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Seekajak: In den Westfjorden Islands


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 05.11.2020

Reisen mit dem Kajak, das Zelt jeden Abend an einem schöneren und entlegeneren Ort aufstellen, Natur erleben, so war eine der beiden Positionen, lange vor dem Urlaub. Alles bestens, nur hätte eine ausgedehnte Wanderung, notfalls das Gewicht des Zeltes im Rucksack, mindestens den gleichen Reiz. „Mir würde das sogar noch mehr gefallen“, so die andere. Beflügelt durch den lange gehegten Wunsch, Island zu erleben ist dann folgender Reiseplan entstanden.


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Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 11/2020

Heute wieder sonnig.


Traumhafte Sicht im Camp


Zunächst soll es fünf Tage zu Fuß ins Hochland gehen, von dort mit Linienbussen in den Norden und über Reykjavik ...

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... nach Ísafjörður, zum Paddeln in die einsamen Westfjorde. Das Zelt im Boot.

Lauter Riesen

Unser Treffen mit ihrer Majestät, der englischen Königin in Form des Kreuzfahrtschiffes Queen Elisabeth, welches wir an der Öffnung des Naturhafens von Ísafjörður passieren, liegt bald eine Stunde zurück. Die Stille der See hat uns völlig in ihren Bann gezogen. Mit fast schon meditativem Rhythmus ziehen wir die Paddel durchs Wasser. Genau in dieser indifferenten Phase der Querung, wo das hinter uns liegende Ufer nur noch grauer wird aber nicht mehr weiter schwindet, gleichzeitig das vor uns liegende seine geheimen Konturen hartnäckig verschleiert und Distanz zu wahren scheint, wo die Gedanken ins ungreifbare driften, weckt mich plötzlich lautes, dumpfes Stampfen. Wie aus einem Traum erwachend sortieren sich die Gedanken und die Augen suchen die Umgebung nach der Ursache ab. Was wir jetzt zu sehen bekommen ist grandios, eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Rücken aus, unfähig, nach dem Foto zu greifen, starre ich auf die Wellen. Links vor uns, in wenigen hundert Metern Entfernung springt ein mächtiger Buckelwal aus dem Wasser um mit lautem, dumpfen Knall und aufspritzender Gischt wieder darin zu versinken. Daneben taucht noch ein mächtiger Rücken auf und wir wissen, wir sehen, wie beim Eisberg, nur einen kleinen Teil des mächtigen Tieres. Noch weitere zwei Mal springt einer der Riesen, dann ist wieder Stille. Kurz darauf tauchen die beiden wieder auf, blasen ihre Fontainen in die Luft und Tauchen in einer ausholenden Bewegung, die am Ende die Fluke aus dem Wasser bringt, um den Meeressäuger in die Tiefe zu beschleunigen, ab. Jetzt sind unsere Ohren auf das Blasen der Wale geeicht und wir entdecken im Umkreis in unterschiedlicher Entfernung weitere Wale auf Futtersuche. Fasziniert und irgendwie auch demütig, müssen wir uns eingestehen wie klein und fremd wir in dieser Welt aus Wasser und Vulkangestein sind, immer angewiesen auf unsere Hilfsmittel, Boote, Zelt, Kocher oder gar Kleidung.

Langsam ziehen wir weiter, Richtung Tagesziel. Nachdenklich, aber auch froh über das Schauspiel, dessen Gäste wir waren, errichten wir das Zelt, kochen was leckeres und verkriechen uns, nach einem Abendtee, in unsere Schlafsäcke, erfüllt mit dem, was wir an unserem ersten Paddeltag schon erlebt haben. Unsere blanke Einsamkeit steht nun im krassen Gegensatz zum von Touristen überlaufenen Städtchen, heute früh, wo wir schnell noch ein paar frische Leckereien für unterwegs besorgt haben.

