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Serie


Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 08.11.2019

Der großen Wikingersaga von Michael Hirst („The Tudors”) gehen weder die Geschichten noch die Charaktere aus, trotz des erheblichen Verschleißes selbst wichtiger Figuren. Doch können die ruppigen Nordmänner auch in der fünften Staff el noch das Publikum begeistern, oder sehnt dieses eher den Ragnarök der Absetzung herbei?


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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 9/2019

Warum die Serie seit der vierten Staff el eine Zweiteilung unternimmt, statt nur zehn eben zwanzig Episoden pro Staff el bietet, diese aber nach der jeweils zehnten Episode so lange pausiert, dass die zweiten zehn Episoden locker eine neue Staff el bilden könnten, hängt wohl ...

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... hauptsächlich mit der Vermarktungsstrategie des kanadischen History-Channels zusammen. Unabhängig von der Zahl, die das Cover der Serien- Blu-ray schmückt, unterhält die Premium-Serie des Geschichtssenders bereits seit über sechs Jahren bestens, erhebt dabei sogar den Anspruch, den geschichtlichen Fakten zu folgen, was die Geschichte um den Nordmann Ragnar und dessen Nachkommen allerdings wie so viele reißerische History-Formate nur sporadisch tut. Sporadisch in dem Sinne, dass Schilderungen von mehr oder weniger belegten historischen Persönlichkeiten des neunten Jahrhunderts als roter Faden genommen und dramaturgisch mit purer Fiktion und Teilen aus mittelalterlichen Heldenliedern aufgefüllt werden. Doch wer „Vikings” schaut, tut dies selten, um sich geschichtlich fortzubilden. Stattdessen lässt man sich gerne ein auf die prachtvollen Kostüme, die authentischen Kulissen, auf diese romantisierte, frühmittelalterliche Wikinger-Welt, die so viel Drama, Spannung, Erotik, Mystik und Schlachten-Poetik bietet, dass die eigenen Abenteuer-Fantasien großartig bedient werden. Seit Ragnars Tod haben sich seine sprunghaft erwachsen gewordenen Söhne in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Insbesondere der gehandicapte Ivar (Alex Høgh Andersen) hat sich zu einem gefürchteten Feldherrn entwickelt, der mit der Schlacht um York seine Machtposition festigte und keine Skrupel besitzt, in Kattegat gegen seine eigene Familie in den Kampf zu ziehen. Im Finale der Staff el 5.1 gab es eine große Schlacht zwischen dem sadistischen Ivar (samt brüderlicher Hilfe von Hvitserk) und seinen drei Angehörigen Lagertha (Katheryn Winnick), Björn (Alexander Ludwig) und Ubbe (Jordan Patrick Smith), die heftige Konsequenzen für die Serien-Protagonisten nach sich zog.

Krone aus Knochen

Wie das Cover der Blu-ray von Staff el 5.2 vorweg nimmt, wird nun Ivar zum neuen König von Kattegat gekrönt. Anstatt sich mit dieser Machtstellung zufrieden zu geben, hat der „Knochenlose” allerdings noch ein weiteres Karriere-Ziel vor Augen: Er möchte gerne ein Gott werden – selbst wenn es bedeuten würde, die ganze Welt in Brand zu stecken bzw. barbarische Opfer-Rituale herbeizuführen. Lagertha und Co. sind derweil gezwungen, unterzutauchen und suchen nach neuen Bündnissen, die ihr Überleben sichern. Ihr Weg führt sie nach England an König Alfreds (Ferdia Walsh-Peelo) Hof, wo sie allerdings auch schon auf die nächsten Dramen treff en. Schließlich wartet auf den noch sehr jungen britischen König „Das Jahr der Schlachten”, in dem Wessex einer der Hauptschauplätze kriegerischer Aktivitäten sein wird. Freunde gewaltiger Leinwand- Feldzüge kommen also auch in den neuen zehn Episoden zur Genüge auf ihre Kosten. Es gibt so einige frische Liebschaften zu sehen, die damit drohen, neue Kinder in diese feindselige, raue Welt zu werfen. Politisch motivierte Eheschließungen werden ebenfalls erwägt. Es gibt ein Weidersehen mit alten Bekannten, aber auch neue Gesichter. Und im Grunde genommen läuft alles darauf hinaus, dass sich der größte Teil von Ragnars ehemaliger Familie mächtige Unterstützer suchen möchte, um überhaupt eine Chance gegen den völlig am Rad drehenden Ivar zu haben. Doch wie so oft läuft alles ganz anders als geplant und jeder zahlt auf die ein oder andere Weise einen gewissen Preis für seine Bestrebungen. Besonders Lagertha durchläuft einen Leidensweg, der sie für immer verändern wird. Auch Serien-Urgestein Floki (Gustaf Skarsgård) hat im entlegenen Island mit einigen Problemen zu kämpfen.

