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Single Ended mit Dampf


LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 01.09.2021

Endverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock

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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 6/2021

Traditionell stünde an dieser Stelle mein übliches Gejammer über das überbordende Gewicht der „Eisenschweine“ aus Vietnam, aber das spare ich mir heute mal und freue mich vielmehr darüber, dass Mr. Thi auf die hervorragende Idee verfallen ist, seine 211-Endverstärker in Monobauweise zu realisieren. Was zur Folge hat, dass ein Kanal davon nur vollkommen undramatische 36 Kilogramm wiegt. Gewissermaßen Urlaub fürs geschundene Kreuz.

Auch wenn sich die beeindruckenden Endverstärkerboliden mit der hell leuchtenden großen Senderöhre natürlich nicht mehr in einem ganz so spektakulären Sonderangebotsbereich bewegen wie der Vollverstärker „811 Anniversary“, mit dem der Erfolg von Thivan Labs bei uns seinen Anfang nahm – es ist immer noch bemerkenswert, wie moderat die Preisgestaltung hier ausfällt: Das Paar dieser Monos kostet 6900 Euro. Nicht schlecht für 72 ...

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... Kilogramm feinster direkt geheizter Single-Ended-Großartigkeit.

Wie alle Verstärker dieses Herstellers, orientiert sich auch dieses Konzept an ganz klassischen Schaltungsprinzipien, man setzt auf eine strukturell einfache Topologie, reichlich dimensioniertes „Eisen“ und eine generell ziemlich kompromisslose Bauteileauswahl. Der Lohn der Mühe: rund 45 beeindruckende Eintakt-Watt, mit denen man auch etwas „normalere“ Lautsprecher betreiben kann als die ausgewiesenen Hochwirkungsgradwandler, die man normalerweise an Röhreneintakter stöpseln sollte.

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf und werfen zunächst einen Blick auf den optisch auffälligsten Bestandteil des Ensembles: die Endröhre 211. Bei ihr handelt es sich um eine der am häufigsten eingesetzten Senderöhren aus den frühen Tagen des Rundfunks. Mit einer Anodenverlustleistung von 75 Watt kann sie, je nach Betriebsart, erhebliche Hochfrequenzleistungen erzeugen. Der rund 20 Zentimeter hohe und sechs Zentimeter durchmessende Glaskolben leuchtet im Betrieb ziemlich hell, fast weiß, was dem Kenner sofort verrät, dass die Heizung mittels thorierter Wolframkathode arbeitet. Nur damit lässt sich eine so spektakuläre Lightshow realisieren. Wenn man die mit der 211 mögliche Leistung realisieren will, dann muss man sie zumindest zum Teil im so genannten „A2“-Bereich betreiben. Das heißt, dass das Steuergitter mit nennenswerten Mengen von Gitterstrom beaufschlagt werden will, wofür es eine kräftige Treiberanordnung braucht. Bei Thivan Labs vertraut man diesen Job gerne einer Tetrode vom Typ 6V6 an. Damit verlässt man zwar den Bereich der reinen Triodenlehre, bedient sich aber einer kräftigen Röhre, die für den Job bestens geeignet ist. Die eingangsseitige Spannungsverstärkung obliegt einer bewährten Doppeltriode mit Oktalsockel, die ebenfalls aus dem amerikanischen Raum stammt: einer 6SN7. Das war’s. Drei Röhren pro Kanal, mehr braucht’s nicht. Womit optimale Voraussetzungen für unverstellten, reinen Röhrensound geschaffen wären. Alle eingesetzten Röhrentypen gibt’s relativ unproblematisch in allen möglichen Qualitätsklassen zu kaufen. Thivan Labs hat auch bei diesem Verstärker wieder ein feines Händchen für eine sehr gute Bestückung bewiesen: Die 211 stammt aus aktueller chine- sischer Psvane-Fertigung, die beiden anderen sind alte Originale. Damit kann man bestens zurechtkommen, für den „Tube Roller“ gibt’s aber noch Luft nach oben.

Gleich vier satt dimensionierte Induktivitäten im Thivan-typischen grauen Schrumpflack-Outfit bestimmen das Bild auf der Deckelplatte des Verstärkergehäuses. Die Holzoptik ist zwar nur mittels einer Folie realisiert, aber dafür mit einer optisch ziemlich überzeugenden.

