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Sichtbar, unsichtbar und überall ...


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 23.07.2021

Tierschutz

Artikelbild für den Artikel "Sichtbar, unsichtbar und überall ..." aus der Ausgabe 8/2021 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 8/2021

Sein Magen war zwar voll, aber trotzdem ist er qualvoll verhungert. Ein junger Cuvier-Schnabelwal hatte vor den Philippinen keine Chance: Er ist an der Küste der Insel Luzon gestrandet. In seinem Magen fanden Meeresforscher insgesamt 40 Kilogramm Plastik – von Einkaufstüten über 16 Reissäcke bis hin zu vier großen Pflanzsäcken, die normalerweise auf Bananenplantagen zum Einsatz kommen. Ein schrecklicher Tod, den der rund 4,7 Meter große junge Meeressäuger erleiden musste.

Das ist leider kein Einzelfall. Weltweit landen jährlich von rund 322 Millionen Tonnen Plastikmüll ganze 35 Millionen Tonnen in der Umwelt – und laut Naturschutzbund gelangen davon gut 7,5 Millionen Tonnen in die Weltmeere.

Stabil und nahezu ewig haltbar

Unsere Erde ist zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt – die Ozeane sind somit Lebensraum für Millionen von Tieren, Pflanzen und Organismen. Die Tragödie: Das Meer wird nun mehr ...

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... und mehr zur Hauptmüllkippe der Welt. Angefangen von Tüten und Plastikflaschen bis hin zu Geisternetzen, die beim Fischfang verloren gingen. Selbst in den Tiefen des Mariannengrabens sind Plastikpartikel zu finden und Lebewesen bereits mit Mikroplastik verunreinigt, wie Proben belegen. Man schätzt, dass rund 100.000 Meeressäugetiere und etwa eine Million Meeresvögel an Plastikmüll sterben.

Auf den ersten Blick ist Plastik ein praktisches Material für uns Menschen. Schließlich ist es stabil und in allen möglichen Formen erhältlich. Ob Zahnbürste oder Kunstsoff-Dose, Einwegbecher oder Eimer, Kiste oder Wattestäbchen – es ist quasi „unkaputtbar“. Doch genau das ist das Problem für unseren Planeten und hat dramatische Folgen für die Umwelt. Denn ob Einwegbecher oder über Jahre genutztes Küchenbrett – nach Angaben des WWF dauert es zwischen 350 bis 400 Jahre, bis sich unsere bunten Plastikabfälle komplett aufgelöst haben. Ein Styroporbecher ist nach rund 50 Jahren verschwunden, eine Wegwerfwindel sogar erst nach 450 Jahren. Eine Plastikflasche benötigt ebenfalls bis zu 450 Jahre, um zu „verrotten“.

Mittlerweile treiben nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe auf jedem Quadratmeter Meeresoberfläche. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn mehr als 70 Prozent der Abfälle sinken zu Boden und bleiben verborgen. Wenn also weiterhin genauso viel Plastikmüll achtlos in unseren Ozeanen landet, wird in nur wenigen Jahrzehnten mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen.

Auch Vögel und Landtiere leiden

An Plastikmüll in ihren Mägen verenden aber nicht nur Meeresbewohner: Während Meeresschildkröten beispielsweise Plastiktüten für Quallen halten, die zu ihrer Nahrung gehören und im Wasser ganz ähnlich aussehen, wird für viele Vögel der Geruch des Plastikmülls zum Verhängnis. Röhrennasen- Vögel wie Albatrosse oder Sturmtaucher verlassen sich auf ihren Geruchssinn und jagen vorwiegend Krebstiere und Fische im Meer. Diese ernähren sich zumeist von Plankton. Forscher der University of California haben herausgefunden, dass manche Planktonarten den Geruch von Dimethylsulfid verströmen, wenn sie von anderen Tieren gefressen werden. Die Crux: Wenn Plastik lange Zeit im Meer schwimmt, bilden sich an der Oberfläche faulende Algen, die das gleiche Dimethylsulfid ausströmen. Die Röhrennasen werden angelockt ... und fressen das Plastik – mit verheerenden Folgen. Zudem bauen immer mehr heimische Sing- und Wasservögel ihre Nester, Eichhörnchen ihre Kobel mit Plastikmüll. Jungtiere werden damit gefüttert oder verfangen und verletzen sich. Und sterben.

