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SEITENGÄNGE NUTZEN: Mit Kreativitat ans ziel


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 08.02.2019

Schulterherein, Travers und Co. haben nicht nur einen hohen gymnastizierenden Wert, sie können auch eingesetzt werden, um einzelne Lektionen zu erarbeiten oder zu verbessern. Wie Sie dieSeitengänge am besten nutzen und was dabei zu beachten ist, erklärt Nicole Künzel


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 30/2019

Damit Seitengänge sinnvoll zur Verbesserung einzelner Lektionen eingesetzt werden können, müssen Reiter und Pferd bereits gewisse Voraussetzungen erfüllen


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ÜBUNG 1

GANZE PARADEN

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• Je besser sich ein Pferd ausbalancieren, tragen und schließen kann, desto besser werden auch die ganzen Paraden zum Halten gelingen. Denn das geschlossene Stehen ist die logische Konsequenz aus der vorbereitenden Arbeit.
• Die Arbeit in den Seitengängen fördert die Balance, Kraft und Durchlässigkeit des Pferdes.
• Ein geschickter und erfahrener Reiter kann die Seitengänge zum Beispiel nutzen, um die Schiefe des Pferdes vor der Grußaufstellung auszugleichen oder um ein gerades Rückwärtsrichten abzurufen.
• Wenn Sie beispielsweise wissen, dass Ihr Pferd auf der Mittellinie mit der Hinterhand nach rechts ausweicht, dann können Sie dagegen arbeiten, indem Sie die Hinterhand leicht nach links bringen, bis Ihr Pferd gerade ist.
• Bei weiter ausgebildeten Pferden reicht es meist aus, an den entsprechenden Seitengang zu denken, um das entsprechende Hinterbein besser heranzuholen.
• Im Training sollten Sie allerdings keine Schadensbegrenzung betreiben, sondern bewusst an der Geraderichtung arbeiten.

UNSERE EXPERTIN

NICOLE KÜNZEL leitet ein Ausbildungszentrum in Hannover, in dem sie Pferd und Reiter in klassischer Dressur, Bodenarbeit, Arbeit an der Hand, am langen Zügel und im Damensattel schult. Sie gibt Seminare im In- und Ausland. 2014 hat die Trainerin und Autorin mehrerer Pferdefachbücher zudem den evipo Verlag ins Leben gerufen.www.evipo.de

Auch in den Seitengängen muss die korrekte Anlehnung erhalten bleiben


ÜBUNG 3

SICHER DURCH DIE PRÜFUNG

Ob Verstärkung oder Grußaufstellung – die Seitengänge helfen Ihnen nicht nur im Training zu Hause, sondern auch auf dem Turnier. Vor allem das Schultervor und das Schulterherein können Sie nutzen, um:

• die Konzentration zu erhöhen und Ihr Pferd an die Hilfen zu stellen
• eine Traversale einzuleiten und die Vorhand korrekt führen zu lassen
• saubere Linien einzuleiten und punktgenau zu reiten
• Ihr Pferd zu schließen und eine Verstärkung einzuleiten
• Ihr Pferd an den Richtern oder an anderen Stellen vorbeizureiten, wenn es guckig ist
• Ihr Pferd zu beschäftigen

ÜBUNG 2

ÜBERGÄNGE UND TEMPOUNTERSCHIEDE

Nutzen Sie Seitengänge, um Ihr Pferd zunehmend mehr zu schließen. Zudem werden durch die folgenden Übungen die Geschicklichkeit gefördert, die Durchlässigkeit verbessert sowie die Muskulatur gekräftigt.

