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SEYCHELLEN: Paradies am Abgrund


TAUCHEN ehemals unterwasser - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 14.07.2020

Ein Großteil der Riffe der Seychellen droht der Korallenbleiche zum Opfer zu fallen. Doch einige Umweltschützer wollen dem fortschreitenden Sterben nicht tatenlos zusehen.


Artikelbild für den Artikel "SEYCHELLEN: Paradies am Abgrund" aus der Ausgabe 8/2020 von TAUCHEN ehemals unterwasser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN ehemals unterwasser, Ausgabe 8/2020


Mit »Coralive« und seinem Aufzuchtprogramm kämpft der Schweizer Ahmad Allahgohli gegen das Verschwinden der Korallenriffe.


Der Garten Eden hüllt sich in Grau. Dunkle Wolken liegen über den Inseln. Irgendwo vor Madagaskar wirbelt ein Zyklon und schiebt eine Regenfront über die Seychellen. An der Nordküste von Praslin, der zweitgrößten Insel des Archipels im Indischen Ozeans, sind die Strände heute menschenleer. Einzig Akash Paunikar ...

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... sitzt auf einem Granitfelsen unter zerzausten Palmwedeln. Die nackten Füße im feinen Sand, die Augen auf das aufgewühlte Meer gerichtet, die Gedanken in der Ferne. Eigentlich wollte der junge Umweltschützer der »Marine Conservation Society« der Seychellen (MCSS) heute zu seinem Korallengarten zwischen Praslin und dem vorgelagerten Eiland Curieuse tauchen. Aber der aufgebrachte Ozean lässt es nicht zu. Der 21-Jährige betreut ein Projekt zur Korallenrestauration auf Praslin. »Seit den letzten 20 Jahren ist der Großteil unserer Riffe von Korallenbleiche betroffen«, sagt er mit Blick auf die grauen Wogen. »Nur auf den entlegenen Inseln wie Aldabra und Alphonse sieht es noch etwas besser aus.«

Viele Probleme

Meereswissenschaftler schätzen, dass seit Ende der 1990er Jahre bis zu neunzig Prozent aller Riffe der Seychellen abgestorben sind. Als Ursache gilt die zunehmende Meereserwärmung im westlichen Indischen Ozean als Folge von El Niño. Nach bisher bereits drei derartigen Phasen von Korallenbleichen konnten sich die Riffe auch nicht mehr erholen. Indem sie noch lebende Korallenfragmente aus absterbenden Riffen entfernt und unter menschlicher Obhut aufzieht, versucht die »MCSS« in Zusammenarbeit mit einigen Resorts wie dem luxuriösen »Raffles« dem Sterben der Riffe Einhalt zu gebieten. Die Fragmente werden an Seilen befestigt, die bei Temperaturschwankungen flexibler zu handhaben sind. Allerdings sind die Aufzuchtstationen äußerst pflegeintensiv: »Unser Team reinigt sie alle drei, vier Tage von Schmutz und Seepocken«, erklärt Paunikar. »Es ist ein unheimlich aufwendiges Verfahren«. Der junge Seychellois weiß, dass das Projekt nur ein winziger Beitrag zum Schutz der Unterwasserwelt sein kann. Auch die fortwährende Überfischung des Meeres setze den Riffen zu. »Wenn ich lese, dass in wenigen Jahrzehnten mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen soll, bleibt wenig Raum für Optimismus. Aber es stimmt hoffnungsvoll, dass sich viele Projekte für den Erhalt der Natur engagieren.«

Von August bis Ende Oktober ist auf den Seychellen Walhaisaison. Wissenschaftler gehen hier von einer stationären Population von bis zu 150 Tieren aus, die in der Saison durch Zuwanderer auf bis zu 450 Exemplare steigt.


Die Felsen von »La Digue« – das typische Bild der Seychellen. Auf den 32 Inseln der »Inner Islands« fallen solche Naturwunder immer häufiger Luxusresorts und Apartments zum Opfer. Oder sie leiden wie die Korallenriffe unter deren Baubedingungen.


Einige Resorts beteiligen sich an der aufwändigen Rettung der Riffe und der Korallen- wiederaufzucht.


