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Showdown in Tombstone


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G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 19.08.2022

PROLOG

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Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 9/2022

Bereit für den Kampf: Die Earp-Brüder und Doc Holliday im Film »Wyatt Earp« von Lawrence Kasdan (1994)

Tombstonemacht am Nachmittag des 26. Oktober 1881 seinem Namen »Grabstein« alle Ehre. In der sonst so geschäftigen Fremont Street der Bergbaustadt herrscht Grabesstille. Umso deutlicher sind die Worte der vier Männer zu hören, die in breiter Front die Straße hinab marschieren. Martha King, die gerade aus Bauers Metzgerladen kommt, hört wie einer der Männer sagt: »Geben wir’s ihnen!« – »In Ordnung!« kommt als Antwort.

Martha zieht es vor, in den Laden zurückzugehen, und der Metzger schließt hastig die Tür. Er kennt die vier Männer: Der älteste ist Virgil Earp, stellvertretender U. S. Marshal. Den Stern als Hilfsmarshal tragen auch seine Brüder Wyatt und Morgan Earp sowie der vierte Mann, John Henry Holliday, wegen seiner Ausbildung zum Zahnarzt »Doc« genannt. Die Earp-Brüder und der gefürchtete Revolverheld gemeinsam im Einsatz – das kann nur Ärger bedeuten!

Der Ärger wartet nur ein paar Meter ...

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... entfernt, an der engen Passage neben Frys Pension und Fotostudio: fünf Cowboys, die Brüderpaare Ike und Billy Clanton sowie Tom und Frank McLaury, zudem Billy Claiborne. Tom führt sein Pferd mit sich; will er die Stadt verlassen, wäre es okay, dass er seine Waffen bei sich hat. Die anderen aber würden gegen die Anordnung verstoßen, dass Waffen während des Aufenthalts in Tombstone zu hinterlegen sind. Aber sind die Cowboys tatsächlich bewaffnet? Virgil geht kein Risiko ein: »Nehmt die Hände hoch! Ich bin gekommen, um euch zu entwaffnen!«

Als sich der Pulverrauch lichtet, liegen drei Männer in ihrem Blut

Dann geht alles ganz schnell; die tatsächlichen Ereignisse verschwinden in Pulverrauch und widersprüchlichen Aussagen. Ike Clanton und Billy Claiborne, die tatsächlich unbewaffnet sind, ergreifen die Flucht. Billy Clanton und Frank McLaury ziehen ihre Colts, die ersten Schüsse von Billy Clanton und Virgil Earp fallen gleichzeitig. Doc Holliday zieht eine Schrotflinte unter seinem Mantel hervor und feuert sie aus nächster Entfernung auf Tom McLaury ab, der hinter seinem Pferd Deckung sucht. Rund 30 Sekunden lang fallen weitere Schüsse, insgesamt 30, wie Ohrenzeugen bestätigen. Dann herrscht Stille, eingehüllt in dichte Schwarzpulverschwaden.

Als sich die Bewohner Tombstones wieder auf die Fremont Street wagen, bietet sich ihnen ein grimmiges Bild. Drei Cowboys liegen in ihrem Blut: Frank McLaury ist tot, sein Bruder stirbt, bevor man ihn in ein Haus schaffen kann, wo Billy Clanton seinen Verwundungen erliegt. Von den Earps hat es Morgan am schlimmsten erwischt, mit einer Kugel im Schulterblatt. Virgil traf eine Kugel durch die Wade. Doc Holliday hat einen Streifschuss an der Hand abbekommen. Wyatt blieb unverletzt. Haben Recht und Ordnung einen verdienten Sieg errungen?

In Tombstone bleiben die Meinungen geteilt. Die Cowboy-freundliche Zeitung Daily Nugget nennt den 26. Oktober den »purpurroten, blutigsten Tag«, an dem ein Menschenleben nichts zählte. Der Tombstone Epitaph lobt dagegen den Einsatz der Gesetzeshüter, die sich »äußerst tapfer« gewehrt hätten.

Am nächsten Morgen können Passanten die drei Toten aufgebahrt im Fenster des Bestatters betrachten. Ein Plakat kommentiert: »Ermordet in den Straßen von Tombstone«. Tatsächlich werden die Earps und Holliday von Sheriff Johnny Behan wegen Mordverdacht verhaftet.

Solche Konflikte sind typisch für die Boomtowns des Westens, und kaum eine ist »boomiger« als Tombstone mit seinen 110 Saloons, 14 Spielkasinos und zahlreichen Bordellen. Die Stadt ist gerade einmal zweieinhalb Jahre zuvor von einem Prospektor gegründet worden, der hier reiche Silbervorräte entdeckte. Ganz gegen die Voraussage eines Kollegen, dass er in der Wüste Arizonas nur seinen Grabstein finden werde – daher der makabre Name.

Der Silberfund setzte umgehend eine Karawane von Glückssuchern in Marsch; inzwischen leben über 10 000 Menschen in Tombstone. Darunter die Earps, die aus Kentucky stammen. Sie suchen ihre Zukunft im Westen – nicht mit harter Bergbau-Arbeit, sondern als Saloon-Wirte und Hotelbesitzer, was Bordell-Betrieb einschließen kann. Dazu ein bisschen Glücksspiel – und das Angebot, ihre Schießkünste zu verkaufen. Bewaffnete Begleiter gehören zur Standardbesatzung von Postkutschen und Silbertransporten. Der nächste, sehr viel besser bezahlte Karriereschritt ist eine Laufbahn als Sheriff oder Marshal. Männern mit Kriegserfahrung wie Virgil Earp traut man zu, die Ordnung in Stadt und County aufrechtzuerhalten.

