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Seen-Sucht


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tip Berlin - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 06.07.2022

Titel

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Fun, Fun, Fun: zum Beispiel am Strandbad Tegelsee

Das Verhältnis zwischen den Wasserparadiesen und ihren Liebhabern ist existenziell. Wer von dieser Beziehung eine Ahnung bekommen will, muss nur die Biografie eines markerschütternden Schriftstellers in Erfahrung bringen. Gemeint ist Wolfgang Herrndorf, dieser literarische Titan, der 2013 im Alter von 48 Jahren gestorben ist. Sein Objekt der Zuneigung war ein Binnengewässer im Wedding. Dessen Faszinationskraft hat er immer wieder in seinem berühmten Journal „Arbeit und Struktur“ beschworen.

Dieses Elysium war der Plötzensee, eine bezaubernde Wanne mitten in der Stadt. So vieles gleichermaßen war für den Autoren die Senke, gefüllt mit nassem Element. Ein Naturtheater sowieso, aber auch ein Anker, letztlich ein Lebensgrund.

Seine Schwärmereien waren universell. Der Kreative hat Gefühlen einen Ausdruck verliehen, die auch viele andere Menschen in Berlin für ihre liebsten Lagunen empfinden. ...

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Dabei haben sie eine große Auswahl: Rund 3.000 Seen zählen die Geografen in Berlin und Umland. Eine Quantität, als ob eine mythische Figur aus dem Himmelsolymp zu Urzeiten unzählige Wasserbottiche über der Region ausgeschüttet hätte. Und die entstandenen Pfützen niemals verdunstet wären.

Herrndorfs Haus- und Hofsee bildete eine Konstante im Dasein des Schriftstellers („Tschick“, „In Plüschgewittern“). In „Arbeit und Struktur“ hat der Dauerbesucher an einem Tag im April 2012 notiert: „Der erste Brustschwimmzug des Jahres im Plötzensee. Schlüsselbein steht komisch hoch, sonst kein Problem.“ Die Badesaison ist gerade angebrochen, jedenfalls für early birds – und der Autor, der bekanntlich an einem Hirntumor erkrankt ist, findet an diesem Ort eine Ruhezone. Die Sporteinheit ist Part einer Entspannungsübung im Zyklus der Jahreszeiten. Der Stammgast genießt nonstop die impressionistische Fülle seiner favorisierten Seekulisse.

Die aufregendste Phase bilden dabei die Monate im Sommer. Dann bewundert der wortgewandte Lebenskünstler den Blaustern, eine Pflanze, deren Blütenfarbe eigentlich ein sanftes Lila ist. Nach Sonnenuntergang betrachtet er die „wetterleuchtende Nacht“. Einmal erlebt der Ausflügler eine kuriose Stille: „Die Tür am Freibad Plötzensee steht offen, aber es ist kein Pförtner im Kassenhäuschen. Unten am Strand ist niemand.“

Auch ein knappes Jahrzehnt nach diesen Huldigungen ist sie ungebrochen, die Aura, die Berlins und Brandenburgs Seen verströmen.

Im Sommer 2022, dieser schweißtreibenden Hitzewallung, entdecken unzählige Menschen deren offenkundige und verbogene Seiten – ob an Massenmagneten wie dem Wannsee oder an hidden places irgendwo in der Uckermark. Sie sonnen sich, kraulen oder schippern in subtropischer Hitze. Sie pflegen aber auch Hobbys und andere Interessen. Einige machen sich nackig im FKK-Stil, andere tauchen nach Schiffswracks oder finden künstlerische Inspiration. Mehr als ein Dutzend Wassernixen porträtieren wir auf den folgenden Seiten.

Diese Leute mögen Seen, deren Wasser sauber ist wie selten. So heißt es beim Gesundheitsministerium in Potsdam, der Hauptstadt Brandenburgs, dass die Qualität des Wassers in den Seen des Bundeslands Spitzenwerte erreicht. Und in Berlin attestierte das Landesamt für Gesundheit und Soziales den offiziellen Badestellen an Flüssen und Seen eine „hervorragende Wasserqualität“.

An den Seen Berlins, diesen Ausbuchtungen im Großstadtmoloch, kommt eine neue Vitalität hinzu. Die Gewässer sind zwar noch nicht zu Biotopen wie zu Zeiten vor der Industrialisierung gesundet – aber auch nicht mehr so durchtränkt von den Absonderungen der Zivilisation wie etwa im 20. Jahrhundert. In den Gewässern sprießen beispielsweise wieder Unterwasserpflanzen, das Nixkraut, das Hornblatt oder Laichkräuter. Selbst Arten, die auf der Roten Liste stehen, sind Teil der Flora geworden, etwa die Krebsschere.

Eine Vielfalt, die Folge von Regenerierungsprozessen ist, domestizierte Großstädter aber immer noch mulmig stimmt.

Dabei ist der Wildwuchs im Wasser harmlos. „Man sollte Abstand von potenziell bedrohlichen Begriffen wie Schlingpflanzen nehmen“, empfiehlt daher Sabine Hilt, Wissenschaftlerin am Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Andernorts, etwa in Nordrhein-Westfalen, ist die Fixierung auf Hygiene und Sicherheit so groß, das Mähboote an Uferstellen die Pflanzen eliminieren – zum Beispiel am beliebten Baldeneysee in Essen. In Berlin seien ihr aber keine derartigen Fälle bekannt, berichtet Hilt.

