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Segel-Bundesliga: VSaW überglücklicher Meister – Düsseldorf feiert ersten Eventsieg: Champagnerlaune in Glücksburg


Segler-Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 120/2019 vom 20.11.2019

Der Champagner spritzte noch auf dem Wasser: Überglücklich feierte der VSaW Berlin in der siebten Bundesliga-Saison erstmals die Deutsche Meisterschaft. Doch auch wenn der Titel frühzeitig vergeben war, so wurde zum Saisonfinale der Segel-Bundesliga vor Glücksburg doch heftig gerechnet und gezittert, gezweifelt und gefeiert.


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Überschwänglich feierten die drei Top-Mannschaften des Finals, mit dem Düsseldorfer YC auf dem obersten Treppchen, den Liga-Abschluss.


Foto: ra

TaEnge Duelle lieferten sich die Clubs auf dem Wasser, dichte Trauben bildeten sich vor den Bildschirmen mit der Live-Übertragung und der ...

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TaEnge Duelle lieferten sich die Clubs auf dem Wasser, dichte Trauben bildeten sich vor den Bildschirmen mit der Live-Übertragung und der Ergebnisliste an Land. Im Kampf um das Podium, die Champions-League-Plätze sowie Auf- und Abstieg war bis zum letzten Rennen noch jede Menge Bewegung.
Ganz entspannt durfte der VSaW das Finale angehen. Und doch schien es, als sei ein Stein vom Herzen der Berliner gefallen, als sie in ihrer letzten Wettfahrt als Zweite durch das Ziel gingen und dann noch an Bord die Schaumwein-Flasche köpften, die ihnen vom vollbesetzten Begleitboot herübergereicht wurde. „Wir haben über viele Saisons hart daran gearbeitet. Dass es jetzt endlich geklappt hat, ist unglaublich“, sagte Steuermann Tim Elsner.
Diesen Triumph ließ sich auch die Vereinsführung nicht entgehen. VSaW-Geschäftsführer Frank Butzmann war mit nach Flensburg gereist und freute sich mit seiner Mannschaft: „Das ist für uns als Verein ein ganz wichtiger Erfolg. Denn über die Liga lässt sich eine sehr gute Identifikation mit dem Club realisieren. Wir haben ein Public-Viewing im Verein, unsere Unterstützer sind begeistert, und die Jugend lässt sich so gut an den Verein binden.“ Dass der VSaW nach vielen guten Jahren, aber auch einer schwächeren Saison in 2017 nun ganz oben steht, sieht Butzmann an einem veränderten Kader-Konzept: „In den vergangenen Jahren hatten wir 13, 14 Segler im Liga-Kader, jetzt nur noch sieben. Die Junioren, die sonst auch mit dazu gehörten, haben jetzt ihre eigene Liga. Und das ist sehr gut so. Unsere Mannschaften sind gut eingespielt, und Jan Jasper Wagner, der drei Siege im Jahresverlauf eingefahren hat, ist ein wichtiger Ruhepol an der Pinne.
Klasse, wenn man solche Kaliber im Team hat.“ Dass es zum Abschluss „nur“ zum achten Platz gereicht hatte, war dabei egal: „Das Team wollte sich eigentlich auf den Bayerischen YC als letztem verbliebenen Titelgegner konzentrieren. Als die aber gar nicht in Fahrt kamen, war der Druck raus“, so Butzmann. Jetzt haben die Berliner ganz neue Ziele im Visier. Champions League und das Nordstream Race werden in der VSaW-Saison 2020 echte Höhepunkte sein.
Hinter dem VSaW landete der WV Hemelingen auf dem Vizemeister-Platz – noch vor dem Titelverteidiger und Rekordmeister NRV Hamburg, der gerade noch rechtzeitig am letzten Tag des Finals in die Spur zurückfand, um nicht den Platz auf dem Podium zu verspielen. Auf Platz vier rettete der Bayerische YC die Champions-League-Qualifikation. Der BYC war als Zweiter in das Finale gegangen, hatte aufgrund terminlicher Probleme seiner etatmäßigen Steuerleute Veit Hemmeter und Julian Autenrieth nur ein Juniorenteam an den Start gebracht. Mit Felix Kaiser am Ruder reichte es schließlich zum vorletzten Platz von Glücksburg.

Lediglich als Nachrücker rutschte die junge Mannschaft von One Kiel in die Zweite Liga, dominierte das Unterhaus dann in einer bisher noch nicht erlebten Art und Weise.