• Beginnen Sie mit kurzen Phasen im Schultervor an der langen Seite und entlassen Sie Ihr Pferd nach ein paar Schritten oder Tritten wieder ins Geradeaus. Achten Sie dabei darauf, locker in der Mittelpositur mitzuschwingen und den Bewegungsfluss nicht zu blockieren.
• Bauen Sie nun immer wieder ganze Paraden zum Halten ein.
• Anschließend üben Sie Schritt-Trabund Trab-Schritt-Übergänge aus dem Schultervor und später auch aus dem Schulterherein. Achten Sie dabei darauf, dass Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung und Co. nicht verloren gehen. Bleiben Sie nicht zu lange im Seitengang, sondern entlassen Sie Ihr Pferd immer wieder aus der Position auf die Gerade.
• Verkürzen Sie mit der Zeit die Abstände zwischen den Übergängen und nehmen Sie in einem weiteren Schritt die gebogenen Linien hinzu, wenn Ihr Pferd dazu bereit ist.
• Nachdem Sie sich vom Schultervor zum Schulterherein vorgearbeitet haben, können Sie weitere Seitengänge wie Travers oder Renvers hinzunehmen.
• Reiten Sie Tempounterschiede in den einzelnen Gangarten im Schultervor beziehungsweise im Schulterherein und später auch in anderen Seitengängen.
• Kombinieren Sie Seitengänge, Übergänge und Tempounterschiede und gestalten Sie das Training so abwechslungsreicher.

Die Ausbildung eines Reitpferdes ist eine spannende und umfangreiche Aufgabe, wobei der Reiter nicht nur ein entsprechendes Feingefühl mitbringen muss, sondern auch bereit sein sollte, seine Methoden ständig zu überprüfen und zu hinterfragen. Jeder kennt die Momente, in denen der Trainingserfolg zu stagnieren scheint. Momente oder Phasen, in denen man zur Basis zurückkehrt, um das Pferd nicht zu überfordern, oder solche, in denen neue Wege gefunden werden müssen, um sich aus festgefahrenen (Denk-)Mustern zu befreien. Abwechslung und eine kreative Gestaltung des Trainings helfen, die Motivation bei Reiter und Pferd zu erhalten, Problemen vorzubeugen oder diese zu lösen. Eine Möglichkeit, Langeweile vorzubeugen, dem Pferd neue Wege aufzuzeigen und Lektionen zu verbessern oder zu festigen, ist der gezielte und durchdachte Einsatz von Seitengängen. Doch damit das Seitwärts auch einen positiven Effekt hat und bestehende Problematiken nicht verschlimmert oder gar neue erzeugt, sind gewisse Grundvoraussetzungen nötig.

Basis muss stimmen

Korrekt gerittene Seitengänge haben einen hohen gymnastizierenden Wert. Sie fördern sowohl die Geschicklichkeit als auch die Beweglichkeit und kräftigen das Pferd. „Über die Seitengänge kann die Geraderichtung verbessert und der Versammlungsgrad immer weiter erhöht werden“, sagt Nicole Künzel, die einen Ausbildungsstall in Hannover leitet. „Die Ausrichtung der Vor- und Hinterhand aufeinander verfeinert sich zunehmend und in korrekter Ausführung kann der Reiter schließlich die Position jedes Hufes bestimmen.“ Doch unsere Expertin gibt zu bedenken, dass Schulterherein, Travers und Co. nicht als Allheilmittel gesehen werden dürften. „Ich erlebe immer wieder, dass Seitengänge zu früh eingesetzt werden, zum Beispiel bei Pferden, die in sich noch instabil sind“, gibt die Ausbilderin zu bedenken und erklärt: „Ein Pferd muss zunächst lernen, sich taktmäßig und losgelassen zu bewegen.“ Dabei sei es wichtig, dass das Pferd bei einer konstanten, leichten Anlehnung sein Gleichgewicht finde. „Ich kann jedem Reiter nur dazu raten, besser nicht zu früh mit einer Ausrichtung oder Bearbeitung des Pferdes durch die Seitengänge zu beginnen“, so Nicole Künzel. „Fühlen Sie, ob Ihr Pferd bereit ist, eine reelle Dehnungsbereitschaft zu zeigen und Hufschlagfiguren sauber auszuführen.“ Seitengänge gehören zu den versammelnden Lektionen, sie machen nur dann Sinn, wenn das Pferd den Anforderungen gerecht werden kann. Dazu ist es wichtig, sie zuvor entsprechend behutsam zu erarbeiten. Doch selbst dann gilt es, dass in einzelnen Trainingseinheiten immer wieder die Basis gefestigt werden muss.