High-Tech in der Wasserwirtschaft Auf dem Medienboulevard erscheint die Lebenswelt im Wasser manchmal noch als Pandämonium voller Ungeheuer. „Ekel-Alarm in Berliner Seen!“, so titelte der Berliner Kurier lautstark im Juni. Dabei ging es um Winzlingstiere, nämlich Larven von Saugwürmern, die Hautausschläge verursachen können. Diese Parasiten, auch Zerkarien genannt, schwärmen zurzeit in dem aufgeheizten Wasser einiger Berliner Seen aus, etwa am Wannsee. Sabine Hilt, die Naturwissenschaftler, erläutert: „Die Zerkarien treten auf, wo reichlich Kot von Wasservögeln sowie Schnecken als Zwischenwirte auftreten, also zum Beispiel in Wasserpflanzenbeständen.“ Ein kleiner Stressor ist diese Gruppenbildung, aber keine übernatürliche Plage.

Die zarte Erholung der Seen der Hauptstadt hat derweil vor allem mit Hi-Tech in der Wasserwirtschaft zu tun: besseren Filterprozessen in den Kläranlagen. Sie reduzieren Schadstoffe aus dem Abwasser – weshalb zum Beispiel weniger Phosphor und Stickstoff in die Aqualandschaften treiben.

Jene Einträge also, die in großen, menschengemachten Mengen zu Übersättigungen führen. Und damit Nährböden bereiten für Algen, die dem Wasser viel Sauerstoff entziehen. Woraufhin Fische und andere Spezies aussterben.

„Die Grenzwerte für Phosphoreinleitungen aus Kläranlagen sollten niedriger liegen“, sagt deshalb Sabine Hilt, die Expertin am Leibniz-Institut. „Die entsprechenden Technologien zur Umsetzung wären vorhanden.“

Die nassforsche Liebe der Berliner zu ihren Gewässern könnte unterdessen die Sinne für Missstände schärfen. Diese Sensibilisierung könnte die politische Meinungsbildung positiv beeinflussen.

Dann würden Menschen aus Kaulsdorf, Kladow oder Kreuzberg nicht nur für bezahlbare Mieten kämpfen oder mehr Radwege. Sondern auch für rundum saubere Gewässer voller Artenvielfalt. Damit diese Naturgeschenke mehr denn je Sanatorien für Körper, Geist und Seele sind.

PHILIPP WURM

1 Schlachtensee

Tobias Bamborschke, Sänger der Indierock-Band Isolation Berlin, über Meditationswege, das Haus seiner Großeltern und den Song, den er diesem See gewidmet hat

» Seit ich denken kann, war ich jedes Jahr mindestens einmal am Schlachtensee. Mein Vater ist mit seinen Eltern ​in die Nähe des Sees gezogen, als er 15 oder 16 war, die haben da ein kleines Reihenhaus gekauft. Seine Eltern, meine Großeltern, haben darin bis zu ihrem Tod gewohnt. Ich bin ja in Köln geboren, da auch aufgewachsen, bis ich 13 war. Und war jedes Jahr am Schlachtensee.

Der See ist für mich einer der Orte, die immer da waren in meinem Leben. Das Haus liegt ​in der Nähe davon, jetzt wohnt mein kleiner Bruder da drin. Und wenn es mir mal nicht so gut geht oder ich nachdenken will, fahre ich zum Schlachtensee und gehe eine Runde rum. Ich jogge nicht, ich gehe. Ich flaniere sehr gern. Immer dieselbe Richtung, dieselbe Route um den See. Ich habe meine Wege in Berlin, die ich immer wieder gehe: den Schlachtensee – und den Ku’damm. Alle finden den Ku’damm schrecklich. Aber ich verbinde ihn mit Sicherheit, mit Weihnachten, meinen Großeltern. Mit Geborgenheit. Der See ist natürlich viel schöner. Und ich habe meine Schlachtensee-Rituale. Ich nehme immer denselben Eingang zum Schlachtensee, bei der Fischerhütte, guck erst mal runter auf den See, gehe dann nach links. Schwimmen mag ich nicht so. Der See ist für mich: ein Weg. Mein Meditationsweg.

Der Song ‚Schlachtensee‘ ist tatsächlich auch am Schlachtensee entstanden. Das war eine Zeit, in der es mir sehr schlecht ging. Ich hatte unfassbar schlimme Depressionen, hatte fünf Jahre von Hartz IV gelebt, eine furchtbare Trennung durchgemacht. Ich war total ruhelos, bin mit der U-Bahn herumgefahren, und dann immer wieder am Ku’damm oder eben am Schlachtensee gelandet. Es war Winter, hoher Schnee. Dann kam ich vom See zurück mit einem Großteil der Zeilen für den Text. Es sind schon immer besondere Tage, wenn ich am Schlachtensee bin. Das Schöne am See ist, dass er so lang ist. Es ist fast wie an einem Fluss. Wenn man dann diesen Weg betritt, ist man von Bäumen umgeben, wie in einem Wald. Weil es dort auch so runter geht, habe ich immer das Gefühl, dass man eine andere, eine ganz eigene Welt betritt.«

RIK

Fischerhüttenstraße, Zehlendorf, Bahn: S1

2 Tegeler See

Daniel Osawe, 2018 aus Nigeria nach Berlin gekommen, wohnt mit seiner Familie im Wedding. Jetzt arbeitet der Schüler im Strandbad Tegelsee

Auf dem Tegeler See, zwischen Inseln, Segelbooten, Sand und Uferwald, treibt eine Wasserrutsche. Seit Jahrzehnten befördert sie Planschbegeisterte mit Affenzahn in die Fluten des Gewässers am Stadtrand.