Eindrücke zwischen den Kontinenten

Bereits zehn Tage sind wir, Beate, seit über 30 Jahren die beste Outdoorkameradin der Welt und ich, der Vater ihrer tollen Kinder, auf der Insel aus Feuer und Eis unterwegs. Begonnen haben wir unseren Urlaub mit einer fünftägigen Wanderung entlang von brodelnden, schäumenden und manchmal auch schwefelstinkenden Flüssen, über Berge und den Schnee auslaufender Gletscher, Zelt und Kocher im Rucksack. Tosende Wasserfälle, blubbernde Geysiere, fauchende Erdlöcher, neue und alte Lava, Vulkanasche, selten gesehene Vögel, wie das Schneehuhn und auch den Polarfuchs haben wir entlang des Laugavegur, eines Wanderwegs von der südlichen Küste nach Landmanalaugar, am Südrand des Hochlandes, aus nächster Nähe erlebt. Auch wenn die Tour viel begangen wird, ist sie jeden Schritt und Schweißtropfen wert. Wir sind mit Bussen über grobe Pisten und durch tiefe Furten gereist, haben uns im warmen Wasser geothermischer Quellen entspannt und jeder Tag auf dieser Insel zwischen den Kontinenten, scheint sich mit noch intensiveren Eindrücken bei uns einprägen zu wollen. wie das Schneehuhn und auch den Polarfuchs haben wir entlang des Laugavegur, eines Wanderwegs von der südlichen Küste nach Landmanalaugar, am Südrand des Hochlandes, aus nächster Nähe erlebt. Auch wenn die Tour viel begangen wird, ist sie jeden Schritt und Schweißtropfen wert. Wir sind mit Bussen über grobe Pisten und durch tiefe Furten gereist, haben uns im warmen Wasser geothermischer Quellen entspannt und jeder Tag auf dieser Insel zwischen den Kontinenten, scheint sich mit noch intensiveren Eindrücken bei uns einprägen zu wollen.

Abends vorm Zelt


Abschied am Isafjördardjub


”Die Stille der See hat uns vollkommen in Ihren Bann gezogen“


Weiter in die Einsamkeit

Heute ist es trüb und windig. Mit vom Frühstück gefüllten Mägen drehen wir den Bug unserer Boote gegen den Wind, Richtung Westen. Steil ragen die Wände rechts von uns auf. Bis in schwindelerregende Höhen ziehen sich die Vogelkolonien über die Felsen. Grau in grau erahnen wir die Öffnung des Fjords, der sich wenige Kilometer weiter in Fahrtrichtung, nach Norden hin, öffnet. Vor uns, im Westen: offeres Meer - next Stop Grönland. Doch lange bevor wir den offenen Atlantik erreichen, biegen wir rechts, nach Norden um eine, in diesem diffusen Grau mit ihrer Höhe, fast bedrohlich wirkende Kante in den Jökulfirðir ein. Die Sicht wird im aufkommenden Niesel schlechter, wir orientieren uns an der Hohen Felswand, etwa hundert bis zweihundert Meter rechts neben uns. Immer wieder Papageientaucher, Gryllteiste, Eissturmvogel, Seeschwalbe, Eiderente und natürlich tausende von Möven. Graue Wellen, mit leichten Schaumkronen überholen uns und spielen um unsere Boote. Versunken in diese faszinierende Monotonie sinnt jeder seinen Gedanken nach. Plötzlich verändern sich die Wellen um Beates Boot. Glatte Flächen glänzen in der sonst eher rauen See, auch die Bewegung passt nicht zu dem vom Wind getriebenen Wasser. Traum oder Wirklichkeit? Was war das, das da soeben vorbeizog? Und da ist es wieder. Deutlicher sehen wir nun glatte, kleine, graue Rücken und gelegentlich auch Flossen, zuerst vor uns, dann aber auch auf beiden Seiten neben uns, flink und unauffällig durch die Wellen gleiten. So schnell wie sie aufgetaucht sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Feenhaft, fast gespenstisch - viele - vermutlich Schweinswale.

Schnappschuss beim Walgucken bei Akureyri.


Besuch am Morgen.


Eindruck vom Hochland, Polarfuchs.


Eindruck von der Wanderung, Schneehuhn.


Zu Fuß im Hochland.


Etwas später sitzen wir an Land und essen ein paar Brote. Nur ganz kurz, denn obwohl wir zwischen einigen Klippen sitzen und trotz unserer Trockenanzüge, kühlt uns der Wind rasch aus. Wir haben bereits einige Stunden geschwitzt und merken nun die nachlassende Wärmeleistung der feuchten Kleidung. So sitzen wir alsbald wieder in den Kajaks und paddeln uns warm. Später werden wir dann im Eingangsbereich des Leirufjörður mit einem malerischen Plätzchen für die Nacht fündig. Blick auf den Drangajokull, warmes Essen, gemütlich Tee trinken, kuscheliger Schlafsack.

