmitarbeiter mehr.“

Er blieb gleich beim Thema:

„Wer glaubt denn schon, dass Regierungen Zugang zu den modernsten Technologien haben? Warum sollte das der Fall sein, wenn die Mitarbeiter be-hördlicher Institutionen nicht unbedingt gute Physiker, Biologen, Genetiker und so weiter sind?“

Abgesehen von Kernwaffentechnologie gebe es seiner Ansicht nach keinen Bereich der Verteidigungssparte, in dem Regierungsprogramme den Billionen Dollar schweren Konzernen, die die besten Wissenschaftler und Techniker der Welt beschäftigen, das Wasser reichen können. „Warum glaubt dann bitte noch irgendjemand, dass Regierungen die beste Technik haben?“

Privatfirmen betreiben aber nicht nur die fortgeschrittenste Spitzentechnologieforschung, sondern betrachten die US-Behörden praktisch als ihre Sicherheitsabteilung, nicht viel mehr. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die amerikanische Regierung bestenfalls eine sehr begrenzte Kontrolle über diese Programme hat. Sie stellt zwar die Gelder, die Sicherheit und die wertvolle Infrastruktur dafür zur Verfügung, aber das ist auch schon alles. Erst wenn die betreffende technische Entwicklung einsatzbereit ist und das Militär sie in Empfang genommen hat, sieht die Situation wieder anders aus.

Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass Greens Bestätigung der Authentizität der elf Seiten umfassenden E-Mail-Korrespondenz aus dem Jahr 2001 indirekt auch die Authentizität des Wilson-Dokuments bestätigt. Schließlich sind die beiden Dokumente untrennbar miteinander verbunden, sickerten gleichzeitig an die Öffentlichkeit durch und stammen aus derselben Quelle. Das sollte jedem aufmerksamen Rechercheur mit ein bisschen gesundem Menschenverstand auffallen.

Kit Greens Kommentare zum Wilson-Dokument sind jedenfalls einer sorgfältigen Prüfung würdig.

Fazit

Mein Interview mit Kit Green war ebenso schwierig wie faszinierend. Das liegt nicht an seiner Persönlichkeit – er sprach über viele Themen sogar sehr offen mit mir. Es lag vielmehr daran, dass wir bei unserem Gespräch vom Hundertsten ins Tausendste kamen, was nicht unsere Schuld war, sondern auf die Komplexität der behandelten Geschichte zurückzuführen ist. Zudem äußerte Green einige Dinge, die für ihn aber nur Teil eines Vorabgesprächs waren; über dieses Missverständnis habe ich weiter oben geschrieben. Deshalb habe ich unser Gespräch auch in einem Artikel zusammengefasst, wobei ich mich aber stets möglichst genau an den Originalton des Interviews hielt.

Ich bin Kit Green sehr dankbar dafür, dass er bereit war, über diese Dokumente und so vieles andere mit mir zu sprechen. Andere hätten vielleicht bessere Fragen gestellt und dieses Interview professioneller geführt; ich habe jedenfalls mein Bestes gegeben. Während des gesamten Gesprächs hatte ich den Eindruck, dass Green wirklich zur Klärung dieser Fragen beitragen wollte, aber wegen seiner Geheimhaltungspflicht natürlich nicht über alles offen sprechen konnte.

Anmerkung der Redaktion

Der vorliegende Artikel ist eine leicht gekürzte und redaktionell bearbeitete Version des englischen Originals „Dr. Kit Green, On the Record“, das am 24. August 2019 auf Richard Dolans Website veröffentlicht wurde. Sie finden es unter https://tinyurl.com/dolan-kit-green.

Über den Autor

Richard Dolan ist promovierter Historiker und war während des Studiums besonders an den Strategien des Kalten Kriegs, europäischer Geschichte und internationaler Diplomatie interessiert. Vor zwei Jahrzehnten wandte er sich dem Ufo-Thema zu und ist inzwischen einer der führenden und aktivsten Forscher.

Er ist Autor der Bücher „UFOs and the National Security State“ (2009), „A.D. After Disclosure“ (2011) und „UFOs for the 21st Century Mind“ (2014), betreibt einen eigenen Verlag (RichardDolanPress.com) sowie mehrere wöchentliche Sendungen und Podcasts, darunter „The Richard Dolan Show“ und „Intelligent Disclosure“

InNEXUS 84 erschien sein Artikel „Das Ufo-Leak des Jahrhunderts“, an das der vorliegende Artikel anschließt. Sie können Richard Dolan über seine Website RichardDolanMembers.com kontaktieren.

Endnoten

1 Marinkovic, G. (Hrsg.): „The Pentagon 1997 Ufo Briefing“ auf OmniTalkRadio.weebly.com, 21.04.19; https://tinyurl.com/y5mx9wyw
2 Dolan, R.: „The Wilson Leak. Latest Developments“ auf YouTube.com, 15.06.19; https://tinyurl.com/y45nke3w
3 „Alien Autopsy Proof – Email Communication“ auf Imgur.com, 04.06.19; https://tinyurl.com/y4g62hyn
4 Dolan, R.: „The Leaked Alien Autopsy Emails“ auf RichardDolanMembers.com, 06.06.19; https://tinyurl.com/y4noggd5
5 Broad, W. J.: „Pentagon Leaves the Shuttle Program“ inNew York Times, 07.08.89; https://tinyurl.com/yxjfeoja
6 Anm.d. Übers.: Laut Wikipedia ein abgetrennter Bereich, in dem sensible Informationen gelagert, verwendet und erörtert werden; siehe https://tinyurl.com/yxkokbec.
7 Anm.d. Red.: Das Original ist hier mehrdeutig. „Not the body. I never said it was the body. It was the face still. It was the shot of the subject.“ Mit „subject“ sollte eigentlich das untersuchte Wesen gemeint sein, aber das widerspricht der Tatsache, dass er den Körper nicht gesehen haben will. „body“ kann auch „Leiche“ bedeuten.