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Serie »Corona und die Folgen«, Folge 2: ■ Digitale Disruption zwischen Euphorie und Ernüchterung


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Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 02.11.2020

Die Phase der Schulschließungen hat das Schulsystem mächtig in Bewegung versetzt. Mit dem Abstand einiger Monate kann nun zurückgeblickt und reflektiert werden: Was kann aus der Coronakrise gelernt werden? Geht es nur um ein zügiges Zurück-zu-alten-Mustern oder erleben wir gerade die digitale Disruption des Bildungssystems? Eine persönliche Einschätzung.


Der 13. März 2020 – ein Freitag – dürfte in die Geschichte des deutschen Bildungswesens eingegangen sein. Die Bildungsminister* innen mehrerer Bundesländer verkündeten, dass Schulen und Kindergärten ab Montag der Folgewoche geschlossen bleiben müssen. ...

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... Mit dieser historisch beispiellosen Maßnahme sollte die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus (SARS-CoV-2) verringert werden. Für Hunderttausende Lehrkräfte bedeutete dies, digitalen Fernunterricht aus dem Homeoffice heraus zu organisieren, damit Schüler*innen möglichst nahtlos zu Hause weiterlernen konnten.

Freiheit und Überforderung

Quasi über Nacht mussten Schüler* innen mit Material und Aufgaben versorgt werden, sodass auch ohne physische Begegnung gelernt werden konnte. Lehrkräfte begannen daraufhin mit der Arbeit – mit Privatgeräten, einem faktisch aufgehobenen Datenschutz und in weiten Teilen improvisiert. Zudem fehlte es an verbindlichen Vorgaben, und nur 31,7 Prozent der Schulen verfügten in der Anfangsphase über ein abgestimmtes Gesamtkonzept für das Lernen zu Hause (Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung 2020, S. 13). Es entstand ein distanz-didaktischer Wildwuchs, in den erst nach und nach und oftmals mit viel Mühe Struktur gebracht werden konnte. Diese Herausforderung und die ungewohnte Freiheit führten bei einem kleinen, digital besonders affinen Teil der Lehrkräfte zu Enthusiasmus: Endlich war gestattet, was ohnehin als attraktiv empfunden wurde: Digital gestütztes Lernen spielte jetzt eine wichtige Rolle und konnte erprobt werden, es war nicht mehr nur Beiwerk, sondern die Basis des Fernunterrichts. Im Schnellverfahren entwickelten diese Lehrkräfte dann Formen der Zusammenarbeit samt Strategien für die Unterrichtsversorgung. Vor allem in den weiterführenden Schulen galt: Das Onlinelernen wurde als Chance zur Krisenbewältigung wahrgenommen.

Gleichzeitig machte sich bei einem erheblichen Teil der Lehrkräfte Ernüchterung breit. Über die Hälfte der Lehrkräfte stimmte in einer Befragung der Aussage zu, Schwierigkeiten mit der neuen Arbeitsform zu haben (ebd., S. 9). Hinzu kam, dass nicht alle Schüler*innen erreicht werden konnten und dann vielerorts doch nur auf E-Mail-Versand an die Eltern oder – vor allem in den Grundschulen – auf den analogen Transfer von Arbeitsmaterial gesetzt werden musste (ebd., S. 14). In zahlreichen Familien mussten Laptops geteilt werden, und wer keinen funktionierenden Drucker zu Hause hatte, musste Texte vom Computer oder sogar von einem Smartphone abschreiben. Entsprechend wurde eine Flut von Arbeitsblättern per Mail oder per Post verschickt, in der schuleigenen Abholstation für die El- tern aufbereitet oder als Lernpaket direkt zu den Schüler*innen nach Hause gebracht. Kurzum: Während die einen von Chancen und Transformationspotenzialen schwärmten, war für andere die Situation zum Teil massiv überfordernd.

