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Serie: Heinz Erhardt Der wahre Tausend sassa des feinsinnigen Humors


Stars und Melodien - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 18.03.2021

Keiner bediente sich der deutschen Sprache so gekonnt wie der deutschbaltische Komiker


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Bildquelle: Stars und Melodien, Ausgabe 3/2021

Der ewige Schelm Heinz Erhardt war Schauspieler, Entertainer, Kabarettist, Komponist und auch Schriftsteller. Ihm saß stets der Schalk im Nacken


Genauso wie der Humorist Heinz Erhardt spielt auch die aparte Christine Kaufmann (†72) im Film „Der letzte Fußgänger“ (1960) eine Hauptrolle


In der Komödie „Drei Mann in einem Boot“ (1961) posiert der Barde zusammen mit Hans-Joachim Kulenkampff (†77, M.) und Walter Giller (†84) gut gelaunt am Steuerrad


Im Film „Willi wird das Kind schon schaukeln“ (1972) ist neben Reiner Brönneke ...

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... (†66) auch Fußball-Legende Uwe Seeler (l.) und Ernst Hilbich (r.) mit von der Partie


Er verkörperte den wirtschaftlichen Aufschwung wie kein anderer und belustigte eine ganze Generation. Als brillanter Alleinunterhalter zeigt der am 20. Februar 1909 in Riga (damals Russisches Kaiserreich) geborene Sohn eines Kapellmeisters auf unnachahmliche Weise, wie man durch kreative Wortspiele und verdrehte Redewendungen wahre Lachsalven hervorrufen kann.

Den gesellschaftlichen Wandel im Deutschland der 1950er- bis 1970er-Jahre begleitete er mit einem Schmunzeln. Heinz Erhardt unterhielt mit seinem drollighintersinnigen Humor jeden - vom Kindergartenkind bis zum Senior. Legendär ist seine kurze Geschichte über „Die Made“: „Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde. Sie ist Witwe, denn der Gatte, den sie hatte, fiel vom Blatte. Diente so auf diese Weise einer Ameise als Speise.“

Dabei war ihm als Kind selbst nicht zum Lachen zumute. Durch Strenge, die Scheidung der Eltern und den Krieg spürte er viel Kälte. Größtenteils wuchs er bei seinen Großeltern mütterlicherseits in der späteren lettischen Hauptstadt Riga auf, wo sein Großvater Paul ein Musikhaus führte. Dieser brachte ihn zum Klavierspiel. Nach 15 (!) Schulwechseln studierte er am Konservatorium in Leipzig Klavier und Komposition. Sein Jugendtraum, Pianist zu werden, wurde aber von den Großeltern nicht unterstützt. Stattdessen stellte ihn sein Opa als kaufmännischen Lehrling ein. Während er weitere zehn Jahre dort tätig war, trat er mit selbst komponierten Liedern und komischen Texten in den Kaffeehäusern von Riga auf.

Helga Feddersen (†60), Ralf Wolter, Heidi Kabel (†95) und Hans-Joachim Kulenkampff (†77) in der Opern-TVVerfilmung „Noch ’ne Oper“ (1979). Heinz Erhardt schrieb die Vorlage bereits in den 1930er-Jahren


Auf dem Platz vor seinem Heim spielt er mit Sohn Gero, Fußball. Schwiegersohn Hans (v.l.), Tochter Grit, Ehefrau Gilda und Tochter Marita verfolgen das Match


Das Denkmal aus dem TV-Film „Natürlich die Autofahrer“ steht in Göttingen auf dem Heinz-Erhardt-Platz


1935 heiratete Heinz Erhardt die Tochter des ehemaligen italienischen Konsuls in Sankt Petersburg, die er in einem Aufzug kennengelernt hatte. Aus der Ehe mit Gilda Zanetti (†74) gingen vier Kinder hervor. Gero Erhardt wurde Kameramann und Regisseur, dessen Sohn Marek (51) trat in die Fußstapfen seines Opas und arbeitet als Synchronsprecher und Schauspieler.

Nach dem Krieg schuf sich Erhardt mit seiner Familie in Hamburg-Wellingsbüttel ein Zuhause, und er moderierte beim NWDR die Sendung „So was Dummes“. Der Radiosender nahm 1948 auch den Komponisten Erhardt mit seiner 10-Pfennig-Oper ins Programm.

Er war ein Meister im Jonglieren mit Reimen

Ab 1957 wurde der humorvolle Barde mit der markanten Hornbrille für die Leinwand entdeckt. Meist schlüpfte er in seinen Filmen wie „Witwer mit fünf Töchtern“, „Der Haustyrann“ und „Immer die Radfahrer” in die Rolle des netten, mal etwas zerstreuten, mal tollpatschigen Familienvaters oder Wirtschaftswunder-Onkels, der gerne Unsinn erzählt. Der „Hausfreund der deutschen Sprache“ begeisterte als Entertainer, Kabarettist, Komponist und Schriftsteller, aber vor allem als großer Humorist. Es reichte bereits aus, in einer Anekdote aus dem Skiurlaub das Wort „Pisten“ augenzwinkernd wie ein Unwort zu betonen, und schon brach prustendes Gelächter los. Der klassische Kanon war einer der verlässlichsten Pointenlieferanten Heinz Erhardts. Er zerschredderte ihn. Und er war ein Meister im Jonglieren mit Kalauern und Schüttelreimen.

Lachen war sein Lebenselixier. Doch auch wenn er lachte, fühlte er sich oft einsam. Tief im Herzen blieb er ein trauriger Clown. Er, der legendäre Unterhalter, war bis zuletzt schüchtern. Sein Trick gegen das Lampenfieber: Er tauschte die Brille gegen Fenstergläser, weil das verschwommene Publikum ihm weniger Angst machte.

Sein Publikum bekam sein Unbehagen nie zu spüren, es liebte ihn. Wenn er die Bühne betrat, lagen ihm die Fans zu Füßen. Ein Segen, welchen Heinz Erhardt einmal so beschrieb: „Ich könnt’ manchmal vor Glück eine ganze Allee an Purzelbäumen schlagen.“

Allein im Gedicht „Wenn ein Fels dir vom Herzen fällt, so fällt er auf den Fuß dir prompt! So ist es nun mal auf der Welt. Ein Kummer geht, ein Kummer kommt“ steckt so viel Feingeist, dass er zu Recht bis heute als Komiker-Legende gilt.

Als er am 11. Dezember 1971 einen Schlaganfall erlitt, wurde das Sprachzentrum seines Gehirns derart in Mitleidenschaft gezogen, dass er zwar lesen und verstehen, aber nicht mehr sprechen und schreiben konnte. Er verstarb 1979 mit 70 Jahren zurückgezogen in Hamburg.

In den jüngeren Sammlungen über die komischen Gedichte der Deutschen steht er inmitten der Kollegen, an deren Seite er sich wünschte: „O wär ich der Kästner Erich! Auch wär ich gern Christian Morgenstern. Und hätte ich nur einen Satz vom Ringelnatz! Doch nichts davon! Zu aller Not hab’ ich auch nichts von Busch und Roth! Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward nur der Heinz Erhardt …“

1978 mit seiner Frau Gilda in seinem Haus in Hamburg. Seine große Liebe glaubte bedingungslos an ihn


Auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg fand er seine letzte Ruhestätte


Seine Töchter Marita (l.), Grit und Verena bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Heinz Erhardt: Privat!“ in Hannover


Fotos: Getty Images, INTERFOTO, picture alliance (8)