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Serie »Corona und die Folgen«, Folge 1: Krisen als Lernfälle nutzen … nicht nur für die Zeit nach der Coronapandemie


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 05.10.2020

Wie sollen Lehrkräfte und Schulen mit Erlebnissen und Erfahrungen aus der Zeit der Coronapandemie umgehen, wenn wieder »normaler« Unterricht läuft? Sollen sie das Thema überhaupt noch ansprechen oder schnell wieder in alte Strukturen zurückfinden? Eine Strategie, Krisen auch mittel- und langfristig zu verarbeiten, besteht in der Nutzung der Krisenerfahrungen als Ausgangspunkte für Lernfälle.


Welche Folgen die Coronapandemie mittel- und langfristig für junge Menschen, Lehrkräfte, Eltern, Klassen oder Schulen haben wird, das wird zuerst auf ihren unmittelbaren Erfahrungen in der Krise selbst beruhen. Aber ...

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... darüber hinaus hängen die Folgen auch noch erheblich davon ab, wie die Krise mit zeitlichem Abstand verarbeitet wird. Denn auch das, was der Krise geschieht und wie man mit ihr umgeht, entscheidet über ihre Wirkung - ob sie z. B. als Wendepunkt, Grunderfahrung, Episode, Verunsicherung, Zusammenbruch oder als Start für einen neuen Aufbruch erfahren wird.


Nach der Krise lassen sich in Schulen die klassischen Muster der Reorganisation und der Verarbeitung beobachten.


Krisen wie die Corona-Epidemie konfrontieren Menschen und Gesellschaft mit Unvorhergesehenem, mit Problemen unbekannten Ausmaßes. Es ist nichts mehr selbstverständlich, es ist ungewiss, was eine Gesellschaft zu leisten imstande ist, und vor allem: Die Sicherheit dessen, was man von anderen und der Gesellschaft erwarten kann, ist nicht mehr länger gegeben. Nach solchen Krisen (zumindest nach deren erstem deutlichen Einschnitt) bemühen sich deshalb Organisationen und Gesellschaft sofort, wieder Sicherheit zu schaffen und sich zu reorganisieren.

Muster der Krisenverarbeitung

In der ersten Zeit direkt nach dem Abklingen oder dem Ende von Krisen (z. B. Unglücken, tragischen Ereignissen) lassen sich in Schulen drei vorherrschende Muster der Reorganisation und der Verarbeitung beobachten:

1. Stabilität herstellen - zurück zur Tagesordnung
Lange verinnerlichte Routinen, Regeln und Inhalte sollen das Gegengewicht bilden zu der in der Krise erlebten Unsicherheit und Ungewissheit. Krisenerfahrungen sollen nur sehr begrenzt bei dafür vorgesehenen Anlässen thematisiert werden. Das Ziel ist dabei immer, schnell die alte Tagesordnung wiederherzustellen. Hintergrund für dieses Muster ist die Annahme, dass Menschen und Organisationen nach Krisen so schnell wie möglich ihre alte Handlungs- und Organisationsfähigkeit erreichen wollen, dass sie Stabilität benötigen.

2. Erlebtes verarbeiten - innehalten
Durch bewusstes Aussetzen von alten Routinen und die Schaffung von Räumen für Austausch, Reflexion und Aufarbeitung der Krise soll Gelegenheit gegeben werden, sich bewusst zu machen, was man in der Krise erlebt, geleistet, ausprobiert und gewagt hat. Das soll Menschen und Organisationen helfen, die Krise kognitiv zu verarbeiten, emotional zu bewältigen und die Gewissheit zu gewinnen, zukünftige Krisen oder Entscheidungssituationen besser bestehen zu können. Dies fördert das Gefühl von Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit (»So hätte man reagieren können … so kann man zukünftig agieren«).