Die Krise als Brennglas

Die Coronakrise machte deutlich, dass zuvor wichtige Entwicklungen verschlafen worden waren, und zeigte wie unter einem Brennglas, woran es beim Lernen mit digitalen Medien noch mangelte. 60,2 Prozent der Lehrkräfte gaben an, ihre Schule sei »im Bereich der Digitalisierung nicht fortgeschritten« und somit nicht gut auf die Krise vorbereitet (ebd., S. 11). Neben WLAN und virtuellen Lernumgebungen fehlte es bereits vor der Coronakrise an finanziellen Mitteln, entsprechender Ausstattung, gangbaren Lösungen für die Administration der Geräte und vor allem an didaktischen Konzepten.

Soziale Ungleichheit wird durch die Coronakrise verstärkt

Hinzu kommen die drängenden Fragen nach der Bildungsungerechtigkeit. Eine repräsentative Befragung des deutschen Schulportals (2020) zeigte bereits im April, dass 86 Prozent der Lehrkräfte davon ausgehen, dass sich die Effekte der sozialen Ungleichheit durch die Schulschließungen verstärken werden. 36 Prozent der Befragten äußerten sich zudem besorgt, dass die Schulschließungen bei den meisten Schüler*innen zu deutlichen Lernrückständen führen dürften. Das liege nicht nur an fehlender digitaler Ausstattung. 51,1 Prozent der Lehrkräfte waren der Auffassung, der Einfluss der Eltern werde durch die Verlagerung des Unterrichts nach Hause größer; unter den befragten Grundschullehrkräften waren es sogar 62,2 Prozent (Vodafone Stiftung 2020, S. 24).

An immer mehr Schulen konnte beobachtet werden, dass Schüler* innen, deren Eltern diese Begleitung nicht leisten konnten, in ihren schulischen Leistungen zurückfielen; Einzelne tauchten sogar über mehrere Wochen ganz ab. Corona wirkt(e) also offensichtlich als Verstärker sozialer Ungleichheit im Bildungswesen: Diejenigen Kinder, die Schwierigkeiten mit selbstständigem Arbeiten haben und in deren Umfeld es an Fürsorge und Unterstützung beim Lernen mangelt, dürften durch die Pandemie besonders stark benachteiligt sein.


Lernen ist ohne Beziehungen nicht zu denken.


Zurück in die Schule

Neben den bevorstehenden Abschlussprüfungen war all das Grund genug, die Schulen zügig wieder zu öffnen, wenn auch unter völlig neuen Bedingungen. Die Auflagen zu Abstand und Hygiene prägten den sukzessive aufgenommenen Präsenzunterricht bis mindestens zu den Sommerferien und brachten eine Form des bewegungseingeschränkten Unterrichtens hervor, den viele nur als Behelfskonstruktion erlebten. Da zahlreiche Schüler*innen den Präsenzunterricht in der Schule nur wenige Tage besuchen durften, muss schulisches Lernen als Blended Learning (abwechselnd in der Schule und digital unterstützt zu Hause) organisiert werden. Ob und wie diese Form »hybriden Unterrichtens« unter den Bedingungen der Personalknappheit und des Gesundheitsschutzes gelingt und welche Konzepte sich hier bewähren, lässt sich gegenwärtig noch nicht ausmachen. Es zeichnen sich aber in anderen Bereichen schon deutliche Schlussfolgerungen aus der Zeit der Schulschließungen ab. Sie lassen sich im Folgenden in zehn Thesen zusammenfassen.

1. Beziehungen sind die Grundlage des Lernens
Die Phase der Schulschließungen hat gezeigt, dass Lernen ohne Beziehungen nicht zu denken ist. Die Beschäftigung mit Stoff konnte in vielen Fällen auch irgendwie über die Distanz organisiert werden. Was fehlte, waren die persönliche Begegnung, das direkte Gespräch und das Zuhören. Erfolgreiche Lernprozesse benötigen den Dialog, Feedback und das Zusammensein mit anderen. Angesichts dieser Erfahrung sollten Präsenzphasen in der Schule noch mehr als Beziehungsarbeit verstanden werden, die Lernen als sozialen Prozess der Ko-Konstruktion ermöglichen.

