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SECHS BROWSER IM VERGLEICH: Einer gegen Alle


PC Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 04.10.2019

Verrückte Browser-Welt: In unserem Test tritt Firefox als einziger technisch unabhängiger Browser gegen fünf Chrome-Clones an.


Artikelbild für den Artikel "SECHS BROWSER IM VERGLEICH: Einer gegen Alle" aus der Ausgabe 11/2019 von PC Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Magazin, Ausgabe 11/2019

Im Brave Browser stellen Sie detailliert ein, welche sozialen Netzwerke Sie sehen oder blockieren wollen.


Google hat den Kampf um die Vorherrschaft auf dem Browser-Markt gewonnen: Der eigene Chrome-Browser führt mit um die 70 Prozent Marktanteil, weit vor allen anderen. Und ist die Konkurrenz überhaupt noch eine Konkurrenz? Fast alle anderen Produkte basieren auf dem Open-Source-Browser Chromium, einem Google-Projekt. Sogar Microsoft benutzt in seiner neuesten Edge-Version, die ...

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... sich noch im Beta-Stadium befindet, Chromium-Technik. Der einzige unabhängige Mitbewerber mit eigener HTML- und Javascript-Engine ist Firefox. Kann sich der Außenseiter in diesem Test behaupten? Und gibt es noch Vielfalt auf dem Browsermarkt?

Brave Browser

Der Kern von Brave Browser ist das Basic-Attention-Token-System (BAT). Dabei werden Sie mit der Cryptowährung BAT belohnt, wenn Sie sich Werbung ansehen. Die Tokens können Sie an die Sites spenden, deren Inhalte Sie für interessant halten. So fördern Sie mit BAT Unternehmen mit guten Inhalten und vernünftiger Werbepolitik. Überzeugt? Wenn nicht, dann können Sie Brave trotzdem benutzen. Das BATSystem ist in den Standardeinstellungen ausgeschaltet. Ohne BAT ist Brave ein auf Chromium basierender Browser mit sehr guten Blockadefunktionen für Werbung und Tracking. Auf Panopticlick blockte das Programm alle Tracker und ließ sich auch keine Evercookies unterschieben. Gut hat uns auch das Incognito-Fenster mit Unterstützung für das Tor-Anonymisierungsnetzwerk gefallen.
Wer gerne anonym surfen will, findet in Brave einen sehr guten und leicht zu benutzenden Browser, der sogar Komfortfunktionen wie einen Lese-Modus bietet. Auf der Performance-Seite zeigte das Programm Schwächen und musste sich im hinteren Testfeld einreihen. Immerhin kam Brave mit sehr wenig Systemspeicher aus und wurde in dieser Disziplin Zweiter.

PCM Testverfahren Browser

Für unseren Test haben wir die Browser-Benchmarks Basemark, Jetstream2, Motion Mark, Speedometer und WebXPRT 3 benutzt. Jeder Browser durchlief die Tests drei Mal, die Ergebnisse wurden gemittelt. Für die Formatunterstützung verwendeten wir die Tests Acid 3, html5test.com und css3test.com. Wir untersuchten auch, wie viel Systemspeicher die Programme verbrauchen. Dafür benutzten wir den Taskmanager Process Explorer von Sysinternals. Nachdem wir in jedem Browser dieselben sechs Websites geladen hatten, ermittelten wir die Werte für working space private.

Funktionen im Blick

Schließlich absolvierten die Browser den Trackertest panopticlick.eff.org und mussten ein Evercookie von der Site samy.pl/evercookie/ löschen. Schließlich gab es Punkte für 56 ausgewählte Funktionen von Sicherheit bis Komfort.

Für unseren Test verwendeten wir unter anderem die Benchmarks auf der Sitebrowserbench.org .


Jan Kaden, Autor PC Magazin


Expertenmeinung

Chrome oder besser Chromium beherrscht das Web. Ist das schlecht? Google-Skeptiker nicken sicher heftig mit dem Kopf. Doch die Reaktion ist voreilig. Webdesigner und Extension-Programmierer finden es wahrscheinlich gut. Denn nun müssen Sie nur noch für einen einzigen Browser entwickeln. Und die Vielfalt auf dem Browser-Markt ist noch nicht verschwunden, wenn man sich die Bandbreite der Browser von Brave über Opera bis Microsoft Edge ansieht. Außerdem kann jeder Hersteller seinen Teil in die Chromium-Entwicklung einbringen. Das könnte die solide Basis weiter verbessern – eine Monokultur, die ausnahmsweise gute Seiten hat.

Chrome bietet unter der Rubrik Flags interessante Zusatzfunktionen für Experimentierfreudige.


