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SCHWITZEN WAS DER SCHWEISS VERRÄT: Voll aufgedreht


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2020 vom 10.07.2020

Bei sommerlichen Temperaturen läuft die Klimaanlage des Pferdes auf Hochtouren. Das hält einige spannende Fragen bereit: Ist Schwitzen eigentlich gesund? Warum schäumt der Schweiß des Pferdes weiß? Und wie viel Hitze verträgt der Vierbeiner im Training?


Artikelbild für den Artikel "SCHWITZEN WAS DER SCHWEISS VERRÄT: Voll aufgedreht" aus der Ausgabe 80/2020 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2020

Bei Hitze wird das Kühlsystem des Pferdes aktiviert


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THERMOREGULATION

Ist das Pferd einer hohen körperlichen Belastung ausgesetzt, kommt es schnell ins Schwitzen


Wasser, das im Schweiß verdunstet, kühlt den Pferdekörper


Bei Temperaturen über 25 ...

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... Grad Celsius suchen Pferde in der Regel einen schattigen Platz auf und dösen dort – ohne große Anstrengungen zu unternehmen – vor sich hin. So läuft ihre körpereigene Klimaanlage auf Sparflamme, da die Außenluft eine ausreichende Abkühlung bewirkt. Erst bei Hitze oder einem anstrengenden Training, bei dem die Muskeln viel Wärme erzeugen, springt sie an. Die Körpertemperatur kann hierbei nämlich bis auf bis zu 41 Grad Celsius ansteigen. Eine Überhitzung droht. Deswegen ist der Organismus bestrebt, sich auf den Soll-Wert der Kerntemperatur von 37,2 bis 38,3 Grad abzukühlen.

Und das gelingt so: Signalisieren die Temperaturfühler in der Haut und im Körperinneren, dass die Temperatur ansteigt, erweitern sich die Blutgefäße, um die abgegebene Wärmemenge zu erhöhen. Mit dem Blutkreislauf wird die Wärme dann zur Körperoberfläche transportiert.

Kühlung des Organismus

Von der Haut wiederum wird die Wärme durch verschiedene Maßnahmen an die Umgebung abgegeben. Das geschieht zum Beispiel über ein leitendes Medium (unter anderem Luft oder Wasser), das selbst in Bewegung ist. Der Pferdekörper strahlt ein Zuviel an Wärme aber auch über elektromagnetische Wellen ab. Reichen diese Maßnahmen zur Kühlung nicht mehr aus (zum Beispiel bei einer hohen Außentemperatur im Sommer oder einer hohen Innentemperatur durch körperliche Arbeit), werden die Schweißdrüsen aktiviert. Sie produzieren eine wässrige Flüssigkeit, die die Feuchtigkeit der Hautoberfläche erhöht. Wenn das Wasser im Schweiß verdunstet, entsteht die sogenannte Verdunstungskälte, die zur Kühlung des Organismus führt. Verantwortlich für den Schweiß sind unzählige kleine Schweißdrüsen. Auf einem Quadratzentimeter Haut befinden sich, neben den Talgdrüsen, etwa 400 bis 500 von ihnen. So wird ein Großteil der Wärme über die Haut abgegeben. Nur ein geringer Teil gelangt über die Atmung in die Umgebung.

Abhängig vom Wetter

Die Effektivität des Schwitzens hängt vor allem vom Wetter ab und wird von der Luftfeuchtigkeit begrenzt. Je feuchter es ist, desto schlechter gelingt das Schwitzen. In der feuchtigkeitsgesättigten Luft verdunstet der Schweiß nicht mehr, sondern tropft einfach wirkungslos am Pferd herunter. So kann es passieren, dass ein Pferd bei heißem, aber trockenem Wetter weniger erhitzt ist als bei kühlem aber feuchtem. Auch Wind lässt Pferde deutlich weniger schwitzen.

