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SERIE: Berlins erster Supercop


TV Digital Vodafone - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 24.01.2020

In der Serie „Babylon Berlin“ ist Ernst Gennat nur Nebenfigur. Dabei war der echte Gennat einst ein Star und revolutionierte die Kriminalistik


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Bildquelle: TV Digital Vodafone, Ausgabe 3/2020

DAS „MORDAUTO“
An Bord des Benz: die komplette Ausrüstung der Spurensicherung


DAS HERZSTÜCK
Gennat (M.) erfasste alle Morde systematisch in einer Kartei


Jeder Krimizuschauer kennt die oberste Regel an einem Tatort: Bloß nichts anfassen, als Erstes müssen die Spuren gesichert werden! Anfang des 20. Jahrhunderts aber war diese Maxime der Polizeiarbeit noch weitgehend unbekannt. Es gab sogar Polizisten, die erst einmal den Tatort aufräumten, wenn er ihnen „zu ...

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... unordentlich“ erschien. Im Namen der Pietät wurden auch Leichen umplatziert. Ordnung muss sein – selbst am Schauplatz eines Verbrechens.

Ein Mann machte Schluss mit dieser Spurenvernichtung: Ernst Gennat. Der Berliner Kommissar (1880–1939) gilt als Pionier der modernen Polizeiarbeit. In der historischen Krimiserie „Babylon Berlin“ wurde er, gespielt von Udo Samel, zur Serienfigur; für Staffel drei wurde seine Rolle ausgebaut (s. Sendehinweis).

„Gennat hat in den 20ern die Arbeit der Polizei revolutioniert“, erklärt Dr. Regina Stürickow. Die Historikerin analysiert in ihrem Buch „Kommissar Gennat ermittelt“ (Elsengold, 208 Seiten, 24,95 Euro) dessen Fälle: „Für die Tatortarbeit stellte Gennat ein Schema von sieben Schritten auf. Im Grunde arbeitet die Kripo heute noch nach diesem Prinzip.“ Der Berliner war es auch, der 1926 die Gründung der ersten Mordkommission initiierte. Ihr Prunkstück: eine Ermittlungsdatei, die erstmals alle Tötungsdelikte systematisch erfasste.

Mit Verbrechern geriet Ernst Gennat bereits als Kind in Kontakt. Sein Vater war Oberinspektor des Strafgefängnisses Plötzensee in Berlin, seine Familie bewohnte eine Personalwohnung auf dem Gefängnisgelände. Nach der Schule studierte Ernst Gennat Jura, doch anders als sein Bruder brach er das Studium der Rechtswissenschaften ab. Stattdessen ging er zur Polizei. Später wird er einmal sagen: „Die Verbrecher, mit denen ich zu tun habe, bleiben sozusagen in der Familie. Ich fange sie ein, mein Bruder, der Staatsanwalt, verknackt sie, und schließlich heißt sie mein Vater in Plötzensee willkommen.“

Dank seines Spürsinns stieg Ernst Gennat bei der Polizei schnell auf. Eine seiner Innovationen war das „Mordauto“. Er ließ eine Limousine umbauen, um stets die Ausrüstung für die Arbeit am Tatort an Bord zu haben, darunter Schreibmaschine, Fotomaterial, Scheinwerfer, Spaten, Pipetten und Gummischürzen. Gennats Platz im Auto musste mit einer Spezialverstrebung verstärkt werden. Um die 130 Kilo brachte der joviale Ermittler mit einer besonderen Vorliebe für Stachelbeerkuchen auf die Waage. So kam er zu Spitznamen wie „der Buddha vom Alexanderplatz“.

Auch wenn es kurios klingt: Selbst Berlins Unterwelt respektierte den Beamten. Gennat sah im Täter immer auch das Opfer. „Vernehmungen pflegte er im freundlichen Plauderton zu führen“, weiß Dr. Renate Stürickow. „Dabei passte er seine Ausdrucksweise seiner jeweiligen ‚Kundschaft‘ an: vom gepflegten Hochdeutsch über schnoddriges Berlinerisch bis hin zum ruppigen Gaunerjargon. Sein Gegenüber vergaß so schon einmal, dass er verhört wurde, und erzählte Dinge, die er gar nicht hatte preisgeben wollen.“

POLIZEI-PIONIER
Ernst Gennat (1880-1939), Chef der Berliner Mordkommission


Besuch von Edgar Wallace

Seine Art und seine Arbeit machten Gennat stadtbekannt. „Heute würde man sagen, er war ein Star“, so Stürickow weiter. „Die Presse berichtete ausführlich über Kriminalfälle und nannte die Ermittler damals noch namentlich. Gennat wurde oft erwähnt.“ Auch in zahlreichen Memoiren der Zeit stößt man auf seinen Namen, um den Kommissar entstand fast eine Art Personenkult. Der Regisseur Fritz Lang („Metropolis“) erwies ihm in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) Reverenz: Für die Figur des Kommissars Lohmann, gespielt von Otto Wernicke, stand Gennat Pate. Angesichts der Erfolge seiner Arbeit wurde auch das Ausland hellhörig. „Selbst von Scotland Yard und aus den USA kamen Kriminalexperten, um von Gennat zu lernen“, sagt Dr. Stürickow. Und Krimiautor Edgar Wallace besuchte ihn gleich mehrmals, um Ideen für Romane zu sammeln.

Nach seinem Tod 1939 geriet der Ermittler in Vergessenheit – trotz seiner immensen Erfolge. Knapp 300 Mordfälle konnte er lösen, was einer Aufklärungsquote von 95 Prozent entspricht – nicht nur für seine Zeit sagenhaft. Doch es waren die restlichen fünf Prozent, die den Kommissar dazu trieben, sich noch mehr in die Arbeit zu verbeißen. Vielleicht war Ernst Gennat nicht jedem Verbrecher einen Schritt voraus. Seiner Zeit voraus aber war er in jedem Fall.

SERIE „BABYLON BERLIN“
Ernst Gennat (Udo Samel, r) und sein Kollege Rath (Volker Bruch)



„Selbst von Scotland Yard kamen Experten, um von Gennat zu lernen.“
Dr. Regina Stürickow, Historikerin


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Babylon Berlin – Staffel 3

KRIMIDRAMA

Berlin 1929: ein neuer Fall für Kommissar Rath

FR 7.2. 20.15 SKY 1

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FOTOS: DPA PICTURE-ALLIANCE (2), ULLSTEIN BILD, BATIER/ARD/SKY