Am Start


Heute Abend gibt’s Miesmuscheln

Während des Frühstücks blitzt bereits die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Große Blaue Löcher schiebt der kräftige Wind auf uns zu. Wir haben Ebbe. Schnell werden beim Start noch Miesmuscheln eingesammelt und für das Abendessen mitgenommen, schon geht es los. Zunächst haben wir nur frischen, kräftigen Gegenwind, kaum haben wir den Naturslalom um ein paar Flachstellen am Ausgang der Bucht hinter uns, geht es zusätzlich durch muntere Wellen, teilweise mit Schaumkronen gekrönt. Ca. 6 Km und am Hrafnsfjörður vorbei schaufeln wir uns kräftig schaukelnd bis Kvíar, dem Einsamen Haus, das im Sommer von Borea Adventures als Station genutzt wird. Wir hatten Haldor, dem Verleiher der Boote, versprochen, uns von unterwegs zu melden. Doch die SMS, mit Standort und der Info, dass es uns gut geht, hat das Telefon bisher noch nicht verlassen. Seit unserem ersten Morgen in der Wildnis hatten wir kein Mobilnetz. An der Station angekommen treffen wir sogar jemanden an. Ronja, eine Rangerin aus Schweden rät uns, zum Telefonieren auf einen bestimmten Stein am Hang, hinter dem Haus zu stehen, da habe sie meistens Empfang und tatsächlich stellt der Status der Nachricht auf gesendet um. Während wir noch das übliche woher wohin austauschen untersucht ein Polarfuchs das Gelände um uns herum nach fressbarem, als gäbe es uns nicht. Abgesehen von Krankheiten hat er in Island keine natürlichen Feinde. Noch einen Happen essen und schon sitzen wir wieder in den Booten, diesmal ein kurzes Stück zurück und dann in den Lónafjörður, einem der beiden Fjorde, die wir zuvor passierten, hinein. Schnell wird das Wasser ruhiger, dafür rücken die steilen Berghänge deren Relief durch das bereits wieder flacher werdende Sonnenlicht an Dramatik gewinnt, wieder dichter zusammen. Zum Ende des Fjords hin wird die Wasseroberfläche fast spiegelglatt, wenig über uns sehen wir Schneefelder oder Ausläufer von Gletschern. Die Temperatur ist heute in der Sonne auf gefühlt über 15°C gestiegen, wir genießen das Formen- und Farbenspiel, das sich Felsformationen und sattes Gras zwischen Ufersaum und blauem Himmel geben. Schnell ist ein Zeltplatz ausgesucht und unser Topf Muscheln steht auf dem Kocher. Nein, Wein gibt es heute keinen dazu, dafür einen wunderschönen Blick über den schmalen Fjord, wie wir ihn zuvor noch nie hatten.

Frühstücksgäste

Nachts ist Regen aufgekommen, feiner Niesel, der unseren Plan, in den Veiðileysufjörður einzufahren und später in der ehemaligen Schule des verlassenen Fischerdorfs Hesteyri einen Kafee zu erstehen, nicht weiter behindert, nur unser Vorhaben, einige schöne Fotos mit nach Hause zu bringen. Dafür ist klar, der Kaffeebesuch ist nicht nur Option, sondern Pflicht. Doch zuvor halten noch zwei Robben ein Stelldichein, direkt vor uns im Wasser. Unbemerkt können wir vom Zelt aus zuschauen, wie die sonst so scheuen Tiere munter miteinander Spielen.

