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Sie will Er nicht


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emotion - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 07.09.2022

Sex

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Bildquelle: emotion, Ausgabe 10/2022

FALL 1: Gehen

Als Online-Sexcoachin unterstützt Britta Kunze Singles und Paare dabei, mehr Lust, Genuss und Leichtigkeit in ihr Sexleben zu bringen. Ihr eigener Weg war schwieriger

Den Martin kriegst du nie“, hat mein WG-Mitbewohner zu mir gesagt. Ich war damals 23 Jahre alt, Martin zehn Jahre älter. Wir waren wie Feuer und Wasser. Ich war ihm „too much“ und er mir mit seiner verschlossenen Art fremd. Doch ich wollte ihn unbedingt – und bekam ihn schließlich auch.

Zu Beginn unserer Beziehung hatten Martin und ich viel Sex und ich genoss unsere Lust sehr. Nach wenigen Monaten wurde ich ungeplant schwanger: Wir waren happy. Leider hatte ich einen Abgang. Dann wurde ich wieder schwanger. Wir hatten auch während der Schwangerschaft viel Sex, manchmal drei-, viermal am Tag. Dann kam unsere Tochter auf die Welt – und der Sex verschwand aus unserem Leben.

Ich bin ein sehr sexueller Mensch. Immer schon ...

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... gewesen. Nach der Geburt hatte ich sofort wieder Lust. Aber Martin nicht mehr. Die Tage vergingen, die Wochen vergingen, kein Sex. Ich masturbierte, doch mir fehlte die Paarsexualität. Und noch so einiges mehr.

Ich hatte Schwierigkeiten, in der Mutterrolle anzukommen. Martin ging in seiner Vaterrolle hingegen voll auf. Alles drehte sich für ihn nur noch um unser Kind. „Wenn er stillen könnte, würde er das auch noch tun“, witzelten unsere Freunde. Die Rolle des Versorgers wollte Martin allerdings nicht übernehmen. Also habe ich neben meinem Studium noch gejobbt, um die Familie zu ernähren. Martin blieb zu Hause mit Kind und war im „Baby-Bliss“. Ich hingegen fühlte mich wie viele Männer: „Ich will ran, aber ‚Mutti‘ lässt mich nicht.“ Ich schaute Pornos auf dem Sofa, während er beim Kind schlief. Ich kam mir vor wie ein notgeiles Sex-Monster, er war für mich „der Verklemmte“.

Im zweiten Babyjahr trennten wir uns, kamen aber wieder zusammen. Ich sehnte mich nach einer liebenden Alltagsbeziehung MIT erfüllter Sexualität. Doch das war unmöglich. Ich unterdrückte meinen Sextrieb so gut es ging. Manchmal flippte ich aber aus, wurde laut und war voller Vorwürfe. Wenn ich anfing zu weinen, schlief er mit mir.

„Ich schaute PORNOS auf dem Sofa, während er beim Kind schlief“

Ich war inzwischen voller Selbsthass. In meiner Verzweiflung rief ich eines Nachts sogar bei der Seelsorge an: „Mein Mann schläft nicht mit mir und mir geht es beschissen damit.“ Die Dame am Ende der Leitung schnauzte mich an, ob ich sie verarschen wolle. Das sei ja wohl kein echtes Problem.

Martin und ich blieben zusammen, bis ich mit einer Therapie und mit Körperarbeit anfing. Ich wollte herausfinden, wer ich bin und was ich mir wünsche. Endlich fing ich an, Rollenbilder und vor allem Verbote wie „Du darfst keine sexuell erfüllte Frau sein“ zu durchbrechen.

Ich wurde noch einmal schwanger. Unser Sohn kam 2012 auf die Welt. Wenig später hatte ich einen One-Night-Stand mit einem Bekannten. Ich hab’s Martin gesagt. Ich war die Selbstverleumdung leid. Martin trennte sich daraufhin. Und ich atmete auf.

Danach erlebte ich verschiedene Beziehungen, in denen ich heilen durfte. Anfangs hatte ich noch Angst, wenn ein Partner mal keinen Sex wollte, doch auch diese Sorge habe ich inzwischen hinter mir gelassen. Mit meinem neuen Partner bin ich jetzt schon seit fünf Jahren zusammen und lebe meinen Traum: eine sexuell erfüllte, ehrliche, liebevolle Beziehung.

FALL 2: Bleiben

Helena ist Ende vierzig und arbeitet in leitender Funktion in der Medienbranche. Weil sie anonym bleiben möchte, wurde ihr Name geändert

Wilden Sex, schmutzigen Sex. Oder auch sanften, süßen Schmusesex. Habe ich alles erlebt, zum Glück. Nur eben nicht mit meinem Mann. Ganz schön traurig? Das dachte ich auch lange. Da hat man endlich den einen Kerl gefunden, bei dem eigentlich alles richtig gut passt, mit dem sogar der stressige Alltag mit zwei Kindern noch Raum für Leben lässt. Mit dem ich lachen, weinen und reden, aber auch, absolut wichtig: sehr gut streiten kann. Der unaufgefordert die Spülmaschine ein- und ausräumt, lecker kocht und sogar – Halleluja! – den Terminkalender mit den Playdates, Klavierstunden und Zahnarztbesuchen im Blick behält. Hey, der Mann kann sogar Zöpfe flechten! Mal ehrlich, dafür werden Typen auf YouTube abgefeiert, als hätten sie ein Mittel gegen Krebs erfunden ... Man könnte also sagen: Läuft bei uns! Nur eben nicht im Bett.

