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Shabby Chic mit Schweizer Charme


Liebes Land - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 22.08.2018

Wer bei Susanna Frei in die Scheune schaut, sieht keine Kühe und Schweine, sondern Kommoden und Schränke. Die sympathische Schweizerin hat Unmengen von alten Möbeln und Deko-Materialien gesammelt, die sie liebevoll im Shabby-Chic-Stil aufarbeitet


Artikelbild für den Artikel "Shabby Chic mit Schweizer Charme" aus der Ausgabe 5/2018 von Liebes Land. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Liebes Land, Ausgabe 5/2018

In nur wenigen Stunden: neues Leben für das alte Schränkchen

1 Zunächst einmal werden dickere Farbschichten und Unebenheiten abgeschliffen. Es muss nicht bis ins Detail gehen


2 Um die Tür auszusägen, wird vorgezeichnet – es soll ein attraktiver Rahmen bleiben


3 Mit einer einfachen Hand-Stichsäge wird die Tür um ihren Mittelteil erleichtert


4 Aufgeklebte hölzerne ...

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4 Aufgeklebte hölzerne Deko-Elemente aus dem Handwerksladen wirken wie Stuck


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Das alte Schätzchen mit der Bauernmalerei hat schon bessere Zeiten erlebt


Ein Teil von Deutschland liegt direkt in der Schweiz. Klingt komisch, ist aber so. Der kleine Ort Büsingen bei Schaffhausen ist auf allen Seiten von der Alpenrepublik umgeben, eine einzigartige Enklave. Um hierherzugelangen, muss man tatsächlich die Grenze passieren.

In der Fremde daheim

Susanna Frei fühlt sich allerdings hier, wie es ihrem Namen entspricht: frei. Mit Mann und Kindern bewirtschaftet sie einen ausladenden Bauernhof, hält zehn Mutterkühe und aktuell zehn Kälber. Sie schaut quasi von oben auf den Ort hinab, hat eine weite Sicht über das Land. Grenzen sieht man da nicht.
Ein „Willkommen“-Schild hängt über der Eingangstür zum ehemaligen Stall, in dem einst Susanna Freis Vater eine große Menge Kühe hielt. Mittlerweile gleicht das mehr als 200 Quadratmeter große Gebäude fast schon einem Labyrinth: Räume verschiedener Größe und Länge wechseln sich ab, man schlüpft durch kleine Türen und geht gerne mal im Kreis, obwohl man eigentlich geradeaus wollte. Und wie man sich auch dreht und wendet – der Blick fällt immer auf Shabby-Chic-Möbel, stilvoll restauriert und so geschickt zu Ensembles kombiniert, dass man sie komplett mitnehmen und zu Hause genau so wieder aufstellen möchte. Die Scheune von Susanna Frei ist wahrlich ein Paradies für Einrichtungsentdecker.

Möbel von überall her

Wo hat sie nur die ganzen kleinen und großen Unikate her? Susanna Frei bläst sich die Haare aus der Stirn und lächelt: „Die kommen zu mir. Früher habe ich viel gesammelt und gekauft, heute bringen mir die Leute ungewöhnliche Stücke, damit ich sie anschaue und restauriere.“ Über einen Mangel kann die Shabby-Chic-Expertin nicht klagen: Ihre Lagerräume sind bis unter die Decke voll mit Stühlen, Tischen, Schränkchen. Wird etwas verkauft, kann sie die Lücke ganz schnell schließen.

5 Ganz der Philosophie von Shabby Chic verpflichtet, wird die Kreidefarbe mit dem groben Pinsel aufgetragen


6 Heißluft beschleunigt die Trocknung


7 Mithilfe von Schablonen werden noch verblichene Schriftzüge aufgezeichnet


nachher
Das fertig bearbeitete Schränkchen ist ein echter Hingucker


Im Lager warten noch viele Stühle darauf, restauriert zu werden


Weiß und Hellgrau sind immer noch die dominanten Farben des Shabby Chic


Viele Ecken in der Scheune wirken wie fertig eingerichteter Wohnraum


Wer genauer hinschaut, stößt auf viele hübsche Details und bekommt tolle Ideen für daheim

