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Sie träumt von einem Comeback als Bella


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 27/2022 vom 29.06.2022

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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 27/2022

LESENSWERT In ?Ohne Liebe trauern die Sterne? (19,95 Euro, Rowohlt) schreibt Hannelore Hoger über ihre Kindheit, ihre Karriere, schmerzhafte Verluste und ihre Tochter Nina

E ine Altbauwohnung in Hamburg nahe der Elbe. Hohe Stuckdecken, knarrendes Parkett, antiken Puppen, bunte Bilder, ein Rosenstrauß in ihrer Lieblingsfarbe Gelb. Hier ist Hannelore Hoger, 79, seit über 30 Jahren zu Hause. „Mögen Sie einen Kaffee mit mir trinken?“, fragt die 1,61 Meter große Schauspielerin. Um die Hanseatin, die vor allem als eigenwillige TV-Kommissarin „Bella Block“ ein Millionen-Publikum begeisterte, ist es ruhiger geworden. Im März 2018 endete die Krimireihe nach 38 Folgen und 24 Jahren. Danach hat sie noch drei große Filme gedreht. Auch mit Tochter Nina Hoger, 61, die sie allein großzog, stand die Grimme-Preisträgerin vor der Kamera. Über Ninas Vater und die Männer in ihrem Leben wie Regisseur Alexander Kluge, 90, mag Hannelore Hoger aber nicht reden. „Nee, das ist mir zu privat“, sagt sie klipp und klar. Dafür erzählt sie von ihren Plänen, warum sie ...

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... nie geheiratet hat und wie sie mit dem Älterwerden umgeht.

Wie lebt es sich so ohne „Bella Block“?

Sehr gut. Ich genieße den Sommer. Am liebsten auf meiner Terrasse. Oder an der Elbe.

Wie oft sehen Sie Ihre Tochter?

So oft es geht. Wir sind sehr eng miteinander, auch wenn wir uns nicht ständig sehen.

„Einsamkeit kenne ich zum Glück nicht“

Aber wir telefonieren viel. Nina ist der wichtigste Mensch meines Lebens. Ich kann mich immer auf sie verlassen. Bedingungslos.

Wohnt Ihre Tochter in der Nähe?

Nina hat eine Wohnung in Berlin, lebt jetzt aber hauptsächlich auf dem Land in Brandenburg. Dort hat sie mit ihrem Mann ein Häuschen gekauft, das die zwei sanieren und ausbauen. Sehr hübsch! Ich war auch schon dort. Beeindruckend ist der große Garten. Nina wühlt wie früher meine Mutter am liebsten in der Erde. Sie baut Gemüse an. Meine Tochter ist eine Vollblut-Gärtnerin.

Was lieben Sie am Leben?

Neben meiner Tochter, Freunde, Zuneigung, Empathie, Vertrauen. Außerdem meine Arbeit, Reisen, französische Chansons, Sting, Armstrong, Mozart und Beethoven. Unverzichtbar sind auch Bücher und frische Blumen. Und gutes Essen!

„Ich war immer stolz, unabhängig zu sein“

Was essen Sie gern?

Meine Leibgerichte sind Bohnen und Speck, Kohlrouladen und rote Grütze mit Milch. Auch mein selbst gebackenes Brot schmeckt.

Haben Sie Lieblingstiere?

Oh ja. Ich mag Berggorillas, Löwen, Krähen, Raben und Elefanten. Alles schlaue Tiere.

Worauf waren Sie immer stolz?

Auf meine Unabhängigkeit vom Geld und von den Männern. Ich habe davon auch in meinem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“ geschrieben.

Haben Sie viele Freunde?

Viele Bekannte und ein paar echte Freunde. Es werden leider immer weniger. Viele sind schon gestorben. Das macht mich traurig. \Leider sind auch meine beiden Schwestern tot. Nur mein Bruder und ich sind noch da.

Fühlen Sie sich manchmal allein?

Nein. Ich kann trotz meiner Melancholie, die mich manchmal heimsucht, gut allein sein. Einsamkeit kenne ich zum Glück nicht. Und wenn mir mal die Decke auf den Kopf fällt, gehe ich spazieren. Am liebsten runter an die Elbe.

Sie waren nie verheiratet. Zufall oder bewusste Entscheidung?

Weder noch. Es hat sich nicht ergeben. Die Ehe war mir immer etwas unheimlich. Wenn ich geheiratet hätte, wäre für mich nur eine ganz bestimmte Lebensgemeinschaft in Frage gekommen.

Welche?

Eine Liebe mit dem Gefühl echter Zugehörigkeit. Das habe ich in meinen Beziehungen immer vermisst. Einen Mann, der sich mir absolut zugehörig fühlte.

Was macht Ihr Beruf ?

Im Moment mache ich nur noch Lesungen. Eine ist im September, eine im November. Ich trete abwechselnd mit den wunderbaren Pianisten Sebastian Knauer und Siegfried Gerlich auf. Das gefällt mir sehr. l

IHRE ERFOLGE

TV-MÄNNER Hoger als „Bella Block“ (o.) mit Simon (Rudolf Kowalski). Mit Rolf Lassgård (l.) drehte sie drei Filme. Ihn wünscht sie sich als Partner bei einem „Bella Block“-Comeback

Was ist mit Theater?

