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Sie lebte im Luxus und starb ganz arm selig an der heimlichen Fürstin!


die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 16/2021 vom 08.08.2021

Attentat

Artikelbild für den Artikel "Sie lebte im Luxus und starb ganz arm selig an der heimlichen Fürstin!" aus der Ausgabe 16/2021 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 16/2021

Spurensuche am Abend nach dem Attentat. Die reichste Frau Monacos war an Hals, Kiefer und Oberkörper getroffen worden

Wenn es ums liebe Geld geht, zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht. Vor allem wenn es um sehr, sehr viel Geld geht. Konkret: um 19 Milliarden Euro! Da passiert es schnell mal, dass die Gier den Verstand ausschaltet. Und plötzlich findet man sich im aufsehenerregendsten Mordfall wieder, den das kleine Monaco bisher erlebt hat. Eines steht jetzt schon fest: Die Causa „Hélène Pastor“ bietet reichlich Stoff für eine Verfilmung. Wer weiß, vielleicht wird dieser Finanz-Thriller um den weiblichen Immobilien-Tycoon tatsächlich irgendwann im Kino laufen …

Es war der 6. Mai 2014 (um 19.10 Uhr), als die superreiche Geschäftsfrau im Alter von 77 Jahren nachts vor der Klinik L’Archet an der Route de Saint-Antoine de Ginestière in Nizza niedergeschossen wurde. Mit einem abgesägten Jagdgewehr in ihrer schwarzen Lancia-Voyager-Limousine. Auch ihr Chauffeur, der Ägypter Mohamed Darwish, 64, wurde ...

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... getroffen, starb wenige Tage später an den Folgen des Attentats. Hélène Pastor fiel ins Koma, erwachte daraus am 16. Mai, erlag dann jedoch am 21. Mai ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus Saint-Roch (im Stadtzentrum von Nizza). Mit ihrem tragischen Tod endete gleichzeitig eine Dynastie in Monaco – und damit ist nicht die Fürstenfamilie Grimaldi gemeint: Hélenè Pastors Einfluss, Wirken und Macht war jahrzehntelang bedeutsam für den Stadtstaat an der französischen Mittelmeerküste. Ohne ihren Geschäftssinn und ihr Händchen für Luxus-Immobilien hätten sicher viele der Reichen und Schönen dieser Welt in dem Zwergenstaat keine Heimat gefunden. Die Milliardärin war die heimliche Fürstin Monacos! Sie lebte im Luxus und endete auf der Straße ...

Doch wer hatte die gebürtige Monegassin auf dem Gewissen? Was waren die Motive für diese heimtückische und brutale Tat? Hatte sich die Firmen-Chefin womöglich mit den falschen Leuten bei ihren Immobiliengeschäften eingelassen? Hatte sie es sich gar mit der Mafia verscherzt, die über Leichen geht, wenn es ihrer Sache dient? War die Matriarchin ihnen zu mächtig und zu einflussreich geworden? Musste ein Exempel statuiert werden? Spielte Geldwäsche eine Rolle? In kaum einer anderen Branche geht es schließlich um so hohe Geldbeträge. Fragen über Fragen, die zunächst niemand beantworten konnte. Die Ermittlungen begannen. Insgesamt 21 Verdächtige sollten festgenommen werden …

Hatte es sich die Milliardärin mit der Mafia verscherzt ...?

Hélène Pastor wuchs mit dem sprichwörtlich goldenen Löffel im Mund auf. Trotz ihrer späteren Bekanntheit (die einer grauen Eminenz glich) und ihres Einflusses in Politik und Gesellschaft, ließ sie sich selten auf öffent lichen Events sehen und fotografieren. Der große Auftritt war nicht ihre Sache. Den überließ sie anderen – wie Fürst Albert von Monaco, 63, nebst Gattin Charlène, 43, und dem restlichen Grimaldi-Clan.