Kurz darauf sitzen wir bei gefühlt weniger als 10°C wieder warm eingepackt in unseren Booten. Unter tief verhangenem Himmel, aus dem aller Orten Regenschleier hängen, gleiten wir heraus aus unserem Meeresarm, Richtung Westen, entlang steiler, felsdurchsetzter Berghänge. In den Schichtungen der Felsen sieht man das faszinierende Wechselspiel von Lava, Asche und Vegetationszeiten. Der Seegang ist an diesem trüben Tag gering, so gelangen wir nach wenigen Stunden nach Hesteyri, wo wir uns Kaffee und vielleicht leckere Pfannkuchen, von denen uns Anna, die es für ihre Doktorarbeit in Meeresbiologie nach Ísafjörður verschlagen hat und nun häufig mit dem Seekajak in das gut zwei Paddelstunden entfernete Bolungarvik zur Arbeit schaufelt, vor unserer Tour bereits vorgeschwärmt hatte, erhoffen. Angekommen im ehemaligen Schulhaus, einem der wenigen Gebäude, die von der einstigen Fischersiedlung noch stehen, werden wir zunächst in einen Raum geführt, in dem sich Rucksäcke, Wanderschuhe und Regenjacken auf Boden, Tisch und Stühlen häufen. Hier lassen wir unsere Trockenanzüge mit den Schuhen zurück und gehen in die gute, geheizte Stube. Und - es gibt sie - und sehr lecker sind beide auch - Pfannkuchen und der Kaffee. Wir plaudern mit unseren Tischnachbarn, die zum Wandern auf den kleinen Zeltplatz nebenan gekommen sind. Ein kleines Kajütboot hatte sie für eine mehrtägige Wanderung auf Hornstrandir übergesetzt. Nun soll es zurückgehen. Uns zieht es weiter. Nach einem kleinen Rundgang zwischen den Ruinen des Dorfes, wo in alten Gärten noch Rhabarber und Engelswurz, Überbleibsel der wenigen hier in diesem Klima kultivierbaren Pflanzen, wachsen, steigen wir wieder in unsere Schiffchen. Aufgewärmt und gestärkt führt uns unsere Route an den Ruinen einer verlassenen Fischfabrik vorbei, weiter bis ans Ende des Hesteyrarfjörður. Ein letztes Mal nach Norden. Wieder erweckt hier das schmale, steil begrenzte Tal den Eindruck, irgendwo im Gebirge auf einem Bergsee zu sein. Hier ist es schön und windstill. Wir finden ein nettes Plätzchen fürs Zelt, ideal um diesen Tag bei warmem Essen und dem obligatorischen Tee ausklingen zu lassen.

Sommercamping im Hochland isländisch.


Miesmuscheln an Pasta.


Finale

Der folgende Tag beginnt trüb und trist, es nieselt etwas. Ein üppiges Frühstück und die Tatsache, den Tag im Freien zu beginnen halten rein launemäßig gegen die Tristesse und gewinnen deutlich. Heute soll es zurück in den Isafjördur gehen, zurück in Richtung Zivilisation. Das östliche Ufer des Hesteyrafjörður führt uns zurück zur Mündung in den Jökulfirðir, dessen 6 Km breite es nun zu queren gilt. Vor uns scheint sich das Meer übergangslos im unendlichen Grau des Himmels aufzulösen. Bis eine leichte Brise die monotone Suppe am Himmel zu Wolken zusammen schiebt, die dann auch mal ein paar Sonnenstrahlen durchblitzen lassen und den Blick auf die ferne Küste frei geben, müssen wir auf Karte und Kompass vertrauen. Wolken, Wasser und das Wenige an Bergen, das wir sehen ist nun ein Bild in Graustufen. Lediglich die einzelnen, fernen Sonnenstrahlen bringen Farbe und räumliche Tiefe. Wunderschön, unbeschreiblich. Völlig unvermutet schält sich, keine zehn Meter vor Beate ein mächtiger Rücken aus den Wellen um in einer fließenden Bewegung gleich wieder zu verschwinden. Kleiner zwar als die Buckelwale des ersten Paddeltags, aber mit seinen acht Metern Länge und wegen des geringen Abstands, ist der Mink- oder Zwergwal immer noch beeindruckend. Weitere zwei Mal gibt er uns die Ehre, um uns alsbald sprachlos staunend zurückzulassen.

Wenig später umrunden wir das Massiv, das Jökulfirðir und Ísafjarðardjúp trennt und ziehen unsere Boote nahe unseres ersten Schlafplatzes aus dem Wasser. Über den Ísafjarðardjúp sehen wir Ísafjörður eingebettet in die Berge der Küste. Das Handy signalisiert wieder Netzempfang und ein letztes Mal bauen wir unser Zelt in freier Wildnis auf.