2. Räumliche Grenzen sind überwindbar
Digital gestützte Unterrichtssettings sollten zukünftig grundsätzlich und nicht bloß in einem möglichen zweiten Lockdown eine Ergänzung darstellen. Es gilt, das Potenzial digitaler Medien für guten Unterricht aus der Zeit der Schulschließungen herauszuarbeiten und systematisch in den Präsenzunterricht zu überführen. Mit entsprechender Ausstattung können diese Potenziale in das Lernen im Klassenzimmer integriert werden. Arbeitsweisen des Fernunterrichts könnten sogar mit derselben Struktur übernommen werden (Cloud-Ablage für Arbeitsmaterial, Kurse innerhalb einer digitalen Lernumgebung, Integration verschiedener Online-Tools etc.). Das böte den Vorteil, Schüler*innen, die auch bei normalem Schulbetrieb zu Hause bleiben (müssen), künftig mit einbinden zu können.

3. Blended Learning ist mehr als eine Notlösung
Darüber hinaus ließe sich sogar ein Homeoffice-Tag oder die systematische Einbindung von außerschulischen Lernorten für Schüler*innen vorstellen, wie er etwa beim ersten bundesweiten Hackathon im Juni 2020 diskutiert wurde. Die Stärken des digitalen Arbeitens würden dann noch bedeutsamer: So kann z. B. der Unterricht durch die Lernenden künftig auch digital vorund nachbereitet werden. Neben der Stärkung von Selbstverantwortung, Konzentrationsfähigkeit und Disziplin von Schüler*innen dürfte eine solche »stärkere Verklammerung von Präsenzunterricht und Onlinelernen « (Schmid et al. 2020) auch die Lehrkräfte entlasten. Es gilt, das Beste beider Welten miteinander zu vereinen.

4. Es braucht andere Unterrichtsformate
Hinzu kommt, dass Schüler*innen während des Fernunterrichts die Erfahrung gemacht haben, dass Lernen vor allem für ältere Schüler*innen nicht an die Schule als Ort und auch nicht unbedingt an feste Zeiten gebunden ist. Diese neuen Möglichkeiten zur Selbstorganisation und Selbstbestimmung haben sie überwiegend positiv bewertet (Studie der Telekom Stiftung 2020, S. 11). Auf diese Erfahrungen sollte man aufbauen und einen Unterricht organisieren, der ein hohes Maß an Eigenständigkeit erlaubt. Das während der Schulschließungen vielfach erfolgreiche Konzept der Wochenplanarbeit kann im Präsenzunterricht fortgesetzt (oder jetzt auch dort eingeführt) werden und bei jüngeren oder schwächeren Schüler*innen durch Tagespläne ergänzt werden. Darüber hinaus eignen sich Lerntagebücher, Portfolioarbeiten, die Flipped-Classroom-Methode, Erklärvideos und größer angelegte Settings wie Projekt- beziehungsweise Leittextaufgaben – auch fächerübergreifend und digital unterstützt. Entscheidend dabei ist die Freiheit, wann welche Aufgabe wie und mit wem bearbeitet wird, aber auch, wie abwechslungsreich, schüler*innenorientiert, ergebnisoffen und kreativ die Aufgaben gestaltet werden.


Lernen muss vor allem für ältere Schüler*innen nicht an die Schule als Ort und auch nicht an feste Zeiten gebunden sein.