Aus dem Schulterherein heraus kann eine Trabverstärkung entwickelt werden


10 WICHTIGE GRUNDREGELN

Bevor Sie die Seitengänge zur Korrektur, zur Verbesserung oder zum Erlernen einzelner Lektionen nutzen können, müssen Schulterherein, Travers und Co. sorgsam und korrekt erarbeitet werden.

IM RAHMEN DER MÖGLICHKEITEN

Sowohl Sie als Reiter als auch Ihr Pferd sind nicht immer in der Lage, bestimmten Anforderungen gerecht zu werden. Trainieren Sie deshalb immer im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und suchen Sie bei aufkommenden Problemen nach den Ursachen.

ALLES KANN, NICHTS MUSS

Sie haben Ihr Training geplant, aber irgendwie ist heute der Wurm drin? Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass Sie alles, was Sie geplant haben auch sofort in die Tat umsetzen müssen. Freuen Sie sich über kleine Erfolge und sehen Sie es nicht als Misserfolg, wenn Sie zunächst erst wieder damit beschäftigt sind, die Basis zu festigen.

DEN RICHTIGEN SCHLÜSSEL FINDEN

Seitengänge können Trainings-Türen öffnen – Sie müssen nur den richtigen Schlüssel finden. Beschäftigen Sie sich deshalb mit der Wirkung der Seitengänge auf Körper und Psyche des Pferdes und wählen Sie die einzelnen Bausteine behutsam aus.

GEMEINSAM IN DIE RICHTIGE RICHTUNG

Ein guter Trainer kann Ihnen dabei helfen, ein Trainingskonzept zu entwickeln. Er gibt nicht nur Anweisungen, sondern unterstützt Sie dabei, ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge zu entwickeln, damit Sie das Gelernte in Zukunft immer selbstständiger umsetzen können.

Gestalten Sie das Training abwechslungsreich und denken Sie an regelmäßige Entspannungsphasen


EIN STETER LERNPROZESS

Die Ausbildung eines Pferdes ist ein ständiger Lernprozess – auch für Sie als Reiter. Bilden Sie sich so oft es geht weiter und verabschieden Sie sich von festgefahrenen Mustern.

WENIGER IST MEHR

Beginnen Sie in den Seitengängen immer mit sehr wenig Abstellung. Arbeiten Sie zum Beispiel vom Schultervor Richtung Schulterherein oder von einer leichten Galoppstellung in Richtung Travers-Stellung.

VON DER GERADEN AUF DEN ZIRKEL

Arbeiten Sie sich langsam von der Geraden vor in Richtung gebogene Linien. Wählen Sie zuerst einen großen Zirkel, bevor Sie diesen langsam verkleinern.

VORSICHT VOR VERLUSTEN

In den Seitengängen dürfen wichtige Grundlagen wie Takt, Losgelassenheit, Anlehnung oder Schwung nicht verloren gehen. Sollte dies dennoch der Fall sein, dann beenden Sie die Lektion vorerst und stellen Sie erst wieder die Basis sicher. Manchmal reicht es auch aus, die Abstellung zu verringern oder nur kurz geradeaus zu reiten.

KEINE ZU HOHE ABSTELLUNG

Achten Sie generell darauf, den Kopf des Pferdes schon in der Vorbereitung der Seitengänge gut zwischen den Schultern zu platzieren, und verlangen Sie im Galopp keine zu hohe Abstellung im Schulterherein, um einen Taktverlust zu vermeiden.

ÜBUNG 4

FLIEGENDE GALOPPWECHSEL

Die Seitengänge können Ihnen helfen, die fliegenden Galoppwechsel einzuleiten, und Ihrem Pferd das Umspringen erleichtern.