Ich könnte mir vorstellen, wieder Regie zu führen. Das interessiert mich nach wie vor.

Und selbst auf der Bühne stehen?

Da bin ich heute lieber Zuschauerin. Ich möchte nicht mehr Theater spielen. Das Textlernen ist mir mittlerweile zu anstrengend. Ich will diese Ängste nicht mehr durchstehen.

Welche Ängste?

Dieses furchtbare Lampenfieber! Auf der Bühne muss alles bei ersten Mal sitzen. Beim Film kann man wiederholen. Im Theater ist das schlecht! Beim Drehen fühle ich mich wohler, einfach sicherer.

Wie sieht es mit neuen Film-Rollen aus?

Gute Frage. Ich bekomme nicht mehr viele Angebote. Ältere Frauen sind im Fernsehen nicht so gefragt. Aber ich hätte große Lust, wieder in einem Film zu spielen. Das letzte sehr gute Angebot, das ich bekommen habe, war ‚Nord, Nord Mord‘ mit Christian Kohlund.

IHRE KUNST

MALEN IST IHR HOBBY In Hogers Wohnung hängen viele von ihr gemalte Bilder. Den Orang-Utan malte allerdings ihre Tochter Nina

Welche Rolle würde Sie reizen?

Eine witzig-tüttelige Großmutter fände ich nicht schlecht. Komisch zu sein, gefällt mir.

Wäre ein Comeback von „Bella Block“ für Sie denkbar?

Wenn es ein raffiniertes Drehbuch gäbe, würde ich es machen. Aber es kommt ja keins.

Wer sollte mitspielen?

Rolf Lassgård! Den fände ich spannend. Ich schätze meinen schwedischen Kollegen sehr.

Was mögen Sie so an ihm?

Rolf ist ein guter Typ und Schauspieler. Er ist einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich kenne. Mit ihm zu drehen, bringt immer Spaß.

Rolf und ich haben schon drei gemeinsame Filme gemacht. Es wäre schön, wenn noch etwas käme.

Wo sollte „Bella Block“ gedreht werden?

Das ist mir egal. In Hamburg, auf Sylt, auf Fuerteventura – wo auch immer. Am besten wäre allerdings Paris. Ich liebe diese Stadt. Ich will da seit Jahren endlich mal wieder hin. Das klappte wegen Corona leider nicht.

Was haben Sie aus Ihrer „Bella Block“-Zeit mit nach Hause mitgenommen?

Ich glaube, in meinem Schrank hängen noch zwei Mäntel von Bella.

Sie leben seit über 30 Jahren in Ihrer Altbau-Wohnung in Hamburg. Halten Sie diese allein in Ordnung?

Ja, ich putze, wasche, sauge und kaufe auch selbst ein. Seit Kurzem hilft mir ein liebenswürdiger, junger Mann. Andi kann alles. Er arbeitet im ‚Schmidt Theater‘. Es gibt nichts, was Andi nicht weiß und reparieren kann.

Wie möchten Sie in einigen Jahren leben?

Möglichst kein Altersheim! Dann möchte ich doch lieber vorher sterben.

„Ins Altersheim möchte ich nicht“

Warum kein Altersheim?

Von Altersheimen halte ich nicht viel. Sicher gibt es unterschiedliche. Meine Mutter, die an Demenz litt, gaben wir mit fast 90 Jahren ins Altersheim. Das bedauere ich noch heute. Ich konnte mich nicht immer um Mama kümmern, weil ich arbeiten musste. Aber meine Geschwister waren ja auch noch da.

Wie alt möchten Sie werden?

104 Jahre. Davon bin ich fest überzeugt, dass ich das schaffe.

Warum gerade 104?

104 klingt einfach gut.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein. Ich möchte nur, dass es möglichst schnell geht. Kein Siechtum, keine Schmerzen, kein Pflegefall.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Nein. Aber ich bin oft am Grab meiner El-Wohnung. Da möchte ich auch mal liegen.

Wovor fürchten Sie sich?

Vor totaler Verblödung. Dieses Wort ist nicht böse gemeint. Mir tern. Der Friedhof ist gegenüber meiner fällt nur gerade kein besseres ein.

Wie halten Sie sich fit?

Ich lese viel, gehe ins Kino, in die Oper, ins Theater. Ich treffe mich gern mit klugen Menschen. Manchmal löse ich in der Zeitung Buchstaben-Gitter. Sodoku finde ich auch gut. Das ist Gehirn-Jogging, wie man sagt.

Was macht Ihre Malerei?

Malen bedeutet für mich Entspannung und Ansporn. Ich male Porträts, Blumen, Landschaften und Tiere. Dafür benutze ich Öl, Aquarell, Acryl und Pastellkreide.

Verkaufen Sie Ihre Bilder auch?

Nö. Manche habe ich schon verschenkt. Das bedauere ich aber inzwischen.

Verraten Sie Ihr Lebensmotto?

Nicht so viel in der Vergangenheit kramen, die Gegenwart genießen. Hoch die Tassen! Sei gelassen! ◼

CLAUDIA WILLRUTH

BEIM INTERVIEW

ZU HAUSE BEI BELLA BLOCK Hannelore Hoger mit Redakteurin Claudia Willruth