Was in den Ländern geschehen muss:

Ein Abfall-Vermeidungsziel aufstellen und verbindliche Mindeststandards zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen

Wiederverwertungsquoten für Lebensmittel-, Verkaufs-, Transportund Versandverpackungen einführen

Umsetzung der Mehrwegquote für Getränkeverpackungen im Verpackungsgesetz

Abgaben auf Einwegartikel und in diesem Zusammenhang steuerliche Vergünstigungen für Mehrwegverpackungen

Verbot des Zusatzes von Mikroplastik in Produkten

Einschränkung des Exports von Kunststoffabfällen

EU-weites Verbot der Deponierung unbehandelter Siedlungsabfälle

Internationale Konvention zur Beendigung des Eintrags von Plastik in die Umwelt

Auch in Böden ist Plastik ein Umweltproblem. Das Institut für europäische Umweltpolitik (IEEP) schätzt die Mikroplastik-Belastung an Land sogar auf bis zu 32-mal höher ein als in den Ozeanen. In die Erde gelangt das Plastik unter anderem durch Reifenabrieb, landwirtschaftlich eingesetzte Kunststoffe sowie das Düngen mit von Mikroplastik belastetem Kompost.

Was jeder Einzelne tun kann :

Plastikmüll vermeiden ist eigentlich ganz leicht:

Mehrwegbecher für „To-go“-Getränke verwenden

Holzzahnbürste und Papier-Wattestäbchen benutzen

Produkte, in denen Mikroplastik enthalten ist (z. B. vielen Cremes oder Zahnpasta) meiden

Loses Gemüse und Obst kaufen anstatt in Plastkverpackungen; stattdessen Obst-und Gemüsenetz nutzen

Kinderspielzeug aus Naturmaterialien kaufen/verschenken

Haarwasch-& Körperseifen nutzen. Sie benötigen keine Plastiktube

Schneidbretter aus Holz nutzen

Spielzeug oder andere Plastikgegenstände, die nicht mehr benutzt werden, bei Ebay oder auf dem Flohmarkt verkaufen

Müll trennen; Dinge wiederverwenden oder gebraucht kaufen

Auf Reisen den Koffer nicht mit Folie umwickeln

Mehrwegflaschen statt Einwegflaschen kaufen

Weniger ist mehr: Erst einmal überlegen, ob man dieses oder jenes wirklich braucht. Allgemein Dinge zu reduzieren und somit auch Müll, wäre ein Schritt in die richtige Richtung

Bis in unsere Nahrungskette

Denn viel zu häufig werden Plastiktüten und andere Kunststoffteile falsch im Biomüll entsorgt und landen so letztlich als Mikroplastik auf den Feldern. Hinzu kommt der Eintrag über das Regenwasser. Denn auch in der Luft schwirrt Mikroplastik herum, zum Beispiel Mikrofaser aus synthetischer Kleidung. Eine aktuelle Studie zählte etwa in Paris täglich rund 300 Partikel pro Quadratmeter. Doch nicht nur über die Atemluft, sondern auch über unsere Nahrung nehmen wir kleinste Plastikteilchen auf – beispielsweise durch mit Mikroplastik belasteten Fisch auf dem Teller. Auch die Auslagerung unseres Mülls ins Ausland muss dringend gestoppt werden. Derzeit wird noch immer ein Großteil unserer Kunststoffabfälle nach China, Indien, Indonesien und Vietnam exportiert. Vor allem Malaysia hat sich seit 2018 zum bedeutendsten Abnehmer von Altkunststoffen entwickelt. Das ist insofern noch umweltschädlicher, weil in vielen asiatischen Ländern noch keine Entsorgungssysteme existieren. Deshalb gelangt der Plastikmüll dort besonders leicht in die Umwelt. All das macht die Tiere und uns Menschen krank. Es ist also höchste Zeit, umzudenken.