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SERIE: CLOWN in der Krise


TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 24/2018 vom 16.11.2018

Jim Carrey meldet sich mit der skurrilen Serie„Kidding“ zurück und erzählt, wie es ihm selbst heute nach privaten Rückschlägen geht


MO 3.12.

Kidding SKY ATLANTIC 20.15 UHR

DRAMA Zehn tragikomische Folgen, eine zweite Staffel ist bereits bestellt ►On Demand

Artikelbild für den Artikel "SERIE: CLOWN in der Krise" aus der Ausgabe 24/2018 von TV Digital XXL-Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Jim Carrey verkörpert Jeff Piccirillo, den unglücklichen Star des US-Kinderfernsehens


FOTOS: PARISE/SHOWTIME

Er ist zu gut für diese Welt! Erst bezeichnet ihn sein pubertärer Sohn Will als Pussy, dann fordert er, sein Vater soll seinen Kleidungsstil ändern: Er sehe aus wie dieser Busfahrer, der die farbige Bürgerrechtlerin Rosa Parks von ihrem Platz ...

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Er ist zu gut für diese Welt! Erst bezeichnet ihn sein pubertärer Sohn Will als Pussy, dann fordert er, sein Vater soll seinen Kleidungsstil ändern: Er sehe aus wie dieser Busfahrer, der die farbige Bürgerrechtlerin Rosa Parks von ihrem Platz verscheuchen wollte. „Das war eine ausgezeichnete historische Referenz“, lobt Jeff Piccirillo den 14-Jährigen. Er kann nicht anders: Auch privat verhält er sich längst wie die Figur, die er seit 30 Jahren im TV spielt. Als sanftmütiger Mr. Pickles ist Jeff zur Ikone des US-Kinderfernsehens geworden, wo er und seine kunterbunten Puppen pädagogisch wertvolle Lebensweisheiten vermitteln. Dabei leidet er nach wie vor unter dem Tod von Wills Zwillingsbruder, der bei einem Autounfall starb.
Für sein Comeback ins TV hat sich Jim Carrey (56), der Jeff Piccirillo verkörpert, erneut mit dem Regisseur Michel Gondry zusammengetan. 14 Jahre nach ihrem Indie-Erfolg „Vergiss mein nicht“ produziert Gondry „Kidding“ und hat auch die ersten beiden Folgen inszeniert.

Wenn Jeff mit seiner Puppe Uku-Larry an neuem Material feilt, ist die Welt für ihn in Ordnung


Schwester Deirdre (Catherine Keener) und Vater Seb (Frank Langella) sind Teil des „Mr. Pickles“-Imperiums


Sohn Will (Cole Allen) ist genervt von einem Vater, der seine Rolle nie abzulegen scheint


Jeffs Kunstfigur Mr. Pickles ist klar angelehnt an Fred Rogers, einen Pfarrer, der von 1968 bis 2001 im US-TV für eine bessere Welt arbeitete. Mit einer Seelenruhe vermittelte er Kindern in „Mister Rogers’ Neighborhood“ die Botschaft, dass jeder Mensch besonders sei. 1969 musste Rogers vor dem Senat in Washington aussagen, um die Finanzierung des nicht kommerziellen TV-Senders PBS zu sichern, auf dem seine Sendung lief. Präsident Richard Nixon hatte vorgeschlagen, dessen Mittel zu halbieren – der Vietnamkrieg forderte seinen Tribut. Rogers konnte den zuständigen Unterausschuss vom Nutzen des Senders überzeugen. Die Macher von „Kidding“ spiegeln dieses Ereignis: In einer Rückblende lassen sie den Kinderfreund Jeff in Washington zur Rettung seines Senders antreten – ein klarer Seitenhieb auf Donald Trump, der Kinder von Migranten an der mexikanischen Grenze festhalten ließ und bereits zwei Anläufe unternahm, das Budget für PBS komplett zu streichen. Parallel zu Jeffs Senatstermin ereignet sich in der Serie der Unfall, bei dem Sohn Phil stirbt. Die Haupthandlung von „Kidding“ setzt jedoch erst ein Jahr später ein: Während Jeff in seiner Show eine Leuchtturmfunktion für die Kids übernimmt, hat er keine Ahnung, wie er seine Trauer in den Griff bekommen soll. Ehefrau Jill (Judy Greer) hat ihn verlassen, und als er vorschlägt, das Thema Tod vor der Kamera zu behandeln, befürchtet Vater Seb (Frank Langella) das Schlimmste – als Produzent der Sendung sieht er die Merchandising-Einnahmen einbrechen.
Wie seine Serienfigur Jeff Piccirillo hat auch Jim Carrey einige harte Jahre hinter sich. „Ich musste durch sehr tiefe Ozeane schwimmen, und ich bin mit der Weisheit aufgetaucht, dass das, was dich nicht umbringt, bitter macht“, sagt er zu TV DIGITAL, lacht und korrigiert sich ganz schnell: „Nein, bitter bin ich zum Glück nicht geworden. Ich habe mich von diesen harten Erfahrungen in meinem Leben nicht unterkriegen lassen und bin einfach weitergeschwommen. Auch wenn die Felsen im Meer des Lebens mir ein paar blaue Flecken verpasst haben.“ Der Star aus Comedyhits wie „Bruce Allmächtig“ litt in der Vergangenheit unter Depressionen. 2015 nahm sich seine Ex-Freundin Cathriona White das Leben, deren Familie belastete ihn anschließend schwer. Er sei zu einem tiefsinnigeren Menschen geworden, der nicht mehr im Kinderbecken plansche, so Jim Carrey. „Ich kann jetzt den Schmerz anderer verstehen.“ Jahrelang war es still um Carrey geworden, bis er 2017 die TVSerie „I’m Dying Up Here“ als Produzent verwirklichte. Nun kehrt er mit „Kidding“ auch vor die Kamera zurück. Dennoch fühlt er sich nicht mehr als Teil des Hollywoodrummels: „Ich habe festgestellt, dass ich das Showgeschäft bereits verlassen habe“, sagt er. „Ich mache mir nichts mehr aus Ruhm.“

Seine neue Serie ist bis in die Nebenrollen toll besetzt und geprägt von einer sehr ungewöhnlichen Mischung aus Melancholie und skurrilem Humor – so haben etwa die beiden Puppenspieler, die in der Kindersendung ein blaues Pferd spielen, im Kostüm Sex miteinander. Wenig verwunderlich auch, dass „Kidding“ gerade jetzt startet: In Zeiten, in denen sich in den USA die gesellschaftlichen Fronten verhärten, tut die Sanftmut eines Mr. Pickles verdammt gut!


»Ich mache mir nichts mehr aus dem Showbiz und dem Ruhm.«
JIM CARREY