Beton trifft auf Natur

Gemeinsam mit seiner Freundin, einer französischen Biologin, setzt sich Paunikar auch für die Meeresschildkröten der Seychellen ein. »Der Bestand ist auf den Hauptinseln drastisch zurückgegan- gen«, sagt er. Verantwortlich dafür macht er die Meeresverschmutzung, Störung durch den Menschen und den Klimawandel. Auf Mahé und Praslin gebe es kaum noch unbebaute Buchten für ihre Eiablage. Die Hotelstrände kämen dafür nicht mehr in Frage. »Auch hier macht sich immer mehr Beton breit«, sagt er. Wer genügend Geld hat, so scheint es, konnte sich im letzten Jahrzehnt auf den Seychellen seinen Traum vom Insel-Hideaway erfüllen. Zahlreiche Luxus-Hotelketten und einige Milliardäre haben sich die schönsten Plätze ausgesucht. Scheich Khalifa bin Zayed bin Sultan al- Nahyan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate und Premierminister Abu Dhabis, stellte sich gleich eine gigantische sechsstöckige Schlossanlage mit Rundumblick auf einen Bergrücken auf der größten Seychelleninsel Mahé. Die Verschmutzung durch den Bau löste Proteste in der Bevölkerung aus. Sie blieben weitgehend folgenlos. Nur wenige hundert Meter vom Sainte- Anne-Marine-Nationalpark unten in der Bucht von Victoria wurde eine 56 Hektar große künstliche Insel aufgeschüttet. Auf Eden Island wurden mittlerweile mehr als 500 Residenzen für wohlhabende Seychellois und Ausländer gebaut – Villen, Penthouse- Wohnungen, Boutiquen, Restaurants, private Strände, Bootsanleger und ein großzügiger Yachthafen. Naturschützer se- hen mit dem Großprojekt einen wichtigen Lebensraum von bedrohten Meeresbewohnern zerstört. »Das Riff, auf dem Eden Island gebaut wurde, war eine wichtige Kinderstube für Graue Riffhaie. Auf Mahé sieht man sie seither nur noch selten«, sagt Paunikar. Den Haien und Meeresschildkröten bleibt wohl nur der Rückzug in Richtung entlegener Inseln. Direkt im Sainte-Anne- Marine-Nationalpark öffnet jedenfalls im Oktober ein Club Med mit 294 Zimmern, Kids Clubs und Wassersport-Zentrum. Da dürfte ihnen der Rummel wohl auch zu viel werden.

Auf Frégate Island erfasst Anna Zora die Daten der Echten Karettschildkröte, die gerade zur Eiablage an den Strand der Insel gekommen ist. Auf den gesamten Seychellen nimmt die Zahl der unberührten Strände in den letzten Jahren stark ab.


Bis dieser Winzling an seine Geburtsstätte zurückkehrt, könnte es »seinen« Strand so nicht mehr geben.


Das »Six Senses Zil Pasyon « leistet sich ein Umwelt- Programm. David Estellés und Marta Cardoso wachen über die Schildkröten der Insel Félicité.


Die letzten Überlebenden

Vor Frégate, der entlegensten Granitinsel der inneren Seychellen, ist Ahmad »Aki« Allahgholi mit dem Tauchboot aufgebrochen, um nach dem Sturm der letzten Tage zu erkunden, wie es um die Korallen seines Restaurationsprojekts steht. Mit kräftigen Flossenschlägen gleitet er auf den Meeresgrund hinab, wo ihn bunte Papageien-, Kaiser- und sonderbare Einhornfische umschwärmen. Manchmal lassen sich hier auch Manta- und Adlerrochen, vor al- lem im Oktober und November hin und wieder auch Walhaie beobachten. Der 43-jährige Schweizer ist Gründer der Umweltschutzorganisation »Coralive«, die verschiedene Projekte zum Schutz der Riffe auf den Seychellen, Malediven, Philippinen, Jamaika und vor Kenia betreut. Vor Frégate haben sie vier Kuppeln und ein Stahlnetz installiert, auf denen seit Beginn des Projekts mit Hilfe der neuartigen Mineralakkretionstechnologie den aufgepflanzten Korallen zusätzlicher Aufwind gegeben werden soll. So sollen sie bis zu viermal schneller wachsen als unter natürlichen Umständen. »Der Sturm konnte den Korallen zum Glück nichts anhaben«, sagt Allahgholi, nachdem er zurück im Tauchboot ist. Er ist zuversichtlich, dass sein künstlicher Korallengarten auch weiterhin Stürmen und dem Klimawandel trotzt. Auf dem Inselchen ist am Morgen Anna Zora aufgebrochen, um die Strände nach frischen Spuren von Karettschildkröten abzusuchen, die gerade zu Dutzenden die Insel aufsuchen. Auf den Pfaden von einer Bucht zur nächsten versperren der Meeresbiologin bisweilen gewaltige Riesenschildkröten den Weg. »Keine andere Seychellen-Insel außer Aldabra hat mehr als Frégate«, sagt die 37-jährige Italienierin. Mehr als 3500 sollen auf der Insel leben. Um die behäbigen Giganten hüpfen wenig scheue Vögel. Sie sehen wie Amseln aus, mit einem strahlend weißen Pinselstrich auf den Flügeln. »Der Seychellendajal ist unser ganzer Stolz«, sagt Zora. Weniger als 20 von ihnen soll es um 1990 noch auf Frégate gegeben haben. Es waren die letzten Überlebenden einer Art, die auf den anderen Inseln bereits ausgestorben war. Die Umwandlung des Eilands von einer Plantage in ein Ökoresort rettete dem Seychellendajal wohl das Leben. Inzwischen gibt es wieder mehr als 160 von ihnen auf der Insel. Von hier wurden sie mittlerweile auch auf anderen Vogelinseln angesiedelt. Seit mehr als 40 Jahren versucht Frégate, durch einen exklusiven Naturtourismus seine einzigartige biologische Vielfalt wiederherzustellen. Mehr als 100.000 einheimische Büsche und Bäume wurden gepflanzt. Tausende Seevögel nisten heute wieder auf Frégate. Frégate steht mittlerweile Modell für die Renaturierung von Inseln weltweit und ihre Transformation in Ökoresorts. Finanziert wird der Naturschutz durch ein Klientel aus Wirtschaftsbossen, bekannten Politikern, Sportlern und Stars, die sich für ihren Urlaub Weltabgeschiedenheit und eine kompromisslose Privatsphäre wünschen. Dafür zahlen sie auf Frégate auch mindestens 4000 Euro pro Nacht. Als Zora am längsten Strand der Insel ankommt, gräbt gerade eine Echte Karettschildkröte ein Loch für ihre Eier. Die Meeresbiologin misst die Länge ihres Panzers und erfasst die Breite der Spur: »Die Temperatur des Sands entscheidet, ob mehr Männchen oder Weibchen schlüpfen «. So könnte der Klimawandel auch einen direkten Einfluss auf die zukünftige Bestandszahl der bedrohten Art haben. Als die Schildkröte sich auf den Rückweg über den Strand macht und flugs ins Meer verschwindet, sieht ihr die Biologin noch einen Moment lang nach. In etwa zwei Monaten werden die kleinen Schildkröten schlüpfen und ihrer Mutter in den Indischen Ozean folgen. Nur wenige werden bis zum Erwachsenenalter überleben. Vielleicht wird nur eine einzige von mehr als 100 Schlüpflingen zum Strand ihrer Geburt zurückkehren. »In 20 bis 25 Jahren«, sagt Zora. Wie wird Frégate, wie werden die Seychellen dann wohl aussehen?