PSYCHISCHER STRESS

Ist das Pferd keiner Belastung ausgesetzt und schwitzt trotzdem, können Stress, Aufregung oder Angst mögliche Gründe sein. Bei der Schweißproduktion spielt nämlich das Interieur des Tieres eine große Rolle. Bei Gefahr wird das vegetative Nervensystem bzw. ein Teil da von, nämlich der sogenannte Sympatikus, aktiviert. Er versetzt den Pferdekörper in eine erhöhte Leistungsbereitschaft, der dann wiederum mehr Energiereserven zur Verfügung stellt. So wird eine höhere Belastung, zum Beispiel eine schnelle Flucht, erst möglich. Zu diesem Vorgang gehört das Anspannen der Muskeln, das Ansteigen der Herzfrequenz und eben auch das Ankurbeln der Schweißproduktion. Oft zeigt sich der Schweiß innerhalb kürzester Zeit, sehr stark vor allem am Unterhals.

Eine erhöhte Anspannung zeigt sich häufig durch Schwitzen am Unterhals


Aufregung oder Angst kann die Schweißproduktion des Pferdes erhöhen


GEFAHR DER ÜBERHITZUNG

Pferde können ein Zuviel an Wärme in der Regel gut über das Schwitzen abführen. Die Gefahr des Überhitzens besteht jedoch bei einer körperlichen Anstrengung in ungewohnt heißer Umgebung. Ist das Pferd dehydriert, wird der Schweißfluss gemindert. Das Pferd kann sich nicht mehr abkühlen, was zu einer Hyperthermie, einem Hitzschlag, führen kann. Die Körpertemperatur steigt im Extremfall auf bis zu 43 Grad Celsius an. Die Folge? Ein gefährlicher Kreislaufkollaps. Bevor der Hitzschlag eintritt, fühlen sich die Tiere trocken und warm an. Sie atmen sehr schnell und haben eine erhöhte Herzfrequenz. Der Ruhepuls liegt normalerweise etwa zwischen 30 und 40 Schlägen pro Minute. Weitere Symptome: Teilnahmslosigkeit, Schwäche oder ein verminderter Appetit. Um einen Hitzschlag zu vermeiden, sollte der Reiter Folgendes beachten:

Tipp 1: Ist Ihr Pferd fit und gesund, kann es auch bei Hitze locker bewegt werden. Große Anstrengungen sollten allerdings vermieden werden.

Tipp 2: Ist das Pferd eher hitzeempfindlich, sollte das Training auf die kühlen Morgen- oder Abendstunden oder auf zwei kurze Einheiten am Tag verlegt werden. Das heiße Wetter kann für einen Spaziergang oder für eine leichte Bodenarbeits-Einheit genutzt werden.

Tipp 3: Wenn eine Anstrengung in der Mittagshitze unvermeidlich ist (zum Beispiel durch ein Turnier), sollte das Pferd langsam an die Belastung herangeführt werden. Idealerweise wird es über mehrere Tage hinweg an die bevorstehende Aufgabe herangeführt, um sich zu akklimatisieren und so den Einsatz bei Hitze besser zu verkraften.

Tipp 4: Falls Ihr Pferd stark verschwitzt ist, sollten Sie es im Schatten langsam wieder auf seine Normaltemperatur herunterkühlen lassen.

Tipp 5: Zur Kühlung können Sie lauwarmes Wasser benutzen, das aber erst verwendet werden sollte, wenn das Pferd nicht mehr schwitzt und sich Puls und Atmung normalisiert haben. Beginnen Sie mit der Kühlung bei den Hinterhufen, dann folgen die Außen- und Innenseiten der Hinterbeine. Reihenfolge: von hinten nach vorne, hufaufwärts von unten nach oben, auf der rechten, dann auf der linken Seite. Ziehen Sie das überschüssige Wasser mit einem Schweißmesser ab. Im Idealfall lässt sich durch Abgießen und Abziehen innerhalb von zehn Minuten die Körpertemperatur um bis zu zwei Grad herunterkühlen.

