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Seltener Wildapfel: Der Tannheimer Rosenbaum


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.08.2021

Artikelbild für den Artikel "Seltener Wildapfel: Der Tannheimer Rosenbaum" aus der Ausgabe 4/2021 von TASPO BAUMZEITUNG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
// Das Alter des Wildapfelbaumes wird auf mindestens 300 Jahre geschätzt. Im Frühjahr ist die Baumkrone von weißen Blüten übersät. //

Das Besondere an dem Baum sind nicht nur das Alter und die Wuchsform, sondern vor allem auch die Tatsache, dass es sich um einen zu 100 Prozent genetisch reinen Wildapfel (Malus sylvestris) handelt. Diesen Nachweis hat die Forstliche Versuchsund Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg/ Breisgau erbracht, die im Rahmen einer Suche von Wildapfel– und Wildbirnbäumen die Blätter genetisch untersucht hat. Die Herkunft des Baumes ist unbekannt, aber die Sortenreinheit ist zu erklären mit dem Alter und Standort: Der Baum steht weitab von Wohnsiedlungen mit Obstbäumen alleine in der freien Flur und ist auf zwei Seiten von Moor und Wald umgeben. Dadurch war eine Bestäubung des Mutterbaums mit Pollen von Apfelzuchtsorten, welche bekannterweise alle von Malus siversii abstammen, ausgeschlossen.

Das Alter des Baumes ist auf mindestens 300 Jahre zu schätzen. Eine genaue Feststellung ist leider nicht möglich, da der ...

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... Baum innen vollkommen hohl ist, sodass die Entnahme eines Bohrspans oder der baumsc honenden Feststellung der Jahrringe mit dem Resistograph nicht m öglich ist.

Die Altersschätzung kann vom Namen und Standort abgelei- tet werden. Das Ge- wann, in welchem der Baum steht, trägt den Namen „Rosenbaum“ und die älteste Karte, auf welcher der Gewannname verzeichnet ist, stammt aus dem Jahr 1734. Es kann nicht mehr nachvollzogen werden, ob der Baum nach dem Gewann benannt wurde, oder das Gewann nach dem Baum. Vielleicht handelt es sich auch um den Nachkömmling eines nicht mehr vorhandenen noch älteren Baumes?

DER AUTOR

Hans Letulé ist öffentlich bestellter und vereidigter Baumsachverständiger aus Brigachtal.

Dass das Gewann möglicherweise aber nach einer baumartig gewachsenen Wild - rose benannt wurde, ist eher unwahrscheinlich. Das Rätsel wird wohl nie gelöst werden können. Am ehesten trifft zu, dass das Gewann nach dem auffallenden Baum benannt wurde, weil Gewanne früher allgemein nach Besonderheiten im Gelände benannt wurden. Demnach müsste der Baum schon damals aufgefallen sein, also eine stattliche Größe gehabt haben.

Der Begriff „Rosenbaum“ für einen Apfelbaum war in der ländlichen Bevölkerung damals weitverbreitet, wohl in Anleh-nung an den Begriff „Rosaceae“ (Familie der Rosengewächse), aber auch von den rosa überhauchten Blüten. So kann es sich auch um eine Dialektform von „Rosa Baum“ handeln. Im Frühjahr ist die Baumkrone von weißen Blüten übersät, deren Farbe gegen Ende der Blütezeit in leicht rosa umschlägt. Die zahlreichen kleinen Früchte sind ungenießbar, hart, sauer und bitter.

Stamm teilt sich in drei Stämmlinge auf

Der mächtige Stamm teilt sich schon dicht über dem Boden in fünf starke Stämmlinge auf. Es ist aber heute nicht mehr genau festzustellen, ob es sich um mehrere inzwischen zusammengewachsene Bäume oder um einen einzigen mehrstämmigen Baum handelt. Auch Verbiss durch Weidevieh oder Wild kann die Ursache für die Mehrstämmigkeit sein. Am Stammfuß sind Pilzfruchtkörper vorhanden. Wegen des schlechten Zustandes der Pilzfruchtkörper war es nicht möglich, die Spezies zu bestimmen.

Unsachgemäßer Schnitt führte zu großer Verletzung

Die Fläche unter der Baumkrone wurde als Wiese und in den letzten Jahren teilweise als Acker landwirtschaftlich genutzt. Leider wurde schon vor längerer Zeit vom Pächter des gemeindeeigenen Grundstücks ein starker, fast waagerecht abgehender Stämmling unsachgemäß eingekürzt – der fast durchgesägte Stämmling brach ab und schlenzte tief in den Stamm ein.

Durch den falsch geführten Sägeschnitt riss der Stämmling ab und es gab eine große zerrissene Verletzung. Der Baum ist hierdurch an dieser Stelle tief eingefault. Infolge der Einkürzung bildeten sich an dieser Stelle mehrere Wasserreiser, welche zwischenzeitlich bereits wieder Armstärke erreicht haben. Das Ausmaß des entfernten Stammteiles geht auch deutlich aus der dadurch bedingten einseitigen Kronenform hervor.

Zwischenzeitlich ist es gelungen, dass zum Schutz des Baumes das direkte Umfeld nicht mehr landwirtschaftlich bearbeitet werden darf.

Sicherungsmaßnahmen sind dringend notwendig

Um dieses Baumdenkmal noch länger zu erhalten, sind einige Sicherungsmaßnahmen dringend notwendig. Durch das Dickenwachstum der Stämmlinge drücken sich diese auseinander, sodass es irgendwann zum Versagen kommen wird. Sicherungsmaßnahmen sind bei richtiger Durchführung möglich, ohne dass sich das Aussehen des Baumes verändert. Dies gilt auch für die Stelle der Stämmlingsabnahme, denn auch diese große Verletzung ist ein Zeitdokument.

Sowohl der Stammumfang von 3,05 Meter (dicht über dem Boden gemessen) als auch die Höhe von 11 Meter und der Kronendurchmesser von 13 Meter belegen, dass es sich um einen sehr alten Baum handeln muss. Eine Pflege hat wohl noch nie stattgefunden, denn zu den Zeiten, als der Baum noch jünger war, gab es mit Sicherheit keine Baumpflege. Eine etwaige Auslichtung oder sonstige das Aussehen verändernden Schnittmaßnahmen verbieten sich bei dem Baum heute von selbst; sein uriges Aussehen gehört einfach zu ihm.

Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass der Baum über eine so lange Zeit erhalten blieb. Frei im Feld stehend und ohne einen Ertrag war er eher störend als nützlich, und doch kam bis vor etwa 30 Jahren, als der Stämmling entfernt wurde, nie jemand auf den Gedanken, Hand an ihn zu legen.

Offensichtlich hatten die Altvorderen noch mehr Respekt vor der Natur und ließen den „vermeintlich nutzlosen“ Baum stehen.

Wertvolles Habitat

Heute erkennt man durchaus den Nutzen des Baumes für die Natur. Im Frühjahr finden Wildbienen und Hummeln reiche Nahrung, das Holz ist Brutstätte für holz - bewohnende Insekten, im Herbst und Winter sind die Früchte Nahrung für Vögel — kurzum, der Baum ist ein wertvolles Habitat. Die BürgerInnen sind heute stolz auf ihren Rosenbaum und es bleibt zu hoffen, dass dies auch weiterhin so bleibt. Vielleicht kommt sogar noch der Eintrag in die Liste der „Geschützten Naturdenkmale“. //