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SD-Programme werden abgeschaltet


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Digital Fernsehen - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 19.08.2022
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Bildquelle: Digital Fernsehen, Ausgabe 7/2022

Kaum zu glauben aber wahr: Die SD-Abschaltung bei den Öffentlich-Rechtlichen macht endlich Fortschritte – wenn auch wieder nur kleine. Denn die ARD und das ZDF tun sich mit dem Umstieg auf den effizienteren Übertragungsstandard bekanntlich ungemein schwer. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Termine gesetzt und dann wieder verschoben, neue Debatten über die immer gleichen Fragen angesetzt und mit dem Ergebnis beendet, dass man nochmal beraten muss, um so der Umsetzung wieder aus dem Weg zu gehen. Doch zumindest für vier Kanäle legen die beiden Sendeanstalten nun tatsächlich den Hebel um.

Welche Sender sind betroffen?

Betroffen sind davon namentlich die Spartensender One, Phoenix, Tages- schau24 und Arte. Die Öffentlich-Rechtlichen stellen die SD-Verbreitung dieser Sender zum 15. November 2022 über den SES Astra Satellitentransponder 51 (10,744 GHz) ein und sind damit fortan nur noch in ...

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... hochauflösender Bildqualität zu empfangen.

Was muss ich tun?

Für die meisten Fernsehzuschauer wird sich durch die Umstellung gar nichts ändern, denn sie nutzen bereits die HD-Sender. Denn da inzwischen etwa 90 Prozent aller Haushalte in HD fernsehen, wird von der Umstellung nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung betroffen sein. Diese knapp zehn Prozent müssen allerdings bald handeln, wenn sie auch weiterhin die gewohnten Programme sehen möchte. Ob Sie davon betroffen sind, finden Sie am schnellsten heraus, in dem Sie einen Blick auf das stets eingeblendete Senderlogo werfen: Ist dort bereits ein „HD“ am Symbol zu sehen, ist nichts mehr zu tun. Steht aber beispielsweise nur „ZDF“ und nicht „ZDF HD“ in der Bildschirmecke, ist zumindest ein Sendersuchlauf nötig, um die jeweiligen HD-Ableger zu finden und bei Bedarf in die Favoritenliste aufzunehmen. Ist man sich nicht sicher, ob der vorhandene Sat-Receiver für HD geeignet ist, bietet sich ein manueller Sendersuchlauf an, der über das Installationsmenü gestartet werden kann. Hier können alle nötigen Parameter eingetragen werden, um ganz gezielt nach dem Wunschsender zu suchen. Interessant ist dabei zu wissen: Alte DVB-S-Boxen bieten gar nicht die Möglichkeit, alle für die HD-Sender nötigen Daten einzugeben. Man kann also auch hier mit einem Blick fest- stellen, ob die eigene Hardware für den hochauflösenden TV-Empfang bereits geeignet ist.

Brauche ich neue Hardware?

Ist dies nicht der Fall, müssen Zuschauer in einen neuen Receiver oder gegebenenfalls auch einen neuen Fernseher investieren, wenn sie die gewünschten Programme weiter sehen möchten. Hier kann ein Blick auf die Rückseite des Geräts bereits Aufschluss geben: Alle HDund UHD-Receiver besitzen eine HDMI-Schnittstelle, über die sie die AV-Signale auf digitalem Weg an den Fernseher weitergeben. Bei alten DVB-S-Boxen fehlt diese Schnittstelle, hier wurden noch Scart oder Cinch als Anschlüsse verbaut, die die Signale nur analog in SD-Auflösung weitergeben.

Wer die Sat-Signale direkt über den Fernseher empfängt und daher gar keinen Receiver nutzt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Denn eingebaute Sat-Tuner haben sich bei TV-Geräten erst zu einer Zeit etabliert, als HD längst üblich war. Sie sind also schon von Haus aus so ausgestattet, dass Bilder in hochauflösender Bildqualität empfangen und verarbeitet werden können. Im Zweifel hilft auch hier ein genauerer Blick auf das Senderlogo, das in wenigen Sekunden verrät, ob man SD oder HD guckt.

Was heißt das für Kabel-Kunden?

Es wird erwartet, dass sich die SD-Abschaltung auch auf die Kabelnetze auswirkt, denn viele Anbieter nutzen die Satelliten-Signale, um sie dann in den eigenen Netzen weiterzuverbreiten. Wird das SD-Signal auf diesem Weg nicht mehr bereitgestellt, müssten die Provider das HD-Signal entsprechend umwandeln. Diesen Mehraufwand wird aber vermutlich kaum ein Anbieter auf sich nehmen. Daher ist anzunehmen, dass die Verbreitung von One, Phoenix, Tagesschau24 und Arte in SD auch im Kabel beendet wird. Vodafone hat Arte SD bereits im März aus seinen Netzen genommen, es ist daher anzunehmen, dass auch die anderen Kanäle folgen werden.