Dabei ist es nicht so, als wäre nach mittlerweile zehn gemeinsamen Jahren einfach nur die Luft raus. Bei uns hat keine Gewöhnung, keine Alltagsmonotonie die Lust verschwinden lassen wie bei so vielen anderen Paaren. Die Wahrheit ist, zwischen uns flogen noch nie die Funken, jedenfalls nicht körperlich. Unsere Anziehung war immer eine andere: die Freude am Reisen, am gemeinsamen Sport und immer wieder der Sinn für Humor. Mein Liebster bringt mich zwar nicht zum Orgasmus, dafür aber zum Lachen! Und: Er kann Patchwork. Mein Teenager-Sohn aus einer früheren Beziehung quatscht mit ihm über Dinge, die für Mamas Ohren längst tabu sind. Und die Kleine? Ja, die haben wir selbst gemacht! Ist ja nicht so, dass wir nie Sex hatten ... Nur haben wir eben ziemlich schnell festgestellt, dass der in unserer Beziehung nicht gerade die Kirsche auf der Torte ist. Sondern eher frustrierend. Irgendwie uninspiriert und seltsam gehemmt. Ich hatte immer das Gefühl, mein Schatz würde sich an mir ähnlich pflichtbewusst abarbeiten wie an der Geschirrspülmaschine: schnell und zielorientiert, mit einer gewissen Erleichterung, wenn der Job erledigt ist. Nur, dass ich eben keine Tupperdose bin ... Na klar haben wir darüber gesprochen, oft sogar. Man kann sagen, wir haben uns echt Mühe gegeben. Aber ist das nicht genau das Gegenteil von gutem Sex? Eben. Und deshalb haben wir’s einfach gelassen. Fehlt mir die körperliche Intimität als Paar? Ja, manchmal. Aber immer weniger. Ich glaube, es ist ein bisschen wie beim Fasten: Am Anfang verzehrt man sich ständig nach den Leckereien, die einem entgehen. Aber irgendwann vergeht der Heißhunger und der innere Fokus schwenkt um auf andere Dinge, die einen glücklich machen. Und tatsächlich ist es ja nicht so, dass wir uns körperlich nicht nah wären: Wir kuscheln abends stundenlang auf dem Sofa, küssen uns auch mal. Das ist liebevoll und vertraut. Nur nicht erotisch. Und manchmal merkwürdig, denn zugegeben: Wenn’s bei Netflix mal wieder heiß zur Sache geht, fühle ich mich unwohl neben meinem Süßen. Es ist dann, als würde uns vom Bildschirm die Botschaft entgegenflimmern: „Los jetzt! Alle tun es! Was ist falsch mit euch?“

„Wenn’s bei Netflix HEISS zur Sache geht, fühle ich mich unwohl neben ihm“

Natürlich habe ich über Lösungen nachgedacht, über Alternativen. Das Liebesleben outsourcen, funktioniert das? Ich hab’s ein paar Mal versucht und kann sagen: nicht für mich. Nach jeder Knutscherei und erst recht nach dem einen One-Night-Stand, den es gab, fühlte ich mich mies. So, als hätte ich nicht nur meinen Mann, sondern gleich meine ganze Familie hintergangen. Und das war es mir nicht wert. Aber wer weiß, vielleicht war auch nur nicht der Richtige dabei! Vielleicht treffe ich ja irgendwann jemanden, der mich aus meinem sexuellen Schneewittchenschlaf weckt? Aber ich warte nicht darauf und ehrlich gesagt: Die Vorstellung macht mir Angst. Denn dann müsste ich die Karten auf den Tisch legen. Eine heimliche Dauer-Affäre? Käme für mich nicht infrage. Und ich hoffe, für meinen Mann auch nicht ...

Neulich habe ich meinen Liebsten mal gefragt, wie sich das für ihn anfühlt: Die Vorstellung, vielleicht nie im Leben wieder Sex mit einem anderen Menschen zu haben. Seine Antwort lautete: „Darüber denke ich lieber gar nicht nach.“ Und dann hat er mich ganz fest in den Arm genommen. Es hat sich gut angefühlt.

FALL 3: Die Beziehung öffnen

Marianne ist 41, Marketing-Expertin und lebt in Berlin. Weil sie anonym bleiben möchte, wurden hier alle Namen geändert

Was für ein interessanter Mann“, dachte ich sofort. Doch Simon hat mich erst nach einem Jahr so richtig wahrgenommen. Wir sind 2002 ein Paar geworden, da war ich 21 Jahre alt. Wir waren uns von Anfang an sehr nahe, hatten eine ganz besondere Verbindung. Nur leider nicht erotisch.

