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SECONDHAND KERNIGE REISE-ENDUROS: Mit Fernweh-Abo


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

Rein ins Abenteuer: das Reise-Enduro-Trio BMW F 800 GS, Honda CRF1000L Africa Twin und KTM 1050 Adventure im Gebrauchtkauf-Check.


BMW F 800 GS

Den Trend zur »leichten« zweizylindrigen Reise-Enduro – der gerade wieder hochaktuell ist – hatte BMW 2008 mit der neuen F 800 GS schon frühzeitig eingeleitet. Hausintern war die agile Abenteuer-Enduro eine Alternative zur dicken Boxer-GS, heute machen mehr und mehr Hersteller aus diesem Konzept eine Tugend und eine eigene Untergattung auf. Die vor zwölf Jahren gestartete, bis Mitte 2018 produzierte F 800 GS zählt aber nach wie vor zu den wenigen Reise-Enduros, ...

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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 2/2020

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... die offroad viel mehr drauf haben als nur couragiertes Feldwegwandern.

Wer also nicht auf die ganz dicken Brummer steht, findet in der gut 220 kg schweren 800er ein relativ leichtes, entsprechend handliches Gerät mit breit gespreiztem Einsatzspektrum. Der verbrauchsarme, agile Paralleltwin trägt keinen überflüssigen Speck auf den Rippen und verfügt über einen enorm kräftigen Antrieb, der dank Ausgleichspleuel kultiviert läuft und aufgrund homogener Leistungsabgabe auch offroad nicht ruppig am Gas hängt.

Das komfortabel abgestimmte Fahrwerk – mit artgerechtem 21-Zöller vorn, 17 Zoll hinten – bietet mit immensen Federwegen von 230 bzw. 215 mm reichlich Reserven für Offroad-Passagen bzw. Zwei-Personen-Betrieb und ist gleichzeitig hinreichend stabil für schnelle Reise-Etappen auf der Autobahn. Die Zuladekapazität von über 220 kg ist vorbildlich hoch, hier bleibt auch reisenden Paaren noch Spielraum für dickes Urlaubsgepäck.

Die Bremsen haben – bei vorn recht hoher Handkraft – ordentlich Biss, das bis 2012 noch optionale (meist mitgeorderte, fürs Gelände abschaltbare) und seit 2013 serienmäßige ABS ermöglicht kurze Bremswege. Erstmals für die Mittelklasse-GS als Sonderausstattung erhältlich waren ab 2013 Traktionskontrolle ASC (abschaltbar) und elektronische Fahr-werksanpassung (ESA), wovon viele Käufer Gebrauch machten, ebenso wie vom bis zuletzt aufpreispfl ichtigen Bordcomputer.

Das dreigeteilte Cockpit veränderte sich im Laufe der Jahre kaum; wichtige Funktionen des Bordcomputers (rechts) waren stets aufpreispflichtig.


Getankt wird hinten, am gut zugänglichen Einfüllstutzen des unter der Sitzbank montierten Tanks.


Debüt einer GS light, 2008: Das Konzept einer drahtigen, leichten Reise-Enduro mit echter Offroad-Kompetenz samt hohen Zulade-Reserven war ein großer Wurf. Allein in Deutschland setzte BMW bis 2018 fast 15.000 Exemplare ab.


Die letzte Generation der F 800 GS (2017/18) kommt mit Euro-4-Norm, E-Gas und zwei serienmäßigen Fahrmodi.


Kauftipp – lückenlos gewartetes Exemplar mit sinnvollem Reisezubehör

Mit ihrem großzügigen Lenkeinschlag ermöglicht die GS Rangieren auf kleinstem Raum, was sich sowohl im Stadtverkehr als auch im Gelände bezahlt macht. Einen – nicht serienmäßigen – Hauptständer dürften viele Exemplare längst an Bord haben, ebenso wie eine komfortablere Zubehör-Sitzbank (Original: schmal, dünn, auf Langstrecke nicht bequem), ein geräumiges Kofferset (bei aktuellen Online-Angeboten: knapp jedes dritte) oder anderes sinnvolles Zubehör wie Heizgriffe, Sturzbügel oder Motorschutz.