Hinten rechts residiert der Ausgangsübertrager, das ist eines der beiden Trafo- Schwergewichte des Gerätes. Netztrafos gibt es gleich zwei; einer ist für die Erzeugung der Hochspannung zuständig, einer für die erklecklichen erforderlichen Heizleistungen. Der letzte graue Klotz im Bunde ist eine Siebdrossel für die Hoch- spannungsversorgung. Unterstützt wird das Ensemble von vier ziemlich beeindruckenden Ölpapierkondensatoren, die ebenfalls mit Zugang zur frischen Luft montiert sind. Das ist alles wieder einmal sehr vertrauenerweckend satt dimensioniert, ein Eindruck, der sich nach dem Lösen des Bodenblechs nahtlos fortsetzt. Der abermals extrem durchdachte und penibel realisierte Aufbau braucht nur für die obligatorischen Siebelkos Platinen, alles andere ist frei verdrahtet. Die Bauteilequalität ist durch die Bank ausgezeichnet, wir stellen erfreut fest, dass das Eingangssignal über einen Übertrager geführt wird. Anschlussseitig gibt’s eine Cinch- und eine XLR-Buchse, letztere ist allerdings unsymmetrisch beschaltet. Zwischen beiden kann mit per rückseitigem Kippschalter wählen. Davon gibt’s noch einen zweiten, der ist für die Eingangsempfindlichkeit zuständig und schaltet bei Bedarf einen Spannungsteiler in den Signalpfad. Welche Konfiguration hier die richtige für Sie ist, kommt entscheidend auf die Verstärkung Ihrer Vorstufe und die Empfindlichkeit Ihrer Lautsprecher an.

Mitspieler

Plattenspieler:

· TechDAS Air Force III / Reed 3p

Tonabnehmer:

· DS Audio DS-E1

Phonovorstufen:

· DS Audio

Vorverstärker:

· NEM PRA-5

· MalValve preamp three line

· Grandinote Genesi

Lautsprecher:

· DIY Mini Onken / Focal / JBL

· Cube Audio Nenuphar Mini

· Klang + Ton Ella

Gegenspieler

Endverstärker:

· Silvercore Colector’s Edition

Gespieltes

Johnny Cash

American Recordings IV

Nina Simone

Live At The Village Gate

Anouar Brahem

Barzakh

A Love Supreme

John Coltrane

Die Monos verfügen nur über einen einzigen Lautsprecheranschluss für alle Impedanzen, die anstehende Leistung ist bei allen Lasten innerhalb gewisser Grenzen identisch. Zu bedienen gibt es ansonsten nicht viel außer dem vertrauenerweckend klackenden Netzschalter. Mit Ruhestromeinstellung oder ähnlichem Ungemach hat man als Besitzer dieser Prachtbauten nichts zu tun, die Endröhre ist diesbezüglich fest eingestellt. Der Verstärker zeigt messtechnisch das von einem solchen Konzept zu erwartende Verzerrungsverhalten: Der Klirr steigt ungeniert mit der Aussteuerung an. Überschreitet man die 40-Watt-Marke, wird’s diesbezüglich auch gerne mal zweistellig. Das ist ein Umstand, der für Class- A-Verstärker im Gitterstrombetrieb typisch ist und mich mittlerweile überhaupt nicht mehr schreckt, im Gegenteil: Dieses Verhalten mag für den ausgezeichneten Klang solcher Konzepte durchaus mitverantwortlich sein.

Gemessenes

Messtechnik-Kommentar Die Klirrmessung über der Ausgangsleitung an acht Ohm zeigt genau das Verhalten, was man bei einem solchen Verstärker erwartet: linear mit der Aussteuerung ansteigenden Klirr. Würde man die üblichen 0,7 Prozent als Obergrenze definieren, kämen aus dem Gerät gerade einmal fünf Watt heraus, löst man sich von solchen Vorstellungen sind’s aber mehr als 40. Ansonsten sind die Thivans ohne Fehlt und Tadel: Die liefern satte 78 Dezibel(A) Rauschabstand bei fünf Watt an acht Ohm, iene Kanaltrennung ist bauartbedingt nicht zu messen. Der Stromverbrauch beträgt konstant hohe 231 VA pro Kanal – das ist der Preis konsequenten Class-A-Betriebs.

Die Thivan-Monos sind trotz übertragergekoppelter Eingänge die einzigen Verstärker, die ich an meiner NEM-Vorstufe bis dato nicht zu völlig brummfreiem Betrieb überreden konnte. An MalValves preamp three line allerdings gab‘s keine diesbezüglichen Probleme, an der auf ihren Einsatz wartenden Gradinote Genesi ebenfalls nicht. Was die Auswahl des am besten passenden Lautsprechers angeht, erlebte ich ebenfalls eine kleine Überraschung: Die Kombination mit den an anderer Stelle in diesem Heft gewürdigten Cube-Audio Breitbandlautsprechern Nenuphar Mini war ein selten erlebter Volltreffer. Der volle, farbige Charakter der Monos passte wie die Faust aufs Auge zur leicht ansteigenden Tonalität der Cubes, unterm Strich kam dabei ein echtes Feuerwerk heraus. Im Bass schoben die Breitbänder, wie ich’s mit keiner anderen Kombination hinbekommen habe, der Stimmbereich triefte nur so vor Inbrunst und Ausdruck. Das war so gut, dass ich nach langer Zeit sogar mal wieder die komplette American Recordings IV von Johnny Cash geschafft habe, was ich dank Überdosierung eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hatte. Anouar Brahems Oud klang einmalig intensiv und doch intim, Nina Simone sang, als würde Sie‘s nur für mich tun. Große Musikwiedergabe, an die ich noch lange denken werde, ermöglicht von diesen wirklich fantastischen Verstärkern.

Holger Barske