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Singt dem Herrn ein neues Lied: Das Jahr steht auf der Höhe


MAGNIFICAT - Das Stundenbuch - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 01.07.2018

Von Zeit und Ewigkeit

Den Text des Liedes finden Sie auf Seite 37 f.

Das Gedicht des 1934 geborenen deutschen evangelischen Theologen und geistlichen Schriftstellers Detlev Block stammt aus dem Jahr 1978 und hat mit einer Melodie aus dem späten 16. Jahrhundert (1575) zusammengefunden, die den Dichter, so sagt er selbst, von Anbeginn inspirierte. Diese stammt von Johann Steurlein, 1547 in Schmalkalden geboren, Komponist und Dichter, am Ende Stadtschultheiß in Meiningen, wo er 1613 starb. Steurleins Melodie ist vom weltlichen Chorsatz „Mit Lieb bin ich umfangen“ und vom geistlichen Lied „Wie lieblich ist ...

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... der Maien“ (EG 50) bekannt. Unser Lied ist in vier Strophen mit je acht Versen gegliedert, deren Endreim dem ABAB-Schema folgt. Die vierte Strophe hat der Autor 2012 leicht modifiziert; in dieser Fassung findet sich das Lied im Gotteslob unter den Gesängen zur „Schöpfung“ eingeordnet (GL 465).

Auf der Höhe

Auf der Höhe sein, klingt gut. Wieder auf der Höhe sein, etwa nach einer Krankheit. Von einer Bergeshöhe aus ins Land schauen. Den Überblick haben. Auf der Höhe der Zeit sein. Wer will das nicht? Aber wie finden wir heraus, ob wir auf der Höhe der Zeit sind? Hilft da eine Präzisionsuhr, ein „Chronometer“? Chronometer heißt ja wörtlich: Zeitmesser. Bekanntlich gibt es neben dem altgriechischen Zeit-Wort „Chronos“ noch ein zweites, „Kairos“. Chronos bezeichnet die messbare, gleichmäßig teilbare, beziehungslose Zeit; Kairos hingegen den günstigen Augenblick, den es zu ergreifen gilt, der sich aber nicht ausrechnen lässt. Chronos ist die abstrakte, die quantifizierbare, aber qualitätslose Zeit. Chronos ist die Zeit ohne Eigenschaften.

Hoch-Zeit

Unser Lied ist ein Sommerlied, ein Mittsommerlied. Es ist das Jahr, das auf der Höhe ist. Sommeranfang, Hoch-Zeit der Natur, die ganze Schöpfung jubiliert. Mittsommer, Höhepunkt des Jahres, doch das bedeutet auch, dass die Tage ab jetzt kürzer werden. Sommeranfang ist auch der Anfang vom Ende. Auch der Johannistag und das Wort: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3, 30) sind im Blick. Zudem der 102. Psalm, der ähnlich wie Psalm 90 um die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens kreist und von verzweifelter Klage zu großem Vertrauen in die rettende Zuwendung des „für immer und ewig“ (V. 13) thronenden, sich seines Geschöpfes erbarmenden Weltenkönigs findet. „Raff mich nicht weg in der Mitte des Lebens, / mein Gott, dessen Jahre Geschlecht um Geschlecht überdauern.“ (V. 25)

Die Zeit nehmen

Die erste Strophe gilt dem Scheitelpunkt des Jahres und führt zum Bild der ruhenden Waage. Man denkt an das Sternbild „Waage“, das die Waage symbolisiert, mit der der Schöpfer, der Zeit selbst nicht unterworfen, jeglicher Kreatur ihre Zeit zumisst, wiederum in Nähe zum 102. Psalm, der betont, dass Gott Erde und Himmel „vorzeiten“ gründete und aller Welt die Zeit gibt und nimmt – im zweifachen Sinne. (V. 26–28)

Die große Waage ruht

„Die große Waage ruht.“ Ruht sie? Der Höhepunkt des Jahres erscheint wie eine Zwischen-Zeit zwischen Systole und Diastole, Einatmen und Ausatmen Gottes (vgl. Ps 104, 29–30). Diesen Kairos gilt es zu ergreifen und an ihm mutig zu wachsen. Nicht im Sinne der letzten Gelegenheit, die ängstlich-gierig genutzt werden muss. Diese Sekunde ist nicht einfach eine Schrecksekunde. Weder ist Schreckstarre die Antwort noch Wachstumum- jeden-Preis und egal-wohin. Die Kairos-Sekunde ist Gottes Kunde, der zu ergreifende, günstige Augenblick sein Weisungswort. Dann ist wahrhaft Wachstumszeit. Die erhofft und erbeten werden will. Gabe des Innehaltens, im Moment, da „die große Waage ruht“. Ruhe und Bewegung sind keine unversöhnlichen Gegensätze – in Gott. Im Gegenteil: „Herr, zwischen Blühn und Reifen / und Ende und Beginn. Lass uns dein Wort ergreifen / und wachsen auf dich hin.“

Alles hat seine Stunde

Die zweite Strophe steht im Gespräch mit dem berühmten Kohelet- Wort: „Alles hat seine Stunde“ (Koh 3, 1). „Das Dunkle und das Helle, / der Schmerz, das Glücklichsein / nimmt alles seine Stelle / in deiner Führung ein“, antwortet das Lied. Alles hat seine Zeit, gute Zeiten, schlechte Zeiten; sind das nicht einander widersprechende Erfahrungen? Wo bleibt da das große Ganze, der Masterplan, der eine Sinn? Und doch wagt das Lied, von „deiner Führung“ zu sprechen. Alles hat seine Stelle: in deiner Liebe. Gott hat, so Kohelet, dem Menschen Ewigkeit ins Herz gegeben (Koh 3, 11) – ohne dass der Mensch dies vollständig erfassen könnte.

Abschied nehmen

Das ist schwer. Halbzeit. Ich bin, statistisch gesehen, weit darüber. Und was habe ich denn außer dieser Lebenszeit? Als Kind quälte mich ein, zwei Jahre lang die vielleicht gar nicht pathologische, sondern realistische Angst: Diese Welt wird vergehen. Alles wird einmal fort sein, Mama und Papa, die Familie, unser Wohnort, Sonne, Mond und Sterne, die ganze Welt. Das Lied rät, sich darüber nicht zu „grämen, / nur wach sein und bereit“. Loslassen. Auch das, was wir für unser Ein und Alles halten. Gelassenheit. Gott allein. Ist das Ziel. Und das bedeutet nicht, Weltwirklichkeit zu missachten, die Schönheit der Schöpfung, und meine Schöpfungsverantwortung. Als Geschöpf. Nur Mut. Der Weg ist das Ziel. Und dies darum, weil „du, Herr, das Ziel selber bist“.

Morgenschimmer

Ist dieses irdische Leben nicht eine Katastrophe? Die Schlussstrophe atmet Vertrauen. Diese Bewegung kennen wir von den Psalmen. Gottes Bleiben steht nicht einfach im Gegensatz zu unserem Gehen(-Müssen), sondern heilt es. „Gib, eh die Sonne schwindet, / der äußre Mensch vergeht, / dass jeder zu dir findet / und durch dich aufersteht.“ Zeit und Ewigkeit! Steinharte, beinharte Gegensätze, für uns. Anders bei Gott. Jesus, Gottes Christus, „vollkommen in der Gottheit, vollkommen in der Menschheit“, ist die geschenkte Gottes-Gewähr dafür, dass auf Erden nicht einfach alles eitel ist, dass, mit Gottes Hilfe, „jeder zu dir findet / und durch dich aufersteht“.