Daniel Osawe steht in Badelatschen am Ufer des Tegeler Sees und blickt auf das reflektierende Wasser. Eine Fähre tuckert zur Insel Scharfenberg, ein sonnengebräunter Rettungsschwimmer stolziert über den blau-weißen Holzsteg des Strandbads Tegelsee, und die ikonische Wasserrutsche schaukelt einladend vor sich hin.

„Diese Rutsche hat mich sofort fasziniert“, sagt Osawe, „nur war sie für mich unerreichbar, weil ich nicht schwimmen konnte.“ Seit 2018 lebt der Nigerianer mit seiner Familie in Wedding. Zurzeit besucht er die elfte Klasse einer weiterführenden Schule. In seinem Geburtsland sei er nie baden gewesen, sagt er. Auf der Suche nach einem Ferienjob stieß er im vergangenen Jahr auf das Strandbad am Tegeler See, das seit Ende 2020 durch den gemeinnützigen Verein Neue Nachbarschaft/Moabit mit Hilfe von ehrenamtlichen und geflüchteten Menschen wiederbelebt wird. „Ich bin zum Chef Udo gegangen und meinte, dass ich hier arbeiten will“, erzählt Osawe, „er hat geantwortet, dass ich hier arbeiten kann, wenn ich schwimmen kann. Die Herausforderung habe ich natürlich angenommen.“ Daraufhin sei er in den Sommerferien jeden Tag zum See gefahren. Schon nach zwei Wochen hat er sich ohne Schwimmweste über Wasser halten können. „Ich wollte einfach zu dieser Rutsche gelangen, der Bademeister hat an mich geglaubt“, sagt Osawe, „und plötzlich stand ich da oben, nass und überglücklich. Ein unglaubliches Gefühl: Ich rutsche ins Wasser und tauche wieder auf.“

Kurze Zeit später erhält er das Bronzeabzeichen. Seit ungefähr einem Jahr arbeitet der Elftklässler nun schon im Strandbad Tegelsee – und weiterhin an seiner Schwimmkarriere. „Diesen Sommer will ich Silber machen, das ist mein Ziel“, sagt Osawe grinsend, „nächstes Jahr bin ich dann vielleicht schon Rettungsschwimmer.“

Im Strandbad macht er so ziemlich alles: Im Winter restauriert er die historischen Boote, im Sommer hilft er oft am Kiosk und bei Events. Der Tegeler See ist für den Jungen aus Nigeria viel mehr als ein Arbeitsort: „Das Strandbad und der See geben mir Hoffnung, dass nicht alles schlecht ist“, sagt Osawe, „das Wasser, die Bäume, alles lebt, die Leute spielen Volleyball, planschen, haben eine gute Zeit, und ich kann dabei helfen, einen Tag schöner zu gestalten. Udo und alle anderen Leute hier haben mir so viele Chancen gegeben, haben mir geholfen und jetzt kann ich schwimmen und glücklich leben. Dieser Ort bedeutet Hoffnung und Leben. Für mich und viele andere auch.“ Ohne Zögern springt er ins Wasser, schwimmt zur Rutsche und winkt zurück, bevor er mit einem Riesenplatscher im Tegeler See eintaucht.

LK

Strandbad Tegelsee, Schwarzer Weg 95, Tegel, Bus: 222

3 Schlosssee in Penkun

Der Comedian Ades Zabel mag die Stille in der Uckermark

»Oft ist es ja so: Man nimmt sich vor, heute wirklich mal an den See zu fahren, und schafft es dann doch nur bis zur Gartendusche. Wenn ich baden gehe, dann am liebsten am Schlosssee in Penkun, an der Grenze von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das Schloss, das dort steht, ist zwar ziemlich verfallen, aber man kann zumindest erkennen, wie schön es dort einmal war. Ein bisschen verträumt sieht der ganze Ort aus: Es gibt eine Badestelle mit einem kleinen Bootssteg, ein paar Waldausläufer drumherum, selten sind viele Leute da. Fast so ruhig wie im Garten, nur schöner.«

JL

Sommersdorfer Chaussee, Penkun, Anreise mit dem Auto oder Rad, die ÖPNV-Verbindung von Berlin ist sehr umständlich

4 Heliger See

John von Düffel, Dramaturg am Deutschen Theater und Autor, fühlt sich an seinem bevorzugten See wie in einem englischen Landschaftsgemälde

