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„Sie sagten zu mir: Du bist ja gar nicht so ein Arsch“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 16.02.2022

BUNDESLIGA

ROBERT ANDRICH

Hier spricht der beste Bundesliga-Transfer

Artikelbild für den Artikel "„Sie sagten zu mir: Du bist ja gar nicht so ein Arsch“" aus der Ausgabe 7/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Andrich kam im Sommer 2021 für 6,5 Mio. Euro Ablöse von Union Berlin nach Leverkusen. Seine Rolle war schon im ersten Gespräch klar: Er soll der Anführer sein

SPORT BILD: Robert Andrich, Sie haben über eine gelungene Grätsche mal gesagt: „Da denkst du als Spieler: Geil, ich habe den Ball getroffen und dem Gegner wehgetan.“ Beschreibt die Aussage Ihre Mentalität?

ROBERT ANDRICH (27): Das habe ich nach einer engen 0:2-Niederlage mit Union Berlin gegen den FC Bayern gesagt. Ich habe mich darüber aufgeregt, dass der Schiedsrichter die Grätsche als Foul gewertet hatte, da ich zuvor klar am Ball war. Aus meiner Sicht gehört das zum Fußball: den Ball zu spielen und dem Gegner trotzdem etwas wehzutun.

Sie haben sogar einen grätschenden Spieler auf Ihre rechte Wade tätowiert. Ist Ihnen eine perfekte Grätsche lieber als ein Freistoßtor wie Ihr 3:1 beim 5:2 in Dortmund?

Oft ist die Grätsche für die Mannschaft wichtiger und wertvoller als ein Treffer. Für mich persönlich ist ein Freistoß-Tor schöner. ...

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Für SPORT BILD sind Sie der beste Transfer dieser Saison. Die 6,5 Millionen Euro Ablöse an Union haben sich voll ausgezahlt, weil Bayer mit Ihnen genau den Spieler verpflichtet hat, der zuvor fehlte. Eine Mentalitäts-Maschine auf dem Platz ...

Es ging schon in meinem ersten Gespräch mit unserem Sportdirektor Simon Rolfes darum, dass ich meine Mentalität in der jungen Mannschaft, die riesiges Potenzial hat, einbringen soll. Das habe ich bisher ganz gut hinbekommen. Eine Voraussetzung dafür war, dass ich trotz der großen Konkurrenz meine Rolle auf dem Platz finde. Wer da nicht überzeugt, wird kein Führungsspieler.

Matthias Sammer sagte mal: „Wenn ich am Ende vorn stehe, können mich die Leute auch Arschloch nennen. Das ist mir egal.“ Gilt das auch für Sie?

Jede Mannschaft braucht Spieler, die anpacken, antreiben und Dinge offen aussprechen. Nach innen und nach außen. Als ich noch für Union gespielt habe, war ich mit einigen Leverkusenern aneinandergeraten. Nachdem wir uns hier besser kennengelernt hatten, sagten sie: „Du bist ja gar nicht so ein Arsch.“

Mit wem hatten Sie sich angelegt?

Kerem Demirbay zum Beipiel, auch Karim Bellarabi und Nadiem Amiri. Ich mag es zu versuchen, Gegenspieler mit Worten aus dem Konzept zu bringen und meiner Mannschaft so zu helfen. Zu provozieren ist ein Teil des Spiels.

Wie waren Sie als Kind? Hatten Sie da schon die gleiche Mentalität, oder gab es nach Niederlagen eher Tränen?

Wenn ich mal geweint habe, sind Wut-Tränen geflossen. Damals konnte ich noch schlechter verlieren als heute und das nicht nur beim Fußball, sondern auch bei Brettspielen. Bei „Mensch ärgere Dich nicht“ ist es schon mal ungemütlich geworden.

Wie ist es heute?

Ich spiele das nicht mehr, da ist Stress programmiert, dem gehe ich lieber aus dem Weg (lacht)!

„Wie Sergio Ramos dem Gegner Angst einjagt, da ist er ein großes Vorbild“

Und wie haben Sie das auf dem Platz gelöst?

Ich war als Kind immer recht klein, habe erst im Alter von 18 Jahren einen richtigen Schuss in die Höhe gemacht. Bei mir stellte sich in der Jugend oft die Frage, ob ich körperlich mithalten kann. Mit meiner Mentalität habe ich mich dann aber doch durchgebissen.

Wer war Ihr Vorbild?

Ganz am Anfang Bayerns Giovane Elber, weil ich da noch Stürmer war. Als ich dann im Mittelfeld gespielt habe, wurde Bastian Schweinsteiger mein Idol. In ihm habe ich mich gesehen: ein bisschen verrückt mit den Frisuren, zu Beginn seiner Karriere etwas schmächtig. Er hat die Position im Zentrum toll ausgefüllt, war ein Anführer. Als er aufgehört hatte, habe ich mir viel von Sergio Ramos bei Real Madrid abgeschaut. In seiner Art, wie er auf dem Platz auftritt, wie er dem Gegner Angst einjagt – da ist Sergio Ramos ein großes Vorbild.

Mögen Sie es, wenn Gegner Angst vor Ihnen haben?

