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Seeräuber im Kompakt–Segment: 2020er Lincoln Corsair


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.11.2019

Um die strauchelnde Marke Lincoln wieder auf Kurs zu bringen, wurde beschlossen, dass Fords Nobelabteilung „amerikanischen Luxus“ anzubieten soll. Der neue Corsair zeigt als weiteres Modell anschaulich, wie der nach Herstellermeinung aussieht – und wie ernst es dem 1922 inkorporierten Premium-Anbieter damit ist.


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Der 2020er Lincoln Corsair zeugt von formaler Eigenständigkeit und hebt sich wie seine größeren Geschwister Navigator und Aviator markant von den jeweiligen Ford-Pendants ab, in seinem Fall vom Escape. Der Unterschied betrifft nicht nur das exklusive Erscheinungsbild anstelle von Badge Engineering und die enorme Masse an Luxusmerkmalen, sondern auch die bessere Benutzerfreundlichkeit. Das beginnt schon damit, dass der Eigner nicht wie beim Vorgänger MKC eine nichtssagende Buchstabensuppe über die Lippen bringen muss, sondern mit stolz geschwellter Brust von „seinem“ Corsair sprechen kann. Wie einst der MKC teilt der neue Corsair seine Architektur mit dem Escape. Trotz gemeinsamen Gerüsts lässt sich keines der Karosserieteile austauschen; vielmehr positioniert sich der Kaperfahrer anhand des bekannten Kühlergrills, der sich leicht verjüngenden Dachlinie, der kaschierten Säulen, den langen und schmalen Rücklichtern sowie der ausgeprägten Schulter unverkennbar ins Lincoln-Lager. Knapp 460 cm lang, findet das SUV im Cadillac XT4 seinen wahrscheinlich stärksten Konkurrenten. Hinsichtlich der europäischen Edelrivalen sitzt der Corsair zwischen den Stühlen: Zwar ist er größer als Kompaktmodelle Audi Q3, BMW X1, Jaguar E-Pace, Mercedes GLA, Range Rover Evoque und Volvo XC40, aber wiederum kürzer als die Mittelklasse in Form von Q5, X3, F-Pace, GLC, Range Rover Velar, XC60 sowie Porsche Macan.

Ein Gentleman treibt keinen Sport

Lincoln bietet zunächst zwei turbogeladene Vierzylinder an, die mit geringfügigen Änderungen vom MKC übernommen wurden. Der 2,0-l-Basisbenziner in Kombination mit Frontoder Allradantrieb mobilisiert jetzt 250 PS und 380 Nm Drehmoment und ist auch im Escape-Topmodell erhältlich. Corsair-exklusiv ist der optionale 2,3-l-Allradler mit 295 PS und 420 Nm. Zum kommenden Plug-in-Hybrid gibt es noch keine Details. Die Kraftübertragung obliegt stets einer Achtstufen-Automatik mit aufpreispflichtigen Schaltwippen, die PRND-Tipptasten erlauben keinen manuellen Modus. Der Verbrauch konnte dank der zusätzlichen Gänge, des um über 45 kg reduzierten verringerten Leergewichts und der nun wieder abkoppelbaren Hinterachse beim Allradantrieb optimiert werden. Die EPA-Werte liegen für beide Allradler bei umgerechnet 9,8 l/100 km (24 mpg), während der 2,0-l-Fronttriebler auf 9,4 l (25 mpg) kommt. Zu den zusätzlichen mechanischen Unterschieden zwischen Corsair und Escape gehören eine doppelwandige Spritzwand, die zusammen mit der aktiven Geräuschunterdrückung den Geräuschpegel in der Kabine stark verringert, und die optionale adaptive Dämpfung.

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Komplett eigenständig, auch die Scheinwerfer. Der Plattformbruder Ford Escape trägt integrierte Blinker.


