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SERIE – 1. FOLGE: Belastung von Lehrerinnen und Lehrern


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 02.01.2019

Den Lehrberuf wieder attraktiver machen


Der aktuelle Lehrermangel ist das große Thema in der Bildungspolitik. Um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen, muss auch über Belastung und Entlastung der Lehrkräfte gesprochen werden. Was wissen wir über die quantitativen und qualitativen Belastungen? Was bedeutet das im Detail? Und was kann getan werden, um zu hohe Belastungen zu reduzieren?

Zwei aktuelle, unabhängige Studien zur Prognose des Lehrkräftebedarfs zeigen eine dramatische Lücke in der Versorgung mit Lehrkräften (Klemm/Zorn 2018,Dohmen/Thomsen 2018). Man kann dieses Missverhältnis von Angebot ...

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Bildquelle: Pädagogik, Ausgabe 1/2019

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Zwei aktuelle, unabhängige Studien zur Prognose des Lehrkräftebedarfs zeigen eine dramatische Lücke in der Versorgung mit Lehrkräften (Klemm/Zorn 2018,Dohmen/Thomsen 2018). Man kann dieses Missverhältnis von Angebot und Bedarf an Lehrkräften als Quittung für eine verfehlte Arbeitspolitik gegenüber einer der größten Berufsgruppen in Deutschland ansehen. Nach einer Dekade der Arbeitsintensivierung mit Erhöhungen der Stundendeputate in fast allen Bundesländern folgte eine weitere Erhöhung der Anforderungen durch Inklusion, Sprachförderung, Ganztagesangebote, Digitalisierung usw., ohne ausreichenden Ausgleich zu schaffen. Die Lehrkräfte sind überlastet, und dies spricht sich herum.

Abb. 1: Die Bewertungskriterien der Arbeit beim DGB-Index »Gute Arbeit«


Der Grund für die sehr ungünstige Bewertung der Arbeitsqualität liegt an den extremen Belastungswerten. Lehrkräfte leidenunter einer sehr hohen Arbeitsintensität. Beansprucht fühlen sich 92% aller Lehr-kräfte durch Zeitdruck bei der Arbeit; 82% dadurch, dass sie ihre professionellen Ansprüche an die Qualität der Arbeit aufgrund des Arbeitsdrucks nicht umsetzen können (alle Angaben aus der Belastungsstudie,Mußmann et al. 2017). Aufgrund der Verdichtung ihrer Arbeitszeit auf die Schulwochen und durch wiederkehrende Phasenmit Spitzenbelastungen kommt eine ungünstige Arbeitszeitlage hinzu: 84% fühlen sich beansprucht durch den Zwang zum Arbeiten am Wochenende, 71% durch die Arbeit am Abend.

Abb. 2: Vergleich der Arbeitsbedingungen von Lehrkräften zur Branche Erziehung und Unterricht in Niedersachsen


Lehrkräfte arbeiten in entgrenzten Arbeitsformen und mit reduzierten Erholungszeiten.


Lehrkräfte stehen im Rahmen ihrer pädagogischen Tätigkeit zudem vor großen emotionalen Anforderungen. 69% der Lehrkräfte fühlen sich durch Konflikte und Streitigkeiten mit Schülerinnen, Schülern oder ihren Eltern beansprucht, 52% durch herablassende und respektlose Behandlung, die auch von Vorgesetzten oder Arbeitskolleginnen und -kollegen ausgehen kann. Weiterer, herausstechender Belastungsschwerpunkt ist Lärm, 79% bewerten dies als beanspruchend.

Belastungen können besser bewältigt werden, wenn Ressourcen zur Verfügung stehen. Der Vorteil des Berufes als Lehrkraft liegt darin, dass eine hohe Autonomie bei der Arbeit, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine erfüllende Tätigkeit, mit der man sich identifizieren kann, gegeben sind und in der Regel auch eine starke Kollegialität erfahren wird. Diese Einzelergebnisse erklären die günstigere Einschätzung der Ressourcen. Herausragend ist der motivierende Sinn der Arbeit (85 Indexpunkte). Günstig sind auch die Werte im Bereich Einkommen und vor allem Beschäftigungssicherheit.

Arbeitsintensität als Ansatzpunkt für attraktivere Arbeit

Wo kann angesetzt werden, um die Arbeitssituation zu verbessern? Zuallererst müssen Entlastungen geschaffenwerden: Die Anforderungen sind zu hoch. Dadurch werden auch die formal existierenden großen Gestaltungsspielräume ausgehebelt und können nicht mehr entlastend wirken: Die Gestaltungsmöglichkeiten werden mit 50 Indexpunkten niedrig bewertet. Zwar ist es äußerst hilfreich, wenn beispielsweise mit einem wertschätzenden Führungsstil, einem kollegialen Schulklima und intensiven Beteiligungsmöglichkeiten die Ressourcen gestärkt werden, aber wenn die Handlungsspielräume aufgrund des Zeitdrucks fehlen, kann die Belastungsregulation nicht mehr funktionieren.