3. Neues weiterführen - verändern
Ausschließlich positive Erfahrungen bei der Krisenbewältigung werden hervorgehoben und sogar gefeiert, z. B. Veränderungen in der Gruppendynamik von Klassen und Kollegium (»Wir sind näher aneinandergerückt «). Was vor der Krise noch unmöglich schien (wie z. B. Nutzung digitaler Medien), wurde im Krisenmodus gewagt. Bei denjenigen, die Veränderungen bewältigt und Neues gelernt haben, wächst durch die Bestärkung positiver Erfahrungen das Gefühl von Bedeutung, Erfolg und Einfluss. Diese Erfahrungen sollen jetzt unbedingt gerettet, weitergeführt und zur neuen Praxis werden. Diejenigen (besonders Schüler*innen ohne Möglichkeiten, zu Hause zu arbeiten), die diese Erfahrung nicht machen konnten, müssen sich allerdings sorgen, ob und wie sie an die Veränderungen anschließen können.

Unterschiedliche Verarbeitungsmuster im Kollegium

Nach welchem Muster eine Schule nach einer Krise agiert, hängt von vielen Faktoren ab: Je stärker eine Krise als physisch und psychisch belastend wahrgenommen wurde, umso eher wird ein Muster gewählt, das unmittelbare Entlastung verspricht (1). Je intensiver Beteiligte erfahren haben, dass die Krise auch neue Fähigkeiten und Konstellationen hervorgebracht hat, umso eher werden sie darauf bedacht sein, Veränderungen in den Alltag zu überführen (3). Und je weniger Erfahrungen mit Veränderungen bestehen, umso schwieriger ist es, in der Krise Gelerntes auch im folgenden Alltag zu verstetigen.

Grundlegend dafür, welches Muster Beteiligte präferieren, sind auch frühere Krisen- und Veränderungserfahrungen - auf der persönlichen wie auch auf der schulischen Ebene. Und je unterschiedlicher die Erfahrungen der Beteiligten sind, umso eher ist damit zu rechnen, dass innerhalb der Schule auch unterschiedliche Muster verwendet werden.

Wenn der Betroffenheitsgrad bei Beteiligten einer Krise unterschiedlich ist, werden auch die jeweiligen Verarbeitungsmuster unterschiedlich sein. So erleben Schüler*innen, dass einige Lehrkräfte nicht aufhören können, das Krisenerlebnis zu thematisieren, während andere nicht darauf angesprochen werden wollen, sondern die gewohnte Struktur ihres Unterrichts betonen und die Bearbeitung von Krisen delegieren (z. B. an Schulpsychologen, Sozialarbeit, Krisenteams). Eine solche Muster-Bandbreite bei der Verarbeitung von Krisen in einer Schule wird manchmal als Ausdruck von Authentizität und individueller Betroffenheit akzeptiert. Oft wird sie allerdings als mangelnde Kompetenz einer Schule empfunden, mit Krisen umzugehen. Damit die Unterschiedlichkeit der Verarbeitungsmuster eines Kollegiums für die Verarbeitung der Krise produktiv genutzt werden kann und nicht als Widersprüchlichkeit und Strukturlosigkeit empfunden wird, können drei Schritte helfen:

Erster Schritt: Verarbeitungsmuster offenlegen und überlegt anwenden

Weil Krisen individuell erfahren und verarbeitet werden und Lehrkräfte deshalb in Krisenfällen unterschiedlich (re-)agieren, kann man nicht erwarten, dass alle nach einem einheitlichen Muster vorgehen können. Wahrscheinlich würde ein verordnetes einheitliches Vorgehen - wäre es überhaupt möglich - auch als unecht empfunden. Das heißt jedoch nicht, Lehrkräfte sollten einfach individuell entscheiden können, wie sie in der Schule mit Krisen umgehen. Damit würde man Lehrkräfte, aber auch Schüler*innen und Eltern alleinlassen. Denn sie müssen sich sicher sein, dass das Personal einer Schule - bei aller individuell unterschiedlichen Betroffenheit und Kompetenz - sensibel und bewusst mit der Verarbeitung von Krisen umgeht und weiß, was es tut und warum es das tut. Wenn Lehrkräfte um ihre Krisenmuster wissen, können sie das (auch in der Klasse) kommunizieren und abstimmen, Hilfe und Entlastung suchen und ihr Handeln auch mit anderen teilen. So können sie ihr Agieren steuern und verhindern, in festgefahrenen Mustern zu verharren, erschöpft zu werden oder unreflektiert zu handeln. Und das trägt bei zur Überzeugung, dass sie die Herausforderungen bei der Verarbeitung von Krisen bewältigen und sie gemeinsam bewältigen können.