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Die Bezeichnung des MKC-Nachfolgers ist nicht neu, sondern einerseits von Edsel, andererseits von britischen Fords bekannt


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Ab Werk stehen ausschließlich 18 bis 20 Zoll große Räder zur Verfügung


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Das Interieur gibt sich leicht und luftig, auch dank des über der Mittelkonsole schwebenden Bedienpanels


Volles Programm bietet die Sicherheitssuite Co-Pilot360: Sie beschert dem Kompakt-SUV die Frontkollisionswarnung mit automatisierter Notbremsung und Fußgängererkennung, Warnung vor toten Winkeln, Spurverlassenswarnung und Spurhalteassistent sowie Querverkehrswarnung hinten. Das Paket Co-Pilot360 Plus umfasst zusätzlich eine adaptive Geschwindigkeitsregelung, eine Spurzentrierungshilfe, automatisiertes Parken, eine 360-Grad-Ansichtskamera und eine Verkehrszeichenerkennung. US-Tester erfreuten sich am kraftvollen Motor, am niedrigen Geräuschpegel innen und an der schluckfreudigen Seriendämpfung, auch bei den 19- oder 20-Zoll-Alus. Kritik gab es neben der indirekten Lenkung für die verschiedenen Fahrmodi: Diese haben wohl keinen sonderlichen Einfluss auf das Abrollverhalten, der Corsair selbst zeigt eine ziemliche Neigung zum Wippen sowie zu heftigem Eintauchen beim Bremsen. Auch wenn es auf kurvigen Straßen nicht zu den erwarteten Wankbewegungen oder Untersteuer-Orgien kommt, versucht der Corsair im Gegensatz zu den Rivalen aus der alten Welt nicht, sportlich zu sein oder zu wirken. Es gibt kein schwarzes Exterieurpaket, keine Kohlefaser-Akzente, kein Möchtegern-Racing-Irgendwas. Stattdessen werden Ruhe, Komfort, Stil und Bequemlichkeit großgeschrieben.

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Viel Platz und bequeme Sitze unterm Panoramadach – auch im Fond des Corsair reist es sich kommod


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24-fach verstellbare Massagesitze sind im Feld der Kompakt-SUV ziemlich unüblich. Nicht aber bei Lincoln


Der kommode Korsar

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Das digitale Kombiinstrument ist gegen Aufpreis verfügbar. Es kann leider nicht die Navigationskarte anzeigen und ist nur in bescheidenem Maß konfigurierbar


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Da war doch mal was: Einen Corsair mit Tipptasten-Automatik gab es bereits 1958 – allerdings als Edsel


Das Interieur greift das Außendesign mit horizontaler Betonung auf, um die Corsair-Kabine größer erscheinen zu lassen. Über den weitläufigen Lüftungsöffnungen erstreckt sich in der gehobenen Trimmlinie „Reserve I“ ein silberglänzendes eingelassenes Band. Das zentrale Bedienpanel schwebt über der Konsole, sorgt für eine luftigere Umgebung und bietet darunter üppigen Stauraum. Die Materialanmutung überzeugt – bis auf den harten Kunststoff am Handschuhfachdeckel und an den hinteren Türverkleidungen. Bei den Innenfarben wagt Lincoln wenig: Die zweifarbigen Kombinationen sind Grau/Schwarz, Hellbraun/Schwarz und Blau/Schwarz; ein Black-Label-Modell gibt es nicht. Die auf Wunsch verfügbaren „Perfect Position“-Sitze kommen mit klassenunüblicher Massagefunktion und lassen sich 24-fach verstellen. Im Fond gibt es 4,5 cm mehr Beinfreiheit als im MKC, und der Rücksitz gleitet jetzt 15 cm vor und zurück. Mit dem Sitz in der hintersten Position hat ein Einsachtzig-Passagier hinter einem gleichgroßen Vordermann reichlich Bein- und Kniefreiheit. Hinter den Rücksitzen vergrößert sich der Laderaum um 68 auf 782 Liter – ein hervorragender Wert für das gehobene Kompakt SUV-Segment. Bei umgelegter Rücksitzlehne fasst der Corsair 1.631 Liter, das sind der 127 Liter mehr als vorher: So viel schaffen weder der heimische Rivale XT4 noch sein japanischer Mitstreiter Lexus NX weg. Ungeachtet der schönen Materialien und einiger toller Basisgimmicks wie zehnfach verstellbaren Sitzen, Universal-Garagentor-Öffner oder 8-Zoll-Display kosten die spannenden Features alle zusätzlich. Dazu gehören das digitale 12,3-Zoll-Kombiinstrument als Teil des Technologiepakets genauso wie das selbst mit polarisierender Sonnenbrille ablesbare Headup-Display oder ein klanggewaltiges 14-Lautsprecher-Revel-Audiosystem, das in „Reserve I“- und „Reserve II“-Modellen erhältlich ist. Weitere Optionen erlauben es etwa, das Smartphone als Fahrzeugschlüssel zu nutzen, die Rücksitzlehnen elektrisch umzuklappen oder die Heckklappe per Fußgeste zu öffnen. Werksseitig wiederum an Bord sind Apple CarPlay und Android Auto; ferner unterstützt das Infotainment-System SYNC auch Amazon Alexa und die Navigations-App von Waze.