Die Niedersächsische Belastungsstudie erfolgte als Befragung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Niedersächsischen Arbeitszeitstudie (Mußmann et al. 2016). Daher wissen wir, dass in drei Schulformen (Grundschule, Gesamtschule, Gymnasium) im Durchschnitt 1.40 Stunden Mehrarbeit pro Woche geleistet wird. Aufgrund der großen individuellen Streuung zwischen den Lehrkräftenbedeutet dies, dass eine große Mehrheit der Lehrkräfte in erheblichem Umfang Mehrarbeit leistet. 17% der Lehrkräfte in Vollzeit überschreiten während der Schulzeit dauerhaft die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche. Der hochsignifikante Zusammenhang zwischen der Länge der Arbeitszeit und der Höhe der Arbeitsbelastung (Teilindex Belastung) ist wenig überraschend. Schließlich erhöht sich mit der Länge des Arbeitstages auch die Dauer der Einwirkung der Belastung und die Erholungszeit verkürzt sich. 83% der Lehrkräfte fühlen sich dadurch stark beansprucht, dass sie Schulpausen nicht als Erholungszeiten nutzen können. In einzelnen Schulformen arbeiten 76 % der Lehrkräfte an mindestens 80 % aller Wochenenden. Kurz gesagt: Lehrkräfte arbeiten in entgrenzten Arbeitsformen und mit reduzierten Erholungszeiten während der Schulzeiten. Entsprechend sind gesundheitliche Folgewirkungen überlanger Arbeitszeiten (Tucker/Folkard 2012) wie auch die Beeinträchtigung der Teilhabe am familiären, sozialen und gesellschaftlichen Leben (Wirtz 2010) zu erwarten. Hohe Arbeitsbelastungen im Beruf einer Lehrkraftwerden für die auffallend hohen Werte von psychischer Erschöpfung, Stress-Symptomen und Burnout verantwortlichgemacht (vbw 2014, S. 65).

Auch wenn mit der Erhöhung der Belastung die Wahrscheinlichkeit negativer Folgewirkungen zunimmt, ist der Zusammenhang komplex. Aufgrund der großen Bedeutung der individuell verfügbaren Ressourcen kommt es vor, dass einzelne Personen bei hoher Belastung eine geringere Beanspruchung erleben und die Arbeitssituation günstiger bewerten als andere, die der gleichen Belastung in geringerem Maße ausgesetzt sind. Abb. 3 zeigt diesen Zusammenhang am Beispiel des Belastungsfaktors Arbeitszeit. Personen mit einem sehr hohen Belastungserleben (Teilindex unter 30 Punkten) finden sich sowohl im Bereich der Mehrarbeit als auch im Bereich der Unterschreitung der Soll-Arbeitszeit.

Was bedeutet das für die Arbeitspolitik? Zunächst, dass die Verkürzung der Arbeitszeit und damit eine Senkung der Belastungen zwar eine zentrale Aufgabe darstellt, aber die qualitativen Belastungsfaktoren bei der Art und Weise, wie entlastet wird, eine große Bedeutung haben sollten. Statt pauschal für alle die Arbeitszeiten zu senken (Deputatsreduktion), kommt es vor allem darauf an, Streubreiten zu reduzieren und hochbelastete Lehrkräfte auf der Schulebene gezielt zu entlasten.

Bislang werden inden Schulen eine Reihe an außerunterrichtlichen Zusatzanforderungen (z. B. Funktionsübernahme) durch Anrechnungsund Ermäßigungsstunden ausgeglichen. Besondere unterrichtliche Belastungen gehören in Niedersachsen bislang nicht dazu. Die Belastungsstudie hat aber ergeben, dass es sinnvoll wäre, einen Ausgleich zu schaffen, wenn beispielsweise Lehrkräfte mit besonders herausfordernden Lerngruppen konfrontiert sind oder wenn Klassen zu groß werden. Im Sekundarbereich ergeben sich starke Beanspruchungen aus Belastungsspitzen durch Korrekturzeiten und Abschlussprüfungen. In solchen Situationen sollte gezielt entlastet werden können. Und das muss vor Ort in der Schule entschieden und zeitnah umgesetzt werden, damit Mehrarbeit und Mehrbelastung möglichst vermieden bzw. im Rahmen gehalten werden können.