Schlachten, Sex und Intrigen

Die Produktionsqualität von „Vikings” war seit der ersten Staff el enorm hoch. Inzwischen hat sie ein ähnlich hohes Niveau erreicht wie „Game Of Thrones” und bietet im audiovisuellen Sinne quasi zehn rund 46-minütige Kinofi lme pro Staffel. Dass dies keine fl üchtige Mode ist, zeigen die ersten beeindruckenden Bilder zur angekündigten sechsten und vermutlich letzten Staff el, die im Dezember dieses Jahres ihren US-Start haben wird und die Kiewer Rus unter der Führung von Oleg (Danila Kozlovsky) in Skandinavien einfallen lässt. Doch vorher dürfen sich die Besitzer der Blu-ray zu Staff el 5.2 über rund acht Stunden hochwertiger Wikinger-Unterhaltung auf insgesamt drei Discs freuen. Diese bieten des Weiteren informatives Bonusmaterial zum „Krieg von Ragnars Söhnen” sowie zu König Alfred und Bischof Heahmund. Gelöschte Szenen erweitern die gesehenen Folgen und geben zusätzliche Einblicke in den rauen Wikinger-Alltag. Der Ton liegt in Dolby Digital 5.1 vor und sollte die Bildqualität den Vorgängerstaff eln entsprechen, lohnt sich die Blu-ray allein schon wegen der enormen Schauwerte defi nitiv gegenüber der niedrig aufgelösten DVD-Variante. Da uns die Blu-ray nicht rechtzeitig bis zum Redaktionsschluss erreichte, lesen Sie den technischen Test in der nächsten Ausgabe.

Superstition

(1. Staffel)

„Superstition” bedient sich vor allem bei okkulten Mythen und mystischen Horrorelementen


Calvins Zeit in Afghanistan spiegelt sich in seinen Träumen wider, was die Dämonen gegen ihn nutzen


Der sogenannte „Aberglaube” oder auch „Überglaube” bezeichnet all jenes, was eine Gesellschaft als falschen Glauben ansieht, verschiedene Individuen aber dennoch praktizieren. Wer denkt, Zusammenhänge zwischen dem Schicksal und der Laufrichtung schwarzer Katzen, diverser Zahlensymbolik, unterwanderter Leitern usw. zu erkennen, wird häufi g als leicht beeinfl ussbar abgestempelt. In der Welt der Hastings- Familie hingegen steckt hinter alledem eine ziemlich reale Ursache. Dort versuchen nämlich dämonische Mächte das Städtchen La Rochelle heimzusuchen, insbesondere nachdem der Körperwanderer „Dredge” auf der Tanzfl äche erscheint. Dem stellt sich Isaac (Mario Van Peebles) entschlossen entgegen, nachdem sein Sohn Calvin (Brad James) wieder aus Afghanistan heimgekehrt ist. Gezeichnet von diversen Kriegs-Traumata scheint dieser zwar ein leichtes Spiel für die Täuschungsmanöver der Dämonen zu sein, doch ein Hastings lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Schon gar nicht, wenn er auf extreme Situationen wie diese trainiert ist. Als Allzweckwaff e dient Calvin der Familienschatz, der Ring des Solomon, mit dem er die Dämonen bannen kann, der aber auch ein düsteres Geheimnis in sich birgt. Ebenso hilft die eigene, übernatürliche Fähigkeit, Zukunftsvisionen empfangen zu können, bei der lebensgefährlichen Aufgabe. Calvins alter Herr besitzt wiederum ganz andere mysteriöse Kräfte und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken, das dem Hasting-Stammbaum so einige neue Verästelungen einbrachte.