Zweiter Schritt: Wo stehen wir jetzt?

»Wann ist die Krise (endlich) vorüber? « - Diese Frage überschattet die Verarbeitung von Krisen - bei allen drei Mustern. Wer betont, wie wichtig die Rückkehr zur Tagesordnung ist, für den ist das Ende der Krise ein Signal, dass nicht mehr von den Krisenerfahrungen geredet werden muss. Wer darauf bestanden hat, erst einmal Freiräume für die Verarbeitung zu bekommen, für den bedeutet das Ende einer Krise eine Rückkehr in die Normalität. Und wer sich vor allem darum gekümmert hat, Veränderungen und Neuerungen weiterzuführen, für den wird sich nach einem vermeintlichen Ende der Krise zeigen, ob die Veränderungen Bestand haben.

Die Frage nach dem Ende der Krise ist menschlich verständlich - aber sie greift zu kurz: Sie blendet aus, dass die Coronapandemie langfristige psychische, soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Folgen haben wird (»Eine Krise ist erst vorbei, wenn sie für alle vorbei ist!«), und sie macht die Krise zu etwas Abgeschlossenem. Aber wer so auf das »Ende der Krise« schaut, der wird bei der nächsten Krise nicht gelernt haben, wie man als Einzelner in der Schule und in der Gesellschaft mit Krisen umgehen kann. Die viel wichtigere Frage als »Wann ist die Krise vorüber?« ist deshalb: »Wie stehen wir jetzt (heute) zu den Erlebnissen und Erfahrungen der Krise damals? Was ist für uns heute wichtig? An was erinnern wir uns (nicht)?« Hier geht es um eine Selbstbeobachtung und Reflexion mit zeitlichem Abstand (nach einem halben Jahr, einem Jahr, zwei Jahren), wie wir selbst die Krise verarbeitet und was wir für uns und die Gesellschaft daraus gelernt haben.


Lehrkräfte und Schule müssen sich bewusst sein, wie sie Krisen selbst und in Klassen verarbeiten.


Es gibt für solche Selbstbeobachtungen und Reflexionen interessan- te Verfahren für Klassen (auch schon zu Beginn der Sekundarstufe I) und Kollegien:

Die Perspektive für sich verändern - Earthgazing und Overview-Effekt
Dieses Verfahren geht zurück auf das »Earthgazing« von Astronauten (Selke 2020), die ein tägliches Ritual entwickelten, aus dem Fenster ihres Raumschiffs so lange wie möglich auf die Erde zu schauen. Diese Erfahrung sorgte für eine kognitive Verschiebung ihres Bewusstseins, für eine intensivere Wahrnehmung von Zusammenhängen und Ganzheitlichkeit und vor allem für ein deutlicheres Verständnis von (globaler) Verantwortung. Die Übernahme der Earthgazing-Perspektive kann neue Sichtweisen (auch auf sich selbst) schaffen, z. B. für Schüler*innen in der Sekundarstufe II:


Die Übernahme der Earthgazing- Perspektive kann neue Sichtweisen (auch auf sich selbst) schaffen.