5. Tradierte Strukturen gehören auf den Prüfstand
Um den Fokus auf selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Lernen zu legen, müssen Schüler*innen als Individuen ins Zentrum gestellt werden und Lehrkräfte nicht mehr klassisch als »Wissensvermittler« agieren. Ein Lernen für das Leben im 21. Jahrhundert erfordert, Wissens- und Kompetenzaufbau zu vereinen und in Lern- beziehungsweise Handlungsfeldern zu denken. Noten und Prüfungen könnten an Bedeutung verlieren, tradierte Zeitstrukturen und Lehrpläne auf den Prüfstand kommen. Innovative Schulen wie die Gemeinschaftsschule Wutöschingen (Deutscher Schulpreis 2019, vgl. auch PÄDAGOGIK 4/2019) gehen sogar noch weiter: Dort wird anstatt in festen Klassenzimmern in Lernateliers gelernt, in denen jeder Schüler/jede Schülerin einen eigenen Arbeitsplatz besitzt (vgl. Rolff/ Thünken 2020, S. 110 ff.).

6. An der Eins-zu-eins-Ausstattung führt kein Weg vorbei
Darüber hinaus haben sich interaktive Tafeln in Zeiten des Fernunterrichts vielfach als teure und unflexible Geräte erwiesen, die nur einen geringen Beitrag zum vernetzten Lernen der Zukunft leisten können. In vielerlei Hinsicht wären von der Schule gestellte Schüler*innengeräte die bessere Anschaffung gewesen. Personalisierbare Tablets oder Laptops ermöglichen orts- und zeitunabhängiges digitales Arbeiten, können in der Schule und zu Hause eingesetzt werden und hätten auch sozial benachteiligten Schüler*innen geholfen. Für zukünftige Investitionen z. B. aus dem Digitalpakt sollten die Einführung derartiger Geräte für Schüler*innen und Lehrkräfte (idealerweise als Eins-zu-eins-Ausstattung) sowie eine professionelle Struktur für Wartung und Support im Fokus stehen, um damit zum »Motor einer effektiven Schulentwicklung « zu werden (Rolff/Thünken 2020, S. 106).

7. Schulen brauchen Technik und Konzepte
Dennoch weiß man, dass »digitale Medien bei fehlender Einbettung in ein entsprechendes Konzept zwar kurzfristig motivierende und lernförderliche Effekte, mittel- und langfristig aber sogar einen negativen Effekt auf den Lernerfolg der Schüler* innen und die Arbeitszufriedenheit der Lehrkräfte haben können« (Zylka 2018, S. 27). Entsprechend bedeutsam sind Erfahrungsaustausch und Zeit für gemeinsame schulinterne Konzeptarbeit im Team. Die bereits entwickelten Konzepte für digital gestütztes Lernen müssen in den nächsten Monaten um die Erfahrungen aus der Phase der Schulschließungen erweitert werden.

8. Alle Lehrkräfte müssen sich intensiv weiterbilden
Die Gestaltung von digital gestützten Lernprozessen erfordert aber vor allem Know-how in der Breite der Lehrerschaft. Bedeutsam sind neben Geräten und dem schulinternen Diskurs regelmäßige (Mini-)Fortbildungen zum digitalen Arbeiten (z. B. in größeren Pausen oder im Videochat) sowie das gemeinsame Erstellen von Unterrichtsmaterial und der Austausch über Erfolge und Misserfolge (vgl. Rolff/Thünken 2020, S. 106). Durch dieses »Upskilling der Lehrkräfte « (Schmid et al. 2020) müssen Lehrkräfte befähigt werden, Unterricht in digitalen Settings mit klassischem Präsenzlernen lernförderlich zu verknüpfen. Die Coronakrise hat eine immense Nachfrage nach Onlinefortbildungsformaten hervorgebracht, die hierfür auch über die Krise hinaus genutzt werden sollten.