Freitag der Dreizehnte

Ähnlich wie bei der Konkurrenz-Serie „Supernatural” basiert hier der Spaß für den Zuschauer auf dem Monster-der-Woche Prinzip, das den Abwechslungsreichtum fördert. Während beispielsweise in der einen Episode Onkel Bubba zu Besuch ist und eine „Alice im Wunderland”-ähnliche Reise durch eine dämonische Kuckucks-Uhr lostritt, bietet die nächste Episode wieder etwas völlig anderes. Besessene Puppen, außer Kontrolle geratene Dschinns, Zeitschleifen, dubiose Verträge und traumartige Anderswelten sind nur einige Motive, die Mario Van Peebles Serie zu bieten hat. Und auch wenn man der Produktion ihr geringes Budget ansieht, so wirken die off ensiv trashige Form und die liebevoll gestalteten, analogen Blut- und Splatter-Eff ekte sympathisch. Wie so viele Serien des TV-Senders SYFY wurde leider auch diese bereits nach der ersten Staffel abgesetzt, weshalb der tragische Cliff hanger am Staff el-Ende umso schwerer wiegt. Der Trash-Look der Serie schmälert logischerweise die Technik-Wertung. Aufgrund der düsteren Atmosphäre gibt es viele dunkle Szenen, deren Schwarzwert so hoch ist, dass man das Bild einfach als milchig bezeichnen muss. Während Tagesszenen also einen ordentlichen Kontrast mit tiefem Schwarz vorweisen, erscheinen nächtliche Konversationen und Auseinandersetzungen eher neblig. Auch ein Sepia-Stich sowie leichte Überrötungen sind szenenabhängig feststellbar, sodass das Haupt-Manko an einer uneinheitlichen Postproduktion (inkl. Color-Grading) festzumachen ist. Angesichts der verhältnismäßig vielen Episoden, in denen traumartige Sequenzen eine wichtige Rolle spielen, fallen diese farblichen und kontrastiven Verfehlungen aber schon fast unter den Begriff der gewollten stilistischen Verfremdung. Beim Ton lässt die Doppel-Blu-ray einem die Wahl zwischen 2.0-Stereo-Sound (für alle, die keine Surroundanlage besitzen) sowie 5.1-Ton, der in kleinen, aber feinen Mengen auch mal 3D-Elemente wie das Ticken „unendlich” vieler Uhren in den Audio-Mix mit einbringt. Extras gibt es leider keine. Dafür ist die Verpackung mit einem O-Ring versehen, auf den nur jene verzichten sollten, die über das Wendecover der darunter befi ndlichen Amaray-Hülle unbedingt das FSK-16-Logo verschwinden lassen wollen
FALKO THEUNER

Titans

(1. Staffel)

Minka Kelly spielt Dawn Granger alias Dove – Als Vigilantin vertraut sie auf ihre Kampfkunst


Vigilanten im DC-Universum haben’s wahrlich nicht leicht. Zunächst einmal benötigen sie ein handfestes Trauma, das sie meist ihrer Eltern beraubt und dann wälzen sie sich so lange in ihrem emotionalen Dilemma, bis auch der Zuschauer glaubt, ihr Handeln sei gerechtfertigt. Da wäre beispielsweise Dick Grace (Brenton Thwaites), ein ehemaliger Trapez-Künstler, dessen Eltern bei einer Zirkusnummer in den Tod stürzten. Zu seinem Unglück nahm sich ein Milliardär seiner an, der ebenfalls auf tragische Art Vollwaise wurde und deshalb nun im Fledermaus-Kostüm Leute verprügelt, die er für Verbrecher hält. Als Robin diente Dick seinem großen Vorbild und Vater- Ersatz bis er in seine Widerstandsphase kam, plötzlich sein Sidekick-Dasein hinterfragte und Gotham den Rücken kehrte. Nun turnt er alleine durch Detroit und kompensiert seinen ödipalen Komplex gegenüber Batman damit, dass er unter anderem Junkies und Kinderschänder aufschlitzt, Brustkörbe zertritt, Beine bricht, Augen aussticht und alles tötet, was ihn für einen Sidekick hält. Tagsüber verdient er seine Brötchen als Polizei-Ermittler. Rachel (Teagan Croft) erfährt auf brutale Art, dass ihre vermeintliche Mutter nicht ihre leibliche Lebensspenderin ist. Ein Fanatiker erschießt die arme Frau, sodass die Teenagerin jemanden sucht, der ihr tragisches Schicksal der Elternlosigkeit teilt: Dick Grace. Schon zuvor hatte sie Visionen seines Traumas, weshalb sie den Polizisten wiedererkennt, der ihr im Verhörraum gegenübersitzt. Denn Rachel birgt einen fi nsteren Dämonen in sich, denr auszubrechen droht.