Ein vollständig belegter Service-Nachweis sollte wegen zwischenzeitlich möglicherweise eingeflossener »Nachbesserungen« seitens BMW bzw. Software-Updates Pflicht sein. Checken, ob die Rückrufe Kettenrad/ Seitenständer abgearbeitet wurden. Generell prüfen: Motor auf eventuellen Ölverlust, Kühlsystem auf Undichtigkeiten, einwandfreie Funktion Kupplung und Getriebe, Radlager. Von der ersten Baureihe sind Fälle defekter Lichtmaschinen bekannt. Auf Kampfspuren durch Offroad-Nutzung achten (Motorperipherie, Kühler, Plastikteile, Lenker, Schalldämpfer), Speichen und Felgen auf strammen Sitz bzw. Rundlauf prüfen. Funktionen des Bordcomputers durchswitchen, Cockpit auf intakte/korrekte Anzeigen checken.

Rückrufe

März 2009: Kontrolle der zwischen 12/2007 und 10/2008 produzierten Fahrzeuge wegen nicht korrekt an der Nabe verschraubtem Kettenrad (zu geringes Anzugsdrehmoment). Juni 2010: Antriebskette kann reißen, Gefahr einer Blockade des Hinterrads; betroffen: Bj. 2007 bis 2009. Juli 2013*: Seitenständerschalter kann sich lösen. Folge: Motor wird bei ausgeklapptem Ständer und eingelegtem Gang nicht mehr abgestellt. Betroffen: Bj. 2011/2012. März 2014: Seitenständerschalter möglicherweise undicht. Wassereintritt kann zum Ausfall und Absterben des Motors führen. Betroffen: Bj. 2012/13. Quelle: KBA

Technische Daten*

Motor: 2-Zyl./Reihe, 798 cm³, 4/dohc, Einspritzung, G-Kat, SLS, 85 PS bei 7500/ min, 83 Nm bei 5750/min, 6 Gänge; Endantrieb: Kette; Rahmen: Gitterrohr/Stahl; Federung vorn: 45er-USD/230 mm; Federung hinten: Zentralfederbein/215 mm; Reifengrößen v./h.: 90/90-21 / 150/70 ZR17; Leergewicht: 221 kg; Zuladung: 222 kg; Sitzhöhe: 870 mm; Bremse v./h.: 300-mm-Doppelscheibe/265-mm-Scheibe, ABS (optional); Tank: 16 l; Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h; Beschleunigung (0–100 km/h): 4,3 s; Durchzug 50–120 km/h (im größten Gang): 7,8 s; Verbrauch: 5,4 l; Reichweite: 296 km; E10-verträglich: ja; Inspektionen: alle 10.000 km (Öl); Ventile alle 20.000 km; Arbeitszeit: 1,2 bis 2,1 h

Der Gebrauchtmarkt

Sehr großes Angebot, oft schon hohe Laufl eistungen, rund zwei Drittel von Händlern. Erste Generation (bis 2012) von 4300 (2008, um 70.000 km) bis rund 8000 Euro (unter 30.000 km Laufl eistung). Typ zwei (2013–16) ab 6000 Euro (45.-bis 70.000 km), Obergrenze ca. 9000 Euro (um 10.000 km). Jüngste Generation (2017/18) von 8000 bis 13.000 Euro (Vollausstattung), kaum Privatangebote.