Bei großer Hitze sollte ein Pferd nur locker bewegt werden


SPORTLER SCHWITZEN EFFEKTIVER

Trainierte Pferde besitzen leistungsfähigere Schweißdrüsen und schwitzen daher meist schneller als untrainierte Tiere


Wie viel Schweiß fließt, ist nicht nur abhängig von der Anzahl der Schweißdrüsen, der körperlichen Anstrengung und den klimatischen Bedingungen wie Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit oder der Windgeschwindigkeit, sondern auch vom Trainingszustand des Vierbeiners. Je trainierter und ausdauernder ein Pferd ist, desto schneller reagiert der Körper auf den Kühlbedarf. Dementsprechend setzt die Schweißproduktion bei einem trainierten Pferd schneller ein als bei einem untrainierten. Die Schweißdrüsen sind leistungsfähiger und für höhere Kapazitäten in der Thermoregulation ausgestattet. Schneller schwitzen, tun Pferde ebenso im Fellwechsel oder bei Übergewicht.

Optimaler Effekt

Die Thermoregulation von zweibeinigen Sportlern verläuft ähnlich. Hinzu kommt, dass Personen, die häufig Ausdauersport betreiben, eine optimale Menge an Schweiß abgeben, so dass die Körperoberfläche nur leicht benetzt ist. Dies gewährleistet die beste Verdunstung und somit einen bestmöglichen Kühleffekt. Bei Untrainierten hingegen schießen die Schweißdrüsen oft über das Ziel hinaus. Sie produzieren zu viel Schweiß und es entstehen Tropfen, die nicht so gut verdunsten oder zu Boden fallen. Somit verliert der Sporttreibende wichtige Flüssigkeit, die für die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit erforderlich wäre. Sportliche Menschen schwitzen daher effektiver. Diese These könnte, wie die zuerst genannte, auch für die Pferde gelten.

KORREKTES SCHWEISSBILD

Wo das Pferd schwitzt, sagt nicht immer etwas über die verrichte Muskel- arbeit aus


Wenn Pferde zwischen ihren Hinter beinen sowie an der Flanke schwitzen, gilt das als gutes Zeichen. Dann haben sie die richtigen Muskeln trainiert, heißt es. Aber stimmt das? Schwitzflecken beim Menschen werden nicht in dieser Art und Weise interpretiert. Wir schwitzen fast bei jeder Anstrengung unter den Achseln, auch beim Joggen oder Fahrradfahren – und das, obwohl wir hierbei unsere Arm- und Schultermuskulatur kaum benutzen, sondern verstärkt unsere Beinmuskeln. Der Grund? Unter den Achseln sitzen einfach besonders viele Schweißdrüsen, genauso wie auf der Mittellinie des Rückens und der Brust.

Reibung erzeugt Schweiß

Kann es bei den Tieren ähnlich sein? Beobachten Sie Ihren Vierbeiner doch einmal beim Training. Wo fängt er zuerst an zu schwitzen? In der Regel am Hals – und das, obwohl er korrekt über den Rücken geritten wird und im Training nicht den Unterhals herausdrückt oder unter Stress steht. Das hängt ebenfalls mit der Anzahl der Schweißdrüsen zusammen, die nicht gleichmäßig über den gesamten Körper verteilt liegen. Sie sind bei Pferden unter anderem an Hals, Brust, Schulter, Flanke und seitlich am Bauch dicht gesät. Aber auch der Zügel, der am Hals reibt, führt zu einer erhöhten Schweißproduktion an dieser Körperstelle. Das gilt auch für das Kopfstück der Trense und den Sattel. Hier ist Schweißproduktion durch die Auflage der Ausrüstung erklärbar.

Gestörter Energiefluss

An welcher Körperregion der Schweiß zu sehen ist, sagt also erst einmal nicht grundsätzlich etwas über die beanspruchten Muskelpartien aus, sondern nur, dass sich das Pferd körperlich anstrengt. Dennoch gilt natürlich, wo Muskeln arbeiten, ist die Durchblutung erhöht, so dass es hier zu einer erhöhten Schweißmenge kommen kann.