Gewalt als Ventil

Mit diesen ersten beiden Titans beginnt die düstere, gotische Superhelden-Horror-Serie, die den Gewaltgrad und die trashigen Kostüme eines „Watchmen” mit einer Teenie-Story a la „Kick Ass” verbindet. In einer Welt, in der es mehr Nächte als Tage, mehr Regen als Sonne und wesentlich mehr stereotype Bösewichte als friedliche Alltags- Menschen gibt, metzeln sich die psychisch und emotional aufgebrachten Junghelden durch verbrecherisches Frischfl eisch. Und da es meist die Sidekicks sind, die sich vernachlässigt fühlen, gesellen sich alsbald viele weitere Superhelden- Helferlein zur Gruppe wie etwa Wonder-Girl, der neue Robin (jünger, klüger, fi tter) Aqualad oder auch Superboy (beide ab Staff el 2). Zum festen Titanen-Kern gehören ab Staff el eins noch Beast Boy (Ryan Potter) und Starfi re (Anna Diop). Der eine hängt zunächst noch der „Doom Patrol”, einem anderen Superheldenteam, an. Die andere muss nach einem derben Gedächtnisverlust erst einmal in Wien nach ihrem Selbst bzw. ihrer Identität fahnden.

Ich bin Batman!

Die Titans-Serie mag seltsam anmuten, da sie inhaltlich vorrangig Teenager anspricht, der unnötig hohe Gewaltgehalt aber (unabhängig von der FSK-16-Bewertung) erst für ein Ü18-Publikum geeignet scheint. Würde die Brutalität jedoch wegfallen, würde sich die Serie kaum von anderen DC-Superhelden-Serien unterscheiden. Anders als die bekannten The-CW-Produktionen „Arrow”, „Flash”, „Supergirl”, „Legends Of Tomorrow”, „Black Lightning” und „Batwoman” legt diese Greg-Berlanti-&- Geoff -Johns-Produktion noch eine Schippe Düsternis obendrauf. Momentan sieht es so aus, als würde „Titans” auch außerhalb des „Arrowverse” spielen, da die erste Staff el bislang nur ein Crossover mit der in diesem Jahr (bei uns auf Amazon Prime Video) gestarteten Serie „Doom Patrol” einging. Daher scheint es, als würde man einen neuen Komplex für den Streamingservice DC Universe aufbauen wollen. Vermutlich passt DCs Version der „Munsters” auch nur in ein solch auf Gothic und Düsternis getrimmtes Umfeld, wie es die erste „Titans”-Staff el aufbaut. Dank der vielen Gastauftritte weiterer Helden erwarten den Zuschauer insgesamt elf abwechslungsreiche Episoden, deren roter Faden zwar die Geschichte der jungen Raven und ihrer leiblichen Horror-Familie ist, die aber auch die Nebenhandlungen nicht vernachlässigt, sowie einen düsteren Humor verfolgt, der selbst Batman (GOT-Star Iain Glen) ein winzig kleines Lächeln abringen würde. Was der Serie noch fehlt (und wir uns für die derzeit laufende zweite Staff el erhoff en), sind zumindest ein oder zwei echte Sympathieträger ohne Psychose oder Medikament-Abhängigkeit sowie markante Hauptcharaktere, die eben nicht wie Supermodels aussehen. So wie es jetzt ist, kann es schon mal passieren, dass man den alten Robin mit dem neuen verwechselt …

Emerald City

(1. Staffel)

Dorothy (Adria Arjona) muss in dieser dunklen Welt von Oz selbst zur Kriegerin werden, um sich behaupten zu können


Vincent D’Onofrio mimt getreu dem Serienkonzept eine düstere Version des Zauberer von Oz


