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SHOWDOWN AN DER LADESÄULE


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 32/2022 vom 11.08.2022
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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 32/2022

VW ID.5 GTX

299 PS

365 km Reichweite

36 Min. Ladezeit (5-80 %)

Kia EV6

325 PS

390 km Reichweite

18 Min. Ladezeit (10-80 %)

SPRACH-BEDIENUNG

Seit dem Update läuft die Software im VW stabiler und schneller, und die Sprachbedienung gibt sich weniger begriffsstutzig als zuvor.

VON REICHWEITEN-ANGST ist oft die Rede, wenn Vielfahrer über Elektroautos sprechen. Eines vorweg: Beide Kandidaten in diesem Vergleich – Kia EV6 und VW ID.5 GTX – schafften im Test ordentliche Werte, der Kia kam auf 390 Kilometer, der VW auf 365.

Doch die Reichweite ist natürlich nicht das Einzige, worauf E-Auto-Käufer schauen sollten – aber der Reihe nach. Der VW ID.5 ist die zwei Zentimeter flachere Crossover-Ableitung des SUV-artigeren ID.4, im Interieur identisch, gebaut ebenfalls im Werk Zwickau. Die ersten Exemplare kamen im Mai zu den Kunden. Der Kia EV6 ist bei uns seit Oktober 2021 erhältlich; er teilt sich die ...

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... 800-Volt-E-Technik (üblich sind sonst 400 Volt) mit dem Hyundai Ioniq 5.

Wer im hartkunststofflastigen VW Platz nimmt, schaut gern gleich noch mal auf die Rechnung – um den Testwagenpreis von 65 000 Euro wirklich glauben zu können. Im Kia wirken Materialwahl und Verarbeitung solider, vor allem im Fond.

Die Koreaner haben den langen Radstand und die 1,88 Meter Breite des stattlichen EV6 genutzt und ihm einen Fond-Fußraum mitgegeben, in dem man ein Fußballspiel austragen könnte. Leider sitzen die Fondpassagiere nur auf 33 Zentimeter Höhe über dem Boden, also arg tief. Für Menschen mit langen Beinen heißt das: Knie fast auf Brusthöhe.

Im VW sitzen Fondpassagiere auf 36 Zentimeter Höhe bequemer. Es sei denn, man ist über 1,90 Meter groß, dann wird es im ID.5 knapp mit der Kopffreiheit.

Der Kofferraum im VW schluckt mit 549 bis maximal 1561 Liter spürbar mehr als der im EV6, hier sind es 490 bis 1300 Liter. Und der Kia leistet sich eine Detailschwäche: Die Verzurrösen sind aus Kunststoff und an der Innenverkleidung befestigt – beim VW sind sie aus Metall und am Blech befestigt.

Kia hat die Bedienung konventionell gestaltet, mit vielen physisch vorhandenen Knöpfen, schönen, gut ablesbaren Instrumenten und logischen Multimedia-Menüs. Klappt gut.

So lässt sich etwa der Dimmer ohne jede Sucherei in irgendwelchen Menüs einstellen. Doch perfekt ist auch das Kia-Cockpit nicht: Die Bedienleiste ist mit Heizung/Klima und Navi doppelt belegt, per Taste umschaltbar. Wer hier irgendetwas sucht oder einstellen will, legt dabei gern die Hand ab – und schaltet mit dem Handballen versehentlich die Sitzheizung ein. Im Hochsommer.

Kein Vergleich aber mit dem ID.5. Hier ist es weit gewöhnungsbedürftiger, hier sind viele Funktionen im Touchscreen in der Mitte zusammengefasst, die Menüs unübersichtlich und schlecht strukturiert. Dazu kommen die seltsamen Sensorfelder – Slider – für Temperatur und Lautstärke. Die machen uns schnell nervös: Nie tun sie exakt das, was man will, und der Laut/leise-Slider ist auch noch unbeleuchtet und erfordert Hinsehen. Fortschritt ist das nicht.

Sogar den Startknopf hat VW noch abgeschafft. Schlüssel in der Tasche reicht, Platz nehmen, Bremse treten. Fahrstufe D einlegen, und er summt los. Der

STAUFÜHRUNG

Das Navi mit Echtzeit-Verkehrsmeldungen, Verkehrszeichenerkennung und wacher Sprachbedienung zählt zu den Stärken des Kia, ohne Aufpreis. 17

KIA EV6

Großes Kino: Die zwei 12,3 Zoll großen Displays kommen mit schöner Grafik und liefern jede Menge Infos. Touchscreen rechts mit klaren Menüs und logischer Struktur

Kia lässt sich konventionell via Startknopf wecken – und gibt in diesem Vergleich den Sportler. Der drehmomentstarke Stromer (605 Nm) tritt uns beim Beschleunigen heftig ins Kreuz, die zwei E-Motoren reißen das 2,1 Tonnen schwere Gefährt – der VW wiegt sogar 2275 Kilogramm – in sehr schlanken 5,2 Sekunden von null auf 100 km/h. Das geschieht mit derartiger Wucht, dass Beifahrern schnell mal übel wird. Und es verführt – die Versicherungstarife sind entsprechend hoch.

