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„SINGLES SIND DIE BESSEREN MENSCHEN“


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 24/2019 vom 06.06.2019

Allein und trotzdem glücklich? Das passt für viele immer noch nicht zusammen. Autorin Gunda Windmüller kämpft gegen das Klischee der heulenden Bridget Jones. Und fordert: Schluss mit dem Single-Shaming! Keine Frau braucht einen Mann, um happy zu sein


Artikelbild für den Artikel "„SINGLES SIND DIE BESSEREN MENSCHEN“" aus der Ausgabe 24/2019 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 24/2019

JEDER, DER MAL LÄNGER ALS ZWEI WOCHEN NICHT IN EINER FESTEN BEZIEHUNG WAR, kennt eines der folgenden Szenarios: Die Tante fragt beim Familienfest überschwänglich, wie eine sobildschöne Frau denn noch Single sein kann. Eine Kollegin erkundigt sich ganz unschuldig beim Anblick der mitgebrachten Lunch-Tupperware, ob es sich überhaupt lohnt, für eine ...

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JEDER, DER MAL LÄNGER ALS ZWEI WOCHEN NICHT IN EINER FESTEN BEZIEHUNG WAR, kennt eines der folgenden Szenarios: Die Tante fragt beim Familienfest überschwänglich, wie eine sobildschöne Frau denn noch Single sein kann. Eine Kollegin erkundigt sich ganz unschuldig beim Anblick der mitgebrachten Lunch-Tupperware, ob es sich überhaupt lohnt, für eine Person zu kochen. Oder aber: Das Einzelzimmer im Hotel hat fast genau denselben Preis wie das Doppelzimmer, und der Haken bei „ledig“ auf der Steuererklärung kostet jedes Jahr ein paar Hundert Euro.

Neudeutsch heißt dieses Phänomen „Single-Shaming“, und Gunda Windmüller (38) hat genau darüber das Buch „Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht“ (Rowohlt) geschrieben: über kleine und große Alltags-Diskriminierungen, verpackt in nett gemeinten Hinweisen oder Ratschlägen. „Eigentlich meinen sie aber alle, dass irgendetwas mit der Frau nicht stimmt und sie auf keinen Fall wirklich glücklich sein kann – denn sonst wäre sie ja in einer festen Partnerschaft“, so Windmüller. „Frauen können heute jeden Beruf ergreifen, tolle Freunde haben und das alles, aber ihnen wird immer noch unterstellt, dass es erst die Liebe und Fürsorge für einen romantischen Partner ist, die uns vollständig macht.“ Wer erwischt sich nicht dabei, dass er bei einer Charlize Theron oder einer Halle Berry denkt „Der würde ich aber auch langsam mal einen tollen Typ gönnen!“

Die Autorin, die selber seit vier Jahren ohne festen Partner lebt, plädiert dafür, dem verstaubten Single-Image einen neuen Anstrich zu verpassen. Quasi den ulkigen, aber doch immer tragischen Bridget-Jones- Typus hinter uns zu lassen. Denn: In Deutschland wird fast jede zweite Ehe geschieden, „da muss man sich doch fragen, warum im Jahr 2019 die lebenslange Partnerschaft in Form der Ehe als das Nonplusultra gilt und auch noch von der Politik bezuschusst wird.“

Autorin Gunda Windmüller hat eine Streitschrift gegen das Klischee vom traurigen Single geschrieben: „Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht“ (Rowohlt)


Windmüller findet, dass viel zu oft ein Partner nur dafür da ist, um den eigenen Selbstwert zu steigern. Getreu dem Motto: Hauptsache, ich bin in einer Beziehung, dann bin ich schon eine viel tollere Person. Sind Singles also die besseren Menschen? „Ich denke, da ist etwas dran“, meint Windmüller. „Natürlich darf man sich Liebe und eine Beziehung wünschen, aber Menschen, die eine längere Zeit mal mit sich alleine waren, kennen sich selber besser und sind dann bei der Partnerwahl auch bedachter.“

Ohnehin ist es so, dass laut Statistischem Bundesamt rund 41 Prozent der Deutschen in Single-Haushalten leben. In Großstädten ist der Anteil noch höher, etwa in Hamburg, wo 54 Prozent aller Haushalte von Singles bewohnt sind. Tendenz: steigend – und zwar seit Jahrzehnten. Warum sind alleinstehende Frauen – denn der Single-Mann genießt immer noch den Bachelor-Ruf – dann so vielen Menschen ein Dorn im Auge? Vielleicht liegt es ja an der Sonntagabend- Depression, die einem das Alleinsein einmal die Woche trüber färbt und in deren Folge sich drei von zehn Deutschen bei einer Dating-App anmelden. Oder aber daran, dass sich bei Frauen ab einem gewissen Alter der Babydruck bemerkbar macht, zu dem im Idealfall eben ein Partner gehört. Windmüller empfiehlt, sich davon nicht verrückt machen zu lassen und Alternativen zu erforschen: „Manchmal reicht es schon, sich über Möglichkeiten wie Samenspende oder Eizellen einfrieren lassen schlau zu machen, um herauszufinden, ob Familie wirklich etwas ist, das man möchte, oder ob man da den gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen will.“ Und wie begegnet man den Single-Shamern nun am lässigsten? „Niemand stellt Singles aus Boshaftigkeit bloß. Wenn man mit einem witzigen Spruch kontert, etwa ‚Muss wohl an meinem Charakter liegen, dass so eine schöne Frau, wie ich alleine ist‘, fühlt sich das Gegenüber ertappt und erkennt schnell, dass hier ein wenig mehr Sensibilität gefordert ist.“


FOTOS: ASTRID KASIMIR, PICTURE PRESS, PR