Kompakt-Knauserei oder elitäre Extras?

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Normal nimmt der Kofferraum 782 Liter Fracht auf. Bei umgelegter Rücksitzlehne fasst der Corsair sogar 1.631 Liter.


Die Preise für den Corsair 2020 beginnen bei 36.940 Dollar, ungefähr drei Riesen mehr als beim MKC. Dafür umfasst bereits der Basis-Corsair eine erheblich erweiterte Standardausstattung. Der Einstiegspreis ist nahezu identisch mit dem des Cadillac XT4, und obwohl beide über eine vergleichbare Luxus-, Komfort- und Technikausstattung verfügen, bietet der Lincoln mehr Standardassistenten. Er hat auch eine leistungsstärkere Basismaschine und die Möglichkeit eines deutlich stärkeren Muskelzuwachses. Der höherwertige Corsair Reserve ist ab 43.625 Dollar verfügbar, für den nur im Reserve-Trimm erhältlichen 295-PS-Motor berechnen die Händler mindestens 51.010 Dollar. Wie immer kann das verschwenderische Ordern von Zusatzausrüstung den Preis enorm in die Höhe treiben. Wer keineswegs unrealistische 15 oder 20.000 Dollar in Extras steckt, dem bietet ein solch großzügig ausgestatteter Corsair Optionen, die in vergleichbaren Fahrzeugen selten zu finden sind. Wer sich hier etwas zurückhält und nicht alles ankreuzt, wird ganz unabhängig von der Zahl der gewählten Extras geschmackvolles Design, ruhiges Fahrverhalten und einen geräumigen Innenraum genießen – und je nach Sicht der Dinge auch einen patriotischen Beitrag gegen den Niedergang klassischer US-amerikanischer Institutionen geleistet haben. Lincolns eigener Beitrag gegen die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wiederholt erwogene Schließung der Marke ist, die nach dem legendären Suicide-Doors Continental extrem enge gestalterische Anlehnung an Ford endgültig über Bord geworfen zu haben. Derart emanzipiert, mit einem attraktiven Portfolio und anständigem Absatz steht derzeit nicht zu befürchten, dass der vierzackige Stern am Ende seiner Tage ist.

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Ein bisschen Audi, ein bisschen Range Rover: Der amerikanische Luxus ist international verpackt.

2020er Lincoln Corsair 2.3 AWD

Motor: R4 Turbo, DOHC; Hubraum 2.261 cm³ (138 ci); Bohrung: 87,55 mm, Hub: 94 mm; Verdichtung: 9,5:1; Leistung: 295 PS bei 5.500 U/min; Drehmoment: 420 Nm bei 2.750 U/min. Gemischaufbereitung: elektronische Direkteinspritzung. Zündung: kontaktlos. Auspuffanlage: doppelflutig. Antrieb: Allrad mit zuschaltbarer Hinterachse; Achtstufen-Automatik; Achsübersetzung 3,81:1. Aufhängung: Vorderachse: Einzelradaufhängung, Spiralfedern, Teleskopstoßdämpfer; Hinterachse: Einzelradaufhängung, Spiralfedern, Teleskopstoßdämpfer. Bremsen: rundum Scheibenbremsen. Räder: 19-Zoll-Aluräder. Reifen: 225/55VR19. Karosseriemaße (mm): L: 4.587, B: 1.935, H: 1.628. Gewicht (kg): 1.746. Radstand (mm): 2.710. Tankinhalt (l): 61,3. Kraftstoffverbrauch (l/100km): ca. 9,8. Preis (2019): ab 51.010 Dollar.


Fotos: Lincoln Motor Company

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