Google Chrome

Der bei weitem meistbenutzte Browser landete in unserem Test auf einem der hinteren Plätze. Das liegt sicher am Testverfahren, bei dem Sicherheitsfunktionen, zum Beispiel Werbe- und Trackingblocker sowie der Schutz vor Cryptominern, im Vordergrund standen. Das soll nicht heißen, dass Chrome ein unsicherer Browser ist. In allen Sicherheitstests schneidet er regelmäßig hervorragend ab. Wer mit diesem Browser aber seine Privatsphäre wahren will, muss tief in die Einstellungen eintauchen und Werbe- und Skriptblocker in Form von Extensions nachinstallieren. Beispiele für lästiges Verhalten: Warum gibt es zum Beispiel keine Einstellung, mit der automatisch der gesamte Browser-Verlauf beim Schließen des Programms gelöscht wird. Warum lässt sich Hyperlink-Auditing nicht ausschalten, eine Funktion, bei der eine Website jedes Mal eine Nachricht an Werbepartner schicken kann, wenn ein Anwender auf einen Link klickt. Auch bei den Performance-Tests schnitt Chrome im Vergleich mit den anderen Browsern nicht so gut ab. Unter anderem reservierte sich der Browser von allen Programmen im Testfeld den meisten Systemspeicher.

Microsoft Edge (Chromium)

Microsoft Edge landete in unserem Test auf dem letzten Platz. Wir haben eine Beta-Version des Browsers getestet, die auf dem Open-Source-Browser Chromium basiert. Mit diesem Browser beschreitet Microsoft neue Wege. Sieht man sich die Performance an, scheint die Firma aus Redmond in die richtige Richtung zu steuern. Edge landete gleich hinter Opera auf dem zweiten Platz und zeigte sich sogar beim Verbrauch von Systemspeicher genügsam.
Von Chromium hat der neue Microsoft-Browser viele gute Eigenschaften geerbt. Extensions kann man sich direkt aus dem Chrome-Store besorgen. Endlich sieht man, welche Cookies der Browser gespeichert hat. Gute Funktionen aus dem alten Edge wie das Vorlesen, die Notizen oder die Leseliste sind erhalten geblieben. Trotzdem fehlen Sicherheits- und Privatsphäre-Funktionen. Edge warnt nicht mehr wie sein Vorgänger vor Sonderzeichen in Web-Adressen. Extended-Validation-Zertifikate von Websites werden nur sehr dezent angezeigt. Das macht Googles Chrome besser. Mit ein bisschen Feinschliff könnte sich der Microsoft-Browser aber zu einem attraktiven Browser entwickeln.

Firefox

Firefox ist zusammen mit Brave einer der Browser, die am meisten für die Privatsphäre des Nutzers tun. Schon in der Standardeinstellung übertrifft Firefox Opera beim Blocken von Trackern im Panopticlick-Test. Sogar mit eingeschaltetem Werbeblocker kommt Opera hier nicht hinterher. Schaltet man die strengeren Privatsphäre-Funktionen ein, nimmt Firefox den Panopticlick-Test mit fliegenden Fahnen. Auch neuere Sicherheitsfunktionen wie die Blockade von Crypto-Mining-Programmen, die den Browser des Anwenders für das Schürfen von Cryptowährungen missbrauchen, sind selbstverständlich an Bord. Dabei hat man keinen spartanischen Tor-Browser vor sich. Firefox kann Webseiten vorlesen oder im Lese-Modus benutzerfreundlich anzeigen. Es gibt auch Themes, um dem Browser etwa eine augenfreundliche Dark-Optik zu verschaffen. Einzig bei der Performance erlaubt sich das Mozilla-Produkt einige Schwächen. Beim HTML5-Test schneidet er am schlechtesten ab und auch in den meisten anderen Benchmarks landet das Programm auf den hinteren Plätzen. Da Firefox aber bei den in diesem Test wichtigen Sicherheitsfunktionen und auch beim Komfort gut abschneidet, sichert er sich den Testsieg.

Iron Browser

Iron Browser ist von der Basis her ein Chrome-Browser. Die Firma SRware hat jedoch die Tracking-Funktionen des Original-Chrome aus dem Programm entfernt. Zusätzlich bekam Iron noch einen Werbeblocker verpasst, der in unserem Test ganz ordentlich funktionierte. Der Gedanke bei Iron Browser: Der Anwender kann Chrome als sicheren Browser nutzen, ohne sich über Google-Tracking zu ärgern.

Firefox bietet dem Benutzer differenzierte Sicherheits- und Privatsphäre-Funktionen.