Auf den 18 Km unseres letzten Paddeltags nehmen wir Abschied von Eiderente, Eissturmvogel, Seeadler, Gryllteiste und Papageientaucher und genießen milde Temperatur bei ruhiger See, bis wir wieder am Ausgangspunkt, der Bootshalle vom Kayakcenter Iceland, ankommen. Eine Nacht auf dem Campingplatz in Ísafjörður und den Vormittag nutzen wir das beschauliche Städtchen nun ohne Kreuzfahrer zu besuchen, bevor der Linienbus, ein Kleinbus in dem wir die einzigen Passagiere sind, uns abholt. Wie alle Linienbusse, die mehrheitlich von Touristen genutzt werden, gibt es unterwegs an interessanten Plätzen einen Fotostop, oft mit fundierten Informationen durch den Fahrer, manchmal untermauert durch reichlich Gesten, in isländischer Sprache, mit englischen Satzbrocken. Bereits nahe dem Ort Hólmavík, wo es heißt auf einen größeren Bus umzusteigen, die Straße führt direkt am Fjordufer vorbei, taucht neben uns, im Wasser ein Minkwal auf und begleitet uns ein Stück. Der Busfahrer ruft begeistert hmmm, Hrefna, das Isländische Wort für den Minkwal und reibt sich den Bauch. Offensichtlich ist der Wal - oder war es zumindest in früheren Jahren - eine Delikatesse, an die sich der bereits ergraute Chauffeur gerne erinnert. Zwei Umstiege später erreichen wir Reykjavik von wo aus es dann auch bald, mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck, nach Hause geht.


”Die Straße führt direkt am Fjordufer vorbei und neben uns taucht dicht im Wasser ein Minkwal auf.“


Ausfahrt aus dem Naturhafen Isafjördur

Kurzinfo

Allgemein

Gegenwärtig herrscht ein regelrechter Reiseboom auf die Insel, die sowohl geographisch, geologisch als auch kulturell zwischen Europa und Nordamerika liegt. Hauptsächlich per Flugzeug und Kreuzfahrtschiff landen im Sommer Millionen von Touristen und bevölkern Sehenswürdigkeiten und Gästebetten, hauptsächlich an der Küste, entlang der Ringstraße.

Wie andernorts auch wird es abseits der ausgetretenen Pfade, mit wachsendem Abstand zu Häfen oder Flughäfen zunehmend ruhiger. In den Westfjorden wird es dann sehr einsam, vielleicht mit der Ausnahme von Isafjördur, wo gelegentlich Kreuzfahrtschiffe halt machen.

Beste Zeit

Die beste Reisezeit um den Sommer in Island zu erleben, ist definitiv von Mitte Mai bis Mitte August. Hier sind die Temperaturen für uns Mitteleuropäer erträglich, die Tage lang und der Schnee weicht auf die Gletscher zurück. In dieser Zeit fahren auch die Überlandbusse regelmäßig.

Anreise

Mit dem Flugzeug nach Kevlavik (Reykjavik), mit Auto oder Bahn plus Fähre von Hirtshals über die Färöerinseln. Im Land mit dem eigenen Auto, Mietauto oder, am elegantesten, mit öffentlichen Bussen. Diese halten auf langen Strecken an den relevanten Sehenswürdigkeiten. Entlegene Ziele meldet man besser am Vortag an, damit der Bus auch wirklich fährt. Ist das Ziel, das man besuchen möchte partout nicht mit dem Bus zu erreichen, kann jederzeit auch für einzelne Tage ein Mietwagen verwendet werden.

Es gibt auch einen Inlandflug von Reykjavik nach Isafjördur. Meine Empfehlung zu Fahrten im Land ist definitiv der Überlandbus. Du wirst über Strecken, wie beispielsweise die beiden Hochlandstraßen Kjölur und Sprengisandur, gefahren, die für den Standardleihwagen tabu sind und kannst dich auf die Landschaft konzentrieren. Infos zu den Überlandbussen gibt es unter icelandbybus.is und ioyo.is

Anforderungen

Haldor, Chef von Kayak Center Iceland, hatte uns bei der Übernahme der Paddelausrüstung auf unser Können angesprochen. Wir erzählten ihm von unseren letzten Unternehmungen im Wildwasser. Daraufhin deutet er auf der Karte auf die Fjorde und sagt: „This is grade three paddling“ und dann auf die offene Westküste: „This is grade four and five“. Wir wählten die gechillte Urlaubsvariante. Aufgrund der Wetterbedingungen - nach sechs Sonnentagen beim Wandern im Hochland, hatten wir beim Paddeln eher trübes Wetter - sollte sowohl Erfahrung beim Paddeln als auch beim Campen in der Wildnis vorhanden sein. Wer in den Westfjorden paddelt sucht die Einsamkeit und findet sie. In der Konsequenz ist man dann auch in jeder Situation auf sich alleine gestellt. Es gibt kein verlässliches Mobilfunknetz. Wer hier jederzeit einen Notruf tätigen können möchte, der benötigt Satellitentelefon oder einen SAR Notrufsender. Das jedoch liegt im persönlichen Ermessen eines jeden.