Modellpfl ege

2008: Debüt Frühj. 2008. ABS optional. Farben: Magnesium-Metallic, Gelb-Schwarz; Preis: ab 9640 (ABS + 710) Euro + Nk.
2009: F.: wie 2008; Preis: ab 9950 Euro + Nk.
2010: F.: Lavaorange/Schwarz, Alpinweiß; Preis: ab 9960 Euro + Nk. Ab Mai: Sondermodell »30 Jahre GS«, Alpin-Weiß mit Dreifarb-Dekor, Handprotektoren, Motorschutz, getönter Windschild, rote Sitzbank
2011: Sondermodelle zum 1.09.: »Triple Black«, 10.300 Euro, und »Trophy«, mit Alu-Motorschutz, Sitzbank zweifarbig, Handprotektoren/Aufsatzspoiler, Sonderlackierung, 10.500 Euro. Standardfarben/Preis: Alpinweiß, Lavaorange/ Schwarz; ab 10.150 Euro + Nk.
2012: Preise: Standard/Trophy/Triple Black ab 10.150/10.505/10.305 Euro + Nk.
2013: kompakteres Zweikanal-ABS, nun Serie, neue Radsensoren, für Gelände weiterhin abschaltbar. Modifi zierte Seitenblenden/Schnabel. 48-PS-Version erhältlich. Neue Lenkerschalter, nun Solo-Blinkertaste (links). Überarbeitetes Cockpit; Anzeige Benzinstand/Kühlmitteltemperatur nun serienmäßig. Erstmals als Sonderausstattung (Aufpreis): elektronische Fahrwerksanpassung (ESA), drei Dämpfungsmodi fürs Federbein; Traktionskontrolle (ASC, abschaltbar); Tieferlegung (minus 60 mm). F.: Alpinweiß, Cordobablau, Kalamata-Metallic Matt; Preis: ab 10.750 Euro + Nk.
2014: F.: wie 2013; Preis: ab 10.850 Euro + Nk.
2015: F.: Weiß, Rot, Weiß/Schwarzmet.; Pr.: ab 10.850 Euro + Nk.
2016: neues Tank-Cover, Galvano-Kühlerblenden, Sitzbank in vier Höhen erhältlich. F.: Blaumetallic-Matt, Weiß, Schwarzmetallic; Preis: ab 11.200 Euro + Nk.
2017: Euro 4. E-Gas, modifi zierter Schalldämpfer; Fahrmodi Rain/Road Serie, Enduro/Enduro Pro Sonderausstattung; modifi ziertes Cockpit. F.: Weiß, Schwarzmetallic, Graumetallic-Matt; Preis: ab 11.280 Euro + Nk.
2018: Produktion bis Sommer, danach Ablösung durch F 850 GS. F.: Weiß, Blau-, Schwarzmetallic; Preis wie 2017

Honda CRF1000L Africa Twin

Text: Dieter Höner

Würdiger Nachfolger für die Ur-Africa Twin: die 2016 gestartete CRF1000L, mit der sich selbst harte Geröllpisten meistern lassen.

Das Cockpit der ersten Generation (2016/17): übersichtlich, informationsreich und bis auf den Drehzahlmesser gut ablesbar.

Oft mitgeordert, da die Aufnahmen am Heck serienmäßig sind: die Honda-Koffer aus Kunststoff mit Alu-Blenden, 4,3 bzw. 4,4 kg schwer, zusammen 70 l Volumen, Zuladung je 5 kg.

Die Hoffnung war fast aufgegeben – und dann kam sie 2016 doch noch: eine Neuauflage der legendären Africa Twin, zeitgemäß interpretiert, mit Eckdaten, wie sie sich viele Anhänger der alten XRV 750 und wohl fast jeder Fan offroadtauglicher Abenteuer-Bikes gewünscht hätten. Ein Liter Hubraum, ausreichend, aber nicht unnötig viel Leistung, moderates Gewicht, drahtige Optik. Die CRF1000L wurde zum Senkrechtstarter, tummelt sich seitdem in den Top fünf der Zulassungstabelle, macht bei den meisten Benutzern reichlich Strecke und wird gebraucht rege gehandelt.