Ich hatte immer mehr Lust als er. Da das in meiner früheren Beziehung aber auch schon so gewesen ist, dachte ich, das sei normal. Ich habe dann immer wieder mit anderen Männern geknutscht. Heimlich, denn es waren reine ‚Körpergeschichten‘, die nichts mit der tiefen Verbindung von Simon und mir zu tun hatten.

„Mir war sofort klar: Das ist keine reine KÖRPER-GESCHICHTE, das ist viel mehr“

2007 habe ich mich von Simon getrennt. Ohne Sex hat es für mich doch nicht funktioniert und ich wollte frei sein. Wir sind jedoch schnell wieder zusammengekommen, weil ich gemerkt habe: „Ich will nicht ‚frei‘ sein, ich will mit ihm sein.“ Was ich an Simon so liebe, ist, dass er mich so sein lässt, wie ich bin. Er ist ein grundliberaler Mensch, Freiheit sein höchster Wert. Er unterstützt mich in allem, lässt mir alle Freiheiten, will, dass es mir gut geht. Das ist so ein großer Liebesbeweis.

2009 sind wir Eltern geworden. Simon ist der tollste Vater für unseren Sohn. Unfassbar, wie er ihm Freiheit vorlebt. Dank ihm ist Paul ein Freigeist, der sein Ding macht, keine Bestätigung von außen braucht, sondern emotional ganz stark, autark und gesund ist.

So weit, so gut ... Bis David kam. Wir kannten uns schon lange, waren sogar mal WG-Mitbewohner, doch plötzlich hat es Zoom gemacht, wie in dem Song. Ihn zu küssen, war wie nach Hause zu kommen. Wie eine Erleuchtung. Mir war sofort klar: Das ist keine „Körper-Geschichte“, das ist viel mehr. Ich habe es Simon erzählt und wir haben probiert, ob es zu dritt geht.

Für Simon war wichtig, dass ich nicht schwanger werde. Ansonsten war auch er erleichtert, weil mein Verlangen nun woanders befriedigt wurde und uns nicht mehr belastete. Drei Jahre ging es gut, doch ich merkte, dass ich immer erschöpfter wurde. Ich wollte, dass alle drei Männer, also auch unser Sohn, gleichberechtigt Zeit und Zuwendung von mir bekommen. Dabei verlor ich mich selbst und fühlte mich nur noch hin- und hergerissen.

Also trennte ich mich von David und machte mit Simon eine Paartherapie. Wir lernten, völlig neu zu kommunizieren und gingen auch unser Sex-Thema an, leider zündete es nicht richtig. Ich entschloss, mich auch von Simon zu trennen. Als ich bereits auf Wohnungssuche war, merkte ich, wie ich immer unglücklicher wurde. Schließlich ging mir ein Licht auf: 1. Simon und ich haben eine so starke Verbindung, wir brauchen keinen Sex. 2. Meine Familie hat oberste Priorität, das ist in Stein gemeißelt und steht nicht zur Disposition.

Ich bin also doch bei Simon geblieben und habe es nicht bereut.

Mit David bin ich vor zwei Jahren wieder zusammengekommen. Ich habe ihm sofort gesagt: Meine Familie steht über allem. Danach war alles entspannt. Für mich gibt es keine Definition für das, was ich jetzt lebe. Ich will meine Lebensweise auch in keine Schublade stecken, mich weder erklären noch verteidigen. Ich liebe beide Männer, beide sollen Teil meines Lebens sein. Das ist das Fundament, an dem ich nicht rüttle. Wie es funktioniert, ist hingegen stetige Verhandlungssache.

Was ich gelernt habe? Ich bin das Wichtigste. Ich muss genau das tun, was mir guttut. Wenn ich nicht übernachten will, weil ich Zeit für mich brauche, dann gehe ich. Selbst wenn der andere traurig ist. Denn wenn ich mich in dieser Konstellation verliere, dann wird es für alle kompliziert.

INTERVIEW

Wie viel Sex ist eigentlich normal?

Angesichts der Allgegenwart von Sex in Medien und Werbung kann der Eindruck entstehen, alle anderen hätten mehr Sex als wir. Doch ganz gleich, ob 7-mal in der Woche oder nur an Weihnachten – solange es euch (beiden) mit eurer Sexualfrequenz gut geht, ist alles in Ordnung.

Muss ich mir direkt Sorgen machen, wenn mein Partner oder meine Partnerin keinen Sex mehr will?

Lustlose Phasen, auch bei Männern, gehören zu jeder sich entwickelnden Liebesbeziehung. Die Sexualität muss zeitlebens mit unseren sich verändernden Lebensbedingungen Schritt halten und sich wandeln. Lustlosigkeit kann eine Einladung sein, sich zu fragen, wo unsere Sexualität sich verändern muss, um wieder zu unserem Leben zu passen.

Den ganzen Text gibt’s auf emotion.de, Stichwort: Rackelmann