Foto: Lars Wehrmann

Gerade genug, um den Düsseldorfer YC in der Gesamttabelle auf Distanz zu halten.
Der DYC mit Jan-Philipp Hofmann an der Pinne legte eine starke Performance auf der Flensburger Förde hin und feierte den Sieg bei diesem Event. „Wir konnten endlich mal ohne Druck segeln, hatten den Klassenerhalt schon in Kiel gesichert. Das ist unser erster Sieg in der Bundesliga“, sagte Hofmann. „Dass es für die Champions League nicht gereicht hat, ist nicht so wichtig. Wir wollen jetzt nur sehen, dass wir diese Leistung für die nächste Saison konservieren können. Vielleicht machen wir noch ein Training extra im Herbst oder Winter/Frühjahr.“
Erfolgsfaktor von Glücksburg sei ein gut funktionierendes Team und ein hohes Speedpotenzial gewesen. Die Winde waren dagegen schwer zu lesen. Das galt auch für den Flensburger SC, der mit Platz drei aber ein gutes Heimevent hinlegte. „Es ist schon ein gewisser Heimvorteil, auch wenn der Wind aus Süd sehr ungewöhnlich war. Aber es ist eben ein bekanntes Umfeld mit kurzen Wegen“, so FSC-Steuermann Jan Hauke Erichsen, der in der Saisontabelle auf Platz acht landete.
Hart umkämpft war der Abstiegskampf. Der Klub am Rupenhorn und die SG Lohheider See standen bereits als Absteiger fest. Zum Abschluss zog es noch den Mühlenberger SC und den Münchner YC in den Abstiegssog. In der Zweiten Liga knüpfte One Kiel an die bisher fast makellose Saison an. Zum vierten Mal in den fünf Events war die junge Mannschaft um Magnus Simon Spitze, ist damit souveräner Zweitligameister und Aufsteiger – und das in der ersten Liga-Saison überhaupt, nachdem der Club nur durch den Rückzug eines anderen Vereins in die Zweite Liga nachgerückt war. Aber die Mannschaft ist trainingsfleißig, gut eingespielt – und Steuermann Simon verfügt zudem über Ligaerfahrung mit dem Mühlenberger SC.
Am letzten Tag verbuchte One Kiel zwar nur mittlere Ergebnisse – am überlegenen Event- und Saisonsieg änderte das aber nichts mehr. „Wir waren heute ein bisschen nervöser als sonst, da unser Förderer mit dem Motorboot auf dem Wasser war. Aber insgesamt ist das eine tolle Belohnung für unserer intensive Arbeit in dieser Saison“, sagte Crew-Mitglied Peer Heuer.
Als Zweiter von Glücksburg schob sich der Lübecker YC auch in der Gesamttabelle auf Platz zwei. „Eigentlich sollte die Saison jetzt erst losgehen. Wir sind jetzt richtig in Fahrt“, sagte LYC-Steuermann Johannes Babendererde. „Wir haben etwas gebraucht, um uns zu finden, da bei uns alle berufstätig sind und nur wenig Zeit haben. Inzwischen trainieren wir auf der Alster, da viele aus dem Team in Hamburg tätig sind oder schnell hinkommen können.“
Mit One Kiel und dem LYC haben noch der Potsdamer YC und der Blankeneser SC den Sprung in die Erste Liga geschafft. Dagegen mussten sich der Röbeler SV Müritz, der SC Eckernförde, die SV Wuppertal und die SV Altona Övelgönne noch im Deutschen Liga-Pokal beweisen, der im Anschluss an das Liga-Finale vor Glücksburg ausgetragen wurde.

Zum Finale vor Glücksburg lief es beim VSaW Berlin zwar etwas stotternd. Aber der achte Platz zum Abschluss reichte für einen souveränen Gewinn der Meisterschaft.


Foto: Lars Wehrmann

Segel-Förderer Eberhard Wienholt (vorn rechts) übergab mit Oliver Schwall, Geschäftsführer Konzeptwerft, und Ole von Studnitz, Vorsitzender DSL e.V., die Meisterschale an den VSaW Berlin, der sich mit den Vereinen WV Hemelingen und NRV Hamburg auf die große Sause vorbereitet.


Fotos: Lars Wehrmann/DSBL

Prominent vertreten war die Siegerehrung. Claus Otto Hansen wusste dabei als Wettfahrtleiter gar nicht, welche Jacke er überstreifen sollte. Die vom Flensburger SC als Ausrichter oder die vom Deutschen Segler Verband, dessen Vizepräsident Finanzen er ist. Er entschied sich für die DSV-Jacke und war damit in guter Gesellschaft, denn auch der Vizepräsident für das Fahrtensegeln, Clemens Fackeldey, und Jugendobmann Timo Haß, waren in Flensburg dabei. Das Trio überreichte die Medaillen an die Top-Drei der Ersten Liga. Viel Lob durften aber auch die Ausrichter vom FSC entgegennehmen – insbesondere Wettfahrtleiter Claus Otto Hansen, der mit der Liga seine über 40-jährige Arbeit als Regatta-Organisator des FSC beendete.