Daran wird sich womöglich auch nach Erscheinen der gerade aufgelegten Nachfolgerin CRF1100L – in Details nochmals verbessert, aber nicht mehr so konsequent »puristisch« aufgestellt – nicht viel ändern. Wobei der Modellwechsel – und die damit seitens Honda lancierten Preisrabatte für die 1000er – Africa-Twin-Interessenten wie Verkaufswilligen gerade leuchtende Augen oder auch Stirnrunzeln beschert, je nach Perspektive. Aktuelle Situation zum Jahreswechsel: Neue, noch nicht zugelassene Exemplare der CRF1000L werden im Handel – wo noch mehrere Hundert Modelle stehen – zum Teil günstiger angeboten als Gebrauchte aus 2018/19, die zwar schon einiges an Laufleistung, dafür aber oft hochwertiges, teures Reisezubehör aufzuweisen haben.

Was erwartet Gebrauchtkäufer? Eine von Gewicht (ab 236 kg), Ergonomie und Fahrwerk (stabil, voll einstellbar, üppige Federwege) her zu allem von offroad bis Langstrecke bereite Maschine, mit moderatem Verbrauch und solider Reichweite (über 350 km). Die Honda hat so viel Technik und Leistung wie wirklich nötig, elementare Sicherheits-Features wie abschaltbares ABS und Traktionskontrolle sind an Bord. Der 95-PS-Twin arbeitet kultiviert, klingt kernig und hat sich in Langstreckentests als verschleißarmes Aggregat erwiesen. Seit 2018 hat die AT im Zuge der Euro-4-Modernisierung E-Gas samt mehreren Fahrmodi; bei der – von rund jedem zweiten Käufer georderten – Variante mit Doppelkupplungsgetriebe (DCT) zogen drei Sportmodi fürs automatisierte Schalten ein. Seitdem gibt es auch die »Adventure Sports«, die mit vergrößerten Federwegen und mehr Tankvolumen noch souveräner für Fernreisen präpariert ist.

Für zwei Personen plus Gepäck generell zu karg ist die Zuladekapazität der CRF. Für die Adventure Sports sollte man mindestens 1,80 m groß sein (minimal 895 mm Sitzhöhe, hoher Schwerpunkt, Rangieren mit Ballast inkl. Koffern erfordert Routine). Nerven können zu früh rückstellende Blinker (ab Bj. 2018) und ungünstig platzierte Huptaste.

Bei der Besichtigung prüfen: Maschine mit Hauptständer – Rückrufkontrolle erledigt? Alle Inspektionen gemacht? Keine Startprobleme (bei 2016ern mussten rechte Lenkerarmaturen modifiziert/ausgetauscht werden)? Generell checken: Fahrwerkslager; Dichtringe Gabel; Felgen auf Rundlauf/Speichenspannung; Speichen auf Korrosion (Bj. 2016/17); Motor/-schutz, Schwinge, Krümmer auf Steinschlagspuren (offroad); Funktion Kupplung/ Getriebe; Bremsscheiben auf Verschleiß, Verzug, Bremsrubbeln. Bei DCT-Version Funktion der Feststellbremse überprüfen

Hondas Abenteuer-Flaggschiff von 2018/19: die »Adventure Sports« mit gewaltig viel Federweg, stark vergrößertem Tank, Sturzbügeln und mehr Wind- und Motorschutz.

Technische Daten*

Motor: 2-Zyl./Reihe, 998 cm³, 4/ohc, Einspritzung, G-Kat, 95 PS bei 7500/min, 98 (99) Nm bei 6000/min, 6 Gänge;
Endantrieb: Kette; Rahmen: Brücke/Stahl;
Federung vorn: 45er-USD/230 (252) mm;
Federung hinten: Zentralfederbein/220 (240) mm; Reifengrößen v./h.: 90/90-21 / 150/70 ZR18; Leergewicht: 236 (247) kg;
Zuladung: 191 kg; Sitzhöhe: 850/870 (895/ 920) mm; Bremse v./h.: 310-mm-Doppelscheibe/ 256-mm-Scheibe, ABS; Tank: 18,8 (24,2) l; Höchstgeschwindigkeit: 201 (195) km/h; Beschleunigung (0–100 km/h): 4,1 (4,2) s; Durchzug 50–120 km/h (im größten
Gang): 7,7 (9,0) s; Verbrauch: 5,1 (5,7) l;
Reichweite: 368 (424) km; E10-verträglich: ja; Inspektionen: alle 12.000 km (Öl), Ventile alle 24.000 km; Arbeitszeit: 1,6 bis 3,4 h

