Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Simply the Best


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 23.03.2019

Deutschsprachige Erstaufführung von »Tina – Das Tina Turner Musical« im Hamburger Operettenhaus


Artikelbild für den Artikel "Simply the Best" aus der Ausgabe 2/2019 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 2/2019

›Simply the Best‹ – Tina Turner (Kristina Love) in ihrem Element


Im »Club Manhattan« entdeckt Ike Turner (Mandela Wee Wee) die talentierte Anna Mae Bullock, die spätere Tina Turner (Kristina Love)


Anna Mae Bullock – dass sich hinter diesem unscheinbaren Namen ein Megastar verbirgt, ahnt niemand. In Nutbush, Tennessee, geboren und aufgewachsen, trennen sich ihre Eltern, als sie noch ein Kind ist. Sie bleibt bei ihrem Vater und ihrer Großmutter, zieht aber dann später zur Mutter und älteren Schwester nach St. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von blickpunkt musical. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2019 von … kurz vorweg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
… kurz vorweg
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Lebe deinen Traum. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lebe deinen Traum
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Bewegende Musical-Oper in bestechender Qualität on Tour. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bewegende Musical-Oper in bestechender Qualität on Tour
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Wir lernen nichts aus der Geschichte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wir lernen nichts aus der Geschichte
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Ein Generationenkonflikt, der unter die Haut geht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Generationenkonflikt, der unter die Haut geht
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Wandel eines Frauenbildes in amüsantem Backstage-Blick. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wandel eines Frauenbildes in amüsantem Backstage-Blick
Vorheriger Artikel
Ein Generationenkonflikt, der unter die Haut geht
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Wandel eines Frauenbildes in amüsantem Backstage-Blick
aus dieser Ausgabe

... Louis. Von der Mutter schikaniert, weil sie ihrem Vater so ähnelt, ist ihr Leben bis dato nicht wirklich von Liebe geprägt. Bei einem Tanzabend lernt sie ihren späteren Ehemann kennen, der als Frontsänger mit seiner Band die Musik spielt. Ein kleiner Gesangswettbewerb lässt Anna Mae auf die Bühne gehen und einen Song mit ihm gemeinsam singen. Von ihrer Stimme fasziniert, stellt er sie als Background-Sängerin in seiner Band an. Als sie bei einer Aufnahme für jemand anderes einspringt, wird aus der Backgound-Sängerin die neue Lead-Sängerin. Doch mit dem Namen Anna Mae kann man kein Geld verdienen und so gibt er ihr einen einprägsameren Künstlernamen: Tina. Aus ihm, Ike Turner, und der neuen Tina entsteht die »Ike & Tina Turner Revue«.Während sie als Duo immer bekannter werden und Erfolge feiern, werden sie auch privat ein Paar und heiraten. Doch Ike entwickelt sich durch seinen Drogenkonsum mehr und mehr zu einem grausamen Ehemann. Schläge von ihm sind für sie nun an der Tagesordnung. Und als Musikproduzenten nur mit ihr Platten aufnehmen und Ike nicht dabei haben wollen, hält sie die Situation nicht mehr aus. Um sich aus ihrem Gefängnis zu befreien, entscheidet sie sich für einen Schritt, der für Frauen in der damaligen Zeit gefährlich und schwierig war: die Scheidung. Es folgt eine Scheidungsschlacht, bei der sie auf alle Songs, die sie mit ihrem früheren Partner gesungen und aufgenommen hat, verzichten muss. Sie darf keinen einzigen Song mehr selbst singen und aufführen. Tina besteht nur auf eine einzige Sache: ihren Namen, den sie auch behalten darf. Danach verläuft ihre Karriere nur noch steil bergauf. In England nimmt sie mit dem Musikproduzenten Phil Spector ihr erstes Solo-Album auf, wobei sie auch ihren späteren neuen und noch heutigen Ehemann Erwin Bach kennenlernt. Dann folgt eine einzigartige Welt-Karriere, die wir nur zu gut kennen. Alles hat sich für sie zum Guten gewandt, zum Happy End, welches man sich auch wirklich für sie wünscht.

Diese Geschichte von Tina Turner, der Queen of Rock, liest sich schon wie ein Krimi. Ihre Musik hat eine ganze Generation geprägt und auch heute noch sind die Songs überall zu hören. Zusammen mit Stage Entertainment, Joop van den Ende und Tali Pellman produzieren Tina Turner und Erwin Bach das einzige von ihr autorisierte Musical, um ihre Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen zu zeigen. Nach der Weltpremiere im Frühjahr 2018 im Londoner West End, ist das Musical der 12-fachen Grammy-Awards-Gewinnerin nun in Hamburg zu erleben.