Wann folgen die anderen Sender?

Es sollte eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch all die anderen Sender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten diesem Weg folgen. ARD Alpha hat letztes Jahr den Anfang gemacht, nun folgen vier weiter Sender. Und dann? Es bleibt nur ein Blick in die Glaskugel, weitere Termine gibt es bislang nicht, sodass zu vermuten ist, dass die SD-Abschaltung ein weiteres Mal einfach verschleppt wird. Schon seit gut zehn Jahren diskutiert die Branche, wie und wann der Schritt gelingen kann, gänzlich auf die effektiveren Übertragungsstandards DVB-S2 und MPEG-2 zu wechseln, doch einen wirklichen Willen scheint es dafür bei ARD und ZDF noch immer nicht zu geben.

Das zeigt sich auch an der Auswahl der Sender: One, Phoenix und Tagesschau24 sind eher kleine Spartensender, an denen man sich nun erst einmal ausprobiert. Die Regional- oder auch die beiden Hauptsender, die ja auch die größte Reichweite haben, bleiben von der ganzen Thematik unberührt. Arte ist dagegen ein kleiner Sonderfall: Es handelt sich zwar ebenfalls um ein Spartenprogramm, doch will dieses im kommenden Jahr mit der Verbreitung in Ultra HD starten, also noch eine Qualitätsstufe höher springen. 2023 wird sich also vermutlich folgendes Bild zeigen: Während Arte schon ganz modern Inhalte in UHD sendet, werden ARD und ZDF noch in schlechter SD-Auflösung ausgestrahlt.

Warum dieses Zaudern?

Warum sich die Öffentlich-Rechtlichen mit diesem Thema so schwer tun, ist schwer zu sagen. Statt jetzt ein Mal einen Fahrplan für alle Sender aufzustellen und diese dann Schritt für Schritt bis zum großen Sprung abzuarbeiten, machen sie wieder nur einen kleinen Sprung ohne konkretes Ziel. Natürlich muss man bei der ganzen Debatte auch den Auftrag der Sender berücksichtigen, die Grundversorgung für jeden Bürger sicherzustellen. Das schließt auch jene mit ein, die technisch noch nicht auf der Höhe der Zeit angekommen sind. Doch die Frage muss am Ende auch lauten: Wie lang wollen sich ARD und ZDF noch dahinter verstecken?

Screenshots

Empfangsparameter

One HD und Tagesschau 24 HD Frequenz 11,053 GHz horizontal (SR 22 000, FEC 2/3, DVB-S2 8psk)

Phoenix HD Frequenz 11,582 GHz horizontal (SR 22 000, FEC 2/3, DVB-S2 8psk)

Arte HD Frequenz 11,494 GHz horizontal (SR 22 000, FEC 2/3, DVB-S2 8psk)

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben doch eigentlich nur eins gezeigt: Die meisten Bedenken beim Thema SDoder auch Analogabschaltung waren unbegründet. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia hat es 2017 vorgemacht. Während alle anderen Akteure sich noch die Köpfe heiß redeten, hat der Anbieter einfach Fakten geschaffen und nach und nach die einzelnen Regionen umgestellt. Der erwartete Knall, der abertausende Haushalte ohne Fernsehen zurücklässt, blieb aus. Warum sollte das bei Satellit nun anders sein?

Natürlich sind von der SD-Abschaltung via Satellit deutlich mehr Menschen betroffen und auch technisch muss in größerem Rahmen geplant werden. Allein die Umrüstung der nötigen Kopfstellen für Hotels, Krankenhäuser oder auch Pflegeeinrichtungen wird viele Ressourcen verschlingen. Doch ohne ein konkretes Ziel-Datum, bis wann die nötigen Umrüstarbeiten erledigt sein müssen, wird das vermutlich auch nie gelingen.

Geldverschwendung?

Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt, der SD-Abschaltung durchaus dringlich macht: die Kosten. Während die Privatsender selbst dafür sorgen müssen, dass ihre Ausgaben gedeckt sind, werden die Öffentlich-Rechtlichen durch den Rundfunkbeitrag finanziert. Um die Verwendung dieser Gelder zu kontrollieren, müssen ARD und ZDF alle paar Jahre ihren Finanzbedarf bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) melden und absegnen lassen. Normalerweise kostet ein Satellitentransponder auf der Orbitalposition 19,2 Grad Ost pro Jahr zirka fünf bis sechs Millionen Euro. Für die SD-Abstrahlung benötigt die ARD für ihre TV-Programme dreieinhalb, das ZDF einen Transponder. Zu den etwa 27 Millionen Euro kommen zusätzlich noch Kosten für die Sendeabwicklung (Signalbereitstellung) und Einspeiseentgelte für die Kabelverbreitung dazu. Dieses Geld könnte man künftig einsparen oder sogar in den UHD-Betrieb investieren, wenn man die SD-Verbreitung aller Programme beenden würde.

Denn für die Verbreitung der HD-Sender fließen ähnliche Summen, auch für sie müssen Transponder gemietet sowie Sendeabwicklung (Signalbereitstellung) und Kabeleinspeisegebühren gezahlt werden. Im Grunde zahlen ARD und ZDF hier also zwei Mal für die Verbreitung der gleichen Inhalte – nur in unterschiedlicher Bildqualität. In Zeiten, in denen gerade auch die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder darüber klagen, dass sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht auskommen, sollten die Bemühungen eigentlich größer sein, solche Sparpotenziale zu nutzen. Die KEF hat bereits vor Jahren dafür plädiert, die SD-Abschaltung durchzuführen und bewilligt den Sendeanstalten bereits seit Sommer 2020 keine Gebührengelder mehr für die Ausstrahlung in SD. Seither finanzieren die Öffentlich-Rechtlichen ihre SD-Verbreitung quer, das heißt, es wird an anderer Stelle gespart (zum Beispiel bei Inhalten oder Technikinvestitionen) oder werden Rücklagen aufgebraucht. Die Umstellung auf Ultra HD rückt damit – außer bei Arte – vermutlich in weite, weite Ferne.

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Und die Privaten?

Während die Öffentlich-Rechtlichen weiter mit sich hadern und schon aus finanziellen Gründen immer mal wieder einen kleinen Schritt in Richtung HD-Zeitalter machen, haben sich die Privaten bereits klar positioniert: Die beiden großen Privatsenderketten RTL und Pro-SiebenSat.1 wollen weiter an der unverschlüsselten SD-Verbreitung festhalten. Während es die hochauflösenden Ableger nur als Bezahlangebote gibt, bieten die SD-Sender ihnen die Möglichkeit, die breite Masse zu erreichen. Das ist auch insofern für die Sendergruppen wichtig, da sie als werbefinanzierte Unternehmen darauf angewiesen sind, eine große Reichweite vermarkten zu können.

Wer die Inhalte dann auch noch ohne Pixelmatsch in bester Bildqualität sehen will, muss in ein Abo investieren. Beim Sat-Empfang stockt die Akzeptanz der privaten HD-Signale bei den Zuschauern allerdings schon seit Jahren. Diveo und Freenet haben die Sat-Vermarktung wieder aufgegeben, HD Plus veröffentlicht keine Abozahlen mehr. Um so wichtiger ist daher die SD-Plattform für die Unternehmen.

Wann kommt der Tag X?

Wann werden wir das Kapitel SD tatsächlich schließen können? Was 1996 mit dem Start des Digitalfernsehens in Deutschland via Satellit begann, könnte bereits in wenigen Jahren anständig zum Abschluss gebracht werden. Wenn alle beteiligten Akteure wollen. Und genau daran scheint es auch im Jahr 2022 immer noch zu klemmen: Der klare Wille, diesen Schritt nun endlich zu gehen, ist bei den Öffentlich-Rechtlichen trotz aller Beteuerungen immer noch nicht zu sehen. Statt einen Plan aufzustellen und dann alles nötige dafür zu tun, damit die technische Umrüstung klappt und alle Zuschauer mitgenommen werden (wie Unitymedia es getan hat) schieben ARD und ZDF das Thema lieber noch so lang von sich, wie sie eben können. Am Ende wird es vermutlich der Gelddruck sein, der sie zum Handeln bewegt, denn nicht nur die KEF hat hier schon den Rotstift angesetzt, auch immer mehr Menschen fragen sich, wie in Zeiten knapper Kassen noch an solch unnötigen Doppelausgaben festgehalten werden kann. In den kommenden Jahren wird uns das Thema mit Sicherheit noch begleiten, denn die SD-Abschaltung gerade der Hauptsender wird einige Zeit Vorlauf brauchen – und es gibt ja noch nicht mal ein anvisiertes Datum. Man kann am Ende wohl nur hoffen, dass es noch in diesem Jahrzehnt passiert.

FRANCES SCHLESIER

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