Ebenso hat der Energiefluss Auswirkungen auf das Schweißbild: Ist ein bestimmter Körperabschnitt (zum Beispiel die rechte Halsseite), aufgrund von alten Narben, Blockaden, Fehlhaltungen oder Verspannungen weniger beweglich, ist auch die Durchblutung und Nervenversorgung eingeschränkt, was wiederum die Schweißproduktion hemmt.

WEISSER SCHAUM

Eigentlich müssten Pferde mit der Absonderung von Schweiß zur Kühlung ein riesiges Problem haben, denn sie haben ein dickes wasserdichtes Fell. Wie also schaffen Sie es, das wässrige Sekret von der Haut bis zur Haar-Oberfläche zu transportieren? Die Antwort: Pferde besitzen ein oberflächenaktives, waschmittelähnliches Protein namens Latherin, das sie in einer ungewöhnlich hohen Konzentration mit ihrem Schweiß ausscheiden. Dieses Protein feuchtet die Haare durch die Senkung der Oberflächenspannung des Wassers an und erleichtert so den Wasserfluss für die Verdunstung. Das führt zunächst zu einer glänzenden Fläche, später zu einer weißen, schaumigen Konsistenz, die sich im Fell leichter über eine größere Oberfläche verteilt. Auf dieser kann mehr Schweiß gleichzeitig verdunsten, was die Temperatur in einer kürzeren Zeit senkt. Der Schaum entsteht vor allem dort, wo Reibung entsteht – an Vorderzeug, Zügel, Trense, Sattel oder Gurt.

Der weiße Schaum entsteht durch ein spezielles Protein


HECHELN WIE EIN HUND

Schwitzen als Form der Kühlung funktioniert besonders gut bei Pferderassen mit dünner Haut, zum Beispiel bei Vollblütern. Jeder kennt den Anblick eines Rennpferdes, dessen Haut sichtbar von Blutgefäßen durchzogen ist. Bei einigen Robust-Rassen gibt es diesen Anblick nicht. Isländern zum Beispiel steht dieses Kühlsystem nur in einem kleineren Umfang zur Verfügung. Der Grund? Sie verfügen über eine geringere Anzahl an Schweißdrüsen. Sie nutzen daher das Hecheln, um sich besser abzukühlen, ähnlich wie Hunde.

Schutz vor Erkältungen

Aber warum haben Islandpferde weniger Schweißdrüsen? Der Islandpferde-Reiter Dr. Dieter Kolb erklärt diesen Aspekt mit dem kühlen Klima und den ständigen Winden in ihrer Heimat. Hierbei könne starkes Schwitzen wegen der Erkältungsgefahr tödlich sein. So hätten sich die weniger schwitzenden Pferde besser fortgepflanzt, vermutet er. Interessant ist hierbei ein möglicher Zusammenhang zum Sommerekzem. Kolb hat nämlich festgestellt, dass Ekzemer weniger Schweißdrüsen besitzen als Nicht-Ekzemer und daher auch geringere Schweißmengen produzieren.

Islandpferde versuchen, sich durch Hecheln Abkühlung zu verschaffen


Konzentrierter Schweiß

Seiner Meinung nach könnte die geringere Anzahl an Schweißdrüsen die Konzentration der Inhaltsstoffe des Schweißes erhöhen. Das wiederum würde vermehrt Mücken anlocken, deren Stich bekanntlich eine Eiweißreaktion auslösen kann. Das nur punktförmige Auftreten von konzentriertem Schweiß könnte aber auch einen Brennglaseffekt nach sich ziehen oder die Haut durch den konzentrierten Schweiß chemotoxisch irritiert sein. Alle Faktoren gemeinsam oder auch jeder allein, könnte, so vermutet Kolb, ein Ekzem auslösen.