Irgendwo über dem Regenbogen ist nicht nur – wie es das bekannte Lied aus dem 1939er Judy Garland-Klassiker „Der Zauberer von Oz” erzählt – der Himmel blau. Ganz off ensichtlich gibt es dort auch Kabelfernsehen, über das begeistert „Game Of Thrones” geschaut wird. Denn „Emerald City” ist eine erwachsene, düstere Neuinterpretation von „The Wonderful Wizard Of Oz”, dem beliebten Kinderbuch von L. Frank Baum, das vielen Ostdeutschen auch in der russischen Adaption von Alexander Wolkow unter dem Namen „Der Zauberer der Smaragdenstadt” bekannt ist. In der Geschichte wird die junge Dorothy mit ihrem Hund Toto von einem Hurrikan aus Kansas ins magische Wunderland von Oz transportiert. Das passiert auch in dieser Serie, allerdings wird hier die 19-jährige Dorothy (Adria Arjona) nach ihrem Aufschlag in Oz statt von liebenswerten Munchkins von aggressiven Kriegern, die wie eine Mischung aus Wikinger und Indianer aussehen, empfangen und entkommt dem Tod nur um Haaresbreite. Die Reise zum Zauberer von Oz (mit Gusto gespielt von Vincent D’Onofrio), der Dorothy wieder zurück nach Kansas bringen soll, ist dann auch weniger von liebenswerten Bekanntschaften und heiteren Liedern geprägt, vielmehr von ständiger Gefahr und bedrückenden Entdeckungen. Oz ist kein Technicolor-Wunderland, sondern ein zerrissenes Fantasy-Reich, in dem Massaker an der Tagesordnung stehen und die Garde des Zauberers alle anderen Magiekundigen brutal unterdrückt. Der Zauberer ist selbst ein Tyrann, der auch den mächtigen Kardinalshexen, von denen Dorothy eine bei ihrer Ankunft in Oz versehentlich tötet, ihr magisches Handwerk nur soweit gestattet, wie es ihm nutzt.

Oppulente Bildgewalt

Es gibt viele Gründe, „Emerald City” zu mögen. In der Serie wimmelt es von Anspielungen auf die Vorlagen, großen und kleinen Geheimnissen und faszinierend angelegten Figuren. Der gelbe Backsteinweg fi ndet sich wieder, auch vertraute Figuren wie die Vogelscheuche oder der Blechmann verfügen über ein Pendant, das sich häufi g erst beim zweiten oder dritten Blick off enbart. Überhaupt ist vieles nicht so, wie es zunächst scheint. Ob hinter all den doppelten Böden, Überraschungen und Finten auch ein valides Konzept steht, ist nicht so einfach zu sagen. Denn leider wurde die Serie nach der ersten Staff el eingestellt, sodass viele der Geheimnisse ungelöst bleiben und die Geschichte just dort endet, wo sie Fahrt aufzunehmen versprach.
Was nicht wegzudiskutieren ist, sind die Schauwerte, über die „Emerald City” verfügt. Regisseur Tarsem Singh, der sich für visuell oppulente Filme wie „The Cell”, „Spieglein, Spieglein” und den betörenden „The Fall” einen Namen gemacht hat, hüllt die Serie in ein üppiges, stilistisch höchst kohärentes Gewand. Zur Verfügung stand ihm dabei nicht nur eine ästhetische Vision und handwerkliches Talent, sondern off enbar auch ein beachtliches Budget. „Emerald City” protzt mit abwechslungsreichen Handlungsorten, aufwändigen Bauten, kreativer Architektur, dazu prunkvollen Kostümen, prächtiger Ausstattung und hochwertiger Eff ektarbeit, um das Bild abzurunden. Vor Konkurrenztiteln wie „Game Of Thrones” muss sich die Serie nicht verstecken, zumindest nicht in Sachen Präsentation. Und zu unterhaltsamen zehn Episoden reicht auch die erste Staff el allemal, wenn auch mit unbefriedigendem Abschluss.
Erfreulicherweise erfahren die Zuschauer einiges zur Vision und zu den Leuten hinter „Emerald City”, wenn sie sich die im Bonusmaterial der Bluray befi ndliche episodenlange Making-Of-Doku zu Gemüte führen. Obwohl werbelastig, fi nden sich hier doch einige sehr interessante Informationen. O-Ton-Fans sollten übrigens aufpassen. Zwar liegt eine englische Tonspur vor, jedoch keine Untertitel.
MARTIN GLEITSMANN

Batman & Bill

Die animierten Comicszenen sind ganz klar der stilistische Höhepunkt der Dokumentation


Marc T. Nobleman enthüllt das Mysterium um den geheimen Schöpfer Batmans Stück für Stück