• Für diese Übung müssen Sie und Ihr Pferd sowohl das Travers, als auch das Renvers auf beiden Händen beherrschen.
• Wenn Sie einen fliegenden Wechsel vom Handzum Außengalopp reiten möchten, dann denken Sie bei der Einleitung in Richtung Renvers. Durch die neue Stellung und Biegung, bei der die neue innere Hüfte etwas nach vorne gebracht wird, erleichtern Sie Ihrem Pferd das Umspringen.
• Wenn Sie einen fliegenden Wechsel vom Außenzum Handgalopp reiten möchten, dann denken Sie bei der Einleitung in Richtung Travers.
• Die Seitengänge helfen Ihnen, sich zu konzentrieren und den Wechsel bewusster zu reiten. So vermeiden Sie auch ein „Umschmeißen“ in die neue Richtung.
• Anfangs kann es sein, dass Sie in einer deutlichen Travers- oder Renvers-Stellung reiten müssen, um Ihrem Pferd die Wechsel-Idee zu vermitteln. Ihr Ziel sollte aber immer sein, die Stellung mit der Zeit zu reduzieren und auf eine gerade Linie hinzuarbeiten.

Ausbildung mit System

„Mit der Arbeit an Stellung und Biegung kann begonnen werden, wenn die erwähnten Ziele der Stabilität geschaffen sind“, sagt Nicole Künzel und erklärt weiter: „Als Voraussetzung dafür müssen Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung sowohl auf großen als auch auf gebogenen Linien, innerhalb und zwischen den Gangarten gegeben sein. Bei einer korrekten Stellung im Genick fußt der äußere Hinterhuf in die Spur des äußeren Vorderhufs, der innere jedoch Richtung Schwerpunkt, also etwas seitlich nach innen versetzt neben der Spur des inneren Vorderbeins.“ Da die Stellung Einfluss auf die gesamte Ausrichtung der Wirbelsäule nimmt, ist sie Grundvoraussetzung für die korrekte Biegung. In dieser beugt sich das Pferd bereits zunehmend in den Hanken. „Diese beginnende Hankenbeugung ist wiederum Grundvoraussetzung für die Versammlung und für die Seitengänge, welche den versammelnden Effekt noch verstärken“, betont unsere Expertin und gibt dazu ein Beispiel: „Ist ein Pferd korrekt nach rechts gestellt und gebogen, so senkt sich der innere Hüfthöcker der Biegung entsprechend nach vorne unten. Für die

GEZIELT GERADERICHTEN

Damit Seitengänge sinnvoll eingesetzt werden können, müssen Sie als Reiter wissen, welche Seite die hohle Seite Ihres Pferdes ist. Danach richtet sich auch der Aufbau des Trainings. Bedenken Sie aber, dass Seitengänge kein Patentrezept sind. Jedes Pferd muss individuell betrachtet werden. Zudem sollten Sie die Arbeit immer gefühlvoll dosieren und nicht zu lange auf derselben Hand oder dieselbe Lektion reiten.

DAS RECHTS HOHLE PFERD

Stellen Sie sich vor, Sie reiten auf der rechten Hand: „Ein Pferd, welches rechts hohl ist, ist außen dehnungsbereiter als innen“, sagt Nicole Künzel. Es lässt sich also leichter nach innen biegen. „Da die innere tiefere Rumpfmuskulatur weniger dehnungsbereit ist als die äußere, weicht das innere Hinterbein vermehrt nach innen aus, und das Pferd fällt auf die äußere, linke Schulter“, ergänzt unsere Expertin. Diese Auswirkung der natürlichen Schiefe zeigt sich in Rechtswendungen besonders deutlich. In Linksvolten neigt das rechts hohle Pferd hingegen zum Abkürzen, wobei es sein kann, dass die Hinterhand leicht ausfällt. Auf gerader Linie weicht die Kruppe häufig nach rechts aus. Ein rechts hohles Pferd galoppiert lieber auf der linken Hand. Travers rechts fällt ihm leicht, Schulterherein rechts führt es jedoch oft mit zu viel Biegung im Hals und zu wenig Stellung im Genick aus. Die Schiefe spürt der Reiter auch im Sattel: Einige Reiter neigen beispielsweise dazu, ihr Pferd auf der Zwangsseite nach außen „drücken“ zu wollen, und knicken oft auf der linken Hand über der Hüfte ein.