Manche schreiben ein Buch oder eine Biographie, um Erlebtes zu verarbeiten, Tina Turner macht ein Musical. Ihre größten musikalischen Erfolge sind in die Geschichte eingearbeitet, was es zu einem Jukebox-Musical macht. Der Clou der Show: Es gibt Songs, die die Geschichte voranbringen, bei denen der Text auf Deutsch gesungen wird. Es gibt aber auch einige Songs, die im englischen Original performt werden, wie die Songs, bei denen die Aufnahmesessions zeigen, wie sie von Tina eingesungen werden. Das gibt dem Abend eine unheimliche Tiefe, denn die Songtexte sind meist keine plumpen Eins-zu-eins-Übersetzungen, sondern auf das Geschehene abgestimmt. So wird der Text im Song ›Private Dancer‹ nicht als »privater Tänzer«, sondern mit »Ich tanze weiter« übersetzt, den Tina (Kristina Love) nach den Drohungen und Schlägen von Ike sehr gefühlvoll singt.

Die Bühne kann durch viele bewegliche Bühnenelemente schnell und fast unbemerkt in viele verschiedene Spielorte verwandelt werden. Durch Seiten- und Deckenwände wird eine Tiefe hergestellt, die in der jeweiligen Szene viel Spielfläche bietet. Zudem können diese an den Innenflächen beleuchtet werden, sodass zum Beispiel die typischen Leuchtstoffröhren entstehen. An der Rückwand werden zu den einzelnen Szenen Bilder oder Videos gezeigt, die für den jeweiligen Spielort passend sind. Mit wenigen, aber wichtigen Requisiten werden die Szenen gekonnt realistisch ausgestattet: nicht übervoll, aber auch nicht puristisch und überflüssig. So wie das Auge aus einem Anfangs- und Endbuchstaben ein Wort zusammensetzt, so bastelt sich das Auge mit den vorhandenen Requisiten ein ganzes Szenario zusammen, sodass komplett ausgestattete Räume entstehen. Das ist eine Ausstattung vom Feinsten (Mark Thompson)! Dazu kommt ein Lichtdesign (Bruno Poet), durch das die Zuschauer in die richtigen Stimmungen versetzt werden. Vom kalten Aufnahmestudio mit Leuchtstoffröhren, bis hin zum warmen Tennessee-Sommer in Gelb, Orange. Aber was wirklich überwältigend ist, ist die Darstellung der Showbühne von Tinas Solotournee, der »Private Dancer Tournee«. Verschieden hohe Podeste, auf denen die Musiker stehen, die live spielen(!), sind dort platziert, an denen silberne, typische 80er-Jahre-Scheinwerfer angebracht sind. Eine kleine Zeitreise, wunderbar. Schade ist, dass diese Darstellung nur die letzten 15 Minuten des Abends umfasst. Davon hätte man sehr gerne sehr viel mehr gesehen.