»Das Schwimmen im Heiligen See ist die Königsdisziplin. Wenn man so will: eine Sonntagsbelohnung. Man fühlt sich dabei wie in einem englischen Landschaftsgemälde – wimmelnde Ufer, Bäume und Schlösser, darunter der Cecilienhof und der Marmorpalais. Am liebsten bin ich dort in der Mittagszeit. Ich bin Langstreckenschwimmer, und dank anhaltenden Trainings fühlt sich eine einstündige Kraul-Einheit wie ein Spaziergang an. Ich komme dabei nicht außer Atem und fühle mich anschließend erholt wie nach einem Mittagsschlaf. Es ist ein demokratischer Akt, im Heiligen See zu baden. Das Volk hat Teil an der Schönheit dieses Gewässers, an dessen Rändern Jauch und Konsorten wohnen. Ich selbst lebe in Babelsberg und radle immer dorthin. Der See ist übrigens nicht nur ein Habitat für Schwäne, sondern auch für große Karpfen. Wenn mir ein Schwarm entgegenkommt, kriege ich schon einen Schrecken. Aber die Karpfen haben die Ruhe weg. Ihnen gehört der See. Sie halten sich für heilig.«

WU

Am Neuen Garten, 14467 Potsdam, Regio: RB22, RB23, Straßenbahn: 96, Bus: 316, 603, 695, 697

5 Gottower See

Mieke Miami, Popmusikerin, berichtet von Begegnungen mit Anglern, Hängebauchschweinen und Seeumrundungen

»Mit dem Gottower See ist es wie mit vielen anderen Dingen, wenn man auf dem Lande wohnt: Man hat jetzt nicht so die Riesenauswahl, und er ist halt da.

Und wenn man ihn dann besser kennen lernt, dann ist er sogar richtig gut. Entdeckt habe ich ihn, als ich mit meiner Familie 2018 nach Luckenwalde gezogen bin. Mit dem Rad sind es von uns aus 20 Minuten dorthin. Seitdem habe ich ihn oftmals umrundet, zu jeder Jahreszeit.

Er ist nicht groß, in 40 Minuten ist man einmal rum. Der Weg ist schlammig und führt durchs Unterholz, und er sieht jedes Mal anders aus. Am Ufer sind oft Angler, die auch manchmal dort zelten. Immer schön „Petri Heil“ wünschen – sonst gucken sie schief! Am Ende der Runde wohnen die zwei dicksten Hängebauchschweine Brandenburgs. Man kann natürlich auch im See schwimmen, und im Winter sind wir auch schon Schlittschuh auf ihm gelaufen. Dann ist er wunderschön. Überhaupt:

Man kann auch auf den Schlangenberg wandern. Der ist neben dem See. Auf den Weg dahin kommt man an einem gruseligen alten Turm aus dem Kalten Krieg vorbei, in dem jetzt Fledermäuse wohnen. Touristen trifft man dort nicht, der Gottower See ist kein Magnet für Berliner.

Wenn man doch mal mit dem Auto hinfährt: bloß nicht zu schnell auf den Parkplatz fahren, denn dort sitzen Gisbert und seine Freunde vor Gisberts Musikantenschänke, und die schimpfen dann. Wer’s mag, kann bei Gisbert aber auch eine Pferdebulette kaufen, dann ist er wieder nett. So ist das in Gottow.«

SH

Am Hammerfließ 4, 14947 Nuthe-Urstromtal, Regio: RE 5 nach Zossen oder RE 3/4 nach Luckenwalde, dann Bus 770 bis Gottow Damm

6 Wannsee

Julia Büsselberg, hochtalentierte Seglerin, trainiert für Olympia. An dem See, an dem sie groß geworden ist, tankt sie Kraft

»Ich bin auf dem Wannsee groß geworden. Als Kind einer Seglerfamilie spielte ich schon als junges Mädchen Kapitän auf dem Boot meines Großvaters — und zwar genau hier. Eine meiner frühesten Erinnerungen hat aber wenig mit Segeln zu tun. Ganz im Gegenteil:

Es war ein unglaublich kalter Winter, und der gesamte See war zugefroren. Zwei Eisbrecher mussten die Fahrrinne freilegen, aber wenige Minuten später war das Wasser hinter ihnen schon wieder von einer dicken Eisschicht bedeckt. Diese Kraft der Natur hat mich damals enorm beeindruckt.

Etwas später und ohne Eisschollen habe ich auf dem Wannsee segeln gelernt. Hier kommt man sich nicht gegenseitig in die Quere, obwohl ja so ziemlich jeder Wassersport und viel Vereinsleben auf dem Gewässer stattfindet. Es gibt genug Platz für alle, man achtet aufeinander, besonders auf Anfänger, die sich hier ungestört ausprobieren können. Berlin ist generell ein Segelparadies, nicht umsonst kommen immer wieder sehr gute Sportler von hier.

Auch wenn ich inzwischen nicht mehr so oft am Wannsee trainiere, komme ich immer wieder gerne her.

Vor allem, um auch mal zur Ruhe zu kommen. Dann lasse ich mich entspannt auf dem Boot meiner Eltern treiben, genieße den herrlichen Blick oder drehe ein paar Runden mit dem Stand-Up-Paddling-Board. Ich liebe diese Gemütlichkeit, die der Wannsee ausstrahlt. Zu jeder Zeit, selbst wenn er auch mal etwas wuselig ist.«

LK

Ortsteile Wannsee, Nikolassee, Attraktion: z.B das Strandbad Wannsee, Wannseebadweg 25, Wannsee, Bahn: S1, S7

7 Parsteiner See

Die Malerin Anna Borowy probiert sich nach ihren Seebesuchen an großer Kunst: Wasser auf die Leinwand zu bringen