Die Schiefe mit Seitengängen therapieren:
Für das rechts hohle Pferd sind Lektionen sinnvoll, welche die rechte Seite dehnen oder die Tragkraft des rechten Hinterbeines fördern. Dazu gehören:

• Beim Schulterherein rechts darauf achten, dass das Pferd vor den Schultern nicht im Hals „abknickt“, um die Tendenz der hohlen Seite nicht zu verstärken. Zunächst auf der Geraden, dann auch auf gebogenen Linien
• Hin und wieder Schulterherein auf der linken Hand mit einer korrekten Biegung und wenig Abstellung, um die linke Körperseite zu dehnen, jedoch mehr Schulterherein rechts reiten
• Travers rechts eher meiden, dafür auf der linken Hand Travers auch auf gebogenen Linien reiten
• Renvers auf der rechten Hand auf der Geraden und auf gebogenen Linien
• Auf der linken Hand die Travers-Stellung zum Angaloppieren nutzen, für den Kontergalopp auf der rechten Hand an Renvers denken

DAS LINKS HOHLE PFERD

Das links hohle Pferd lässt sich leichter nach links biegen, da die rechte Körperseite dehnungsbereiter ist als die linke. Auf der rechten Hand neigt es dazu, auf die innere, rechte Schulter zu fallen. In Linksvolten drängt es über die rechte Schulter nach außen, und in Rechtsvolten neigt das links hohle Pferd zum Abkürzen. Auf der Geraden weicht die Kruppe häufig nach links aus. Ein links hohles Pferd galoppiert lieber auf der rechten Hand. Ihm fällt das Travers links leicht, im Schulterherein links weicht es jedoch durch zu viel Biegung aus. Einige Reiter neigen beispielsweise dazu, ihr Pferd auf der Zwangsseite nach außen „drücken“ zu wollen, und knicken oft auf der rechten Hand über der Hüfte ein.

Die Schiefe mit Seitengängen therapieren:
Für das links hohle Pferd sind alle Lektionen sinnvoll, welche die linke Seite dehnen oder die Tragkraft des rechten Hinterbeines fördern. Dazu gehören:

• Beim Schulterherein links darauf achten, dass das Pferd vor den Schultern nicht im Hals „abknickt“, um die Tendenz der hohlen Seite nicht zu verstärken. Zunächst auf der Geraden, dann auch auf gebogenen Linien
• Hin und wieder Schulterherein auf der rechten Hand mit einer korrekten Biegung und wenig Abstellung, um die rechte Körperseite zu dehnen, jedoch mehr Schulterherein links reiten
• Travers links eher meiden, dafür auf der rechten Hand Travers auch auf gebogenen Linien reiten
• Renvers auf der linken Hand auf der Geraden und auf gebogenen Linien
• Auf der rechten Hand die Travers-Stellung zum Angaloppieren nutzen, für den Kontergalopp auf der linken Hand an Renvers denken

Befassen Sie sich mit der natürlichen Schiefe Ihres Pferdes, um Seitengänge sinnvoll einzusetzen


ÜBUNG 5

ANGALOPPIEREN IM HAND- UND AUSSENGALOPP

Auch wenn das gerade Einspringen in den Galopp das Ausbildungsziel ist, können Seitengänge das Pferd phasenweise dabei unterstützen, korrekt anzugaloppieren.

• Bevor Sie das Angaloppieren aus dem Seitengang üben, sollte Ihr Pferd diesen beherrschen und ihn ohne Probleme oder Nervosität ausführen können.
• Reiten Sie immer nur dann einen Übergang, wenn die Vorbereitung stimmt.
• Eine leichte Travers-Stellung kann dem Pferd das Einspringen in den Handgalopp erleichtern. Jedoch sollten Sie immer darauf achten, dass Ihr Pferd korrekt Last aufnimmt und nicht zu schief wird.
• Eine leichte Renvers-Stellung oder der Gedanke daran kann dem Pferd das Einspringen in den Außengalopp erleichtern.
• Reduzieren Sie die Travers- oder Renvers-Stellung mit der Zeit immer mehr. Ziel muss sein, dass Ihr Pferd sauber unter den Schwerpunkt einspringt und geradegerichtet bleibt. Anstatt die Seitengänge wirklich zu reiten, können Sie einfach nur daran denken.
• Seitengänge können auch helfen, wenn Ihr Pferd vor dem Angaloppieren nervös wird. Beschäftigen Sie es durch ein abwechslungsreiches Training, ohne es zu überfordern. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, dabei zunächst auf den Galopp zu verzichten.