Gestört wird diese immer wieder von Cowboys wie den Clantons oder McLaurys. Deren kleine Ranchen sind in den Augen der Stadtbürger nur eine Fassade, hinter der sie Viehdiebstahl und Schmuggel über die nahe mexikanische Grenze betreiben und kriminellen Kumpanen Unterschlupf gewähren. Oder ihnen Alibis liefern. 1881 hat es bereits mehrere Kutschenüberfälle im Umland gegeben. Marshal Earp und Sheriff Behan können einige Verdächtige aus dem Umkreis der Cowboys festnehmen, doch deren Zeugnisse vor Gericht lassen keine andere Wahl, als die Beschuldigten laufen zu lassen – so ihnen nicht ohnehin eine verdächtig einfache Flucht aus dem Gefängnis gelungen ist.

Die Fronten in Tombstone verhärten sich. Auf der einen Seite die städtischen Geschäftsleute. Sie kommen überwiegend aus den Nordstaaten und erhoffen sich von den Gesetzeshütern Ruhe und Ordnung. Auf der anderen Seite stehen Rancher, Minenarbeiter und gesellschaftliche Randgruppen, zumeist Südstaatler, die oft mit den Cowboys und Outlaws sympathisieren. Dazu zählt auch Johnny Behan, der sich im Frühjahr 1881 bei der Bewerbung zum Sheriff des neu gegründeten Cochise County gegen Wyatt Earp durchsetzt.

Pokern mit dem falschen Mann: Doc Holliday ist ein ausgebuffter Zocker

Die Bürger Tombstones vertrauen da eher auf die Unterstützung des Marshals Virgil Earp und seines Clans. Zusammenstöße zwischen den beiden Lagern werden häufiger, das Auftreten der Cowboys wird frecher. Der Stadtrat von Tombstone verbietet im April 1881 das Tragen von Waffen in der Stadt. Gewehre, Colt und sogar Messer müssen deponiert werden. Die gegenseitige Abneigung hält die Clantons nicht davon ab, mit der Earp-Partei Poker zu spielen – keine gute Idee bei einem so ausgebufften Berufszocker wie Doc Holliday. Am 25. Oktober kommt es wieder einmal zu heftigen Streitereien, bei denen sich Ike Clanton zu wilden Gewaltdrohungen hinreißen lässt. Am nächsten Tag versammelt Virgil Earp seine Truppe, um ein Exempel zu statuieren.

Nicht am O.K.Corral

Dass die berühmte Schießerei vor den Stallungen des O. K. Corrals stattgefunden habe, war die dichterische Freiheit eines Lokaljournalisten. Diese wurde dann von den Wyatt-Earp-Biografen übernommen. Tatsächlich lag der Stall, von dem Tom McLaury sein Pferd abholte, auf der anderen Seite des Straßenblocks zwischen der Fremont und Allen Street

Johnny Behan sucht derweil hastig nach den Cowboys und findet die Gruppe der fünf gegen halb drei in der Fremont Street. Er fordert sie auf, ihm ihre Waffen zu geben, doch sie behaupten unbewaffnet zu sein. Dann tauchen vier Männer am Ende der Straße auf.

Auf den Freispruch für Wyatt Earp folgt die brutale Rache der Cowboys

Die Aussagen der Cowboys, Martha Kings sowie der Augenzeugen, die behaupten, dass die Cowboys sehr wohl die Hände hoch genommen hätten, bilden die Grundlage der Mordanklage gegen Marshal Earp & Co. Die abgefeuerten Waffen der Cowboys sind aber gefunden worden, andere Zeugen widersprechen der Anklage. Der untersuchende Arzt erklärt die Wunden als unvereinbar mit erhobenen Händen. Die Gebrüder Earp und Doc Holliday werden freigesprochen.

Ike Clanton und andere Cowboys entschließen sich daraufhin, die Rache selber in die Hand zu nehmen. Am 28. Dezember feuert jemand aus dem Hinterhalt mit einer Schrotflinte auf Virgil Earp. Er überlebt; sein linker Arm bleibt aber verkrüppelt. Am 18. März 1882 wird Morgan Earp während eines Billard-Spiels durch das Fenster des Saloons erschossen. Wyatt organisiert einen Trupp zur Verfolgung der Täter und erschießt einen der Hauptverdächtigen.

Die Hauptbeteiligten verlassen jedenfalls die Stadt, deren kurze Blüte schon 1886 zu Ende geht. Ein Jahr später stirbt Doc Holliday an seiner Tuberkulose, die er im Westen auszukurieren versuchte, und Ike Clanton wird bei einem weiteren Viehdiebstahl erschossen. Virgil Earp stirbt 1905, während Wyatt als Saloonbetreiber und Glücksspieler ein kleines Vermögen verdient – und er wird berühmt.

Das junge 20. Jahrhundert verklärt zusehends den Wilden Westen: Einer der ersten Stummfilm-Schlager Amerikas ist »The Great Train Robbery« (»Der große Eisenbahnraub«) von 1903. Westernfilme werden zum Erfolgsgenre Hollywoods. Zeitzeugen sind da gesucht. Journalisten und Buchautoren interviewen Wyatt Earp und verklären ihn zum großen, »guten« Gesetzeshüter. Seine Darstellung der Ereignisse in Tombstone ist damit festgeschrieben. Wyatt Earp stirbt im Januar 1929 im Alter von 80 Jahren in Los Angeles. Den Sarg tragen die berühmtesten Western-Stars seiner Zeit.

FILMTIPP

»Zwei rechnen ab«. Der Tombstone-Klassiker mit Kirk Douglas und Burt Lancaster, DVD ca. € 6,–