»Wie sehr ich den Sommer liebe! Besonders den Sommer in Berlin. Überall ist diese Energie spürbar, die mich durch die Stadt treibt und nur zum Schlafen nach Hause bringt. Diese Lebendigkeit ist meine Inspiration in der Malerei. Ich kann gar nicht genug von Momentaufnahmen und magischen Visionen im Kopf bekommen. Dieser Zustand ist etwas, wonach ich als Künstlerin strebe. Auch wenn ich nicht aufhören will, bin ich manchmal davon erschöpft und muss raus aus der Stadt – in die Natur. Dann am liebsten an einen versteckten See. An einen Secret Spot, wo man den Tag vielleicht sogar ganz für sich verbringen kann. Hier ist Kontrastprogramm angesagt: Zur Ruhe kommen, einfach nur aufs Wasser schauen und das, was im Kopf ist, irgendwie versuchen auf das Papier zu bringen. Wie viele Bücher ich mit Skizzen und Texten an diesen Orten schon vollgeschrieben habe! Dann sind es diese geheimen Orte in unberührter Natur, die Ufer von all den Seen um Berlin herum, die man irgendwann mal entdeckt hat. Für mich eine Zauberwelt, ein Rückzugsort. Dort habe ich das Gefühl, nur ich allein kenne diesen Ort (auch wenn das natürlich unmöglich ist). Ich brauche dieses kleine Versteck, um das, was mich in der Stadt so angetrieben hat, kanalisieren zu können und es dann im Atelier in Malerei umzuwandeln. Der Parsteiner See in Brandenburg ist mein absoluter Favorit, denn das Ufer ist gänzlich frei von Bebauung. Wer ambitioniert ist, was das Schwimmen angeht, kann sich bei bester Wasserqualität auf 17 Quadratkilometern Seefläche austoben. Die vielen Einbuchtungen und Böschungen um den See herum bieten Plätzchen, die sich wie private Badestellen anfühlen.«

LMK

Am Parsteinsee, Parstein, Barnim, Regio: nach Chorin mit dem RE3

8 Werbellinsee

Michaela Reinfeld, eine Unterwasserarchäologin, interessiert sich für Wracks auf dem Grund einer alten Wasserstraße

Auf dem Grund dieses erkenntnisreichen Gewässers liegen die Lastfahrzeuge, die Berlin mit dem nötigen Material zur Großstadtwerdung versorgt haben. „Sehr dunkel, sehr tief, sehr kalt“ sei dieser Werbellinsee, sagt Michaela Reinfeld, eine Unterwasserarchäologin, die über den geschichtsträchtigen Boden des Tümpels gleitet wie ein Rochen, immer wieder am Wochenende. Begleitet wird sie dabei von anderen Tauchern.

Auf Patrouillen sind die Nautiker dann, um historische Überreste zu bewachen: Wracks von so genannten Kaffenkähnen aus dem 19. Jahrhundert, die Ziegeln, Ton und Pflastersteine über den Wasserweg nach Berlin befördern sollten – in Zeiten des Baufiebers während der Gründerzeit. Damals war die Oberfläche des länglichen Werbellinsees gefragte Route in Handel und Gewerbe. „Eine für die Region einzigartige Geschichte“ habe das Gewässer deshalb, doziert die 40-Jährige, die zweite Vorsitzende im brandenburgischen Kollektiv „Kaffenkahn e.V.“ ist. Seinerzeit sind infolge von Unwettern einige der massiv beladenen Kähne gesunken. Einige Kähne sind von den Nachgeborenen schon geborgen worden, andere fristen in der totenstillen Tiefe des Werbellinsees ihr postmortales Dasein. Der materielle Wert der schlichten Holzschiffe ist überschaubar; in der Archäologie sind sie als Forschungsobjekt aber von Interesse. „Unter Wasser sind sie am besten aufgehoben“, findet Michaela Reinfeld.

Vor allem in der klarsichtigen Wasserumgebung während des Winters fotografiert sie die Objekte, um mithilfe der Aufnahmen die Exemplare am Rechner zu rekonstruieren. Spezielle Drucker spucken daraufhin 3-D-Modelle aus. Zugleich sind die Relikte unter illegalen Plünderern offenbar immer noch begehrt. Sonst würde Michaela Reinfeld, die Schatzhüterin, ja nicht nach deren Unversehrtheit schauen. Wer wissen will, was aus den einst transportierten Baustoffen entstanden ist, kann sich übrigens in Berlin-Mitte umblicken: Ziegeln, die früher über den Werbellinsee geschippert wurden, sind etwa in der Friedrichwerderschen Kirche verarbeitet worden.

WU

Strandbad an der „Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte“, Joachimsthaler Straße 20, Joachimsthal, Regio: RB 63

9 Straussee

Eberhard Hänisch hat als Kind auf dem Straussee das Schwimmen gelernt. Heute ist der Rentner dort Chronist des Klimawandels

Ein pralles Vergnügen ist dieser See einmal gewesen, an dessen östlichen Saum sich Strausberg schmiegt, dieser Wohnort in Berlins östlicher Peripherie. Stolz berührte sein Wasser einst das Ufer. Heute hat sich das kühle Nass zurückgezogen. Um mehr als ein Meter ist der Pegel gesunken, ein Dürre-Drama infolge des Klimawandels.