ERHÖHTER WASSER–BEDARF

Frisches Wasser sollte dem Pferd jederzeit zur freien Verfügung stehen


Das Trinkbedürfnis des Pferdes ist von der Größe, der Haltungsform, der körperlichen Trainingsleistung und der Umgebungstemperatur abhängig. Bei schwerer Arbeit und Hitze können es schon einmal 50 bis 80 Liter Wasser pro Tag sein, die von den Körperzellen benötigen werden. Nähr- und Wirkstoffe werden über das Wasser im Blut dorthin transportiert, wo sie gebraucht werden, Abfallstoffe werden abgebaut und über die Nieren oder den Darm ausgeschieden. Nur so funktionieren die Vorgänge wie Verdauung und Stoffwechsel richtig.

NACHSCHWITZEN VERMEIDEN

Eine Cool-Down-Phase ist besonders an heißen Tagen wichtig, um ein Nachschwitzen zu verhindern


Nachschwitzen ist ein Zeichen dafür, dass der Körper nach einer Phase der Anstrengung mit höherer Temperatur noch nicht wieder auf Normaltemperatur zurückgekehrt ist. Der Wärmeabtrans port aus dem Inneren verlangsamt sich, und dem Pferd wird es wieder heißer. Es kompensiert diesen Vorgang durch vermehrtes Schwitzen.

Ein Nachschwitzen können Sie vermeiden, indem Sie Ihr Pferd nach dem Training so lange trocken führen, bis es keinen Schweiß mehr produziert, sich die Atmung beruhigt und der Pulsschlag normalisiert hat. Das hilft dem Vierbeiner, da in der Bewegung sämtliche Prozesse des Wärmeabtransports besser funktionieren als im Stehen. Außerdem wird dabei die Durchblutung noch einige Zeit hochgehalten, um die beim Training entstanden Schlackstoffe aus den Muskeln wieder abzutransportieren und auszuscheiden bzw. diesen Vorgang zu erleichtern.

ZUFUHR VON ELEKTROLYTEN

Für die meisten Pferde genügt ein Salzleckstein, um ihren Bedarf an Salz zu decken


Pferdeschweiß besteht nicht nur aus Wasser, sondern auch aus einer größeren Menge an Elektrolyten wie Natrium, Kalium und Chlorid. Sie sind notwendig, um den Wasserhaushalt auszugleichen und die lebensnotwendigen Funktionen des Organismus aufrechtzuerhalten. Ein übermäßig hoher Wasser- und Elektrolytverlust aufgrund hoher Belastung kann daher schwerwiegende Folgen haben: Stoffwechselentgleisungen, Muskelkrämpfe, Kreuzverschlag, Herz-Kreislauf-Probleme, Nierenversagen bis hin zum Tod. Mit speziellen Elektrolytprodukten in flüssiger, gelartiger, pulvriger oder pelletierter Form können Sie dem Pferd aber helfen, die erschöpften Reserven wieder aufzufüllen.

Ein starker Verlust kann jedoch immer nur dann ausgeglichen, wenn er entstanden ist. Elektrolyte können deshalb nicht auf Vorrat gefüttert werden. Wird die häufig empfohlene Salzbeigabe von 50 bzw. 100 Gramm pro Tag für Sportpferde gefüttert, kann dies den Tieren sogar Schaden zufügen. Das belegt eine Studie, die im Januar 2017 im Fachjournal „PLOSone“ veröffentlicht wurde. Die Pferde, denen Salz zugefüttert wurde, konnten sich nicht auf die erhöhte Nährstoffzugabe einstellen. Es kam zu Übersäuerungen und Störungen des Säure-Basen- und Mineralstoffhaushalts.


Fotos: AdobeStock/ RD-Fotografie (1)/ lichtreflexe (1), Getty Images (1), slawik.com (1), equitaris.de/ Dr.Tanja Becker (1), imago images/ Sven Simon (1)/ Frank Sorge (6)/ MIS (1)