Der Reiter formt das Pferd

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen im Urlaub an einem Tanzkurs teil, um einen ganz neuen Tanz zu lernen, dessen Schritte Ihnen unbekannt sind. Nur Ihr Tanzpartner weiß, wie sie sich gemeinsam zur Musik durch den Raum bewegen sollen. Allerdings spricht er eine andere Sprache. Sie können nichts anderes tun, als sich von Ihrem Gegenüber führen zu lassen. Nach einer guten Stunde haben Sie die Schrittfolgen verinnerlicht, und Sie erleben ein neues Bewegungsgefühl. Sie haben den Tanz gelernt, weil Ihr Partner sowohl über genug Wissen als auch über genug Feingefühl verfügt und Ihnen die einzelnen Schritte auch ohne Worte vermitteln konnte. Ohne diese Voraussetzungen hätten Sie beide die Tanzstunde wahrscheinlich nach ständigem Stolpern und Schwanken völlig frustriert beendet. Übertragen Sie dieses Beispiel nun auf das Reiten: Sie können Ihr Pferd nur korrekt ausbilden, wenn Sie selbst über das nötige Hintergrundwissen verfügen, Zusammenhänge verstehen und Probleme erkennen. Um das theoretische Wissen umzusetzen, muss aber auch die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd stimmen. Das bedarf eines ausbalancierten, von der Hand unabhängigen Sitzes und einer feinen Hilfengebung. Da aber noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, sollte es Ihr Anliegen sein, mit einem guten Trainer zusammenzuarbeiten und zusätzlich immer mal wieder die Nase in ein Buch zu stecken oder über andere Wege das eigene Wissen aufzufrischen und zu erweitern. Beschäftigen Sie sich mit den Seitengängen und deren Nutzen. Lernen Sie nicht nur, wie Schulterherein, Travers und Co. geritten werden, sondern fragen Sie sich auch, wie Sie diese gezielt einsetzen können.

Mit Konzept und Köpfchen

Ein gewisses theoretisches und praktisches Grundverständnis über die Ausführung und Wirkung der jeweiligen Seitengänge befähigt Sie dazu, ein Konzept für die Ausbildung Ihres Pferdes zu entwickeln und das Training kreativ zu gestalten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass jedes Pferd unterschiedliche körperliche und psychische Voraussetzungen mitbringt. Nachdem die Seitengänge entsprechend korrekt erarbeitet wurden, sind Sie im Besitz eines Koffers voll mit wertvollen Bausteinen für die weitere Ausbildung. Nun ist es Ihre Aufgabe, diese geschickt zu kombinieren und einzusetzen. Unsere Übungen sind nicht dogmatisch zu sehen, sondern Anregungen, wie Seitengänge genutzt werden können, um Lektionen zu verbessern oder Probleme zu beheben. Nehmen Sie sich Zeit und reiten Sie die einzelnen Übungen erst im Kopf durch, bevor Sie das Gelernte im Sattel umsetzen.

Arbeiten Sie daran, Ihre Hilfengebung zu verfeinern. Mit ein wenig Mentaltraining reicht oft schon ein Gedanke aus, um den Seitengang einzuleiten


TIPP

MENTALTRAINING: Wenn das Pferd die Seitengänge einmal korrekt gelernt hat, reicht häufig bereits der Gedanke an die Lektion, um diese einzuleiten.


Fotos: Holger Schupp (1), AdobeStock/ antje.rotpunkt (1), Getty Images (1), slawik.com (9), Privat (1)