Eberhard Hänisch, in den frühen 50ern in Strausberg zur Welt gekommen, ist ein wandelndes Gedächtnis dieses schrumpfenden Kleinods. Eine „Schote“ sei der Straussee wegen seiner schlanken Form, fabuliert er. Früher düste er mit seinem Elektroboot über dessen Oberfläche. „Du fährst vorbei wie der Havelkaiser“, bescheinigten Bekannte dem Steuermann. Eine große Nummer war der Rentner auch in seinem Berufsleben: vielseitiger Ingenieur mit den Schwerpunkten Wassertechnik und Brunnenbau. Mit lokalpatriotischer Verve erzählt er außerdem von einer glamourösen Regatta mit Motorbooten im Sommer 1963 – St. Tropez im realsozialistischen Märkisch-Oderland. Da war er allerdings noch ein Kind.

Heute surrt der 68-Jährige im Silver-Ager-Style mit einem E-Quad über die Uferwege. Dazu mischt er mit in der „Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussees“, deren Agenda der Kampf gegen die Austrocknung des Gewässers ist. Zurzeit plant der Lokalhistoriker eine Ausstellung über den Erholungsklassiker. Ein Anziehungspunkt ist der See nämlich immer noch. Etwa wegen der nostalgischen Badeanstalt, die schon fast ein Jahrhundert alt ist.

Die Umkleiden befinden sich in einem schnörkeligen Holzbau, von sanften Blautönen bestrichen. An der dortigen Uferstelle hat Eberhard Hänisch das Schwimmen gelernt. Heute ist das historische Strandbad wegen Wassermangel geschlossen: dort kann nicht mehr gebadet werden, weil der See sich so weit zurückgezogen hat.

WU

verschiedene Badestellen in Strausberg, Bahn: S5 nach Strausberg

10 Printzerber See

Frank Sorge hat das natürliche Surfen für sich entdeckt – dabei fliegt er wie ein Schwan

»Als leidenschaftlicher Wassersportler finde ich am Pritzerber See, der zum Flusssystem der Havel gehört, einen perfekten Ort für einen neuen Trendsport. Erst vor fünf Jahren bin ich auf eine neue Art des Surfens aufmerksam geworden. Beim „Foilpumping“ gleitet man knapp unter der Wasseroberfläche auf einer Tragfläche, die optisch einem Modellflugzeug ähnelt. Der Träger ist durch einen Mast an einem kleinen Surfboard befestigt. Klingt verrückt, kommt aber noch besser. Durch die Körperbewegung versorgt man den „Foil“ mit Energie und fliegt wie ein Schwan knapp über der Wasseroberfläche. Das fühlt sich an, als wäre man etwas zwischen Fisch und Vogel und zugleich Teil des Elementes Wasser. Die verzweigten Wasserflächen an meinem Surfspot am Pritzerber See sind geprägt von einer abwechslungsreichen Naturlandschaft. Auch der Verkehr hält sich hier in Grenzen, und die Wasserqualität ist selbst im Sommer sehr gut. Langweilig wird mir hier nie. Egal ob ein Schwan im Tiefflug vorbeizieht, die Trauerweiden wie Palmen ein Urlaubsfeeling erzeugen oder der Fischer seine Netze einholt: Dieses Umfeld ist für mich einer der schönsten Surfspots der Welt.«

LMK

An der Marzahner Chaussee, 14798 Havelsee, Potsdam-Mittelmark, Regio: RB 51, Bus: 571

11 Ziegeleisee

Die Filmschaffende Saralisa Volm fährt auf die Rutsche im Strandbad Lübars ab

»Der Hauptgrund ist die Rutsche. Die ist sehr hoch, man muss da hinschwimmen. Und sie geht einfach gerade runter, sehr steil. Man fliegt da richtig. Das ist einfach die beste Rutsche Berlins. Was auch total lustig ist: Das Strandbad wird den ganzen Tag moderiert. Da gibt es Leute vom Bad, die sagen ständig über Mikro an, was man alles nicht darf. Es hat auch etwas sehr Persönliches, wenn du auf der Luftmatratze den Nichtschwimmerbereich verlässt und kriegst sofort eine Ansage aus dem Lautsprecher. Das ist so richtig Berlin.«

RIK

Strandbad Lübars, Am Freibad 9, Lübars, Bahn: S 26 bis Waidmannslust, Bus 222 bis Haltstelle Am Vierrutenweg

12 Groß Glienicker See

Die DLRG-Expertin Christin Respondek beehrt mit ihrem Team am Glienicker See, der eine reine Idylle ist

»Wasserrettung, Schwimmausbildung, Katastrophenschutz: Bei der DLRG bieten wir vieles an. Einmal dabei ist man Teil eines Teams, einer Art Großfamilie. Wenn die Rettungsstation am Glienicker See auf der Berliner Seite mit 15 Personen voll besetzt ist, macht das großen Spaß. Unter der Woche kommen wir selbst zum Schwimmen hierher, von April bis Oktober sind wir auf der Station jeweils am Wochenende vertreten.