Ammenhai und Glasfische gehören zur Vielfalt, die auf den Inseln immer mehr verloren geht. Was Meeresverschmutzung und der Mensch nicht zerstören, holt sich der Klimawandel.


Besonders robuste Korallenarten werden nach der Bruchmethode vermehrt und dort angesiedelt, wo andere Korallenarten der Meereserwärmung und der Versauerung nichts entgegensetzen konnten.


Mit den richtigen Maßnahmen kann man viel schaffen. Wie auf Frégate Island, dem Ökoresort mit Naturtourismus …


Noch gibt es Vielfalt unter Wasser. Um sie zu bewahren, muss jedoch gehandelt werden. Weniger Profit, mehr Nachhaltigkeit. Ob es gelingt, bleibt fraglich.


REISEINFO SEYCHELLEN

ANREISE: Condor (www.condor.de) fliegt direkt von Frankfurt auf die Seychellen. Andere Flugverbindungen führen über Addis Abeba, Abu Dhabi oder Dubai. Von der Hauptinsel Mahé besteht die Möglichkeit, mit dem Boot auf die umliegenden Inseln überzusetzen. Einige Hotelinseln bieten auch einen Flug- oder Hubschrauber-Transfer an.

HOTELS: Eines der vornehmsten Resorts auf Praslin ist das »Raffles Seychelles«. Von großzügigen Pool-Villen blickt man auf die vorgelagerte Schildkröteninsel Curieuse (Partial Ocean View Villa ab 1000 Euro pro Nacht inkl. Frühstück). Das Hotel organisiert auch Schnorchelund Tauchausflüge,www.raffles.com

Das »Six Senses Zil Pasyon« Resort ist das einzige Hotel auf der größtenteils unter Naturschutz stehenden Insel Félicité. Die Gäste-Villen haben zum Teil eine atemraubende Aussicht von den Granitfelsen. Das Hotel bietet Tauchausflüge mit dem eigenen Boot in den Cocos Island Marine Park an. Die Hideaway Pool Villa kostet ab 1625 Euro pro Nacht inklusive Frühstück,www.sixsenses.com

Beim Natur- und Artenschutz hat Frégate seit mehr als 40 Jahren eine Vorreiterrolle auf den Seychellen und gilt als eine der luxuriösesten Privatinseln der Welt. Private Tauchausflüge zu den vorgelagerten Riffen können jederzeit individuell arrangiert werden. Private Pool Villa ab 4080 Euro (für maximal zwei Erwachsene und drei Kinder unter zwölf Jahren). All inclusive (VP sowie diverse Aktivitäten),www.fregate.com

ALLGEMEINE INFOS: seychelles.travel


Fotos: Joe Daniels, Coralive.org, Win Schumacher

Fotos: Win Schumacher, Frégate Island Private, Raffles Seychelles

Fotos: Win Schumacher, David Estellés

Fotos: Joe Daniels, David Estellés, Coralive.org

Fotos: David Estellés, Joe Daniels, Fregate Island Private