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SERIE: Ganz ohne Drama?


L-MAG - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 26.06.2020

Die ARD-Serie „In aller Freundschaft“ hat seit einigen Monaten ein lesbisches Paar. Altbekannte Erzählmuster wurden bisher vermieden, worüber sich vor allem die beiden Darstellerinnen freuen


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Bildquelle: L-MAG, Ausgabe 4/2020

Flirt im Krankenhaus: Zwischen Miriam (Christina Petersen, li.) und Rieke (Liza Tzschirner) knistert es gewaltig


Lesbische Figuren findet man in deutschen Serien – wenn überhaupt – vor allem im Vorabendprogramm. In der Hauptsendezeit tun sich deutsche Fernsehsender immer noch schwer mit der Darstellung von Vielfalt. Mit „In aller Freundschaft“ hat sich nun eine der bekanntesten Soaps der deutschen Unterhaltung aus der ...

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... Deckung gewagt.Die Krankenhausserie ist seit 1998 fester Bestandteil des Angebots der ARD. Jeweils am Dienstagabend gegen 21 Uhr wird das Fernsehpublikum mitgenommen in die fiktive Leipziger Sachsenklinik und darf teilhaben an den Irrungen und Wirrungen im Leben, sowohl des medizinischen Personals als auch der Patientinnen und Patienten. Im Mittelpunkt stehen die Ärztinnen und Ärzte, Pfleger und Schwestern.Eine von ihnen ist Miriam Schneider, gespielt von Christina Petersen, die seit drei Jahren zur Stammbesetzung der Serie gehört. In dieser Zeit stand Miriams Liebesleben kaum im Fokus. Das änderte sich jedoch im Sommer letzten Jahres, als sie die Sportlehrerin Rieke Machold kennenlernte, die ihre kranke Großmutter in die Klinik begleitete. Rieke-Darstellerin Liza Tzschirner ist Soap- Fans als Pauline aus „Sturm der Liebe“ bekannt und in der ARD unter anderem auch in der Reihe „Der Ranger“ im Einsatz.Während Rieke sich durch ihr forsches Auftreten bei Miriams Kollegin nicht unbedingt beliebt machte, ließ Miriam sich nicht einschüchtern. Sie und Rieke waren sich schnell mehr als sympathisch, in der Folgezeit ging Miriam allerdings durch ein Wechselbad der Gefühle. Erst meldete sich Rieke nicht wie versprochen und dann stellte sich heraus, dass sie eine Freundin hat – was sie aber nicht daran hinderte, mit Miriam zu flirten. Schließlich wurde es der Krankenschwester zu bunt. Also machte sie Rieke die deutliche Ansage, dass diese sich klar werden solle, was sie wirklich will. Rieke trennte sich von ihrer Freundin und gewinnt schließlich doch Miriam für sich.

Keine Coming-out-Story

Wer schon länger lesbische Storylines in deutschen Serien verfolgt und sich nach dieser Beschreibung fragt, wo denn hier das obligatorische Coming-out-Drama geblieben ist – die Zweifel bei mindestens einer der Figuren („Ich bin nicht lesbisch!“) oder der Mann, der einer Beziehung der beiden Frauen im Weg steht – wird überrascht sein: All das gibt es nicht.
Tatsächlich war es eine bewusste Entscheidung, es nicht besonders zu betonen, dass Miriam – die bisher nicht als eindeutig queer dargestellt wurde – sich in eine Frau verliebt. „Darüber konnte ich viel mit den Machern sprechen und wir waren alle der Meinung, dass wir das genau so erzählen wollen, wie jede andere Liebesgeschichte auch“, so Christina Petersen im L-MAG-Interview. Und auch im Hinblick auf Rieke wurde eine Coming-out-Geschichte zwar angedacht, letztlich aber darauf verzichtet, wie Liza Tzschirner berichtet: „Zu Casting-Zeiten gab es noch die Idee, dass Rieke mit einem Mann zusammen ist und sie dann aus der Bahn geworfen wird, weil sie sich auf einmal in eine Frau verliebt.“ Doch das wurde letztlich geändert.

Gibt es eine Zukunft für „Mieke“?

Beide Schauspielerinnen machen sich viele Gedanken über ihre Storyline und die Darstellung der gleichgeschlechtlichen Liebesgeschichte. Sie freuen sich, dass die Zuschauerreaktionen, die bei ihnen ankommen, bisher fast ausschließlich positiv sind. Dabei gibt es jedoch eine Art von Feedback, mit der Liza Tzschirner sich nicht so recht anfreunden mag. „Was mir relativ oft begegnet, ist die Aussage ‚Mensch Liza, ist ja toll, dass du diese andere Farbe mal zeigen kannst‘“, erzählt sie verärgert. „Ich könnte einfach das Kompliment annehmen und mich bedanken. Tu ich aber nicht, weil es mich total ärgert, auch wenn es nett gemeint ist. Ich spiele eine Liebesgeschichte, und das habe ich im Laufe meiner Laufbahn wirklich schon oft gemacht.“ Mit wem sie die Liebesgeschichte spiele – ob mit einer Christina Petersen oder einem Philipp Danne (ihrem Partner in „Der Ranger“) – mache für ihre schauspielerische Leistung absolut keinen Unterschied.
Wie es mit dem Paar weitergeht, konnten Christina und Liza im Interview natürlich nicht verraten. Das Schicksal anderer homosexueller Serienpaare, bei denen die Anbahnung einer Beziehung nur der Einstieg in den Ausstieg ist, müssen die beiden aber wohl nicht fürchten. Auf der offiziellen Webseite der Serie werden Miriam und Rieke in der Ankündigung für die aktuell laufende 23. Staffel jedenfalls ausdrücklich erwähnt und es wird angedeutet, in welche Richtung ihre Beziehung sich entwickelt. Ohne zu spoilern: Nach Ausstieg oder Trennung klingt das jedenfalls nicht. „Mieke“, wie Fans und inzwischen auch die Schauspielerinnen selbst das Paar nennen, wird „In aller Freundschaft“ also wohl noch etwas erhalten bleiben. Und das kann der Repräsentation von Vielfalt im deutschen Fernsehen nur gut tun.

Meike Lockhorst


FOTO: MDR/Saxonia Media/Sebastian Kiss