Tatsächlich machen wir uns Sorgen um den Glienicker See. Wir haben hier einen Steg, zugehörig zur Rettungsstation, der mal ins Wasser reichte. Seit 2008 ist der Wasserspiegel des Sees drastisch gesunken, an die acht bis zehn Meter, der Steg befindet sich nun fast gänzlich im Trockenen. Taucher:innen von Feuerwehr und Polizei kommen eigentlich gern hierher, weil das Wasser wunderbar klar ist und es eine Unterwasser-Tauchplattform gibt. Inzwischen ragen einige der Installationen, die zur Tauchinsel gehören aus dem Wasser. Wodurch dieser Rückgang des Wassers zu erklären ist, wird gerade durch ein Projekt der FU im Fachbereich Geowissenschaften untersucht.

Der See ist ansonsten eine reine Idylle: Es gibt kaum Schlingpflanzen, und die Wasserqualität ist sehr gut. Die Beliebtheit des Glienicker Sees macht sich am Wochenende bemerkbar, dann ist es hier sehr voll.«

LMK

Badestelle in Kladow, Bus: 134, X34, 638, 697

13 Halensee

Uta Sünder und Kerstin Franke baden seit über zehn Jahren nackt im Halensee

„Der Halensee ist ein kurioser Ort“, sagt Uta Sünder, Lehrerin und leidenschaftliche Nacktbaderin, „da oben ist die Autobahn, nebenan der Funkturm, da wird gehupt, da ist die Stadt, hier sind die Nackigen.“ Lkw rauschen vorbei, die Sonne knallt und drahtige Altherren-Körper posieren unbekleidet auf der großen Wiese am Ufer des urban gelegenen Gewässers. „Sowas gibt’s halt nur in Berlin“, sagt Uta Sünders Kollegin und treue Badepartnerin Kerstin Franke. Seit über zehn Jahren fahren die beiden regelmäßig nach der Schule mit dem Fahrrad an den Halensee. Das Gewässer selbst sei hierbei eher hintergründig, besonders begeistert seien sie von der „abgefahrenen Lage“ und der entspannten FKK-Community. „Es geht hier immer sehr harmonisch zu und die Leute achten aufeinander“, erzählt Sünder. Die ledrigen Herren am oberen Teil der Wiese stünden seit Jahrzehnten jeden Tag von morgens bis abends an der selben Stelle. „Das ist eine richtig eingeschworene Gemeinde“, sagt Franke, „der Halensee ist ihr zweites Zuhause, die anderen Bader sind wie Familienmitglieder.“ Trotzdem könne man hier auch „ungestört und ganz für sich allein entspannen“.

Am liebsten ohne Klamotten: „Ich finde Badekleidung so aufwendig. Anziehen, ausziehen, nass in die Tasche“, sagt Sünder, „ist doch viel schöner, wenn überall Luft rankommt, als wenn man so eingequetscht ist.“

Die Wasserqualität des Halensees war in der Vergangenheit immer wieder Thema. Aufgrund der Zuleitung von Abwässern der Straße galt er lange Zeit als schmutzigstes Gewässer Berlins. Doch auch von einem Badeverbot ließen sich die Nacktbader nicht vertreiben. „Letztens habe ich eine alte Frau gefragt, wie es hier denn aussieht mit dem Wasser, da meinte sie: ‚Ick jeh hier schon seit fuffzig Jahr’n schwimmen. Und ist irgendwat mit mir?’“ Seit 2007 sorgt eine Filteranlage für saubereres Wasser. Sogar das Strandbad wurde als Q Beach Berlin wiedereröffnet. „Aber hier ist schöner“, sagt Sünder, „und kostenlos“ ergänzt Franke. Genug geplaudert: Das dynamische Schwimmduo steigt über den winzigen Badezugang in den Halensee. Schwimmt zur anderen Seite und zurück, wie fast jeden Tag. Natürlich nackt.

LK

FKK-Liegewiese am Friedenthalpark, Halenseestraße 36, Halensee, Bahn: S41, S42, S45. S46

Seensationell!

Okay, Ihnen können wir sie ja verraten: Die liebsten Seen der tip-Redaktion. Von Klassiker bis Geheimtipp. Aber nicht weitersagen. Oder zumindest nur an Badefans ohne Vorliebe für Hardtekk aus der Boombox

GESAMMELT VON JULIA LORENZ

14 Huwenowsee

Das Leben ist kein Ponyhof. Außer am Huwenowsee. Hier treibt ein Bötchen vorbei, da flitzt ein Eichhörnchen den Baum hinauf: Ein bisschen Bullerbü mit Blick aufs Schloss Meseberg.

Mittelweg, Sonnenberg, Bhf. Gransee, dann Bus 835 bis Baumgarten

15 Großdöllner See

Die Nähe zum Vier-Sterne-Hotel Döllnsee-Schorfheide lässt vermuten, dass man es hier mit gehobenem Badetourismus zu tun bekommt – und mit seeehr vielen anderen Badegästen. Wer aber von dort aus ein bisschen Wegezeit auf einem Waldwanderweg in Kauf nimmt, findet ruhige Badestellen mit rauschendem Schilf.

Klein Dölln, Groß Dölln, über die L100 oder Bhf.

Karow, weiter RB27 Groß Schönebeck, Bus 904 bis Klein Dölln, Forstsiedlung

16 Liepnitzsee

Ja, der Liepnitzsee ist der Knüller. So sauber, so zauberhaft. Und überhaupt. Weiß mittlerweile (leider) so ziemlich jede:r in Berlin.