Auch der VW (460 Nm Drehmoment) ist kein Langweiler, beschleunigt aber eher sanft-nachdrücklich, erledigt den Spurt auf 100 km/h in 6,4 Sekunden. Das Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern (im Paket 1150 Euro) geht VW-typisch eher ausgewogen als sportiv zu Werke.

Der Kia hingegen lässt seine Insassen nie im Unklaren über den Straßenzustand. Lange Wellen steckt er ähnlich gut weg wie der VW, federt aber auf kurzen Unebenheiten herber. Dazu passt die Kia-Lenkung mit ihrem festeren Handgefühl, leider auch mit etwas synthetischem Gesamteindruck. Und auf unserer Test-Rumpelstrecke wirkt der Kia solider als der VW, der doch gelegentlich knistert.

VW ID.5 GTX

Fahrstufen-Drehwähler oben am kleinen Display im BMW-i3-Stil. Cockpit fast ohne echte Tasten, laut/leise über nervösen, unbeleuchteten Slider

Während der Spurhalteassistent beim VW gern dezent im Hintergrund agiert, korrigiert und zupft das Kia-System ständig am Lenkrad herum. Nervig, da fehlt Feinschliff. Im VW hingegen laden Travel Assist und Lane Assist nicht zum Abschalten ein und entlasten tatsächlich.

Beim Blick unter die Fronthaube beeindruckt der Kia mehr: Gehalten von Gasdruckdämpfern statt Haltestab im VW, verfügt die Haube sogar über eine Dämmmatte – bei einem Elektroauto! Der Kia bietet in einem Plastikgebilde, das aussieht wie die Motorabdeckung eines Verbrenners, ein Geheimfach – einen Mini-Frunk, der das Ladekabel aufnehmen kann.

Der Kia brilliert dann vor allem an der Ladesäule, wo er mit bis zu 240 kW lädt und damit klar schneller als der VW mit 135 kW (inzwischen gibt VW 170 kW an). Von fast leer auf 80 Prozent Batterieladung dauert beim EV6 etwa 18 Minuten, beim VW eine Viertelstunde län- ger. Und der Kia blieb im Test sparsamer, verbrauchte 23 kWh/100 km, Ladeverluste eingerechnet, der VW 25,7 kWh/100 km. Nett: Der Kia kann via Adapter auch einen Elektrogrill oder ein TV-Gerät mit Strom versorgen. Im Test kam der EV6, wie gesagt, 390 Kilometer weit, der ID.5 GTX 365. Wenn es nur nicht so schwierig wäre, den Kia anständig zu bewegen und nicht über die Stränge zu schlagen…

Die Laderaumkapazität und der kleinere Wendekreis sind Stärken des ID.5 GTX. Man muss in sein Design aber schon verliebt sein, um für ein zwei Zentimeter flacheres Dach und ein Spoilerheck 3200 Euro mehr auszugeben als für den etwas kastigeren ID.4.

Trommelbremsen hinten sehen beim VW nach riskanter Sparmaßnahme aus – die Bremswerte (siehe Tabelle links) geben aber keinen Anlass zur Kritik. Nur: Der Kia bremst noch besser. Und er entscheidet diesen Vergleich vor allem an der Ladesäule für sich. Reichweite ist eben nicht das einzige Kriterium; erst hohes Ladetempo macht einen Stromer reisetauglich. Rennen werden ja auch oft an der Box entschieden. Eher für Geduldige: Die Lieferzeiten liegen beim VW ID.5 um die zwölf Monate, beim Kia bei 12 bis 15 Monaten.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

Kia EV6 Mit der 800-Volt-Technik bereits eine Generation weiter. Lädt extraschnell. Heftiger Antritt – eine Art Porsche Taycan fürs halbe Geld.

VW ID.5 GTX Fahrwerk und Lenkung ausgewogen, Materialgüte wird dem Preis nicht gerecht. Gut: Zuladung, kleiner Wendekreis.

FAZIT

ROLF KLEIN, BEREND SANDERS

In zwei Punkten hängt der Kia den VW deutlich ab: bei der Ladegeschwindigkeit und bei den Garantien. Der VW ist im Kapitel Connected Car etwas weiter, erweckt aber nach bereits jetzt zahlreichen Updates den Eindruck, als sei er etwas zu früh auf den Markt gekommen.