Tests im »MF«**: 02/16 Fahrbericht, 04/16 Test, 03/17 Windschilde im Test, 06/17 Nachrüst-Schalldämpfer, 09/17 25.000-km-Test + Zubehör, 04/18 Fahrbericht (Basis + Adventure Sports)

* Baujahr 2016 (in Klammern: Adventure Sports Bj. 2018)
** Bestellung einzelner Hefte soweit vorrätig: siehe Impressum

Rückruf

November 2018: Durch einen Materialfehler kann der Sprengring an der Achse des Hauptständers (Werkszubehör) brechen; Ständer könnte aus seiner Aufnahme rutschen und während der Fahrt verloren gehen. Betroffen: Bj. 2016 bis 2018.

Modellpfl ege

2016: Debüt CRF1000L in drei Varianten. Basis ohne ABS, Standard mit ABS (am Heck abschaltbar) und Traktionskontrolle (mehrstufi g), DCT-Modell (Doppelkupplungsgetriebe) basierend auf Standard. Leergewicht 228 bis 242 kg. 95 PS, Euro 3. Mehrteiliges LCD-Display, 18,8-l-Tank. Farben: Silber, Schwarz, Tricolor (goldene Felgen/Lenker), »CRF Rally«; Preise: ab 11.805 (o. ABS), 12.405 (mit ABS), 13.525 (DCT + ABS) Euro, + Nk.
2017: nun generell ABS. F.: Rot-Weiß, Tricolor, Schwarz; Preise: ab 12.595/13.695 (DCT) + Nk.
2018: Modellpfl ege. Euro 4, E-Gas, drei Fahrmodi plus User-Modus, leichtere Ausgleichswellen, längere Ansaugtrichter, schlankerer Schalldämpfer, Traktionskontrolle siebenstufi g. Einteiliges LCD-Cockpit, rostresistente Edelstahlfelgen, Warnblinkfunktion hinten bei Notbremsungen, Blinkerrückstell-Automatik, breitere Fußrasten, Lithium-Batterie (minus 2 kg). DCT: drei Sportmodi, Spritspar-Modus. Optional Schaltassistent mit Blipper (699 Euro). Neu: Variante »Adventure Sports«, mehr Federweg (v./h. 252/240 mm), 24,2-l-Tank; höherer Windschild, großer Motorschutz, Sturzbügel, goldene Felgen, Staufach hinten rechts, andere Sitzbank. F.: Tricolor (Weiß-Rot-Blau), Rot-Weiß, Mattschwarz, Rot; Preise: ab 12.975/14.075 (DCT), Adventure Sports ab 14.575/15.675 Euro (DCT), + Nk.
2019: Ab Mai zubehörbestückte Sondermodelle als »Travel Edition« (Preisvorteil), je nach Paket u. a. mit Alu-Gepäcksystem inkl. Topcase, Quickshifter (nicht bei DCT), großem Motorschutz, hohem Windschild, Nebelscheinwerfern, Heizgriffen. Ab 21.09. Aktionspreise (Förderung Abverkauf vor Einführung CRF1100L) mit 1800 Euro Preisvorteil und mehr. F.: Tricolor, Schwarz, Rot-Weiß; Pr. (regulär): ab 13.165/14.265 (DCT), Adventure Sports ab 14.865/15.965 Euro (DCT), + Nk.

