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SERIE: KRIEG DER GÖTTER


TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 04.05.2018

TV DIGITAL sprach mit Stars und Machern der ebenso fulminanten wie wilden Bestsellerverfilmung „American Gods“


Artikelbild für den Artikel "SERIE: KRIEG DER GÖTTER" aus der Ausgabe 10/2018 von TV Digital XXL-Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TV Digital XXL-Ausgabe, Ausgabe 10/2018

Der Büffel
Shadow träumt von einem Büffel, der vor kommenden Ereignissen warnt und ihm rät, an das Unglaubliche zu glauben.


Mr. Wednesday ODIN
Der Name Wednesday bezieht sich auf Wodan, auch bekannt als Odin, den Hauptgott aus der nordischen Mythologie. Wednesday, der Shadow an einem Mittwoch trifft, ist hier mit zwei Raben zu sehen. Odin besitzt mit Hugin und Munin ebenfalls zwei Raben.


FR 18.5.

American Gods

RTL CRIME 20.15 UHR

FANTASY Zehn Folgen über die Götterdämmerung in den USA
►On Demand

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Der muskulöse Ex-Häftling Shadow Moon steigt verwundet im „Motel America“ in die Badewanne und glaubt, den Verstand zu verlieren. Wie konnte es nur so weit kommen? Alles begann damit, dass sich dieser seltsame alte Kerl in dem eleganten Mantel an seine Fersen heftete, nachdem Shadow zum Begräbnis seiner Frau vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde. Der Mann, der sich Mr. Wednesday nennt, belästigte ihn mit dem Angebot, für ihn als persönlicher Leibwächter zu arbeiten. Irgendwann willigte Shadow Moon verzweifelt ein. Mit üblen Folgen: Ein kettenrauchender junger Punk hat ihn in seiner Limousine entführt und davon geredet, die Realität umzuprogrammieren, seine Schergen haben ihn übel zugerichtet. Was der völlig erledigte Shadow Moon in der Badewanne noch nicht weiß: Bei Mr. Wednesday handelt es sich um die nordische Gottheit Odin und beim Punk um den durchgedrehten neuen Gott „Technical Boy“. Und er selbst wird zunehmend zum Spielball in einem Krieg zwischen Gottheiten aus den alten Mythologien und neuen Göttern, die die Menschen sich schufen: dem Fernsehen, dem Internet, der Globalisierung.
Schwarzhumorig , mit schlauen Denkanstößen und vor allem höchst bizarr erzählt die erste Staffel „American Gods“ in zehn Folgen von der Götterdämmerung irgendwo in Amerika. Erdacht wurde sie vom britischen Schriftsteller Neil Gaiman in seinem gleichnamigen Bestseller von 2001. Für die bildgewaltige TV-Adaption, die jetzt erstmals im deutschen Fernsehen läuft, konnte der US-Sender Starz („Spartacus“, „Ash vs. Evil Dead“) als Showrunner Bryan Fuller gewinnen, der schon die Erfolgsserien „Hannibal“ und „Star Trek: Discovery“ verwirklichte. „Neil Gaimans Buch war wie ein hübsch verpacktes Geschenk mit Schleife“, sagt Fuller. „Religion ist ein faszinierendes Thema, und es ist notwendig für unsere Kultur, dass wir untersuchen, wohin wir unsere Energien, unseren Glauben und unsere Überzeugungen richten.“

Shadow Moon
Er erkennt, dass Mr. Wednesday und seine Freunde Götter sind, die eine Welt zurückgewinnen wollen, von der sie vergessen wurden.


Mad Sweeney
Der aufbrausende irische Kobold verliert in einer Kneipenprügelei mit Shadow seine Glücksmünze.


Die alten Götter

Mr. Nancy Anansi
Der unzuverlässige Trickster-Gott aus der afrikanischen Folklore liebt es, Geschichten zu erzählen. Er mag bunte Kleidung und tritt gelegentlich als regenbogenfarbene Spinne auf.


Efrit
Seine brennenden Augen verraten ihn als mächtige arabische Gottheit.


Loki
Shadows nordischer Zellengenosse im Gefängnis gibt ihm Tipps für die Außenwelt.


Bilquis
DIE SEXGÖTTIN ist besser bekannt als Königin von Saba, eine biblische Figur, die in der arabischen, äthiopischen und jüdischen Kultur zu finden ist.


Czernobog
Der slawische Gott der Finsternis und des Bösen zögert, sich dem Krieg anzuschließen. Aber vielleicht wird ein Damespiel gegen Shadow seine Einstellung ändern?


Jesus Prime Jesus
Eine von mehreren Jesus-Figuren in der Serie. Der empathische Kerl wäre am Boden zerstört, wüsste er von Easters Groll gegen ihn.


Vulcan Vulcanus
Als einer der wenigen hat der römische Gott des Feuers und der Schmiede Erfolg in der Neuen Welt, indem er auf Feuerwaffen umsattelt.


EasterOstara
Die germanische Easter ist sauer, dass Jesus ihren Feiertag okkupiert hat. Sie nutzt gern Schokohasen zur Bestechung.