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit neuen, insbesondere außerunterrichtlichen Aufgaben. Die Niedersächsische Belastungsstudie hat gezeigt, dass Lehrkräfte sich durch die Unterrichtstätigkeit, die pädagogische Kommunikation und die Unterrichtsvorbereitung nicht besonders beansprucht fühlen. Außerunterrichtliche Aufgaben, die nicht zum Kern ihrer Professionalität gehören, wie die Dokumentationspflichten oder Verwaltungsaufgaben, werden hingegen als Beanspruchung empfunden. Hier stellt sich also die Aufgabe, genau zu klären, welche Tätigkeiten sinnvoller Weise von Lehrkräften übernommen werdenmüssen. Dies gilt auch bei neuen Aufgaben beispielsweise im Grundschulbereich (Ganztagesschule, Inklusive Bildung, Sprachförderung). Neue Anforderungen müssen nicht nur durch ausreichende zusätzliche Kapazitäten abgedeckt werden, es müssen auch die Kompetenzen zur Bewältigung der neuen Aufgaben vermittelt werden: 58% der Befragten erlebten die Inklusive Bildung als hohe Beanspruchung, was wohl mit den Umständen ihrer Einführung zusammenhängt.

Eine nicht ausreichende Entlastung tritt auch bei der Übernahme von Schulleitungstätigkeiten auf. In Niedersachsen geben 70% der Befragten mit Schulleitungsfunktionen an, dass sie sich besonders beansprucht fühlen. Diese Gruppe zeichnet sich auch durch besonders lange Arbeitszeiten aus.

Abb. 3: Beanspruchung (Teilindex Belastung) von Lehrkräften nach Teilzeitquote und Dauer der Arbeitszeit


Ressourcen entwickeln

Zusätzlich zur Schaffung bewältigbarer Arbeitsanforderungen sollten die Ressourcen der Lehrkräfte gestärkt werden, damit diese die Anforderungen besser bewältigen. Die Niedersächsische Belastungsstudie kommt zum Ergebnis, dass insbesondere schulspezifische Anforderungen mit besonderen Beanspruchungen verbunden sind.

Für 77% aller Lehrkräfte resultieren besondere Beanspruchungen aus dem Umgang mit »schwierigen« Schülerinnen und Schülern, danach folgen Konflikte mit Schülerinnen, Schülern und ihren Eltern (69%) als starke Beanspruchung. Wenn Lehrkräfte mit respektlosem Verhalten von Eltern konfrontiert werden, wird das für die meisten Lehrkräfte (50%) in hohem Maße als Beanspruchung erlebt, respektloses Verhalten von Schülerinnen und Schülern von 40%der Lehrkräfte.


Besondere Beanspruchungen resultieren aus dem Umgang mit »schwierigen « Schülerinnen und Schülern.


Hier stellt sich für die Betroffenen die Frage, wie sie erstens darauf vorbereitet worden sind, mit Konflikten umzugehen, zweitens mit welcher sozialen Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten sie rechnen können. Entsprechend wird die gezielte Organisation sozialer Unterstützung durch eine Intensivierung der Kooperation im Kollegium unddurch gemeinsamerarbeitete Programmatiken und Zielausrichtungen als präventive Maßnahme zur Senkung der Beanspruchungserlebens und der gesundheitlichen Risiken empfohlen (vbw 2014, S. 165).

Den Ergebnissen der Niedersächsischen Belastungsstudie zufolge erhalten Lehrkräfte in hohem Maße kollegiale Unterstützung. Und auch die Wertschätzung durch Vorgesetzte ist grundsätzlich gegeben. Aber immer noch erleben 28%der Lehrkräfte respektloses Verhaltenvon Kolleginnen und Kollegen und 32% von Vorgesetzten als beanspruchend. Die Weiterentwicklung des Schulklimas und die wertschätzende Führungskultur in den Schulen ist daher eine wichtige arbeitspolitische Aufgabe im Rahmen des Gesundheitsmanagements. Hier liegt noch Potenzial zur Verbesserung: Nur 26% der Lehrkräfte bewerten das Schulklima als gut, während es 22% als schlecht qualifizieren (Mußmann et al. 2017, S. 125). Die Bewertung des Schulklimas basierte dabei auf dem Mittelwert der Bewertung von Lehrkräften, die der gleichen Schule angehören. (Folgende Index-Items gehen ein: Wertschätzung Vorgesetzte, Unterstützung Kollegen, Meinungsklima, Förderung der Kollegialität, Respektlose Behandlung.)


Bei psychischer Erschöpfung fällt es schwer, die Arbeit zu bewältigen und guten Unterricht zu geben.