Eigenes Portal: Diese Startseite mit diversen Links präsentiert Iron Browser, wenn er seine Arbeit beginnt.


Ein weiterer Bestandteil von Iron Browser ist das Backup-Programm, mit dem man das eigene Profil sichern und wiederherstellen kann. Gleichzeitig verschafft man sich mit dem Tool noch mehr Privatsphäre, indem Online-Datenverkehr im Hintergrund wie die Suche nach Updates abgeschaltet wird. Praktisch ist, dass es den Browser in einer portablen Version mit Backup und Update-Extension gibt, die man vom USB-Stick betreiben kann. Ohne Extensions fällt Iron Browser beim Datenschutz hinter Brave und Firefox zurück und hat zum Beispiel Probleme mit den Tests auf Panopticlick. Auch von der Performance kann er nicht brillieren. Immerhin ist das Produkt Testsieger beim Systemspeicherverbrauch. So ist Iron Browser vor allem für eingefleischte Chrome-Benutzer interessant, die einen besseren Datenschutz als mit dem Google-Produkt wünschen.

Opera Browser

Opera ist eindeutig das am besten ausgestattete Programm in unserem Testfeld. Wünschen Sie eine Integration von Messengern wie WhatsApp in den Browser? Opera hat es. Mausgesten? Check. Konfigurierbare Tastaturkürzel? Check. Portable Version direkt vom Hersteller? Check. Sogar ein Werbeblocker und eine VPNFunktion (Virtual Private Network) sind integriert sowie eine digitale Brieftasche für Cryptowährungen. So dürften die meisten Anwender komplett ohne Extensions auskommen. Obendrein ist Opera Performance-Sieger in unserem Test.
Was fehlt? Die Sicherheitsfunktionen sind im Vergleich zum Testsieger Firefox (und zu Brave) halbherzig umgesetzt. Beispiele: Die Annahme von Drittanbieter-Cookies muss der Anwender erst ausschalten. Der Werbeblocker ist in der Standardeinstellung deaktiviert und arbeitete im Panopticlick-Test nicht so effektiv wie die Konkurrenz von Firefox und Brave. Die Benutzung von VPN ist immer Vertrauenssache, da macht Opera keine Ausnahme. Manche Anwender würden hier zum Beispiel das vielfach bewährte Tor-Netzwerk gegenüber dem Opera-Dienst bevorzugen.

WhatsApp und Facebook an Bord: Der Opera Browser integriert Messenger nahtlos in seine Oberfläche.


Fazit

Auf dem Browser-Markt gibt es trotz der Chromium-Vorherrschaft noch genügend Vielfalt für die Nutzer. Jeder kann sich „seinen“ Browser wählen. Unser Test zeigt, dass Firefox für Anwender, die Wert auf Datenschutz legen, die beste Wahl darstellt. Er liefert gute Sicherheitsfunktionen zusammen mit ordentlicher Performance und Komfortfunktionen. Wenn für Sie Privatsphäre an erster Stelle steht, ist der Brave Browser zu empfehlen – vor allem, wenn Sie das Konzept der Basic-Attention-Token gut finden. Damit versucht Brave einen Interessensausgleich zwischen dem Datenschutzbedürfnis der Verbraucher und der Notwendigkeit der Unternehmen, online Geld zu verdienen.
Opera ist der Browser für Anwender, welche Funktionen wie die Einbettung von WhatsApp wollen, ohne sich den Browser mit obskuren Drittanbieter-Extensions vollzuladen. Selbstverständlich darf man beim Thema Datenschutz nicht paranoid sein. Ein Blick in Operas Datenschutzerklärung spricht zum Beispiel von einer ID für jede Browser-Installation und von Opera als einem werbebasierten Produkt. Für Benutzer von Facebook und WhatsApp dürfte das kein Problem sein. Iron Browser Portable ist der Browser, den man gerne auf dem USB-Stick dabei hat. Er ist klein und bietet pfiffige Funktionen für Backups, Updates und den Schutz der Privatsphäre. Interessant ist der auf Chromium basierende Edge-Browser. Er zeigte in unserem Test eine hervorragende Performance und scheint eine echte Verbesserung gegenüber dem alten Edge zu sein. Über Googles Chrome muss man nicht viel sagen: Der Browser ist sicher und zuverlässig. Konfiguriert man ihn richtig, zum Beispiel durch das Abschalten von Drittanbieter-Cookies, bekommt man sogar ein Stück Anonymität, weil man in der Masse untergeht.

In Microsofts Edge Browser mit Chromium hat man jetzt zwei Shops mit Extensions: von Microsoft und von Chrome.