In Cairo, Illinois, betreiben die beiden Ägypter ein Bestattungsinstitut. Mr. Ibis ist der Hüter von Geschichten und Wissen, Mr. Jacquel transportiert friedlich Seelen ins Jenseits.


Im Team mit dem ähnlich erfolgreichen Autor Michael Green („Logan: The Wolverine“, „Blade Runner 2049“) erzählt er hier, wie Mr. Wednesday/Odin (Ian McShane) und Shadow Moon (Ricky Whittle) einen Roadtrip durch die USA starten, um sich mit den alten Göttern zu verbinden, die vor Hunderten Jahren als Immigranten in die Vereinigten Staaten kamen, und gemeinsam mit ihnen die neuen Götter wie Technical Boy oder Media zu bekämpfen. Es ist letztlich auch ein Kampf gegen den Verlust von Werten und Normen. Wednesday/Odin ist überzeugt, dass die Menschheit zur Wiederholung vor allem ihrer Fehler und Untaten verdammt ist, wenn sie die Vergangenheit vergisst. „Das Christentum brachte als eine der ersten Religionen die Moral ins Spiel. Davor hatte Moral keine Priorität, weil die Götter nachsichtiger waren und mehr den Menschen ähnelten. Wenn man studiert, wie Menschen erste kollektive Regeln aufstellten, um gesellschaftlich zusammenzuleben, sieht man, wie die Angst vor Bestrafung durch eine höhere Macht viel effektiver ist als jede Drohung, ins Gefängnis gesteckt zu werden“, sagt Bryan Fuller. Dass die Menschen sich neue Götter geschaffen haben, steht für seinen Partner Michael Green außer Frage: „Ich sehe so oft, wie jemand sein Telefon im Flugzeug verliert und dann auf Händen und Knien – in perfekter Gebetshaltung also – nach seiner technischen Herrlichkeit sucht, die ihn sich sicher und geborgen fühlen lässt. Wenn das keine Form der Anbetung ist, dann weiß ich auch nicht.“

Persönlich erlebt Green Smartphones und soziale Medien eher als teuflisch: „Durch leicht verdauliche Unterhaltung verschwende ich so viel Zeit und konzentriere ich mich weniger auf das, worauf es im Leben ankommt: Beziehungen“, sagt er. „Aber das Gemeine ist, dass mein Teufel meinen Göttern sehr ähnelt, die da Kunst, Film, TV und Theater heißen.“

Als exzentrische Gottheiten sind in der Serie auf beiden Seiten bekannte Stars zu sehen, etwa Orlando Jones („Evolution“) als Mr. Nancy, der afrikanischen Sklaven auf einem Frachtschiff im Jahr 1697 verrät, was sie in den USA erwartet, oder Gillian Anderson aus „Akte X“ als Media, die Shadow Moon von den Fernsehbildschirmen in einem Elektrohandel als „I Love Lucy“-Star Lucille Ball bezirzt. Allen voran brilliert Ian McShane aus „Deadwood“ als Mr. Wednesday. „In Ian steckt ein kleiner Mistkerl, und das ist perfekt für seine Rolle, denn Mr. Wednesday ist gleichzeitig charmant und destruktiv“, sagt Serienschöpfer Michael Green. Und McShane ergänzt, seine Figur sei ein Schwindler und Gauner, alles andere als die klassische Vorstellung von einem Gott. „Aber genau das gefiel mir an dieser Rolle. Wenn ein Gott mit Gewand und weißem Bart wirklich auf der Erde erschiene und behauptete, ein Gott zu sein, würde er diese Reaktion bekommen:, Halt den Mund und rasier dich erst mal!“, sagt der 75-jährige Brite und lacht. „Jesus würde wahrscheinlich erschossen werden,wenn er jetzt zurückkehrte.“

Die „American Gods“ kehren auf jeden Fall zurück: Eine zweite Staffel ist in Planung, Neil Gaimans Buchvorlage bietet Stoff für vier bis fünf Staffeln. Nur Bryan Fuller steht für Fortsetzungen nicht mehr zur Verfügung, er arbeitet schon an einem neuen Werk für die neuen Götter – einer Umsetzung der populären „Chronik der Vampire“-Romane von Anne Rice fürs TV.

Die neuen Götter

Technical Boy Internet
Das jüngste und vielleicht mächtigste Mitglied der neuen Götter beansprucht egoistischerweise alle Arten von Technologie und digitaler Kommunikation als Herrschaftsbereich.


Media Medien
Die Personifikation von Fernsehen und Prominenz erscheint im Look berühmter Popikonen, darunter David Bowie und Marilyn Monroe, um Shadow für sich zu rekrutieren.


Mr. World Globalisierung
Der stets in edle Anzüge gekleidete Mr. World ist offenbar der Anführer der neuen Götter. Seine Pläne und Absichten scheinen genauso nebulös wie die seines Rivalen Mr. Wednesday.


FOTOS: MG RTL D/STARZ ENTERTAINMENT/FREMANTLE MEDIA (16), BULLS