Der Gebrauchtmarkt

Überwältigend großes Angebot (80 Prozent Händlerofferten), auch an preisreduzierten Neufahrzeugen (Rabatt-Aktion). Basismodell mit Schaltgetriebe ab ca. 8400 (2016/17, 28.-bis 45.000 km) bis 12.000 Euro (2019, max. 5000 km, teils mit viel Zubehör). Als DCT von 8300 bis 13.500 Euro (Vorführer, 2019, mit Zubehör). Adventure Sports: mit Schaltgetriebe von ca. 11.500 (privat und Vorführer, aus 2018) bis 13.000 Euro (fast neuwertige 2019er, mit Koffern etc.), mit DCT ab 11.000 (2018, 30.000 km) bis 14.500 Euro (2019, Vorführer). Parallel dazu teils »Dumping«-Preise für Neumaschinen: Schalt-AT ab 10.900 Euro, Adventure Sports ab 12.500 Euro.

KTM 1050 ADVENTURE

Die 1050 Adventure verdankt ihre Existenz letztlich einem radikalen Evolutionsschub im KTM-Programm. Denn als 2013 die 1190 Adventure die 990er-Reihe ablöste, klaffte im Travel-Enduro-Segment eine mächtige Lücke zwischen dem Rustikal-Eintopf 690 Enduro R und dem neuen Oberklasse-Abenteuerbike mit 150 PS. So entstand 2015 als »Einsteigermodell« für Anspruchsvolle die 1050 Adventure – im Prinzip ein in Leistung und Ausstattung reduzierter Klon der 1190er, mit 95 PS Spitzenleistung und damit auch tauglich für eine Führerschein-A2-konforme Drosselung auf 48 PS.

Mit feinen Referenzen – stabiles Fahrwerk, knackige Brembo-Bremsen und Schwinge von der 1190er übernommen, solide WP-Federelemente, dazu der sehr nachdrücklich antretende, drehmomentstarke V2 – hätte die 1050er einen guten Lauf haben können. Hatte sie dann aber doch nicht, denn durch die baukastenbedingte Nähe zur großen Schwester und wohl wegen des geringen Preisunterschieds (2015: 12.695/13.995 Euro) saß sie irgendwie zwischen den Stühlen. Einsteiger hatten Respekt vor der großen Reise-Enduro, Erfahrene wogen Preis und (Motor-) Leistung ab. Die Verkäufe hielten sich in Grenzen, KTM ersetzte die 1050er nach zwei Jahren durch die ähnlich konzipierte, nun aber 125 PS starke 1090 Adventure.

Dem Interessenten von heute können damalige Modellpolitik und Listenpreise schnuppe sein. Zudem setzt sich inzwischen, begünstigt auch von Performance/ Erfolg der 2016 angetretenen Honda Africa Twin, immer breitbandiger die Erkenntnis durch, dass 95 PS für ein kerniges Reisegefährt doch ein Wort sind, dass stabile Fahrwerkskomponenten in einem sehnigen Body mehr Fahrspaß umsetzen können als in jeder Hinsicht ultimativ aufgerüstete Reise-Giganten. Und genau so ein knackiges, wendiges Fernreise-Bike ist eben die 1050 Adventure.

Ihr V2 aus der 1190er, in Bohrung/Hub reduziert und mit angepasster Motorelektronik, geht geschmeidig ans Gas und feuert bis 6000/min auf dem gleichen Niveau wie die 55 PS stärkere Spenderin. Analog zur großen Schwester sind Anti-Hopping Kupplung, Ride-by-Wire, Traktionskontrolle und abschaltbares ABS an Bord; über Menütasten links am Lenker und die Bordcomputer-Anzeige werden die Motor-Mappings Street, Sport und Rain angesteuert, einen Offroad-Modus gab es optional auch.

Das übersichtlich in drei Anzeige-Elemente aufgeteilte Cockpit entspricht dem der 1190er. Das Federbein mit 190 mm Arbeitsweg ist in Vorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar (u.).


Bis auf eine geringfügig kleinere Bohrung und den um 6 mm reduzierten Hub ist das 1050er-Aggregat konstruktiv mit dem dicken V2 der 1190 Adventure von 2013 identisch.


Bei 850 mm Sitzhöhe, recht schlanker Taille und moderaten 233 kg Gewicht dürfen auch mittelgroße Staturen angstfrei Platz nehmen.