Vor 80 Jahren tauchte Batman zum ersten Mal in einer Ausgabe von „Detective Comics” auf und schloss sein erstes Panel mit den geheimnisvollen Worten „…his idenity remains unkown” (Seine Identität bleibt verborgen). Perfekt setzten diese Worte den Ton für die Geschichte der kommenden Jahrzehnte. Erst heute lässt sich erahnen, dass hinter den Worten vielleicht mehr Bedeutung steckte. Denn das Schaff en von Batmans wahrem Erfi nder sollte für immer im Verborgenen bleiben. Dann begab sich ein Detektiv auf die Suche nach ihm. Als Bob Kane erfuhr, dass Superman seinen Erfi ndern ganze 800 Dollar pro Woche einbrachte, war er fest entschlossen, einen ähnlich erfolgreichen Superhelden ins Leben zu rufen. Er verdiente sich eine goldene Nase mit seiner Erfi ndung, trat manchmal selbst als der maskierte Held auf und genoss jeden Vergleich mit Milliardär Bruce Wayne. Doch wie sich herausstellen sollte, hatte Kane weit mehr mit seinen Schurken gemeinsam. Denn die vorliegende Doku behauptet, er hätte Batman seinem wahren Schöpfer genommen.

Wer hatte da die Finger im Spiel?

Erstmals vermutete Superfan Jerry Bails, dass Kane unmöglich jede Woche eine neue Geschichte schreiben konnte. Seinen Artikel „A Finger In Every Plot”, bezogen auf Kanes damaligen Partner Bill Finger, schickte er per Post an jeden Fan im Land. So sah Blogging damals aus. Jahrzehnte später nahm Autor Marc Tyler Nobleman während seiner Buchrecherchen die Verfolgung wieder auf. Er wurde besessen von Bill Finger. Nobleman hält nicht nur regelmäßig Vorträge über das Thema, sondern besucht auch Conventions und leistet vor Ort Aufklärungsarbeit, wann immer er einen Fan im berühmten Kostüm sieht. Dazu hat er auch guten Grund. Bill Finger war nicht nur ein Partner Bob Kanes. Er war die treibende Kraft hinter jeder einzelnen Erfi ndung, jedem Charakter, jeder Geschichte. Er gab Gothams Rächer, den Kane eher wie Robin mit kleiner Maske, rotem Shirt und Flügeln gezeichnet hatte, erst sein ikonisches, düsteres Antlitz. So begann die Partnerschaft der beiden. Kane aber nutzte die erste Gelegenheit, einen Vertrag mit dem Verlag aufzusetzen. Er sei der alleinige Erfi nder Batmans und solle auch immer so genannt werden. Dabei beweisen heute nicht nur Zeitzeugen, sondern auch Bills sogenanntes „Gimmickbuch”, dass jede große Erfi ndung seinem Verstand entsprang.

Der wichtigste Batman Film?

Der erste Akt von „Batman & Bill” beschäftigt sich mit der Geschichte und den Funden rund um Bobs und Bills Zusammenarbeit, die durch das Erscheinen der berühmten TV-Serie weitere Wendungen nahm. Auch nur ein Foto von Finger zu fi nden, stellt sich als große Schwierigkeit heraus. Wieder in der Gegenwart schreitet Marc zur Tat. Er hat es sich zur Mission gemacht, einen noch lebenden Erben Bill Fingers zu fi nden, um den alten Vertrag anzufechten. Ein Vertrag, dessen Existenz nicht einmal einwandfrei bewiesen ist. Während seiner Arbeit vergleicht auch Marc sich immer wieder mit dem zweitbekanntesten Detektiv der Welt. „Batman & Bill” weiß seine Wendungen spannend zu präsentieren. Bei einer „Verschwörung” dieser Größe sind die Enthüllungen entsprechend aufregend und es kommt nie Langeweile auf. Bei den Aufnahmen wird zwischen dem Filmmaterial der Dokumentarfi lmer und Archivmaterial gewechselt sowie älteren Kameraaufnahmen des Autors. Das prägendste Merkmal sind die aufwendig gezeichneten, teils animierten Comicsequenzen, die Teile der Geschichten und Interviews zum Leben erwecken. Liebevoll umgesetzt liefert die Doku einen Beitrag zur Richtigstellung eines großen Vermächtnisses und könnte sogar wichtiger sein als die letzten fünf DCU-Filme zusammen.
TONY MENZEL


Bilder: ©VectorShots - Fotolia.com, 20th Century Fox

Bilder: Warner Home Video

Bilder: KSM