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Selfies mit Exoten? Bitte nicht! Wenn Touristen-Spaß zur Tierquälerei wird


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 31/2019 vom 26.07.2019

Klar, ein süßes Foto mit Äffchen, eine spektakuläre Aufnahme mit Elefanten am Strand – verlockend! Warum Urlauber trotzdem darauf verzichten sollten, erklären Tierschützer hier


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 31/2019

Für die Touristen eine lustige Momentaufnahme – für den Elefant ein Leben voller Qualen


Leguane sind vom Aussterben bedroht – und dieses Foto so überflüssig!


Karibik-Spaß? Wilde Rochen möchten nicht begrapscht werden


Auch die Rhesusaffen sind kein Spielzeug


Selfie im Taiga-Safari-Park: Die Touristin strahlt, die Löwin wirkt betäubt


Stress für den Delfin – das Kraulen genießt er nur scheinbar


Am Puderzuckerstrand der thailändischen Insel ...

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... Phuket posiert ein Paar mit zwei jungen Elefanten im Wasser, ein junger Einheimischer macht Fotos. Eine ganz besondere Erinnerung an einen ganz besonderen Urlaub: Das wünschen sich viele, am Strand bildet sich schon eine Schlange. Sekunden später wird das Traumfoto stolz auf Instagram und Facebook gepostet.

Aber Elefanten sind weder Reittiere noch Akrobaten. Sie wurden brutal abgerichtet, damit sie bei diesen Szenen mitspielen. Natürlich haben Touristen keine Ahnung vom Ausmaß des Leids. Und trotzdem: Glauben wir wirklich, stolze Exoten spielen und kuscheln in Ferienländern freiwillig mit uns?

Selfies mit putzigen Koalas, imposanten Elefanten und majestätischen Raubkatzen werden immer beliebter. Einem wilden Tier einmal ganz nah sein, das wünschen sich Menschen, vor allem die aus den Großstädten der westlichen Welt. „Das Geschäft mit Wildtier-Selfies ist in den letzten Jahren extrem geworden“, sagt Katharina Lameter von der Artenschutzorganisation „Pro Wildlife“. In den sozialen Netzwerken hat sich die Zahl solcher Bilder zwischen 2014 und 2018 fast vervierfacht!

„Ein riesiges Problem. Viele der Exoten, die teilweise sogar unter Artenschutz stehen, werden in der Wildnis gefangen, mit Medikamenten und Gewalt gefügig gemacht. Sie stehen unter permanentem Stress. Und oft halten sie die Gefangenschaft nicht lange aus und sterben.“

Dass die Urlauber den Tieren nichts Böses wollen, stattdessen oft sogar von Tierliebe zum Selfie getrieben werden – das ist Katharina Lameter klar. „Urlauber können nicht wissen, was mit den Tieren passiert, wenn die Reisebusse weg sind“, sagt sie.

Und so finden sich auf Instagram und Facebook Tausende Tier-Selfies, an denen Tierblut klebt. Da werden kulleräugige Plumploris am Strand von Borneo herumgetragen – die Affen sind vom Aussterben bedroht, nachtaktiv und vertragen das Sonnenlicht nicht. Da klettern Reisende jauchzend auf dem Rücken von Elefanten umher – der Wille des sensiblen Dickhäuters wurde vorher mit spitzen Metallstöcken, dem Elefantenhaken, gebrochen. Und da lassen sich Menschen in sogenannten Tiger-Tempeln in Thailand mit einer Raubkatze ablichten – der man zuvor die Krallen gezogen und die man mit Medikamenten ruhig gestellt hat.


Kein Reiten, kein Kuscheln , kein Fütternmit Wildtieren


„Über 8000 Tiger leiden in asiatischen Tigerfarmen für touristische Attraktionen – mehr als doppelt so viele, wie in freier Wildbahn bis heute überlebt haben“, berichtet „Pro Wildlife“-Kampagnenleiterin Lameter. „Lassen Sie sich nicht täuschen, wenn sich so eine Einrichtung ,Arterhaltungszentrum‘ nennt. Unter diesem Deckmantel werden täglich 800 Touristen mit ihrem persönlichen Schnappschuss versorgt. Der Urlauber glaubt, etwas für die Rettung der Tiger zu tun, aber das ist Quatsch. Die Tiere werden von klein auf gequält.“

Auch die internationale Tierschutzorganisation „World Animal Protection“ kämpft gegen den Wildtier-Selfie-Trend. Auf ihrer Webseite gibt es Tipps, wie man sich als Tourist richtig verhält: beim Fotografieren immer Distanz wahren und darauf achten, dass die Tiere sich in ihrem Lebensraum befinden. Auch Instagram hat reagiert. Das Netzwerk hat eine Warnung in sein System eingebaut: Sucht man nach bestimmten Hashtags wie beispielsweise #tigerselfie, ploppt eine Meldung zum Tier- und Umweltschutz auf. „Immerhin ein Anfang“, meint Katharina Lameter. „Aber wir fordern mehr: Kein Kuscheln, kein Reiten, kein Füttern mit Wildtieren mehr. Verzichtet einfach darauf!“

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So helfen Sie Tieren

→ Wilde Tiere möglichst nur in freier Wildbahn, in ihrem eigenen Lebensraum und mit gebührendem Abstand beobachten und fotografieren wie z. B. auf einer Safari.
→ Bei Auffangstationen und Waisenhäusern darauf achten, dass die Einrichtung seriös ist und hohe Tierschutzstandards erfüllt. Im Zweifel wegbleiben.
→ Direkten Kontakt mit Wildtieren vermeiden: kein Elefantenreiten, Delfinschwimmen oder Tigerstreicheln. Auch Wal- und Delfin-Shows meiden. Für Wildtiere bedeutet der Kontakt mit Menschen grundsätzlich Stress.


Fotos: Action Press (3), BR, ddp, Getty (2), Imago Images, Mauritius