• Stellen Sie sich bitte vor, Sie wären im März 2020 und in der letzten Woche jeweils einige Tage in einem Raumschiff um die Erde geflogen. Jeden Tag hätten Sie zwei Stunden Zeit gehabt, auf die Erde zu schauen. Wie hätten Sie die Erde gesehen? Was wäre Ihnen aufgefallen? Wie hätte das auf Sie gewirkt? Hätten Sie sich gewünscht, noch länger im All zu bleiben?
• Stellen Sie sich bitte vor, im März 2020 und in der letzten Woche wäre Ihre Stadt/Ihr Viertel 48 Stunden von einem Satelliten beobachtet worden: Was hätte man bei Ihnen und in der Stadt wahrnehmen können? Was wäre den Beobachtern aufgefallen? Wenn Sie eine Videoaufzeichnung dieser Beobachtungen auswerten würden - was käme dabei heraus?
• Stellen Sie sich vor, im März 2020 und in der letzten Woche wären im Rahmen eines Forschungsprojekts alle Mails, SMS, Gespräche und Bewegungsprofile von Ihnen, Ihrer Schule, Ihrer Nachbarschaft aufgezeichnet worden. Nun, zehn Jahre später, werten Forscher die Daten aus. Was werden die Forscher darüber erfahren, was Sie 2020 und jetzt gedacht und gefühlt haben? Was werden sie herausfinden, wenn sie danach suchen, welche Folgen und Konsequenzen die Corona-Epidemie für Sie und Ihre Klasse hatte?

Grabe, wo du stehst - aber auch hier und jetzt
Aus der Erfahrung von Geschichtswerkstätten in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wissen wir, wie schwer es häufig ist, Alltagsgeschichte zu rekonstruieren, die auch nur gerademal 20 Jahre zurückliegt. Ein wichtiger Impuls der Geschichtswerkstätten war, nicht nur Vergangenes zu recherchieren, sondern auch zur Dokumentation aktueller gesellschaftlicher Ereignisse (z. B. AKW-Bewegung) anzuhalten. Gerade angesichts der Flüchtigkeit von Dokumenten (z. B. digitale Nachrichten) macht es deshalb Sinn, bereits jetzt in der Schule Zeitzeugnisse zu sammeln: Wie wurde in der Schule in der Krise informiert und agiert? Wie haben Schüler*innen sich geäußert? Wie wurde gelernt, organisiert?

Schulen haben häufig keine Ressourcen, solche Quellen systematisch zu sammeln und zu pflegen - daraus kann man auch einen Vorteil machen: In einer »Corona-Schatzkiste« werden unsystematisch Zeitzeugnisse (DVDs mit Fernsehsendungen, Zeitungen, Plakate, Gebasteltes …) gesammelt. Diese Schatzkiste kann dann später von Klassen und Kursen für Forschungsaufträge genutzt werden: Wie haben »damals« Schüler*innen eine Krise erlebt - und (mindestens ebenso wichtig): Wie sehen wir heute auf diese Ereignisse und vor allem darauf, wie (re-)agiert wurde. Die eigene Geschichte unter die Lupe zu nehmen, sie aus zeitlichem Abstand zu betrachten, macht sie zu einem Lernfall für unser aktuelles Verständnis von Krisen - und von der Gesellschaft.

Re-Gnose - Wundern im Rückblick
Matthias Horx (2020) bietet für die Analyse von »Tiefenkrisen« das Verfahren der Re-Gnose an, mit dem er aus einer vorgestellten Zukunft ins Heute blicken will: »Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafé in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?« Horx prognostiziert Anfang April 2020 z. B., dass wir uns später wundern werden, wie soziale Verzichte nicht wie befürchtet wirkten. In der Schule kann man diese Übung in zweifacher Weise durchführen:
• Worüber werden wir uns relativ kurzfristig rückblickend (z. B. 2021) über Entwicklungen und Veränderungen durch die Coronapandemie wundern?
• Worüber werden wir uns mit großem zeitlichen Abstand (z. B. 2040) wundern, wie wir später mit den Erkenntnissen und Lehren aus der Corona-Epidemie umgegangen sind?

(Virtuelles) Museum einrichten
Schüler*innen halten Präsentationen in Museen oft für objektive Darstellungen. Es ist für sie nicht leicht zu erkennen, dass diese immer auch Ergebnis einer Auswahl und einer parteilichen Sicht auf Ereignisse und Gegenstände sind und dass Alternativen zur Darstellung möglich wären.