9. Vernetzung ist das Gebot der Stunde
Um neu erworbenes Wissen im eigenen Kollegium zu multiplizieren, braucht es nicht nur für Schüler*innen digitale Lern- und Kollaborationsumgebungen. Der Fernunterricht hat auch seitens der Lehrkräfte deutlich gemacht, wie wichtig eine benutzer*innenfreundliche digitale Infrastruktur ist, die mindestens einen Cloud-Speicher, eine (Video-) Chat-Funktion sowie Möglichkeiten zum gemeinsamen Arbeiten bietet. Schulen und Schulträger müssen solche Plattformen jetzt zur Verfügung stellen, sofern dies noch nicht geschehen ist. Die »Entgrenzung der Räume« (Rolff/Thünken 2020, S. 110) ermöglicht neben der Zusammenarbeit innerhalb eines Kollegiums auch, dass sich Schulen untereinander stärker vernetzen, um Synergien nutzen zu können, beispielsweise beim Austausch von Unterrichtsmaterialien oder beim Erstellen eines gemeinsamen Fortbildungsangebots.


Schule benötigt nicht nur für Schüler*innen digitale Lern- und Kollaborationsumgebungen.


10. Nach Corona ist vor Corona
Derzeit kann nicht beurteilt werden, wie schnell Schulen flächendeckend zum Normalzustand zurückfinden und wie dieser aussehen wird. Da eine zweite Infektionswelle und damit verbunden auch ein zweiter Lockdown nicht ausgeschlossen werden können, sollten Schulen sich für dieses Szenario rüsten. Die Coronakrise hat uns durch die Notwendigkeit der Hauruck-Digitalisierung vermehrt fragen lassen, wie Schule sein könnte und sollte. Es kommt nun darauf an, nicht vorschnell in alte Muster zurückzufallen. Vielmehr sollten die Erkenntnisse aus der Phase der Schulschließungen systematisch erfasst und reflektiert werden. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Schlüsse aus der Krise zu ziehen und Schule visionär und mutig umzugestalten.

Joscha Falck ist Lehrer und Schulentwicklungsmoderator an der Mittelschule Rednitzhembach in Mittelfranken, Bayern. joschafalck@gmx.de

Literatur

Deutsche Telekom Stift ung/Andrea Servaty (Hrsg.) (2020): »Schule zu Hause« in Deutschland. Bestandsaufnahme im Corona-Lockdown aus Perspektive der Schüler/-innen und Eltern. Bonn, Mai 2020. www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/Ergebnisbericht-Homeschooling.pdf, zuletzt aufgerufen am 31.5.2020.
Robert Bosch Stift ung/Die ZEIT (Hrsg.) (2020): Das deutsche Schulbarometer Spezial. Lehrerbefragung zur Coronakrise. Eine repräsentative Befragung von Forsa. https://deutsches-schulportal.de/unterricht/das-deutsche-schulbarometer-spezial-corona-krise/, zuletzt aufgerufen am 31.5.2020.
Rolff, Hans-Günter/Thünken, Ulrich (2020): Digital gestütztes Lernen: Praxisbeispiele für eine zeitgemäße Schulentwicklung. Weinheim/Basel.
Schmid, Ulrich/Goertz, Lutz/Michel, Lutz (2020): Lockdown oder Disruption? 10 Thesen zur Zukunft der Bildung. mmb Institut GmbH. www.linkedin.com/pulse/lockdown-oder-disruption-10-thesenzur-zukunft-der-bildung-schmid, zuletzt aufgerufen am 10.6.2020.
Vodafone Stift ung Deutschland gGmbH (Hrsg.) (2020): Schule auf Distanz. Perspektiven und Empfehlungen für den neuen Schulalltag. Eine repräsentative Befragung von Lehrkräft en in Deutschland des Instituts fü r Demoskopie Allensbach. Düsseldorf, Mai 2020. www.vodafone-stiftung.de/wp-content/uploads/2020/05/Vodafone-Stiftung-Deutschland_Studie_Schule_auf_Distanz.pdf, zuletzt aufgerufen am 31.5.2020.
Zylka, Johannes (2018): Digitale Schulentwicklung. Das Praxisbuch für Schulleitung und Steuergruppen. Weinheim/ Basel.