Ich nehme es als Kompliment, wenn jemand sagt, dass er nicht gerne gegen mich spielt. Ich versuche zu verkörpern, dass wir immer gewinnen wollen – egal, wie.

Leverkusen galt immer wieder als Wohlfühloase, auch bei anderen Klubs gibt es immer wieder Mentalitäts-Diskussionen. Kann man Mentalität lernen, oder muss man das in der DNA haben?

Man kann es trainieren, wenn man es will. Das hängt mit dem Naturell zusammen: Welche Vorstellung habe ich von meiner Leistung und meinem Verein? Will ich nur mitspielen, oder möchte ich Verantwortung übernehmen? Ist jemand introvertierter, ist es völlig in Ordnung, wenn er nicht als Antreiber vorangeht. Am Ende zählt der Erfolg. Da wird es bei mir schon mal rauer, wenn es sein muss.

Im Herbst forderten Sie während der Leverkusener Schwächeperiode: „Es muss bei uns auch mal knallen!“ Heute stehen Sie auf Platz 3. Hat es geknallt?

Ja, hat es. Für meinen Geschmack sogar noch zu wenig. Trotzdem sind wir jetzt viel weiter als vor drei Monaten.

Sind auch andere Spieler lauter geworden?

Es geht nicht darum, jemanden anzuschreien. Oft bewirken leise Ratschläge mehr. Wenn man zum Beispiel auf dem Weg zum Trainingsplatz mal jemanden anstachelt: „Komm, hol alles raus heute.“ Wir haben einige Typen in der Mannschaft, die diese Führung übernehmen.

Gehört der 18-jährige Florian Wirtz schon dazu? Trainer Gerardo Seoane sagte, dass er „die Welt aufessen“ wolle.

Flo ist nicht der Typ, der andere coachen möchte. Er lebt seinen Siegeswillen auf dem Platz. Er will jedem Gegenspieler beweisen, dass er besser ist – in jedem Duell. Das macht auch ihn zu einem Anführer.

„Am Ende zählt der Erfolg. Da wird es bei mir schon mal rauer, wenn es sein muss“

Sie glänzen mittlerweile selbst durch technische Klasse. Profitieren Sie von Spielern wie Wirtz, Diaby, Demirbay an Ihrer Seite?

Wenn du in einen Top-Klub kommst, hast du bessere Mitspieler. Davon profitiere ich. Am Ende müssen sich spielerische und mentale Qualität die Waage halten. Es ist gut, dass wir uns aktuell nicht nur über den Ballbesitz definieren, sondern dass wir auch mal tiefer stehen und kontern. Das gefällt den Offensivspielern nicht immer. Aber es ist erfolgreich.

Sie sind ein Spätstarter. Nach der Zeit im Hertha-Nachwuchs konnten Sie sich nicht bei den Profis durchsetzen und gingen nach Dresden, Wehen Wiesbaden und Heidenheim. In der Bundesliga spielten Sie erstmals mit Union Berlin im Alter von 25 Jahren. Wieso?

Ich wurde sicherlich etwas unterschätzt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass mir mit 18 oder 20 Jahren die mentale Reife gefehlt hat. Ich hatte zu viele andere Dinge im Kopf. Berlin, große Stadt, WG-Leben. Da war ich zu häufig unterwegs.

Haben Sie fast Ihre Karriere weggefeiert?

Mein Vater würde dem zustimmen, ja. Er hatte mir prophezeit, dass ich trotz meines Talents nur in der dritten Liga rumdümpeln würde, weil ich zu unprofessionell gelebt habe. Das wollte ich nicht wahrhaben. Zum Glück habe ich mehr Menschen kennengelernt, die das so gesehen haben. Mein Berater Sören Seidel hat mir sehr dabei geholfen, auf den richtigen Weg zu kommen – und meine Frau Alicia, die ich zu meiner Zeit in Wiesbaden (2016 bis 2018; d. Red.) kennengelernt habe.

Ist sie Ihr Ruhepol?

Bei ihr komme ich komplett runter, obwohl sie temperamentvoll ist. Heute sagt meine Frau: „Hättest du mich drei Jahre früher kennengelernt, würdest du schon Champions League spielen.“ Das kann man so sehen. Aber die Erfahrungen, die ich gemacht habe, gehören auch zu dem, was ich heute bin.

Sie werden als Kandidat für die Nationalelf gehandelt!

Die Anerkennung freut mich. Ich bin nicht nach Leverkusen gekommen, um zu sagen: „Jetzt habe ich es geschafft.“ Ich möchte das Bestmögliche erreichen und gerne für Deutschland spielen. Ich gebe jeden Tag Gas. Aber ich mache mir keinen Druck, Nationalspieler werden zu müssen.

Was wäre Ihnen lieber: in der Champions League zu spielen mit Bayer oder die WM in Katar mit Deutschland?

Da kann ich mich nicht festlegen. Sicher ist: Ich will mit Leverkusen in die Champions League. Genauso gerne würde ich für Deutschland bei einer WM spielen. Wenn ich mein Ziel mit Bayer 04 erreiche, steigen die Chancen für die Nationalmannschaft.

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