Doch wie wurde Pastor zu der Persönlichkeit, die sie war? Alles begann im 19. Jahrhundert. Ihr Großvater Jean Baptiste Pastor war der Begründer des heutigen Geschäftsimperiums. Es war eine Vom- Teller wäscher-zum-Millionär-Geschichte. Pastor wurde im kleinen Bergdorf Buggio in der Nähe der Stadt Sanremo an der italienischen Riviera geboren. Als Vollwaise musste er bereits im Alter von 13 Jahren selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen, schuftete als Bergbauarbeiter und Steinmetz. Um 1880 zog Pastor nach Monte Carlo, gründete dort 1920 seine Baufirma „J. B. Pastor & Fils“. Schnell erhielt er große Aufträge von oberster Stelle – wie vom damaligen Fürsten Louis II. von Monaco (1870–1949). Der wünschte sich ein Fußballstadion. Er bekam es von Pastor. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte der clevere Unternehmer die Gunst der Stunde und kaufte „für’n Appel und ’n Ei“ (wie man so schön sagt) Land am Meer – speziell in der Gemeinde Larvotto.

Fürst Rainier III. (1923–2005) tat dann das Übrige für den Reichtum der Familie Pastor und für sein kleines Land: Er machte Monaco zu einer Steuer-Oase. Pastors Sohn Gildo (1910–1990) bebaute Mitte der 1960er-Jahre die gekaufte Fläche am Meer und schloss – statt die Wohnungen und Häuser zu verkaufen – mit Interessenten Miet verträge. Er verdiente sich damit eine goldene Nase. Sohn Gildo führte das Familien unternehmen erfolgreich weiter und maximierte den Gewinn. Letztlich besaß seine Firma 15 Prozent des gesamten Wohnbestandes in Monaco (an die 3000 Wohnungen auf einer Fläche, die nur halb so groß wie der Englische Garten in München ist), mit einem geschätzten Wert von 20 Milliarden Euro.

Und wieder kam die nächste Generation an die Reihe, um das Imperium fortzuführen und noch mehr Profit einzufahren: Hélène Pastor und ihre zwei Brüder Michel (1943–2014) und Victor (1936–2002). Hélène (Jahrgang 1937) schien auf eine gewisse Art eine großzügige Frau gewesen zu sein. Schließlich bekamen ihre Tochter Sylvia, 60, und deren Lebensgefährte, der gebürtige Pole Wojciech Janowski,71, jeden Monat einen Scheck in Höhe von einer halben Million Euro. Dabei war das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter eher angespannt – das wusste auch Halb bruder Gildo, 54, benannt nach seinem Großvater. Wie berichtet wurde, hatten Mutter und Tochter häufig Differenzen, die vor allem finanzieller Natur waren. Ganz anderer Natur war die Beziehung der Milliardärin zu ihrem Sohn – nämlich herzlich und eng.

Doch der Reihe nach. Nachdem die monegassische Polizei den Doppelmord nicht mit der Mafia in Verbindung bringen konnte, suchte sie im direkten Umfeld der Toten nach Verdächtigen. Bei so einem gigantischen Vermögen sind Neider und Erpresser nicht weit. Meist gibt es im Verwandten-, Bekannten- und Familienkreis ein schwarzes Schaf, das bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen. Dass das Milliarden-Vermögen als Motiv für das Attentat infrage kommt, sollte den Ermittlern schnell klar werden. Doch wer konnte so gerissen sein und wer hatte die Mittel und Kontakte, um solch eine Tat zu planen und auszuführen? Etwa Tochter Sylvia? Fakt ist: Ihre Beziehung zur Mutter war mehr als prekär. Aber würde sie auch so weit gehen, ihre Mutter umbringen zu lassen? Die Beamten ließen nicht locker. Und plötzlich geriet sogar der Schwiegersohn in spe, Wojciech Janowski ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Hatte den ehemaligen Honorar konsul die Nähe zum großen Geld gierig gemacht? Was für ein Skandal: Ein Mann, der zur noblen High Society Monacos gehört und einen tadellosen Leumund hat, macht sich plötzlich die Finger schmutzig? Geradezu absurd, finden viele. Einfach unmöglich!