1. Schon die kindliche Anna Mae (Clarissa, Mitte) in Nutbush ist sehr extrovertiert und musikalisch


2. Ike Turner (Mandela Wee Wee) macht auf der Bühne einen auf Charmeur, hinter der Bühne ist er ganz anders


Auch die Kostüme sind realistisch, der damaligen Zeit angepasst, gestaltet. Hier sind keine Versuche oder Ausflüge in die moderne, futuristische Welt unternommen worden. Besonders Tinas Show-Kostüme sind an die Originale angelehnt. Das rote, kurze Lederkleid oder die blonde Perücke lassen die Hauptfigur sehr echt aussehen. Überhaupt ist die Hauptdarstellerin Kristina Love ein Abbild der echten Tina. Sie verkörpert die Powerfrau so realistisch, dass man denken könnte, man sieht eine echte Live-Show der Queen of Rock. Stimmlich rockt sie die Songs, wie man sie kennt, mit dem von Aufnahmen gewohntem Klang, obwohl man sich fragt, wie lange sie mit dem »Tina-Turner-Röhren« durchhält. Einziges Manko: Ihr Akzent ist etwas stark und es ist merkbar, dass sie mit Versprechern nicht gut umgehen kann. Es scheint, als würde sie gar nicht wissen, was sie da sagt, sodass sie den kompletten Satz von vorne beginnt und nicht mit dem Versprecher spielt. Doch das trifft nicht nur auf die Hauptdarstellerin zu. Allen Darstellern fällt es schwer, Versprecher zu umspielen, alle wirken sehr angespannt. Außer Nikolas Heiber als Roger Davies, der mit einer Leichtigkeit als Manager nicht nur Tina Turner von neuen Songs überzeugt, sondern auch den Zuschauer mit seiner natürlichen Art mitreißt. Adisat Semenitsch als Zelma Bullock, Anna Maes Mutter, spult ihren auswendig gelernten Text ab. Zu sehr artikuliert sie die Wörter und spricht sehr überheblich laut, was höchst unnatürlich wirkt. Mandela Wee Wee lässt durch seine Darstellung den Charakter des Ike Turner dermaßen unsympathisch wirken, dass das Publikum bei der Applausordnung dies mit sehr verhaltenem Applaus honorierte. Auf der einen Seite steht es für den Darsteller, dass sein Spiel des Frauenschlägers so echt ist, dass Charakter und Darsteller nicht mehr unterschieden werden können. Auf der anderen Seite sollte das Publikum gerade dann den Darsteller mit frenetischem Applaus beschenken, um seine überzeugende Leistung zu honorieren. Vielleicht galt der verhaltene Applaus aber auch seinem Gesang, denn hier konnte er leider gar nicht überzeugen. Anthony Curtis Kirby als Raymond Hill zeigte sich ebenfalls gesanglich nicht sehr stark und hat die kurze Zeit seiner Bühnenpräsenz auch darstellerisch nicht genutzt, um in den Köpfen des Publikums zu bleiben. Im Gegensatz dazu ist die junge Anna Mae Bullock, dargestellt von Clarissa, der heimliche Star des Abends. Ihre kindliche Offenheit auf der Bühne ist so erfrischend, dass das Publikum bei ihrem Song klatschend mit einsteigt. Endlich ein Kind auf einer deutschen Musicalbühne, das den Erwachsenen in nichts nachsteht. Gesanglich und schauspielerisch zeigt sie eine junge, lebenslustige und frohe Anna Mae, die den Zuschauer noch mitfühlender und die Lebensgeschichte noch trauriger werden lässt, weil man zu der Zeit der Anfangsszenen, in der man das glückliche Kind sieht, schon einige Lebensstationen der späteren Tina kennt.

1. ›What’s Love Got to Do With It‹ – schwarzes, knappes Lederkleid und Perücke, so kennt man Tina Turner (Kristina Love)


2. »The Ikettes«, von der Background-Sängerin zur Lead-Stimme: Tina (Kristina Love, l.) und Ensemble


3. Showtime mit Tina Turner (Kristina Love, Mitte); Set (Mark Thompson) und Licht (Bruno Poet), stimmig wie selten


Zu den Hauptdarstellern gesellt sich ein gesangsstarkes Ensemble. Egal ob Gospel, knackiger Background-Gesang oder leichte Hintergrundstimmen, die als Klangteppich unter Balladen eingesungen werden: Voll und gut gesetzte Mehrstimmigkeit geben der Musik etwas Besonderes. Die Band unter der Leitung von Tobias Vogt macht den Hörgenuss komplett.

Tina Turner musste viel über sich ergehen lassen und man kann sich gar nicht vorstellen, wie sie dies in der Realität auch nur ansatzweise überstehen konnte. Auf der Bühne wird immerhin ein ganz kleiner Eindruck dessen vermittelt, da alles unverblümt mit Bühnenkampf gezeigt wird. Bühnenkampf ist die Königsdisziplin des Darstellens: Es benötigt das perfekte Timing zwischen Ablenkung des Publikums, Überraschungsmoment, die richtige Position der Darsteller und eine realistische Ausführung. Leider wirken die Bühnenkampfszenen etwas gestellt, die richtigen Positionierungen der Geschlagenen werden nicht ins Spiel eingebunden, sondern die Person wird sehr auffällig in die richtige Position geschoben, meistens mit dem Rücken zum Publikum, damit dieses nicht sieht, wie die Hand das Gesicht nicht trifft.

Das Fazit des Abends: »Tina – Das Tina Turner Musical« ist eine mitreißende Show, die den Zuschauernicht nur an der Lebens- und Erfolgsgeschichte der Ausnahmekünstlerin teilhaben lässt, sondern auch auf eine Reise in die Zeit ihrer phänomenalen Live-Konzerte mitnimmt. Wer Tina Turner noch einmal live erleben möchte, sollte sich diese Show ansehen, auch wenn es nicht die echte Tina ist.


Fotos (2): Manuel Harlan

Fotos (2): Manuel Harlan

Fotos (3): Manuel Harlan