„Ein großes Dankeschön an alle, die hier dafür gesorgt haben, dass es so ein toller Saisonabschluss geworden ist“, sagte Oliver Schwall, Geschäftsführer des Ligavermarkters Konzeptwerft. „Ich habe viele Jahrzehnte als Segler die Regatten beim FSC miterlebt. Und dass Claus Otto seinen Abschluss nun hier mit der Liga begeht, wissen wir sehr zu schätzen.“ Die Ehre, die Meisterschale zu überreichen, bekam Eberhard Wienholt. Mit seiner Stiftung (EWS) ist der Hamburger Geschäftsmann einer der großen Förderer des Segelsports, und er hatte die Liga-Entscheidung nach Flensburg geholt. „Dass die Entscheidung der Liga hier gefallen ist und die Siegerehrung vor meinem Lebenswerk, der neuen Halle des DHH, durchgeführt wird, freut mich sehr“, so Wienholt.

Inzwischen laufen auch schon die Planungen für die kommende Saison. Die Verantwortlichen um Oliver Schwall wollen das Programm für 2020 etwas straffen. Geplant sind Doppelevents im Süden (Bodensee sowie Starnberger See oder Chiemsee), Osten (VSaW und Potsdamer YC) und Norden (Finale in Hamburg, zweites Event noch offen). Damit würden auch die Fahrkosten für die Liga reduziert werden. (ra)

Tabellen

(Einzelergebnisse in Klammern)

Erste Liga

1. VSaW Berlin (1, 4, 4, 1, 1, 8) 19
2. WV Hemelingen (5, 2, 7, 4, 11, 2) 31
3. NRV Hamburg (7, 1, 8, 12, 2, 6) 36
4. Bayerischer YC (3, 3, 12, 2, 6, 17) 43
5. Düsseldorfer YC (4, 14, 14, 7, 4, 1) 44
6. SMV Überlingen (6, 15, 3, 6, 5, 10) 45
7. Württembergischer Yacht-Club (12, 5, 1, 15, 9, 4) 46
8. Flensburger SC (9, 10, 18, 5, 8, 3) 53
9. Berliner YC (10, 13, 6, 3, 7, 18) 57
10. Chiemsee YC (2, 18, 11, 16, 3, 14) 64
11. Schlei SC (18, 12, 2, 8, 15, 11) 66
12. DTYC Tutzing (17, 8, 9, 9, 10, 13) 66
13. SKW Bremen (16, 6, 17, 11, 12, 5) 67
14. SV03 Berlin (11, 9, 10, 10, 14, 15) 69
15. Münchner YC (8, 7, 13, 14, 17, 12) 71
16. Mühlenberger SC (14, 16, 5, 13, 16, 9) 73
17. SG Lohheider-See (13, 11, 16, 18, 18, 7) 83
18. Klub am Rupenhorn (15, 17, 15, 17, 13, 16) 93
Zweite Liga
1. One Kiel (5, 1, 1, 1, 1) 9
2. Lübecker YC (9, 2, 4, 6, 2) 23
3. Potsdamer YC (3, 8, 2, 4, 10) 27
4. Blankeneser SC (1, 5, 9, 2, 12) 29
5. Hamburger SC (2, 10, 6, 8, 3) 29
6. ASV Warnemünde (13, 9, 5, 5, 9) 41
7. BYC Überlingen (11, 4, 16, 7, 7) 45
8. SV Itzehoe (4, 15, 10, 15, 6) 50
9. Lübecker SV (15, 18, 11, 3, 5) 52
10. Bocholter YC (12, 3, 8, 16, 13) 52
11. Joersfelder SC (6, 6, 12, 11, 18) 53
12. WYC Delecke (17, 11, 3, 14, 14) 59
13. Konstanzer YC (8, 13, 18, 17, 4) 60
14. SC Ville (18, 7, 7, 12, 16) 60
15. Röbeler SVM (16, 12, 15, 9, 8) 60
16. SC Eckernförde (7, 14, 17, 10, 17) 65
17. SV Wuppertal (10, 16, 13, 13, 15) 67
18. SV Altona-Oevelgönne (14, 17, 14, 18, 11) 74