Für die Zeit der Coronapandemie lassen sich viele Dinge finden, mit denen man eine Ausstellung in einem (virtuellen) Museum gestalten könnte.

• Sammelt Texte, Bilder, Gegenstände, Zeitzeugnisse aus der Zeit der Coronapandemie. Das können Dinge aus eurer näheren Umgebung sein, aber auch Ergebnisse aus Recherchen. Alle Dinge werden in einem »Magazin« (Schrank in der Klasse etc.) untergebracht und können nun von allen Gruppen genutzt werden (gegebenenfalls Kopien).

• Erarbeitet eine Ausstellung (ein Raum, eine Präsentationswand …): Wählt wichtige Dinge aus, die ihr vorstellen wollt, beschreibt sie kurz (damit Besucher das verstehen) und erklärt, warum ihr die Dinge ausgewählt habt. Achtet darauf, die Ausstellung so zu gestalten, dass sie eure (besonderen) Besucher interessiert und informiert.
• Arbeitet z. B. in folgenden Gruppen: (1) Museum für Kinder; (2) Unser Schulmuseum; (3) Weltmuseum in New York; (4) Museum für Gesundheit; (5) Museum für Naturwissenschaft.
• Präsentiert einander in Tandemgruppen jeweils eure beiden Ausstellungen: Jede Gruppe beschreibt zuerst, was sie in anderen Ausstellungen entdeckt: »Das sehen wir in eurer Ausstellung … Das fi nden wir besonders … Darauf habt ihr besonders geachtet …« Die andere Gruppe beschreibt: »Das war unser Ziel … Wir wollten zeigen, dass … Uns war wichtig, dass …«
• Abschließend gibt es eine Diskussion in der Gesamtgruppe: »Wenn es nur ein einziges Corona-Museum geben würde, welche eurer Arbeiten müssten dort unbedingt ausgestellt werden?«

Dritter Schritt: Was nehmen wir mit? - Was wollen wir lernen?

Wenn man überlegt, wo wir jetzt in unserer Einschätzung der Coronapandemie stehen, leitet das auch zur Frage über: Was können wir aus der Krise für die persönliche und gesellschaftliche Zukunft lernen? Kann die Coronapandemie ein Lernfall für uns sein?

Selke (2020) regt hier an, Utopien zu entwickeln. Für ihn sind gerade in (Nach-)Krisenzeiten Utopien Haltegriff e für Orientierung und Standortbestimmung. Wichtig ist ihm, dass die Utopien keine Kompromisse, keine Diskussionsergebnisse darstellen, sondern dass »tabula rasa« gemacht und »das große Ganze« für die Zukunft entworfen wird: Wenn alles möglich ist und jede Herausforderung gemeistert werden kann, welche humane Welt wäre möglich - und wie könnten Menschen als Werkzeuge der Veränderung das erreichen? - Mit Klassen und in Kollegien wenigstens einmal nach der Coronapandemie so eine Utopie zu entwerfen, als Experiment oder Abenteuer, das könnte zeigen, ob wir etwas gelernt haben.

Literatur

Horx, Matthias (2020): 48 - die Welt nach Corona. Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise vorbei ist. www.horx.com und www.zukunft sinstitut.de
Selke, Stefan (2020): Eine Gesellschaft verändert sich - was wir aus der Corona-Pandemie lernen können. Südwest- Rundfunk, 5.4.2020, www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=2ahUKEwizjdHQsfLoAhUR3KQKHUf3C7wQFjAAegQIARAB&url=https%3A%2F%2Fwww.swr.de%2Fswr2 %2Fwissen%-2Feine-gesellschaft -veraendert-sich-was-wir-aus-der-corona-pandemie-lernen-koennen-swr2-wissen-aula-2020-04-05-102.pdf&usg=AOvVaw2EL7pV9oQjcAbsY_9PlK2Q

Dr. Gerhard Eikenbusch ist Schulleiter (i. R.), Lehrerfortbildner und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
gerhard.eikenbusch@t-online.de