Gefährdete Kolleginnen und Kollegen schützen und stärken

Letztlich bedarf es auch ergänzender, personenbezogener Maßnahmen, denn die Voraussetzungen und Fähigkeiten, mit Belastungen umzugehen, sind sehr unterschiedlich verteilt. Berufliche Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln, gehört zur wichtigsten Form der Burnout-Prävention (vbw S. 164). Entsprechend sollte die Fortbildung von Lehrkräften sich nicht nur auf ebenfalls wichtige Aspekte wie z. B. »aktives Stressmanagement « o.Ä. beziehen, sondern die Entwicklung berufsfeldspezifischer Kompetenzen vorsehen. Darüber hinaus ist es wichtig, gezielte Angebote für Lehrkräfte anzubieten, deren psychische Gesundheit beeinträchtigt ist. Diese Zahl ist unter Lehrkräften sehr hoch, wie sowohl die aktuellen Zahlen aus Niedersachsen als auch andere Untersuchungenbelegen (Überblick bei:vbw 2014). Bei psychischer Erschöpfung fällt es schwer, die Arbeit zu bewältigen und guten Unterricht zu geben. Denn die notwendige Konzentration, soziale Beziehung und Empathie zu entwickeln, setzt psychische Gesundheit voraus. Diesen Menschen muss eine professionelle Unterstützung gebotenwerden, damit sie im Berufwieder erfolgreich sein können. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen allein wird an ihrer Situation nicht viel ändern, weil diese Personengruppe nicht mehr über die Fähigkeit verfügt, sich selbst zu helfen.

Fazit: Eine ganzheitliche Arbeitspolitik ist erforderlich

Ja, die Lehrkräfte sind hochbelastet, aber es bestehen konkrete Ansatzpunkte, ihren Beruf wieder attraktiver zu gestalten. Die pädagogische Arbeit und das Unterrichten werden als hochgradig sinnstiftend und erfüllend beschrieben. Der hohe Grad an Selbständigkeit und der große Gestaltungsspielraum der Tätigkeit sowie die Rahmenbedingungen einer staatlichen Beschäftigung mit tariflichem Entgelt und einer hohen Beschäftigungssicherheit bieten eine gute Basis für eine hohe Arbeitszufriedenheit. Jedoch muss das Belastungsniveau insgesamt reduziertwerden. Dies verlangt von den Ländern, dass sie erhebliche, zusätzliche Personalmittel ins System gebenmüssen, um Lehrkräfte in Belastungssituationen gezielt entlasten zu können. Nur wenn mehr Luft im System ist, können die eigentlich verfügbaren Gestaltungsspielräume wieder genutzt werden, um die vielfältigen schulspezifischen Anforderungen, situative Herausforderungen oder neue Aufgaben anzugehen. Die Stärkung der Ressourcen durch ein wertschätzendes Führungsklima, offene Kommunikation und mehr Kooperation unter den Lehrkräften sowie ein lernförderliches Schulklima sind eine begleitende Handlungsebene. Und nicht zu vergessen, es bedarf der weiteren Professionalisierung über Fortbildungen und der gezielten Unterstützung einzelner Lehrkräfte, die Hilfe benötigen.

An Stelle hektischer, isolierter Maßnahmen zur Lehrkräfteversorgung ist also eine strategisch orientierte, ganzheitliche Arbeitspolitik erforderlich. Sie richtet unterschiedliche Maßnahmen auf ein Ziel aus: Gute, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte in einem wertschätzenden Schulklima zum Nutzen einer hohen Bildungsqualität zu schaffen. Dieses Ziel muss Aktivitäten auf den verschiedenen Ebenen von der Schule bis zur staatlichen Bildungspolitik miteinander verbinden.

Literatur

Dohmen, D./Thomsen, M. (2018): Prognose der Schülerzahl und des Lehrkräftebedarfs an allgemeinbildenden Schulen in Hessen bis 2030. Endbericht einer Studie für die Fraktion Die Linke im Hessischen Landtag. Berlin
Klemm, K./Zorn, D. (2018): Lehrkräfte dringend gesucht. Bedarf und Angebot für die Primarstufe. GüterslohMußmann, F./Hardwig, Th./Riethmüller, M. (2017): Niedersächsische Arbeitsbelastungsstudie 2016: Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Göttingen
Mußmann, F./Riethmüller, M./Hardwig, Th. (2016): Niedersächsische Arbeitszeitstudie Lehrkräfte an öffentlichen Schulen 2015/2016. GöttingenTucker, P./Folkard, S. (2012): Working time, health and safety. A research synthesis paper. Geneva
vbw – Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft e.V. (2014): Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonals. Empfehlungen zur Kompetenz- und Organisationsentwicklung. Münster
Wirtz, A. (2010): Gesundheitliche und soziale Auswirkungen langer Arbeitszeiten. Dortmund

Dr. Thomas Hardwig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften; Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen; Digitalisierung der Arbeit.
Adresse: Georg-August-Universität Göttingen – Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften, Weender Landstraße 3, 37073 Göttingen
E-Mail: thardwi@uni-goettingen.de