Aber eigentlich war man nicht richtig da ohne einen Besuch auf der Liepnitzsee-Insel – inklusive Überfahrt mit Fährmann und Erdbeerkuchen in der Insulaner-Klause.

Zur Fähre: Am Liepnitzsee 8, Wandlitz, Bhf. Bernau, dann Bus 909 bis Ützdorf

17 Großer Kastavensee

Unsere „Great Lakes Area“ liegt in der Uckermark. Lychen, die „Stadt der sieben Seen“, wird im Sommer heimgesucht von Badetouristenhorden. Ein bisschen Ruhe findet man am Großen Kastavensee – und noch mehr Ruhe in der schönen St. Johannes-Kirche in Lychen, die man vom See aus in etwa anderthalb Stunde erlaufen kann.

Kastavener Str., Lychen, RB12 bis Templin, dann Bus 517 bis Lychen, Markt

18 Werlsee

Praktisch: Nach dem Geturne im Kletterwald Grünheide kann man direkt am Nordstrand des netten Werlsees ins Wasser hüpfen. Und vorher noch ein Eis an der Strandbar kaufen.

Schwimmen Sie noch schnell eine Runde zur „Liebesinsel“, bevor der Ehren-Grünheider Elon Musk den Werlsee privatisiert und zum Jacuzzi für die Chefetage der Tesla-Gigafactory macht!

Feldstraße 3, Grünheide, Bhf. Erkner, von dort Bus 429 bis Grünheide, Fangschleuse Schlößchen

19 Großer Däbersee

Familien, bitte hier entlang! Im Naturpark Märkische Schweiz liegt das kleine Waldsieversdorf mit dem Großen Däbersee – mit Sprungturm, Rutsche und Café: Ein Königreich für Bademäuse mit viel Bewegungsdrang. Am 27. und 28. August findet hier übrigens das „Waldorado“-Festival statt, ein buntes, familienfreundliches Kulturfest für alle, die vielleicht doch lieber nicht mit ihren Schäfchen zur Fusion fahren wollen.

Strandbad Waldsieversdorf: Dahmsdorfer Str. 62, Waldsieversdorf, Bhf. Waldsieversdorf, ACHTUNG: bei Redaktionsschluss temporär geschlossen

20 Wirchensee

Das Schlaubetal: einer der romantischsten Orte in Brandenburg. Der Wirchensee mittendrin: noch romantischer. Wir sagen: Hach!

Am Wirchensee, Neuzelle OT Treppeln, Bhf.

Eisenhüttenstadt, dann Bus 404 bis Treppeln Am Wirchensee, Neuzelle

21 Großer und Kleiner Zermittensee

Ein Wald aus Kiefern, Erlen und Buchen schmiegt sich um die herrlich geheimtippigen Zermittenseen, dazu gibt’s Strandbad-Grundausstattung samt Umkleide und Beachvolleyballfeld. Das Beste aus allen Welten!

Badestelle am Großen Zermittensee: Zechlinerhütten Straße, Kagar, RE6 Neuruppin Rheinsberger Tor, dann Bus 787 bis Kagar Dorf, Rheinsberg

22 Krumme Lanke

Wer an der Freien Universität studiert und sommers nicht mindestens sechs Semesterwochenstunden an der Krummen Lanke verbummelt, dem sollte eigentlich das Abschlusszeugnis verwehrt bleiben. Schließlich ist jeder Besuch eine ethnographische Feldstudie: Studierfaule Studis lümmeln Seit an

Seit mit minderjährigen Kiffern und ein paar syltbraunen Senioren um das Idyll am Rand e des Grunewalds. „Spring Break“, Dahlem-Style.

Fischerhüttenstr./Elvirasteig, Zehlendorf, Bhf. Krumme Lanke

23 Tonsee

Bitte einmal freimachen! Dieser nette, künstliche See am südlichen Stadtrand von Berlin ist ein Hotspot der textilfreien Community, inklusive eigenem FKK-Campingplatz. Wer Nackedei-Baden liebt, findet hier seinen „place to be“ – wer das befremdlich findet, ist im größten öffentlichen FKK-Gebiet im Land Brandenburg eher falsch.

Strand am Tonsee, Groß Köris, RB24 Groß Köris, Bahnhof, dann Bus 727 bis Klein Köris, Schmiede

24 Bötzsee

Bötzsee Noch so ein FKK-Eldorado ist diese wundervolle blaue Lagune am Waldrand. Mit Buxe baden, etwa im Strandbad, ist hier aber auch keinesfalls verpönt.

Strandbad Bötzsee, Altlandsberger Chaussee 102, Petershagen/Eggersdorf, Bhf. Strausberg, dann Bus 932 Mittelstraße

25 Großer Stechlinsee

Großer Stechlinsee War lange der Streber unter den Seen. Voll tief, voll schön. Fontane hat ihm ein Denkmal mit seinem Roman „Der Stechlin“ gesetzt. Und dann gibt’s im schönen Café Glasklar in Neuglobsow auch noch Snacks, Kuchen und Mitbringsel aus lokaler Herstellung. Ein Lieblingsort, fast zu perfekt, um wahr zu sein. Nun wird das kristallklare Wasser des Sees klimawandelbedingt zunehmend trüber. Und Fontane rotiert im Grab.

Zur alten Fischerhütte, Stechlin, RE5 Fürstenberg (Havel), dann Bus 839 bis Neuglobsow, Stechlin