In der Station von Borea Adventures kann man mit Glück Menschen antreffen, ebenso in Heysteri auf dem kleinen Campingplatz oder im Café. Ende Juli sind die Wassertemperaturen wenig über 10°C, im Mündungsbereich von Gletscherbächen auch darunter. Die Lufttemperatur wird mit durchschnittlich 12°C angegeben.

Ausrüstung

Robuste, seetaugliche Kajaks mit Seekajakausrüstung, Kälteschutzausrüstung und rutschfeste Schuhe. Die Felsbrocken im Uferbereich sind mit Tang bewachsen und sehr glatt. Ausrutschen, stolpern und in der Folge ein Leck im Boot haben, kann hier sehr unangenehm werden. An Land eine warme Jacke, Daune oder Thermofleece und etwas dichtes, sollte es regnen. Außerdem ein robustes Zelt, Isomatte und ein Schlafsack, bei dem der Komfortbereich um die 0°C oder tiefer liegt.

Übernachtung

Schöne Plätze fürs Zelt gibt es reichlich, besonders wenn bereits nachmittags die Trinkwasservorräte an Bachmündungen aufgefüllt wurden und man abends nicht von Bachläufen abhängig ist.

Sprache

Isländisch, klingt interessant… oder eben Englisch.

Währung

Isländische Krone, es ist mit einer Kaufkraft von ca. 1:1,6 auszugehen. Somit ist Island kein Billigreiseland.

Essen, Versorgung

Vor dem Start in Isafjördur gibt es Supermarkt und Bäckerei, Wasser unterwegs an Bachläufen. In Heysteri gibt es im ehemaligen Schulhaus ein Café. In den Städten gibt es Restaurants und Cafés mit sehr gutem Essen. Auch die Kuchen sollten probiert werden. Hervorzuheben ist Softeis, dieses wird in einer aufwändigen Prozedur mit vom Kunden ausgesuchten Zutaten gemischt und verfeinert. Wer nicht alleine einen guten halben Liter Eis verzehren möchte sollte jemanden zum Teilen dabei haben;-) In den Supermärkten stechen neben den Artikeln europäischer Herkunft auch viele US Amerikanische Marken ins Auge.

Alternativprogramm

Museen, Thermen, Schwimmbäder und kleine, wie große Wanderungen gibt es allerorten. Direkt neben dem Hafencampingplatz in Isafjördur gibt es ein gutes Museum zu Fischerei und Leben der letzten 100 Jahre.

In und um Akureyri werden Bootstouren zur Walbesichtigung angeboten. Diese sind, auch wenn sie manchmal kritisch gesehen werden, allemal besser als der Walfang in früheren Jahren. In Island gibt es für die Unternehmen klare Regeln, aus welchen Richtungen und mit welchem Abstand ein Wal angesteuert werden darf. Ein Gespräch dazu, vor der Buchung, ist sicher hilfreich.

Adressen

- Kayak Center Iceland, Bootsverleih und geführte Touren

www.kayakcenter.is

info@kayakcenter.is

- Borea Adventures, nur geführte Touren

https://www.boreaadventures.com/isafjordur

info@borea.is

Campingplatz

der Campingplatz hinter dem Hafen ist im Internet nicht aufzufinden.

Literatur und Karten

Sehr guter Reiseführer Island von Christine Sadler und Jens Willhardt, Michael Müller Verlag

Landkarte: Blatt 9, Hornstrandir 1:100 000 und 1:55 000, Mál og Menning, Reykjavik, zu beziehen über forlagid.is oder arktikversand.de

Paddeletappen

Unsere Route ist etwa 151 Km lang, mit sechs Paddeltagen von durchschnittlich 25 Km, davon war die erste auch die kürzeste Etappe mit ca. 16,4 Km, die vierte mit ca. 43 Km die längste. Siehe hierzu auch die Karte.