Es wirkt so gemütlich, dass man eigentlich überall schnurrende Katzen erwartet – doch die gibt es nicht, wie Susanna Frei lachend erklärt: „Wir haben aber Wildkatzen in der Gegend, die schleichen sich rein. Dann kommt man morgens in die Scheune und hört sie laut fauchend flüchten!“ Geplant war die Shabby-Chic-Werkstatt nie wirklich. Wie viele Träume erfüllte sich dieser eher aus Zufall. In einem Markthäuschen im Dorf hatte Susanna Frei vor einigen Jahren Gemüse, Marmeladen und selbst gebackenes Bauernbrot angeboten. Die Regale, Kisten und Ständer dafür bemalte sie auf eigene Faust – und stellte fest, dass die Kunden sich mehr für die Möbel als für die Delikatessen interessierten: „Da wurde mir klar, dass es einen Markt für diese Sorte restaurierter Möbel gab – noch bevor der Begriff Shabby Chic in Mode kam.“

Patina als Wunscheffekt

Susanna Frei wagte den Neustart. Durchatmen, allen Mut zusammennehmen und dann die alte Scheune entrümpeln, um Platz zu machen für die neue Geschäftsidee. Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen verbringt Susanna Frei mittlerweile viel Zeit damit, ausgewählte Stücke in der Werkstatt zu neuem Leben zu erwecken. Dabei geht sie schnell und effizient vor. Shabby Chic hat in dieser Beziehung Vorteile: „Man muss nicht aufwendig vorschleifen oder grundieren, die Kreidefarben halten sogar auf Metall und Glas. Sie decken sehr gut, und gewisse Unregelmäßigkeiten sind erwünscht. Die mangelnde Perfektion ist gewollt und ein Plus.“ So werden mitunter mehrere Farbschichten übereinandergestrichen, um gleich danach wieder mit Sandpapier abgeschliffen zu werden – das simuliert die Gebrauchsspuren. Auch durchschimmernde Holzmuster gelten als chic. Wer Holz vor dem Anstrich mit Krakelierlack bearbeitet, bekommt einen rissigen Effekt, als hätte das Stück genau so seit 50 Jahren im Zimmer gestanden. Die aufgearbeiteten Möbel können zusätzlich mit neuen Griffen, Verzierungen und Knöpfen dekoriert werden. Aktuell besonders angesagt sind Schriftzüge im alten Stil, die mit Schablonen aufgemalt werden.

Raffiniert: eine in der Mitte zersägte Tür als Eck-Stellelement


Einen prima Kaffee bekommt man bei Susanna Frei noch dazu!


Gemeinsam geht’s besser

All diese Techniken sind auch für Laien einfach umzusetzen, weshalb Susanna Frei damit begonnen hat, in ihrer Werkstatt Kurse anzubieten. Hier können die Beteiligten eigene Stücke mitbringen – sei es aus dem Nachlass der Großmutter, vom Trödelmarkt oder aus der Studentenbude. Unter fachlicher Anleitung lernen sie dann, wie man vielleicht aus Alt nicht Neu, aber aus Alt Chic macht. Die Shabby-Chic-Expertin ist stolz auf den Erfolg ihrer Kurse: „Viele Leute kommen aus der ganzen Schweiz her, fahren mitunter drei Stunden durchs Land.“ Nun mehren sich die Stimmen, die meinen, dass der Shabby-Chic-Trend schon seinen Zenit überschritten hätte. Susanna Frei sieht das anders: „Da sind wir noch lange nicht. Die Leute haben viel Freude daran. Man muss sich nur immer was Neues einfallen lassen, was man damit macht.“ Jetzt kann sich eine Mitarbeiterin ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen: „Uns wird garantiert nie die Arbeit ausgehen. Die Susanna kommt wirklich jeden Tag mit einer neuen Idee an.“

KONTAKT: Shabby Chic Werkstatt Susanna Frei, Siedlerstrasse 128238 Büsingen bei Schaffhausen www.shabbychic-werkstatt.ch

Absichtlich alt und trotz Macken makellos: Shabby Chic

Fotos: Uwe Toelle