Oder machte die Geldgier ihren Schwieger sohn zum Killer?

Was die monegassische Elite allerdings für einen schlechten Scherz hielt, bewahrheitete sich im Oktober 2018. Das Schwurgericht in Aix-en-Provence (Südfrankreich) verurteilte Janowski zu lebenslanger Haft. Was war geschehen? Pastors Schwiegersohn in spe hatte, wie herauskam, für 200 000 Euro seinen Fitnesstrainer beauftragt, über Mittelsmänner zwei Killer zu besorgen. Der heuerte daraufhin in Marseilles Unterwelt dunkle Gestalten an, die für Geld alles machten – Mord inklusive! Wie sich rasch herausstellte erledigten Samine Said A., 31, und Alhair H., 38., die Drecksarbeit und bekamen 100 000 Euro für die Liquidierung Hélène Pastors und weitere 20 000 für die Tötung des Chauffeurs.

Die Auftragskiller gingen den Ermittlern ins Netz, weil sie am Tat-Abend in Nizza unfassbar dilettantisch vorgegangen waren. Zum Tatort ließen sie sich zum Beispiel im Taxi kutschieren, woran sich der Fahrer schon allein deshalb erinnern konnte, weil er für die Fahrt von Marseille nach Nizza 500 Euro kassierte.

Die Täter wussten, dass Hélène Pastor am Tat-Tag ihren Sohn Gildo, der wegen eines Schlaganfalls behandelt wurde, in dem betreffenden Krankenhaus in Nizza besuchen wollte. Was sie aber nicht wussten: dass Videokameras rund um die Klinik alles aufzeichneten. Auch das blutige Massaker! In dem Hotel in Nizza, in dem die Attentäter untergekommen waren, konnte die Polizei zudem DNA-Spuren und Fingerabdrücke auf einer Duschgel-Flasche sichern.

Dann fehlte auch nicht mehr viel, bis der Name des Auftraggebers genannt wurde: Wojciech Janowski. Die Schlinge um seinen Hals zog sich zu. Schließlich gab der ehemalige Honorarkonsul ein Geständnis ab, das er allerdings kurz darauf widerrief. Das Argument seines Verteidigers: Es habe Sprachprobleme gegeben. Sein Mandant habe die Worte „in Auftrag geben“ nicht verstanden. Auch gegenüber der Regionalzeitung „Nice- Matin“ beteuerte Pastors Schwiegersohn in spe immer wieder seine Unschuld: „Es ist alles getan worden, um mich schuldig erscheinen zu lassen“, behauptete Janowski. Doch weder Staatsanwalt noch Richter glaubten an irgend-welche Missverständnisse. Schließlich lebte der Angeklagte bereits seit 30 Jahren in Monaco und seit 28 Jahren an der Seite von Sylvia Pastor. Es gibt eine gemeinsame Tochter. Und er beherrscht die französische Sprache perfekt.

Überhaupt stellte sich während des Prozesses heraus, dass es Janowski offenbar mit der Wahrheit nicht so genau nahm. „Sein Diplom von der Cambridge-Universität war erfunden, seine angeblich florierenden Öl-Geschäfte stellten sich als finanzieller Abgrund heraus“, berichtete die „Kölnische Rundschau“. Seit Jahren hätte er den Plan verfolgt, „ich muss die Alte beiseiteschaffen“, damit Tochter Sylvia das Familienvermögen erbe und er es verprassen könne – wurde kolportiert. Bisher hatte er ja vom Geld der „Schwiegermama“ bestens gelebt. Von neun gemeinsamen Millionen Euro hatte er siebeneinhalb für sich abgezweigt, davon Häuser und ein Boot gekauft. Aber das reichte wohl nicht …

Nachtrag: Doch nicht nur Wojciech Janowski kassierte vor Gericht lebenslänglich. Die Auftragskiller ebenso. Janowskis Fitnesstrainer, der Vermittler, wird erst nach 30 Jahren das Gefängnis wieder verlassen können.

Anne Wildermann