Ausgelassen um die Ecken pfeilen – das macht die zwar große, aber im Handling fast federleicht agierende 1050 Adventure auf Straßenbelägen fast jeder Güte mit.


Kauftipp – mit Extras wie Heizgriffen, Koffern und Sturzbügeln

Was dem »Einsteiger-Modell« gegenüber der 1190 fehlt(e), waren Hauptständer (nachrüstbar), Lenkungsdämpfer und LED-Blinker; außerdem ist die USD-Gabel nicht einstellbar und hat 5 mm weniger Federweg. So oder so taugt das solide Fahrwerk für schnelle Gangart schräg wie geradeaus, offroad für mehr als nur Feldweg-Pirsch (passende Bereifung vorausgesetzt), und mit den Brembos im Zusammenspiel mit dem Zweikanal-ABS von Bosch bremst man auf der sicheren Seite. Weitere Pluspunkte: solide Zuladekapazität, große Reichweite, moderate Sitzhöhe.

Bei Besichtigung und Probefahrt checken: Inspektionen belegt? Die 30.000er-Intervalle können ins Geld gehen, wenn beim Ventilspiel Einstellbedarf besteht. Gussfelgen auf Schäden (offroad) prüfen, ebenso Kunststoff- und Lackteile sowie Schalldämpfer. Fahrwerkslager kontrollieren; Kühler, Krümmer und Auspuffsammler auf (Steinschlag-) Macken checken, die Menüanzeigen im Cockpit sowie Lenkerschalter auf einwandfreie Funktion. Sauberes Einrücken Kupplung prüfen, Verschleißbild der Bremsscheiben kontrollieren.

Text: Dieter Höner

Technische Daten

Motor: 2-Zyl./V, 1050 cm³, 4/dohc, Einspritzung, G-Kat, 95 PS bei 6200/ min, 107 Nm bei 5750/min, 6 Gänge;
Endantrieb: Kette; Rahmen: Gitterrohr/ Stahl; Federung vorn: 43er-USD/185 mm;
Federung hinten: Zentralfederbein/ 190 mm; Reifengrößen v./h.: 110/80 R19 / 150/70 R17; Leergewicht: 233 kg;
Zuladung: 207 kg; Sitzhöhe: 850 mm;
Bremse v./h.: 320-mm-Doppelscheibe/ 267-mm-Scheibe, ABS (abschaltbar);
Tank: 23 l; Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h; Beschleunigung (0–100 km/h): 3,7 s; Durchzug 50–120 km/h (im größten Gang): 7,8 s; Verbrauch: 5,8 l;
Reichweite: 396 km; E10-verträglich: ja;
Inspektionen: alle 15.000 km (Öl), Ventile alle 30.000 km; Arbeitszeit: ab 1,75 bis 2,35 h

Der Gebrauchtmarkt

Überschaubares Angebot, online momentan nur Offerten mit EZ 2015/16. Jedes vierte Inserat von privat, Rest Händler. Etliche 1050er sind noch in erster Hand, Laufl eistungen bei jedem vierten aktuell inserierten Exemplar noch unter 10.000 km. Einstieg bei ca. 7000 Euro mit Tachoständen von 18.-bis 48.000 km, Obergrenze bei etwa 10.000 Euro (privat und Handel), Laufl eistung unter 5000 km. Viele mit reichlich Zubehör, etwa 20 Prozent mit Koffersatz.

Modellpfl ege

2015: Debüt im Frühjahr 2015 als von der 1190 Adventure abgeleitetes »Einsteiger«-Modell mit reduziertem Hubraum, 95 PS Leistung (auf 48 PS drosselbar), im Einstellumfang etwas abgespeckten Federelementen, schlankerer Bereifung. Farbe: Schwarz-Orange; Preis: ab 12.695 Euro + Nk.
2016: Farbe wie 2015; Preis: ab 12.795 Euro + Nk.
2017: Ablösung durch die 1090 Adventure (mit 125 oder 95 PS), Abverkauf von Restbeständen der 1050er noch bis 2018


Fotos: Archiv

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